Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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Thüringer Landeshochschulplan

Schwerpunkte der Entwicklungsplanung der Hochschulen

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10.1 Universität Erfurt

Entwicklung der Studierendenzahl

Nach der Neugründung der Universität Erfurt im Jahr 1994 erfolgte im Sommersemester 1998 die Aufnahme der ersten Kollegiaten ins Max-Weber-Kolleg. Im Wintersemester 1999/2000 wurden an der Philosophischen Fakultät erstmals Studierende in grundständige BA-Studiengänge immatrikuliert, im Wintersemester 2000/01 ebenso an der Staatswissenschaftlichen Fakultät. Mit der Integration der Pädagogischen Hochschule Erfurt in die Universität zum 1. Januar 2001 wurden auch die Studierenden der Pädagogischen Hochschule Studierende der Universität Erfurt. Im WS 2001/02 sind insgesamt 2.724 Studierende immatrikuliert. Gegenüber den Vorjahren ist eine deutliche Erhöhung der Studienanfängerzahlen in den grundständigen Lehramtsstudiengängen erkennbar, so dass insbesondere im Bereich der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Erfurt trotz Einstellung des Diplomstudienganges Erziehungswissenschaft und rückläufiger Studierendenzahlen in den Ergänzungsstudiengängen insgesamt steigende Immatrikulationszahlen zu verzeichnen sind. Mit Abschluss des Aufbaus der Bakkalaureus-und Magisterstudiengänge wird für diesen Bereich mit einem deutlichen Anstieg der Studienanfängerzahlen gerechnet.


Bauliche Situation und Entwicklung

Die Universität Erfurt ist als Campusuniversität in unmittelbarer und verkehrsgünstiger Anbindung an das Stadtzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Erfurt errichtet worden. Zum Stichtag 01.12.2000 standen eine Hauptnutzfläche von 34.650 m² und 2.873 flächenbezogene Studienplätze zur Verfügung. Bis zum Jahr 2004 ist eine Erhöhung auf 3.000 flächenbezogene Studienplätze vorgesehen. Mit dem Umbau des ehemaligen Wohnheims II der Pädagogischen Hochschule konnten 2.045 m² Nutzfläche für Büro- und Seminarräume vor allem für die Philosophische Fakultät geschaffen werden. Die Staatswissenschaftliche Fakultät nutzt das Lehrgebäude I. Für die Verwaltung und den Präsidialbereich wurde das frühere Wirtschaftsgebäude hergerichtet. Zusätzlich erforderlicher Raumbedarf kann vorerst aus der vorhandenen Bausubstanz der ehemaligen Pädagogischen Hochschule gedeckt werden. Das größte Reservoir stellt das Lehrgebäude II dar, das ehemals von den Naturwissenschaften der Pädagogischen Hochschule genutzt wurde. Hier wird künftig die Erziehungswissenschaftliche Fakultät untergebracht sein. Auf die Sanierung dieses Gebäudes und auf die Erneuerung der Infrastruktur wird sich das Baugeschehen an der Universität Erfurt in den kommenden Jahren konzentrieren. Dabei soll auch die mögliche Integration der Theologischen Fakultät Erfurt in die Universität im Blick behalten werden.

Mit der Vollendung des ersten Bauabschnitts der Universitätsbibliothek wurden im Sommer 2000 die in angemieteten Räumlichkeiten im Stadtzentrum befindlichen Buchbestände auf den Campus überführt. Der erste Bauabschnitt des Bibliotheksgebäudes bietet Platz für über 900.000 Buchbände, 360 Benutzerarbeitsplätze und 86 Arbeitsplätze für Bibliotheksmitarbeiter. Das Bibliotheksgebäude wurde nach modernsten bibliothekarischen Standards konzipiert. Es enthält neben den Räumlichkeiten einer allgemeinen Präsenzbibliothek auch einen Tresorraum für bis zu 10.000 Bände zur Unterbringung historischer Handschriften und Druckwerke, dazu einen Ausstellungsraum und einen Sonderlesesaal mit 18 Plätzen. Ein Teilbereich des Magazins ist für die Unterbringung historischer Bestände im Umfang von ca. 60.000 Bänden vorgesehen. Diese Räumlichkeiten sind mit hochwertiger Sicherheits-, Licht-und Klimatechnik ausgestattet.

