Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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Thüringer Landeshochschulplan - Internationale Zusammenarbeit

Internationale Zusammenarbeit

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9.1 Kooperation in Forschung und Lehre

Internationalität ist wissenschaftsimmanent. Die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- und Studienstandortes Deutschland ist eine wichtige Aufgabe der Hochschulen. Die Thüringer Hochschulen haben ein beachtliches Netz internationaler Kooperationen aufgebaut, die mit konkreten Projekten untersetzt sind.
Die internationalen Beziehungen und sich daraus ergebende Aktivitäten dienen der Attraktivität der Hochschule für ausländische Studierende, Graduierte und Gastwissenschaftler und der Internationalisierung des Studiums.
Mit einer stärkeren internationalen Ausrichtung der Thüringer Hochschulen leistet die Hochschulpolitik einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Zukunftschancen junger Menschen im globalen Wettbewerb, zur auswärtigen Kulturpolitik, zur Sicherung unserer Wissenschaftskooperation und zur Erschließung von Exportmärkten für die deutsche Wirtschaft.

Die Thüringer Hochschulen müssen ihre Angebote und Leistungen international besser vermarkten und hierfür ein professionelles Marketingkonzept entwickeln, das zur Steigerung der Effizienz beiträgt, Prioritäten für internationale Vorhaben setzt und gezielt nationale, internationale und EU-Fördermittel einsetzt.
Wichtige Elemente von Hochschulkooperationen sind:

-Austausch von Wissenschaftlern und Studierenden, Lektoren
-Durchführung gemeinsamer wissenschaftlicher Vorhaben und Forschungsprojekte
-gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen
-Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und hochschulpolitischen Erfahrungen
-Einrichtung gemeinsamer Studiengänge
-Einrichtung gemeinsamer Institute
-Erstellung und Vernetzung von Forschungsdatenbanken
-Aufbau interuniversitärer Weiterbildungsprogramme
-gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsames Marketing.

Besondere Unterstützung verdient die Zusammenarbeit mit Hochschulen in Mittel- und Osteuropa und in Entwicklungsländern. Dabei ist eine bessere Abstimmung der Hochschulkontakte mit anderen Vorhaben der Landesregierung in diesen Ländern und eine Konzentration des Kräftepotentials erforderlich.

In der Zeit von 1995 bis 2000 standen den Thüringer Hochschulen rd. 5,45 Mio. DM zusätzlich für wissenschaftliche Projekte, Kooperationsanbahnungen, internationale Konferenzen und Workshops, für Wissenschaftler und Studentenmobilität, Sprachkurse, Studentenpraktika zur Verfügung.



9.2 Studentenmobilität

Wissenschaft ist international. Die Landesregierung will gemeinsam mit den Hochschulen zu einem weltoffenen Klima ohne Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit beitragen. Eine ständige Aufgabe der Hochschulen ist dabei die akademisch-soziale Betreuung von ausländischen Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Damit wird die Verbindung zu den Gästen der Hochschule gestärkt und so eine Basis für längerfristig tragfähige und wirksame internationale Kontakte geschaffen.

Der Anteil ausländischer Studierender an der Gesamtzahl der Studierenden in Thüringen beträgt derzeit rund 4 %.

Die Werbung für ausländische und inländische Studierende wird durch die Hochschulen des Landes ausgebaut. Die Hochschulen wollen in Zusammenarbeit mit den Studentenwerken neue Betreuungskonzepte entwickeln. Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören der Einsatz studentischer Tutoren, Informationsangebote und Service-Pakete für ausländische Studierende. Die Thüringer Hochschulen wollen für qualifizierte ausländische Studierende zu einer gesuchten Adresse werden.
Das erfordert u. a. :
-Internationalisierung von Studiengängen und Einführung des ECTS-Systems
-Einführung des „Diploma Supplement “für mehr Transparenz
-Entwicklung neuer internationaler Studien-und Weiterbildungsangebote
-Ausbau der Alumni-Aktivitäten
-Nutzung von Stipendienprogrammen
-intensive Zusammenarbeit mit dem Thüringer Studienkolleg
-enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Ausländerbehörden.

