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Esperstedter Ried

Esperstedter Ried Seenlandschaft
Das Esperstedter Ried gleicht im Winter häufiger einer Seenlandschaft

Salzstellen im Esperstedter und Ringleber Ried/ Salziger Reichtum im Naturpark Kyffhäuser

Das Esperstedter Ried erstreckt sich unweit von Bad Frankenhausen zwischen den Ortschaften Oldisleben, Esperstedt und Seehausen.
Es ist eine ca. 500 ha große abflusslose Feuchtsenke, die durch Auslaugung der in ca. 300 m Tiefe liegenden Salzschichten entstanden ist. Dieser Prozess setzt sich langsam aber stetig fort. Zeuge dafür ist das aufsteigende Salzwasser, welches in Trockenzeiten offene Bodenstellen mit einer weißen Kruste überzieht.
Sowohl von der Flächengröße als auch von der Anzahl der Salzpflanzenarten handelt es sich um die bedeutendste Binnensalzstelle Thüringens, wenn nicht sogar Deutschlands.
Aus historischen Dokumenten ist nachzuvollziehen, dass hier ursprünglich mindestens 42 Salzpflanzenarten vorkamen. Davon können heute - trotz intensiver Grünlandnutzung in den 1970er und 1980er Jahren - immerhin noch 35 Arten nachgewiesen werden.
Als Besonderheiten sind hier die Kleinblütige Schwarzwurzel (Scorzonera parviflora), die deutschlandweit nur noch auf zwei weiteren Fundorten in Sachsen-Anhalt anzutreffen ist, sowie der Dickblättrige Gänsefuß (Chenopodium botryodes) mit seinem einzigen Standort in Thüringen zu nennen.

Queller Feuerrot
Queller in seiner Herbstfärbung

Neben dem Salzschwaden-Rasen (Puccinellietum distantis) kann man den Salzbinsenrasen (Juncetum gerardii) mit der namengebenden Salz-Binse (Juncus gerardii), Strand-Milchkraut (Glaux maritima), Strand-Dreizack (Triglochin maritimum) sowie Strand-Aster (Aster tripolium) relativ großflächig antreffen. Trotzdem ist es nicht einfach, diese Bereiche im Ried zu finden. Man muss schon genau hinsehen und sich etwas Zeit nehmen. Dies gilt auch für den Queller (Salicornia europaea). Nur im Herbst, wenn er sich wunderschön rot färbt, ist er leichter zu entdecken. Er kommt aber an nur sehr wenigen Stellen vor.

Das Esperstedter Ried ist dem Einheimischen auch als „Rohrwiesen“ bekannt. Jahrhunderte kam hier hauptsächlich Schilf vor. Nach alten Aufzeichnungen war es für den Menschen ein nur schwer zu betretendes, von Schilfröhricht dominiertes Feuchtgebiet.
Aus dem Tagebuch des Erbprinzen Friedrich Karl ist Folgendes zu entnehmen.

"Den 12. Mai (1775) ging ich auf die Seehäuser Große Riede, allwo ich einen ungeheure Menge wilder Enten, die daselbst brüten, antraf. Man kann vor tiefen Schlamm nicht weit hineingehen, und der Hund kommt durch das dicke Rohr nicht hindurch. So ist schwer ankommen…. Die ansehnlichen Riede haben in den nassen Jahren einem offenbaren See gleich gesehen…“

Das Schilf wurde im Winter geschnitten und als Brennmaterial verwendet, auch für die nahe gelegene, energiehungrige Frankenhäuser Saline.
Erst mit der Begradigung der Unstrut Ende des 19. Jahrhunderts und der Anlage eines ausgeklügelten Entwässerungssystems mit Gräben und Pumpen konnten die Flächen erstmals regelmäßig als Grünland genutzt werden. Hierbei war eine Heumahd der noch recht feuchten Wiesen üblich. Ein Beweiden mit Rindern oder Schafen war damals nicht üblich.
Interessant ist, dass erst einhergehend mit der Melioration und Nutzung der Flächen auch die ersten botanischen Aufzeichnungen über Salzpflanzen zu finden sind. Zeitgleich mit der Zurückdrängung des Schilfes konnten sich diese offenbar ansiedeln bzw. flächig ausbreiten.

Schwarzwurzel
Kleinblütige Schwarzwurzel - eine Seltenheit in Deutschland

Man kann davon ausgehen, dass im Verhältnis zur damaligen „Blütezeit“ der Salzpflanzen die Binnensalzstellen heute kleinflächiger verbreitet sind. Der Hauptgrund liegt in der starken Intensivierung der Grünlandnutzung in den 1970er und 1980er Jahren. Dies geht aus einer Aufzeichnung des bekannten mitteldeutschen Botanikers STEPHAN RAUSCHERT (1931-1986) eindrücklich hervor: „Auf den beiden großen Wiesenflächen …, auf denen ich 1973 die größten Bestände - etwa 100.000 Exemplare - von Scorzonera parviflora (Kleinblütige Schwarzwurzel) beobachtete, fand ich 1980 nur noch eine äußerst artenarme, aus 2-3 Grasarten bestehende, industriemäßig bewirtschaftete, mit Gülle überdüngte Futterfläche vor, auf der nicht ein einziges Exemplar von Scorzonera parviflora oder einer anderen Salzpflanze zu finden war.“

Nach neuesten Studien hat sich die Binnensalzflora in den letzten Jahren stabilisiert.
Dafür ist vor allem die Extensivierung der Flächennutzung seit den 1990er Jahren, die durch die Teilnahme am KULAP gefördert wird, verantwortlich.

Zukünftig ist im Esperstedter Ried die Fortsetzung der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung für den Erhalt und die Entwicklung der Binnensalzstellen, dieses europaweit so seltenen und einzigartigen Lebensraumes, unabdingbar.
Grundvoraussetzung dafür ist die auf die Erhaltung der Binnensalzstellen ausgerichtete Steuerung des ausgeklügelten Graben- und Pumpsystems.

Eine Hauptmaßnahme des EU-Life-Projektes im Esperstedter Ried ist deshalb die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Entwässerungssystems.