Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Inhalt

Lehrstrategie

 1. Ziele

 2. Maßnahmen der Hochschulen
 Entwicklung neuer Inhalte
 Qualitätsentwicklung
 Verbesserung der Rahmenbedingungen



 

1. Ziele
 


Die Thüringer Hochschulen bieten eine breite Palette von Studiengängen, Lehre in hoher Qualität und sehr gute Studienbedingungen. In der Umstellung auf die gestufte Studienstruktur im Rahmen des Bologna-Prozesses haben sie zum Teil eine Vorreiterrolle gespielt. Dieses hohe Niveau der Hochschulausbildung soll gesichert und ausgebaut werden, um eine breite Bildung zu garantieren, die Wissenschaft zu stärken, Innovationen anzuregen und im nationalen und internationalen Wettbewerb um qualifiziertes Personal bestehen zu können. Die Entwicklung besonderer Lehrprofile an den Hochschulen und die Sicherung der Qualität von Studium und Lehre stehen deshalb im Zentrum der Lehrstrategie. Diese identifiziert daher Wege zur wirksamen Steigerung der Qualität der Lehre. Dazu gehören Maßnahmen zur Qualitätssicherung einzelner Lehrangebote, zur Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems, zur Unterstützung des Bologna-Prozesses, zur Förderung innovativer Ansätze mediengestützter Lehre, zur Verbesserung der Lehrkompetenz, zur Studienberatung und -betreuung sowie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen des Studiums.

Die Lehrstrategie ist auch eine Initiative zur Erhöhung der Attraktivität des Hochschulstandortes Thüringen für Bewerber aus anderen Ländern. Damit leistet sie einen Beitrag im Rahmen der Verpflichtungen, die der Freistaat mit dem Hochschulpakt 2020 eingegangen ist. Sie soll durch die von der Kultusministerkonferenz vorbereitete Qualitätsoffensive „Exzellente Lehre“ ergänzt werden.

Die Lehrstrategie richtet sich sowohl auf die Spitzen- als auch auf die Breitenförderung und betont darüber hinaus die Bedeutung besondere Zielgruppen. Wesentliche Ziele sind:

Besondere Angebote entwickeln

Exzellente Lehre wird in den Inhalten und Formen besonderer Studiengänge sichtbar. Damit sollen begabte und leistungsfähige Studierende zu einem Studium in Thüringen motiviert werden. Diese Studierenden können anschließend für die Forschung oder andere attraktive Arbeitsmöglichkeiten in Thüringen gewonnen werden. Spezielle forschungsorientierte Lehrangebote erhöhen auch die Attraktivität der jeweiligen Hochschule für das akademische Personal.

Stärker auf die Praxis orientieren

Hochschulpolitisches Ziel ist, den Bezug zur Arbeitswelt und die Entwicklung von Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig im Lernprozess zu verankern. Die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Kenntnisse und fundierten Wissens über die Grundlagen der Unternehmensführung muss noch stärker Eingang in die Lehrpläne geeigneter Studiengänge finden. Dabei sollen auch die Kooperationen von Hochschulen mit Unternehmen und Verbänden der Wirtschaft ausgebaut werden.

Studienzeiten verkürzen

Die realen Studienzeiten sind in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor zu lang. Zwar kann Thüringen im innerdeutschen Vergleich relativ kurze Studienzeiten vorweisen, dennoch muss mit der Lebenszeit junger Menschen noch effektiver umgegangen werden. Dazu sind auch Strukturen zu schaffen, die eine Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie erleichtern.

Studierendenzahlen stabil halten

Die Zahl der Studierenden in Thüringen liegt seit 2003 relativ konstant auf einem Niveau von 50.000 (einschließlich Berufsakademien). Um diesen Wert trotz der demographischen Entwicklung auch in Zukunft zu erreichen, ist es erforderlich, sowohl vermehrt Studierende aus anderen Ländern zu gewinnen als auch die Studierquote der „Landeskinder“ zu steigern. Die Hochschulen müssen sich außerdem noch stärker für Studienbewerber öffnen, die die Hochschulreife auf anderem Wege als dem Abitur erreicht haben. Verbesserungen in der Lehre müssen aber vor allem auch dazu beitragen, eine Reduktion der Abbrecherquoten (im bundesweiten Durchschnitt fast 30%) zu erreichen.