Im Jahr 2000 konnte das Internationale Begegnungszentrum (IBZ)im Stadtzentrum, das von der Universität und der Fachhochschule Erfurt gemeinsam genutzt wird, fertig gestellt werden. Damit erhält die Universität günstige Unterbringungsmöglichkeiten für ausländische Gastwissenschaftler.


Ausbauschwerpunkte

Die Universität Erfurt bietet als grundständige Studiengänge BA-Studiengänge in den Studienrichtungen Erziehungswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Lehr-/Lern- und Trainingspsychologie, Literaturwissenschaft, Philosophie, Religionswissenschaft, Sprachwissenschaft, Staatswissenschaft (Rechtswissenschaft), Staatswissenschaft (Sozialwissenschaft) und Staatswissenschaft (Wirtschaftswissenschaft) sowie Lehramtsstudiengänge für das Lehramt an Grundschulen und Regelschulen an. Die Ausbildung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen erfolgt in Kooperation mit der Technischen Universität Ilmenau und der Bauhaus-Universität Weimar. Der Erwerb der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Förderschulen ist nach Absolvierung eines Aufbaustudienganges möglich.

Die Universität wird durch neue Studienangebote sowie eine neuartige Lehr- und Forschungsorganisation ein eigenes, insbesondere kulturwissenschaftliches Profil entwickeln. Wichtige Anliegen dabei sind die kulturwissenschaftliche Durchdringung und Vernetzung der Disziplinen sowie die Internationalisierung von Forschung und Lehre. Die kulturwissenschaftliche Orientierung der Universität verfolgt in Forschung und Lehre einen integrativen Ansatz. Kultur als übergreifendes Konzept führt die einzelnen Fächergruppen zusammen und fördert trans-und interdisziplinäres Arbeiten in größeren Problemzusammenhängen.

Auch in der Lehre geht die Universität neue Wege. Hauptmerkmal ist eine konsekutive Studienstruktur mit Bakkalaureus-, Magister-und Promotionsstudiengängen. Diplomstudiengänge werden nicht angeboten. Das grundständige Studium setzt sich an allen Fakultäten aus vier Komponenten zusammen: einer Haupt-und einer Nebenstudienrichtung, dem Studium Fundamentale und der Berufsfeldorientierung. Hierbei kommt dem Studium Fundamentale eine besondere Bedeutung zu: Wegen der über das eigentliche Fächerstudium hinausgehenden Lehrangebote trägt es dazu bei, den Studierenden methodisch-theoretisches Grundlagenwissen in interdisziplinären Zusammenhängen zu vermitteln und zusätzlich die soziale Kompetenz der Absolventen zu erhöhen. Durchgängig wird an der Universität Erfurt ein studienbegleitendes Prüfungssystem (credit point system) eingeführt, das den Studierenden eine ständige Selbstkontrolle ihres erreichten Leistungsstandes ermöglicht. Die übliche große Abschlussprüfung entfällt für BA-Studiengänge.

Nachdem in der Philosophischen Fakultät und in der Staatswissenschaftlichen Fakultät die Eckprofessuren in den Jahren 1999 und 2000 im Wesentlichen und nach der Integration der Pädagogischen Hochschule zum 1.1.2001 auch die Mehrzahl der übrigen Professuren durch eine Fach-zu-Fach-Integration des wissenschaftlichen Personals der Pädagogischen Hochschule besetzt wurden, steht nunmehr die weitere Entwicklung des regulären Studienangebots im Vordergrund, insbesondere die Aufnahme des Studienbetriebes in den auf die BA-Studiengänge aufbauenden Magister- und Promotionsstudiengängen.

