Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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Thüringer Landeshochschulplan

Weiterbildung

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Der Übergang von der Industrie-zur Wissensgesellschaft stellt neue Anforderungen an Inhalt, Umfang und Formen der Weiterbildung. Die Aspekte der Modularisierung des Lehrangebotes und die Nutzung von IuK-Technologien im Lehr-und Lernprozess werden eine größere Flexibilisierung der Angebote ermöglichen. Der Lernende soll künftig selbstbestimmter über Lernzeiten, Lernorte und den individuellen Lernfortschritt entscheiden können.

Die wissenschaftliche Weiterbildung hat an Thüringer Hochschulen in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung genommen. Umfang und Stellenwert der Weiterbildung haben erheblich zugenommen und werden weiter steigen. Dies ist einerseits auf die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft zurückzuführen, die das lebenslange Lernen erforderlich macht, andererseits auch auf die einem raschen Wandel unterliegenden Spezialkenntnisse in den einzelnen Disziplinen, die in den grundständigen Studiengängen nicht mehr angeboten werden können und berufsbegleitend erworben werden müssen. Hierzu gibt es im Freistaat Thüringen bereits zahlreiche Angebote, deren Zweckmäßigkeit zum Teil auch in Modellversuchen erprobt wurde und wird.

Einige Regelungen des Thüringer Hochschulgesetzes haben sich allerdings für den dynamischen Ausbau der wissenschaftlichen Weiterbildung als hinderlich erwiesen. Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst erarbeitet zur Zeit einen Entwurf für eine Gesetzesänderung, die den Hochschulen auf dem Gebiet der Weiterbildung größere Gestaltungsmöglichkeiten einräumt. Die Hochschulen sollen künftig in die Lage versetzt werden, aus der Weiterbildung Einnahmen zu erzielen, die grundsätzlich die Kosten decken.



6.1 Weiterbildung an Universitäten

Die Universitäten in Thüringen haben ihr traditionell großes Weiterbildungsangebot erweitert. So bieten die Universitäten in Jena und Weimar Interessenten eine Auswahl wissenschaftlicher Themen und Veranstaltungen an, die einer breiten Hörerschaft Rechnung tragen. In Weimar arbeiten in diesem Projekt die beiden Hochschulen mit der Verwaltungsfachhochschule zusammen und können daher ein weit gefächertes Angebot von musischen, verwaltungsrechtlichen und ingenieurtechnischen Themen präsentieren.

In den vergangenen Jahren haben sich die Hochschulen verstärkt am aktuellen Weiterbildungsbedarf orientiert. An der Universität Jena sind so z. B. Studienangebote zur Umweltsicherung, zur pädagogischen Organisationsberatung, zu Arbeitsrecht und Personalwirtschaft sowie zum privaten und öffentlichen Wirtschaftsrecht entstanden. Aufgrund der Nachfrage erfolgt in den kommenden Jahren eine Ausweitung des Zertifikatsstudiums, das sich maßgeblich an der Berufspraxis orientieren wird. Generell wird besonderer Wert auf die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Praxis gelegt, um durch diese Rückkopplung den aktuellen Bedarf der Weiterbildung zu bestimmen.

Die Bauhaus-Universität Weimar bietet das sehr nachgefragte weiterbildende Studium „Wasser und Umwelt“ an. Zusätzlich wird innerhalb des Modellversuches „Integratives und kooperatives Lehr-und Lernsystem zur Erlangung eines Master of Science am Beispiel des Wissensbereiches Wasser und Umwelt“ der entsprechende Masterstudiengang entwickelt. In der Fakultät Architektur wurde bereits 1999 ein postgradualer Masterstudiengang „Europäische Urbanistik “vom Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst genehmigt, der nach einem 4-Semester-Vollzeitstudium zum „Master of Science“ führt.

Die beiden Universitäten in Jena und Weimar werden im Rahmen der Erweiterung der Bildungsangebote mit der Musikhochschule einen „Katalog der akademischen Weiterbildung im Raum Jena-Weimar“ erstellen, der die Wissenschafts-und Bildungsregion Jena-Weimar stärker in das öffentliche Interesse rücken soll.

Die Technische Universität Ilmenau verfolgt traditionell zwei Formen der Weiterbildung. Seit vielen Jahren werden postgraduale und weiterbildende Studiengänge, die einer ständigen Evaluierung unterliegen, angeboten. Daneben veranstaltet die TU zu besonders aktuellen Problemen der Ingenieurwissenschaft Workshops, Kolloquien und Vortragsreihen. Derzeit können zwei postgraduale und drei weiterbildende Studiengänge genutzt werden. In einem bundesweit beachteten BLK-Modellversuch erarbeitete die TU gemeinsam mit acht weiteren Hochschulen aus fünf Ländern Grundlagen zur Modularisierung der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung an Hochschulen.
Gewissermaßen als Fortsetzung dieser Arbeit wird unter der Federführung der TUI der gleiche Hochschulverbund, zu dem auch die Universitäten in Jena und Weimar gehören, die Einführung von Leistungspunkten zur Bewertung von Modulen erarbeiten und zur Anwendung vorschlagen. Im Fernstudienbereich hat die TU Ilmenau in enger Zusammenarbeit mit Verbänden und Unternehmen u. a. mit der Carl Zeiss GmbH Jena ein BLK-Projekt „Innovative Produktentwicklung“ erarbeitet, das unter Verwendung von multimedialen und virtuellen Techniken hinsichtlich Flexibilität und Didaktik eine neue Stufe in der Ausbildung erreichen wird.