Natur- und Ingenieurwissenschaften stärken

Thüringen hat eine lange Tradition und ein großes Potential in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Bundesweit ist aber die Quote der Studierenden in Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften auch aus Arbeitsmarktsicht zu niedrig. Dem gravierenden Mangel an Nachwuchs in diesen Fächern kann nur begegnet werden, wenn es durch attraktive Lehre in diesen Fächern gelingt, mehr Schülerinnen für ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium zu gewinnen.

Ausländische Studierende gewinnen

Die Thüringer Hochschulen müssen für ausländische Studierende attraktiver werden, auch um den Rückgang an einheimischen Studienbewerbern zu kompensieren. Die Quote ausländischer Studierender liegt thüringenweit mit 6,4 % noch unter dem Bundesdurchschnitt von 9,5%. Ein für ausländische Studierende attraktives studentisches Umfeld und eine attraktive Lehre können dazu beitragen, diesen Anteil zu erhöhen und damit auch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen.

Berufstätige weiterbilden

Die Förderung des lebenslangen Lernens gehört zu den wichtigsten bildungspolitischen Zielen der Gegenwart. Neben Weiterbildungsangeboten kommen auch Kurzzeitstudienangebote und Zweithörer-Modelle in Frage, um Berufstätigen den Zugang zu Hochschulen zu erleichtern. Exzellente Weiterbildungsangebote sind in der Lage, sich über Gebühren oder Entgelte selbst zu tragen.

Studierende mit Kindern unterstützen

Studierende mit Kindern bedürfen der besonderen Förderung. Daher werden geeignete Rahmenbedingungen geschaffen und eine bedarfsgerechte Betreuung gemeinsam mit dem Studentenwerk Thüringen aufgebaut. Auf diese Weise sollen Studienabbrüche vermieden, die Studienergebnisse von Studierenden mit Kindern verbessert und die Studierquote erhöht werden.



 

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2. Maßnahmen der Hochschulen
 



Die Hochschulen entwickeln eigene Lehrstrategien, in denen die Profilbildung, konkrete Ziele und Schwerpunkte sowie die Maßnahmen zur Realisierung definiert werden. Die Umsetzung der Lehrstrategie wird im Landesprogramm „ProExzellenz“ unterstützt.




 

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I. Entwicklung neuer Inhalte


Reform und Abstimmung der Lehrpläne

Ein Ziel der Lehrstrategie ist die Entwicklung attraktiver, ausgewogener und hochschulübergreifend aufeinander abgestimmter Curricula. Insbesondere in Fächern, die mehrere Hochschulen anbieten, sollen – auch länderübergreifend – Abstimmungsprozesse durchgeführt und gefördert werden. Das Angebot gleicher oder ähnlicher Studienfächer an verschiedenen Hochschulen soll durch Vernetzung, etwa durch die Entwicklung gemeinsamer Studienangebote und den gemeinsamen Einsatz von Lehrpersonal, und Profilierung besser aufeinander abgestimmt werden.

Wettbewerbsfähige Master-Angebote

Erste Erfahrungen an deutschen Hochschulen zeigen, dass – stärker als erwartet – Bachelor-Absolventen zum Erwerb des Master-Grades an andere Hochschulen wechseln oder sofort in die Berufspraxis gehen. Die Thüringer Hochschulen müssen daher verstärkt Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland für qualitativ hochwertige Master-Angebote gewinnen.

Modellstudiengänge

Es sollen Modell-Studiengänge eingerichtet werden, die sich an besondere Zielgruppen richten oder konzeptionell neue, insbesondere didaktische Wege gehen. Dabei können exemplarisch elektronische Systeme zur Lehr- und Lernunterstützung in Präsenz- und Fernstudiengänge integriert werden. Denkbar sind auch „fast track“-Studiengänge für besonders begabte Studierende und duale Angebote in Verbindung mit einer Berufsausbildung. Modellstudiengängen sollen insbesondere in Schwerpunktbereichen der Forschungsstrategie eingerichtet werden.