Die Philosophische Fakultät wird in den Geschichts-und Literaturwissenschaften einen Studien- und Forschungsschwerpunkt Ostmitteleuropa (Bohemistik)aufbauen. Hierfür konnte beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien eine Stiftungsprofessur eingeworben werden. Die religionswissenschaftlich orientierte Professur für Evangelische Theologie und Kulturgeschichte des Christentums wird zusammen mit den Professuren für Bibelwissenschaft und Religionspädagogik der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät ihre Lehr-und Forschungsaufgaben in einem fakultätsübergreifenden Martin-Luther-Institut koordinieren.

Wichtiger Baustein im Lehr-und Forschungskonzept der Staatswissenschaftlichen Fakultät ist der Aufbau eines Zentrums für Empirische Wirtschafts-und Sozialforschung. Zur Erweiterung experimenteller und quantitativer Forschungen um eine wirtschaftswissenschaftliche Perspektive wird ein Experimentallabor aufgebaut. In Zusammenhang mit der Entwicklung eines Master of Public Policy zur Ausbildung von Eliten für Wirtschaft, Verwaltung und Verbände wurden Fördermittel des Bundes in Millionenhöhe eingeworben.

Die Erziehungswissenschaftliche Fakultät ist traditionell für die erziehungswissenschaftliche Betreuung der Lehramtsstudiengänge (Regelschule, Berufsschule)und für die Durchführung des Lehramtsstudienganges Grundschule zuständig. Sie wird sich neben der Erprobung des Curriculums für den neuen Bakkalaureusstudiengang „Lehr/Lern-und Trainingspsychologie“ insbesondere mit der Verwirklichung der Kernforderungen aus dem KMK-Bericht „Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland“ befassen. Sie wird Vorstellungen zur Anpassung des Lehramtsstudiums an die konsekutive Studienstruktur der Universität unter Beibehaltung der ersten und zweiten Staatsprüfung entwickeln und in einem Modellversuch erproben, sobald sichergestellt ist, dass die Abschlüsse dieses Modellversuchs auch in anderen Ländern anerkannt werden.
Zur Erhöhung des Praxisbezugs in der ersten Phase der Lehrerbildung wird das Projekt „Reorganisation der Praktika in der Lehrerbildung“, in welchem sich kontinuierlich Blockseminare an der Universität mit Orientierungs-, Erprobungs-und Übungspraktika an den Schulen abwechseln, fortgesetzt. Mit der gemeinsamen Vorbereitung und Auswertung der Praktika durch die Hochschullehrer und die Leiter der Studienseminare soll eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis erreicht werden.
Zur Bündelung personeller Ressourcen und zur Stärkung der Fachdidaktiken soll ein Zentrum für Lehr-/Lern-und Bildungsforschung errichtet werden. Dem Zentrum stehen zwei Professuren als Kompensationsstellen zur Verfügung. Die weitere personelle Ausgestaltung der Einrichtung wird auch von der Einwerbung von Drittmitteln abhängig sein.
Mit der Errichtung von zwei Professuren für „Lernen und Neue Medien“ werden die Voraussetzungen für einen Lehr-und Forschungsschwerpunkt im Bereich der neuen Medien geschaffen.

Das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien hat die ersten Doktoranden nach dreijähriger Studienzeit erfolgreich promoviert und wird weiterhin in langfristig angelegten Forschungsprogrammen Doktoranden betreuen und Habilitanden wissenschaftlich begleiten. Gleichzeitig wird es als fakultätsähnliche zentrale Einrichtung an der Entwicklung von Forschungsschwerpunkten und -strategien der Universität mitwirken.

Die Forschung am Kolleg ist historisch und vergleichend. Sie richtet sich auf die Schwerpunkte
-Religion, Wissenschaft und Recht als Deutungs- und Steuerungsmächte
-Wechselwirkungen zwischen den Kulturen, gesellschaftlichen Ordnungen und Mentalitäten bei radikalem Wandel
-Handlungstheoretische Grundlagen der Kultur- und Sozialwissenschaften und ihre Beziehung zu normativen, insbesondere ethischen Fragen.