Der Freistaat stellt den Hochschulen in begrenztem Umfang Mittel für Kontaktstipendien für ausländische Studierende im Rahmen von Hochschulkooperationen zur Verfügung.
Für unverschuldet in Not geratene ausländische Studierende erhalten die Hochschulen zusätzliche Mittel. Von 1995 bis 2000 standen dafür Fördergelder in Höhe von 260.000 DM zur Verfügung. Mit diesen relativ geringen Mitteln war es möglich, eine oft kurzzeitige wirtschaftliche Notsituation zu überbrücken, so dass das Studium erfolgreich fortgesetzt werden konnte.
Thüringer Hochschulabsolventen konkurrieren auf dem europäischen Markt mit Graduierten anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union um Arbeitsplätze.

Die Hochschulen können durch die Entwicklung „Europäischer Programmpakete“ die Chancen ihrer Absolventen erheblich verbessern, indem

-im europäischen Rahmen vergleichbare Module in die Curricula aufgenommen
-Möglichkeiten zum Erlernen der anderen Gemeinschaftssprachen bzw. zum Erhalt der erworbenen Sprachkompetenz geschaffen
-mehr berufsbezogene Kurse mit einer deutlich erkennbaren fremdsprachlichen Komponente entwickelt
-Teile des Unterrichts in anderen Gemeinschaftssprachen durchgeführt

werden.

Durch stärkere Beteiligung an den EU-Mobilitätsprogrammen wird sich sowohl die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland als auch der ausländischen Studierenden in Thüringen erhöhen. Mobilitätsfördernd wirken die fortschreitende europäische Integration und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit weiteren Staaten sowie die Bemühungen um Transparenz der Qualifikationen und um eine stärkere Abstimmung von Ausbildungssystemen in Europa. Andererseits ist die Mobilität der Studierenden ein wichtiger Faktor für die europäische Integration.
Die Studierenden werden aufgeschlossener gegenüber anderen Kulturen und können sich besser in den europäischen Arbeitsmarkt eingliedern.

Gute Erfolge konnten die Thüringer Hochschulen bei den Programmen ERASMUS, LEONARDO I und TEMPUS verzeichnen. Das LEONARDO-Büro, das für die Umsetzung des EU-Bildungsprogramms LEONARDO DA VINCI im Bereich der Zusammenarbeit Hochschule-Wirtschaft sorgt, hat im Rahmen der ersten Phase (LEONARDO I) von 1995 bis 2000 insgesamt 490 Praktikanten in 20 Staaten vermittelt. In Thüringer Unternehmen absolvierten insgesamt 106 Studierende aus zehn Mitgliedstaaten der EU und aus sieben MOE-Staaten ein Praktikum. Dazu wurden von der Europäischen Union 1.306.595 DM eingeworben. Der Start in LEONARDO II erfolgte 2000 durch einen Projektvertrag in Höhe von 397.690 DM bis 05/2002. Für die Zukunft ist eine deutliche Steigerung der Einwerbung von EU-Mitteln für Studentenpraktika anzustreben, der Kontakt zu den Thüringer Hochschulen zu intensivieren sowie die Verbindungen zur Wirtschaft auszubauen.



9.3 Wissenschaftleraustausch

Zahlreiche Wissenschaftler der Thüringer Hochschulen arbeiten intensiv bei der Vorbereitung und Ausgestaltung von Kooperationsvereinbarungen mit und betreuen Austauschprogramme sowie internationale Veranstaltungen in Forschung und Lehre. Als Gutachter und als Mitglieder von Wissenschaftsorganisationen haben sie Anteil an der qualitätsorientierten Förderung der internationalen Wissenschaftsbeziehungen.
Auch Nachwuchswissenschaftler haben die Möglichkeit, sich im Rahmen von Austauschprogrammen um Bundes- und EU-Mittel zu bemühen:

-zur Förderung von kurzfristigen internationalen Begegnungen wie z. B. Sommerschulen, Fach- und Sprachintensivkurse
-zur Förderung von längerfristigen Aufenthalten für wissenschaftliche Studien an Partnerhochschulen im Ausland u. a.

Durch eine verstärkte Nutzung der von verschiedenen Organisationen (z. B. der Alexander von Humboldt-Stiftung) angebotenen Gastdozentenprogramme können die Hochschulen ihre internationale Ausrichtung ebenso stärken wie durch die Berücksichtigung von internationalen Studien-, Forschungs- und Lehrerfahrungen im Rahmen von Berufungsverfahren.

Die Mobilität des Lehrpersonals trägt zum gegenseitigen Verständnis bei, kann die wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen erleichtern und die Entwicklung gemeinsamer Ausbildungskonzeptionen fördern.

Einzelheiten zur Internationalen Zusammenarbeit der Thüringer Hochschulen enthalten die Anlagen A 64 bis A 72.