Stärkere Orientierung von Schülern auf naturwissenschaftlich-technische Fächer

Zur Förderung – insbesondere von Schülerinnen und Studentinnen – in naturwissenschaftlich-technischen Fächern existieren bereits Initiativen wie die „Thüringer Koordinierungsstelle für Naturwissenschaft und Technik für Schülerinnen, Studentinnen und Absolventinnen“ in Ilmenau, aber auch naturwissenschaftliche und mathematische Wettbewerbe, wie „Jugend forscht“ und zahlreiche Olympiaden. Die Hochschulen müssen sich in diesen Strukturen stärker engagieren, um Nachwuchs in naturwissenschaftlichen Fächern zu gewinnen.

Internationalität

Um die zu geringe Zahl ausländischer Studierender zu erhöhen und die internationale Orientierung der Studiengänge auch für deutsche Studierende zu verbessern, sollen Curricula überarbeitet, das Angebot fremdsprachlicher Lehrveranstaltungen ausgebaut und die Vernetzung mit Partnerhochschulen im Ausland gestärkt werden. Die EU und der DAAD stellen dazu Programme bereit, die von den Hochschulen noch besser genutzt werden müssen.

Gender in der Lehre

Die Lehre soll in allen Fachdisziplinen verstärkt Gender-Aspekte berücksichtigen, um mehr Frauen für ein Studium von Fächern zu gewinnen, in denen sie noch unterrepräsentiert sind, aber auch um generelle Chancengleichheit in der Lehre zu erreichen. Dazu sind die Erkenntnisse der Genderforschung in den akademischen Lehrbetrieb einzubinden. Es sollen entsprechende Weiterbildungsangebote für Lehrende (insbesondere zu methodisch-didaktischen Handlungsempfehlungen) entwickelt werden. Daneben sollten Gendermodule für Studierende angeboten werden (z. B. im Rahmen der Vermittlung von sozialen Kompetenzen). Solche Module erscheinen insbesondere für die Studierenden in der Lehramtsausbildung sinnvoll, weil sie in der Zukunft als Lehrer einen maßgeblichen Einfluss auf die Ausprägung von Interessenlagen, normativen Rollenbildern und sozialem Selbstverständnis von Kindern und Jugendlichen ausüben. Hochschulen, die sich mit ihrem Gleichstellungskonzept erfolgreich am Professorinnenprogramm des Bundes beteiligen, werden bei der Berufung von Frauen finanziell unterstützt.




 

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II. Qualitätsentwicklung


Internes Qualitätsmanagement

Die Hochschulen bauen interne Systeme auf, die nicht nur ein Mindestmaß an Qualität sichern, sondern die profilorientierte Qualitätsentwicklung fördern und begleiten. Diese Prozesse sollen landesweit vernetzt werden, um Insellösungen zu vermeiden.
Die Entwicklung von Qualitätsmanagement-Systemen ist zudem eine der Voraussetzungen für die Systemakkreditierung.

Die Umstellung auf die gestuften Studiengänge führt zu Änderungen des Studienwahlverhaltens, insbesondere unter dem Aspekt der erforderlichen Studienzeit, der Übergangsquoten von Bachelor- zu Masterstudiengängen, der Promotionsquoten und der Hochschulwechsel nach dem Abschluss einer Qualifikationsstufe. Eine stärkere Begleitung des Reformprozesses mit geeigneten Instrumenten (Panel-Befragungen, Kennzahlenerfassung) ist notwendig, um Fehlentwicklungen rechtzeitig korrigieren zu können.

Weiterentwicklung der Evaluation

Evaluationen stützen sich oft nur auf interne Befragungen. Neben die Akkreditierungen von Studiengängen sollen in Zukunft stärker externe Evaluationen (nach § 8 ThürHG) treten. Ebenso werden Studieneingangs- und Ausgangsbefragungen in die Evaluationen integriert.
Studien zur Ermittlung des Studienerfolges wurden bisher nur sporadisch durchgeführt. Ihre Integration in Qualitätsmanagement-Systeme ist erforderlich, um die Berufsfeldorientierung des Studienangebotes und die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden zu bewerten.