Die Universität Erfurt verfolgt im Bereich Internet und Neue Medien eine Konzeption, die Studierenden und Lehrenden neue Perspektiven eröffnen soll. Für die Realisierung innovativer Konzepte und den Aufbau informationstechnischer Grundlagen wurde ein Zentrum für Kommunikation und Infrastruktur (ZKI) mit den Bereichen Rechenzentrum und Medienkompetenz gebildet. Die Hochschule möchte mit Hilfe dieses Zentrums ihre mediale Struktur als europäisches Modellprojekt entwickeln. Zur weiteren Internationalisierung der Universität soll das Sprachenzentrum weiter ausgebaut werden. Für die erforderlichen Personalstellen wird die Universität bei beiden Einrichtungen (ZKI und Sprachenzentrum) Prioritäten setzen müssen.

Die Gründung einer Katholisch-Theologischen Fakultät wird vorbereitet. In diese Fakultät sollen Personal- und Sachausstattung der Theologischen Fakultät Erfurt übernommen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind einvernehmliche Regelungen mit der Katholischen Kirche herbeizuführen.



10.2 Technische Universität Ilmenau

Entwicklung der Studierendenzahl

Mit 6.806 Studierenden im Wintersemester (WS)2001/02 hat sich die Technische Universität zur zweitgrößten Hochschule Thüringens entwickelt.
Die Zahl der Studienanfänger hat sich seit dem WS 1995/96 mehr als verdreifacht. Bedingt durch einen bundesweiten Trend verzeichnete die Bewerbernachfrage in den Ingenieurwissenschaften bis zum WS 1997/98 eine rückläufige Entwicklung. Davon war in Ilmenau die Elektrotechnik stärker betroffen als der Maschinenbau. Durch das Angebot der neuen Studiengänge Medientechnologie und Mechatronik konnten beide Fakultäten die Nachfrage nach Studienplätzen überdurchschnittlich steigern.
Einer gleichfalls deutlich höheren Nachfrage erfreuen sich in den letzten Jahren auch die Studiengänge Informatik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Studiengänge Angewandte Medienwissenschaften und Medienwirtschaft sind seit ihrer Einführung zum WS 1996/97 zulassungsbeschränkt.
Es wird erwartet, dass die Studierendenzahlen insbesondere in den Fachgebieten Medien, Informatik und Wirtschaft auch in den nächsten Jahren ansteigen.


Bauliche Situation und Entwicklung

Der Hauptstandort der TU Ilmenau befindet sich am Rande der Stadt Ilmenau auf einem Campus-Gelände, wo sich aufgrund unbebauter Flächen noch genügend Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Obwohl das Land erhebliche Anstrengungen im baulichen Sektor unternommen hat, verbleibt ein nicht unerheblicher Sanierungs- und Neubaubedarf. Ein wesentliches Ziel der baulichen Entwicklung der Universität ist die Konzentration des Standortes auf dem Campus am Ehrenberg und auf einen Standort im innerstädtischen Bereich (Georg-Schmidt-Technikum). Die darüber hinaus derzeit noch genutzten Standorte im Ilmenauer Stadtgebiet und in Suhl/Zella-Mehlis werden aufgegeben, sobald auf dem Campus entsprechende Flächen zur Verfügung stehen.

In einem städtebaulichen Wettbewerb wurde 1997 der Rahmen für die weitere bauliche Entwicklung der TU Ilmenau abgesteckt. Die Stadt Ilmenau hat mit der Aufstellung des Bebauungsplanes für den Campus auch die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen.

Nach Durchführung von verschiedenen Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren sind nun verstärkt Neubauvorhaben in der Planung und Ausführung. Im Hinblick auf den derzeitigen und zukünftigen hohen Raumbedarf der TU Ilmenau sollen die baulichen Planungen forciert werden. Von zentraler Bedeutung sind deshalb folgende Vorhaben:
-Fertigstellung des Technologiegebäudes
-Errichtung eines Laborgebäudes für den Maschinenbau und eines zentralen Hörsaalgebäudes
-beginnende Planungen zu den Neubauten für die Informatik, die Medien und das Rechenzentrum
-Bereitstellung zusätzlicher Flächen durch Anmietungen.

