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Der Wolf (Canis lupus) ist durch internationale Übereinkommen und durch nationale Gesetzgebungen geschützt. Durch seine Listung in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), in der EG Verordnung 318/2008 und in Anhang II der Berner Konvention genießen der Wolf und sein Lebensraum umfassenden Schutz. Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt den Wolf zu einer streng geschützten Art.
Wölfe leben hauptsächlich im Rudel. Dieses besteht aus den Elterntieren sowie deren Welpen aus diesem und dem vorhergehenden Jahr. Ein Rudel umfasst etwa 5 bis 10 Tiere. Jungtiere verlassen im zweiten Lebensjahr das Territorium der Eltern und versuchen selbst ein Rudel zu gründen. Dabei können Strecken von mehr als 1.000 km innerhalb weniger Wochen zurückgelegt werden.
Das Territorium des Rudels (Streifgebiet) wird gegenüber anderen Wölfen verteidigt, um eine „Übernutzung“ also das Zusammenbrechen der vorhandenen Beutetierpopulation zu verhindern. In Mitteleuropa ist dieses je nach Nahrungsangebot etwa 250 bis 300 km² groß. Die Nahrung besteht überwiegend aus wild lebenden Paarhufern (Reh, Mufflon, Rothirsch, Damhirsch und Wildschwein), aber auch aus Feldhasen, Wildkaninchen, Vögeln und Mäusen. Im Herbst werden auch gern Früchte aufgenommen. Wenn Wölfe sich ansiedeln, ist das eine Bereicherung der Tierwelt.
Der Wolf kam ursprünglich in Europa flächendeckend vor. Durch die im ausgehenden Mittelalter begonnene systematische Verfolgung des Wolfes war 1850 die Wolfspopulation in Deutschland fast ausgerottet. Der letzte Wolf in Thüringen wurde 1884 bei Greiz und in Deutschland 1904 bei Hoyerswerda geschossen.
Seit dem Jahr 2000 reproduzieren sich im Nordosten Sachsens wieder Wölfe. Gegenwärtig leben in Sachsen fünf Rudel und ein Paar, in Brandenburg ein Rudel, vier Paare und ein Einzeltier, in Sachsen-Anhalt ein Rudel und ein Einzeltier, in Mecklenburg-Vorpommern zwei Einzeltiere sowie in Hessen und Bayern jeweils ein Einzeltier. In der Roten Liste Thüringens von 2001 ist der Wolf ls ausgestorben geführt. Da Thüringen im Aktionsradius der bestehenden Vorkommen liegt, kann jederzeit mit Wölfen in Thüringen gerechnet werden.
Aktuelle Untersuchungen aus Sachsen zeigen, dass die Jagdnutzung (Wildbretaufkommen von Reh-, Schwarz- und Rotwild) der Landkreise innerhalb von Wolfsgebieten ähnlichen Schwankungen unterliegt wie in Landkreisen ohne Wolfsvorkommen. Lediglich in Muffelwildeinstandsgebieten sind Bestandsrückgänge zu erwarten.
Am häufigsten wurden Reh- und Schwarzwild vom Wolf erbeutet. Es ist davon auszugehen, dass sich das Raum-, Zeit- und Sozialverhalten des Wildes in Wolfsgebieten ändert und somit auch andere Jagdstrategien erforderlich sind. Ausgehend von einem täglichen Nahrungsbedarf eines erwachsenen Wolfes von 4 kg, nutzt ein Rudel etwa 1,5 Stück Schalenwild pro 100 ha und Jahr. Im Vergleich
dazu lag die Jagdstrecke in der Muskauer Heide bei 6 Stück Schalenwild pro 100 ha und Jahr. Durch die Entnahme kranker und schwacher Tiere kann der Wolf zur Gesundung der Wildbestände beitragen.
Wölfe sind in der Regel scheue Tiere und gehen dem Menschen aus dem Weg. Bei einem derzeit angenommenen Wolfsbestand von etwa 20.000 Tieren in Europa sind lediglich vier Todesfälle innerhalb der letzten 50 Jahre nachgewiesen.
Erfahrungen aus Sachsen zeigen, dass hauptsächlich Schafe und in sehr geringem Umfang auch Ziegen und Gatterwild von Wölfen gerissen wurden. Der Einsatz beispielsweise von Euronetzzäunen und
Flatterband sowie der Einsatz von speziellen Herdenschutzhunden sowie eine komplette Einnetzung der jeweiligen Weidefläche haben sich als geeignete Schutzmaßnahmen erwiesen.
Schäden an Nutztieren sollen in Thüringen angemessen entschädigt werden.
Jürgen Boddenberg
Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei
Tel. dienstlich: 03621 / 225231
Tel. privat: 036256 / 22426
Uwe Müller
Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie
Tel. dienstlich: 03641 / 684461
Tel. privat: 036450 / 42002
Jürgen Hoffmann
Landesverband Thüringer Schafzüchter
Tel. dienstlich: 036254 / 70849
Tel. privat: 0172 / 7990267