Aufbau und Stärkung der Hochschuldidaktik

Vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs soll bessere Angebote zum Erwerb didaktischer Kompetenzen erhalten und individueller in Fragen der Lehre betreut werden. Ein Großteil der Thüringer Hochschulen hat sich bereits in der Hochschuldidaktischen Initiative Thüringen (HIT) zusammengeschlossen, deren Aufbau aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert wurde. Diese Initiative soll ausgebaut und stärker vernetzt werden. Damit wird es möglich, ein differenziertes Angebot für verschiedene Gruppen (Hochschullehrern, Nachwuchswissenschaftler, aber auch Promotionsstudenten) zu etablieren.

Lehrorientierte Entwicklung der Personalstruktur

Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Einrichtung von Professuren und Juniorprofessuren mit dem Schwerpunkt Lehre. Die Thüringer Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) ermöglicht nach § 4 Absatz 5 die Ausweisung einer Lehrverpflichtung von bis zu 12 Lehrverpflichtungsstunden. Die Hochschulen sollen dieses Instrument in ausgewählten Fällen nutzen, um eine Differenzierung der Lehrbelastung vorzunehmen und lehrintensive Fächer zu stärken. Eine weitergehende Flexibilisierung und Öffnung der LVVO ist geplant.

Auszeichnung guter Lehre

Besonderes persönliches Engagement für die Qualität der Lehre soll entsprechend gewürdigt werden. Die bereits vorhandenen Instrumente, wie Lehrpreise, sollen ausgebaut und verbessert werden. Auch die stärkere Berücksichtigung der Lehre in hochschulinternen Mittelverteilungsmodellen, bei der Vergabe und Bemessung von Leistungsbezügen sowie bei Mittelzusagen in Berufungs- und Bleibeverhandlungen kann erheblich zur Stärkung der Lehre beitragen.



 

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III. Verbesserung der Rahmenbedingungen


Aus den vom Bund im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 bereitgestellten Mittel in Höhe von rund 15 Mio. € (2007-2010) werden den Hochschulen 10 Mio. € zur Verbesserung der Rahmenbedingungen des Studiums zur Verfügung gestellt.

Tutorenprogramme

Die Einstellung von studentischen Hilfskräften, die nicht Dienstleistungsaufgaben wahrnehmen, sondern direkt in entsprechende Lehrveranstaltungen eingebunden werden, verbessert die Betreuung in der Lehre und eröffnet geeigneten Studierenden die Möglichkeit, didaktische Erfahrungen zu sammeln. Tutorenprogramme sollen gut in die Lehrplanung integriert sowie laufend fachlich und didaktisch begleitet werden.

Verbesserung der Studieneingangsphase

Insbesondere vor Beginn des Studiums, bei Aufnahme des Studiums, in den ersten zwei Semestern und beim Übergang in ein Master-Programm besteht erhöhter Beratungs- und Betreuungsbedarf, um Fehlentscheidungen und -entwicklungen frühzeitig zu korrigieren. Entsprechende Strukturen, wie Service- und Beratungszentren, Zentren für Studienmotivation, Schülerlabore, Studieneinführungswoche und Erstsemestertutorien sollen ausgebaut werden.

Lehrorientierte Entwicklung von Organisationsstrukturen

Zur Stärkung der Lehre müssen in den Hochschulen organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, die klar regeln, wer mit welchen Mitteln die Verantwortung für die Qualität von Lehre und Studium wahrnimmt. Mit der Novelle des ThürHG haben die Hochschulen die Möglichkeit, ihre Strukturen noch stärker aufgabenbezogen zu differenzieren.

Ausstattungsverbesserungen

Die materielle und personelle Ausstattung der Lehre gehört zu den entscheidenden Rahmenbedingungen für die Attraktivität eines Studienangebotes und den Studienerfolg. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen des Studiums wird durch Mittel aus dem Hochschulpakt 2020 unterstützt.

Serviceeinrichtungen

Die Rahmenbedingungen des Studiums werden auch durch das Umfeld und die Serviceeinrichtungen bestimmt. Dazu gehören neben Einrichtungen und Angeboten für Studierende (Mensen, Studentenwohnheime, Kindertageseinrichtungen, Sozialberatung, Semesterticket, kulturelle Veranstaltungen) auch Angebote zum Berufseinstieg (Career Services) und zur Praktikumsvermittlung. Die Qualität dieser Angebote soll in Abstimmung mit dem Studentenwerk Thüringen gesichert bzw. erhöht werden.



 

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