Per 01.12.2000 standen 6.216 Studierenden 2.443 flächenbezogene Studienplätze und 41.057 m² Hauptnutzfläche (HNF)zur Verfügung. Im Zeitraum bis Ende 2004 soll die TU Ilmenau auf 3.300 flächenbezogene Studienplätze ausgebaut werden. 2008 soll es nach der Planung 4.200 flächenbezogene Studienplätze geben.

Erhebliche Mittel sind auch weiterhin für die Geräteausstattung und -modernisierung notwendig. Neben der Ergänzung der apparativen Forschungsausstattung hat die TU Ilmenau in den letzten 10 Jahren Computer- und Netzwerktechnik über das Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) erhalten, die jedoch sukzessive modernisiert bzw. ersetzt werden muss. Des Weiteren muss auch die experimentelle Ausstattung in den Praktika erneuert werden.

Ausbauschwerpunkte

Die Entwicklungsschwerpunkte der Technischen Universität Ilmenau dienen der weiteren Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen und nationalen Vergleich. Die Universität setzt dabei insbesondere auf hohe Qualitätsstandards in ihren Studienangeboten und auf innovative Forschungsleistungen.

Die TU Ilmenau stellt sich das Ziel, den erreichten, in verschiedenen Rankings bestätigten vorderen Platz in der Lehre unter den Technischen Universitäten in Deutschland zu behaupten. Auf ausgewählten Forschungskompetenzfeldern soll bundesweit ein Spitzenplatz unter den Technischen Universitäten Deutschlands erreicht werden.

Mit der vorgesehenen Personalausstattung für die TU Ilmenau soll ein breites und konkurrenzfähiges Ausbildungsspektrum abgesichert sowie der Grundbedarf für die Erbringung von Forschungsleistungen berücksichtigt werden. Durch eine hohe Anzahl von Neubesetzungen von Professuren, u. a. durch altersbedingtes Ausscheiden, wird eine wissenschaftliche Neuorientierung in den Fakultäten der TU Ilmenau und damit auch eine Änderung der Zuordnung von Professorenstellen zu den Fakultäten erfolgen. Die TU Ilmenau hat sich mit einem Personalverteilungsmodell die Grundlagen für flexibles Handeln geschaffen, das sowohl eine profilbildende Mindestausstattung der Fakultäten mit wissenschaftlichem Personal gewährleistet als auch die Lehrbelastung durch interne Verlagerungen von Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter zwischen den Fakultäten berücksichtigt.

Die wissenschaftliche Profilierung orientiert sich an den im Punkt 4.2 beschriebenen interdisziplinären und interfakultativen Forschungsschwerpunkten mit dem Ziel, innovative Forschungsthemen auch in die Lehrinhalte schnellstmöglich zu übernehmen. Die Universität strebt die Einrichtung eines DFG-Sonderforschungsbereichs und von DFG-Forschergruppen an.

Ein Schwerpunkt der Entwicklung des Studienangebots besteht im Abschluss und der Evaluation der Einführungsphase der seit 1996 neu eingerichteten sieben Studiengänge. Die infolge der Erweiterung des Studienangebots vorgenommene Neuverteilung der Ressourcen im Personal-, Sach-und Investitionsmittelbereich ist fortzusetzen. Die eingetretene Ressourcenverknappung macht effektivere Studiengangsstrukturen und eine Überprüfung der Fachinhalte notwendig. Der Erhalt der 14 Studiengänge ist beabsichtigt. Mittel-bzw. langfristig ist eine innovative Ergänzung des Studienangebots vorgesehen (optische Technologien, Software-Engineering, Robotik, Medieninformatik, Medienökonomie).

Ausgehend von den Ergebnissen des BLK-Projekts „Länderübergreifende Entwicklung und Erprobung integrierter modularer Studienangebote unter Einbeziehung informations- und kommunikationstechnischer Medien am Beispiel der Ingenieurwissenschaften“ wird ein modularisiertes Studienangebot entwickelt. Die bestehenden Studiengänge der TU Ilmenau werden schrittweise modularisiert und ein Credit-Point-System eingeführt.