6.2 Weiterbildung an Fachhochschulen

Anfang der 90er Jahre mussten die Thüringer Fachhochschulen vor allem Weiterbildungsaufgaben im Zusammenhang mit der Nachdiplomierung von Absolventen der Ingenieurschulen der ehemaligen DDR übernehmen. Inzwischen wenden sich die Fachhochschulen neben Forschung und Lehre verstärkt der regulären wissenschaftlichen Weiterbildung zu. Die Fachhochschulen haben erkannt, dass die Weiterbildung künftig eine Säule ihrer Arbeit in der Region und darüber hinaus sein wird. Die Einbeziehung der neuen Medien wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. Die Hochschulen aus Erfurt, Jena und Schmalkalden haben zur didaktischen Weiterbildung der Professoren in dem Förderprogramm des Bundes „Neue Medien in der Bildung“ nach Artikel 5 des HWP einen gemeinsamen Antrag gestellt.

Bei der Konzipierung der wissenschaftlichen Weiterbildung gehen die Fachhochschulen davon aus, dass die entsprechenden Angebote mit dem grundständigen Studium kompatibel sein sollen und konzentrieren sich vor allem auf die Nachfrage aus der Region.
So hat die Fachhochschule Schmalkalden in Südthüringen in enger Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer und den Verbänden Bedarfserhebungen vorgenommen, um die Angebote marktgerecht spezifizieren zu können. Die einzelnen Fachbereiche planen darüber hinaus langfristige postgraduale Angebote mit einem Masterabschluss. Die in Kooperation mit einer norwegischen Partnerhochschule entstandenen Spezialkurse für CAD/FEM werden gut nachgefragt und sollen als internationale „Winterschule CAD/FEM “weiterentwickelt werden.

An der Fachhochschule Jena hat sich das „Jenaer Carl-Zeiss-Optikkolloquium“ als Weiterbildungsveranstaltung etabliert. Der Fachbereich Betriebswirtschaft verfolgt mit Partnerhochschulen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und den jeweiligen Industrie-und Handelskammern die Absicht, eine virtuelle Hochschule zu gründen. Ein entsprechender Antrag wurde im Rahmen des Bundesprogramms nach Artikel 5 HWP „Neue Medien in der Bildung“ zur Förderung eingereicht. Der Fachbereich Sozialwesen wird Angebote zur wissenschaftlichen Weiterbildung in den Bereichen Pflege, Sozialmanagement, Jugendtherapie u. a. erarbeiten.

Die Fachhochschule Erfurt bietet seit 1997 weiterbildende Studiengänge an und hat im Jahr 2000 ein Zentrum für Weiterbildung gegründet, das die entsprechenden Aktivitäten aller Fachbereiche bündeln soll. Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf wissenschaftlicher Weiterbildung für die berufliche Praxis und soll Berufstätigen in zwei-bis viersemestrigen berufsbegleitenden Kursen praxisverwertbare Kompetenzen vermitteln. Die angebotenen Themen gehören schwerpunktmäßig den Bereichen Sozialwesen sowie Versorgungstechnik an.



6.3 Perspektiven

Im Hinblick auf die Erhöhung des Anteils der akademisch ausgebildeten Personen je Bevölkerungsjahrgang sowie auf den bereits mehrfach angesprochenen Wandel des Arbeits-und Bildungsmarktes werden sich auch die Aufgaben der Hochschulen verschieben. War bislang das grundständige Präsenzstudium die wesentliche Lehraufgabe, erfordern jetzt die Veränderungen des Arbeitsmarktes zunehmend berufsbegleitendes Lernen von den Beschäftigten. Dieser Entwicklung müssen die Hochschulen durch verstärkte Anstrengungen in der Weiterbildung Rechnung tragen.

Weltweit eröffnet sich insbesondere durch die rasante Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ein Bildungsmarkt, auf dem sich auch die Thüringer Hochschulen im Wettbewerb behaupten müssen. Der Einsatz der Neuen Medien stellt spezifische Anforderungen an die didaktische Aufbereitung der Lehrinhalte. Zahlreiche gemeinsame Initiativen von Bund und Ländern sollen die Hochschulen für diesen Wettbewerb stärken.

Die Landesregierung misst der Förderung von Multimediaaktivitäten in der Hochschullehre große Bedeutung bei. Sie hat sich daher entschieden, einen wesentlichen Teilbetrag der Mittel nach Artikel 4 des HWP für die Förderung von Multimediaaktivitäten in der Hochschullehre bereitzustellen und wird die Förderung entsprechender Aktivitäten künftig noch ausweiten. Im Rahmen der Weiterbildung sollen auch durch den Einsatz neuer Medien spezielle Angebote für Frauen, besonders nach einer Familienpause entwickelt werden.
Die in Thüringen bearbeiteten BLK-Modellversuchs-Projekte verfolgen das Ziel, den Lehrstoff so aufzuarbeiten, dass er mit multimedialen Techniken in der Weiterbildung vermittelt werden kann. Die notwendigen technischen Voraussetzungen sind an nahezu allen Hochschulen vorhanden. An dem neuen BLK-Versuchsprogramm „Leistungspunktesystem“ sind drei Thüringer Hochschulen beteiligt, wobei die TU Ilmenau die Federführung im Bereich Ingenieurwissenschaften hat. Diese Projekte helfen gleichzeitig die Basis für ein Klima permanenter Weiterbildung zu schaffen. Der Ausbau der Weiterbildungsaktivitäten steht erst am Anfang. Das Ministerium wird den rechtlichen Rahmen für eine konkurrenzfähige wissenschaftliche Weiterbildung schaffen. Es wird die Aufgabe der Hochschule sein, dann diesen Rahmen inhaltlich wissenschaftlich auszufüllen.