Die TU Ilmenau wird den Diplomabschluss beibehalten. Zur Internationalisierung der Lehre soll die Einführung von Bachelor-und Masterstudiengängen unter Nutzung vorhandener Lehrinhalte sowie die Erhöhung des Anteils ausländischer Studierender (derzeit 7,5 %)beitragen. Weiterhin ist geplant, die bestehenden internationalen Verbindungen qualitativ auszubauen und neue Partnerschaften insbesondere zu Universitäten in den USA, nach China und Vietnam zu entwickeln. Die Hochschule plant die Integration von Auslandsaufenthalten in die Studiengänge. Des Weiteren ist vorgesehen, verstärkt englischsprachige Vorlesungen anzubieten sowie das Sprachlehrangebot auszubauen und zu verbessern (Internationalisierung der Lehre).

Die Erweiterung des Angebots von postgradualen Studiengängen und Weiterbildungsstudiengängen muss von allen fünf Fakultäten als Beitrag zum lebenslangen Lernen verstanden werden.

Als Voraussetzung für den Einsatz neuer Medien im Lehr-und Lernbereich verfügt die TU Ilmenau über ein flächendeckendes Kommunikationsnetz (TUILAN). Die Netzstruktur ist weitgehend geeignet, moderne multimediale Anwendungen einsetzen zu können. Seit 1997 werden im Rahmen des Verbundstudiengangs „Werkstoffwissenschaft“ der TU Ilmenau, der FSU Jena und der Bauhaus-Universität Weimar regelmäßig Teleteaching-Vorlesungen gehalten. Für eine Vertiefung und Erweiterung, auch auf andere Studiengänge, wird die Entwicklung und Produktion von Multimedia-Lehr- und Lernangeboten fortgesetzt und intensiviert. Eine professionelle Entwicklung dieser Angebote erfordert sowohl lernpsychologische als auch betriebswirtschaftliche und technische Kompetenzen. Zusätzlich ist eine wissenschaftliche Begleitforschung aus Sicht der Pädagogik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft notwendig. Wegen des hohen Aufwandes ist vorgesehen, die Entwicklung dieser zukunftsweisenden Lehr-und Lernmittel im Hochschulbereich hochschulübergreifend weiterzuführen. Damit wird zugleich der Weg für eine hochschulübergreifende Anwendung der entwickelten Lehrangebote geöffnet.

Im Rahmen der GET-UP-Initiative werden die TU Ilmenau und die Gesellschaft zur Förderung neuer Technologien in Thüringen (GNT)ihre bisherigen Bemühungen zur Unterstützung von Gründungsinteressierten und jungen Gründern durch Vorlesungsreihen, Seminare und Dienstleistungen fortsetzen und verstärken. Vorgesehen ist eine institutionelle Verankerung von Dienstleistungen im Rahmen der Existenzgründungen auf dem Campus der Universität.

Die Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik bietet die Studiengänge Elektrotechnik und Informationstechnik, Medientechnologie sowie Lehramt an berufsbildenden Schulen (Erstfach: Elektrotechnik) an. Sie ist über Kooperationen in der Lehre auch an den Studiengängen Ingenieurinformatik (mit der Fakultät Informatik und Automatisierung), Werkstoffwissenschaft (mit der Fakultät für Maschinenbau), Wirtschaftsingenieurwesen (mit der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften) beteiligt. Insbesondere der durch Studierende stark nachgefragte Studiengang Medientechnologie wird schrittweise aufgebaut.
Mit der Neuorientierung der Fakultät soll u. a. eine wesentliche Verstärkung des wissenschaftlichen Potentials durch interdisziplinäre Bündelung der Basiskompetenzen auf dem Gebiet der Informationstechnologie und Elektroenergietechnik erreicht werden. Die zukünftigen Kompetenzfelder sind Informations-und Kommunikationstechnik, Mobilkommunikation, Nanotechnologie, Medientechnik, Schaltungstechnik und Elektroniktechnologie, Allgemeine und Theoretische Elektrotechnik, Festkörperelektronik, Elektrische Energie-und Hochspannungstechnik sowie Elektrische Energieumwandlung und Automatisierung.

Die Fakultät für Informatik und Automatisierung ist neben dem Lehrangebot in den Studiengängen Informatik und Ingenieurinformatik auch Dienstleister für andere Studiengänge, z. B. Elektrotechnik und Informationstechnik. Die sehr stark angestiegenen Studierendenzahlen in der Informatik werden erhebliche personelle und sächliche Mittel in der Fakultät binden. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Studienplätzen im Bereich der Informatik noch weiter anhält. Unterstützung leistet der Freistaat Thüringen u. a. mit einem zeitlich befristeten „Sonderprogramm für die Informatik“ des TMWFK.

Auf dem Gebiet der Forschung zeichnet sich innerhalb der Fakultät seit einigen Jahren eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit von Informatikern und Ingenieuren ab. Die zukünftigen Kompetenzfelder der Fakultät -Computational Intelligence, Objekttechnologien und Softwareengineering, Entwurf, Modellierung, Evaluierung und Validierung komplexer Systeme, Verteilte Informations-und Kommunikationssysteme, System-, Automatisierungs-und Umwelttechnik sowie Biomedizinische Technik und Medizinische Informatik -sollen diese Zusammenarbeit verstärken.

Die Lehre in der Fakultät für Maschinenbau wird durch die Studiengänge Maschinenbau, Mechatronik (in Kooperation mit anderen Fakultäten), Werkstoffwissenschaft und Lehramt an berufsbildenden Schulen (Erstfach:Metalltechnik)bestimmt. Des Weiteren beteiligt sich die Fakultät u. a. an dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.

Die Kernkompetenzen der Fakultät Maschinenbau im zukünftigen Planungszeitraum liegen auf den interdisziplinären Gebieten des Maschinenbaus, u. a. der Mechatronik, der Fahrzeugtechnik, der Mikrotechnik und der Nanotechnik. Die Fakultät strebt die Einrichtung eines SFB „Nanomess- und -positioniermaschinen“ sowie eines Graduiertenkollegs „Mikrosystemtechnik“ an. Die gemeinsame Forschergruppe der Fakultäten Maschinenbau und Elektrotechnik und Informationstechnik „Magnetofluiddynamik“ wurde von der DFG bewilligt.

Neben der Ausbildung in den an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften angebotenen Studiengängen Mathematik und Technische Physik werden für andere Fakultäten Dienstleistungen in erheblichem Umfang erbracht.
Die Kernkompetenzen des Instituts für Mathematik werden im Planungszeitraum durch die Themen Diskrete Mathematik, insbesondere Graphentheorie, Theorie und Verfahren der Optimierung, Stochastische Modelle des Operations Research, Qualitative Theorie dynamischer Systeme, Kontrolltheorie und optimale Prozesse und Numerik von Differentialgleichungen bestimmt werden.

Das Institut für Physik legt seine zukünftigen Schwerpunke auf Nanophysik, Halbleiterphysik, Mikroreaktionstechnik, Oberflächen-und Grenzflächenphysik, Tribologie, Sensorik, Festkörpertheorie, Computational Physics, Polymerphysik, Umweltphysik, Solare Energietechnik und Kohlenstoffchemie.

Das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft wurde 1999 als drittes Institut der Fakultät gegründet. Das Institut stellt die Ausbildung in dem Studiengang „Angewandte Medienwissenschaft“ sicher. Des Weiteren ist das Institut auch an den Studiengängen „Medienwirtschaft“ und „Medientechnologie“ sowie am „Studium generale“ und am „Europastudium“ beteiligt.

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zeichnet für die Studiengänge Medienwirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik verantwortlich. Durch eine Kooperation mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FSU Jena soll der letztgenannte Studiengang zu einem Verbundstudiengang entwickelt werden. Die genannten Studiengänge werden von den Studienanfängern stark nachgefragt. Neben der Weiterentwicklung der bestehenden Studiengänge sieht die Fakultät ihre Forschungsausrichtung in dem Themenbereich Unternehmen, Märkte und Ordnungen im Wandel -Innovative Produkte und Prozesse. Des Weiteren ist die Fakultät in die Themenbereiche anderer Fakultäten wie z. B. „Technikbasierte Information und Kommunikation“ oder „Neue Prinzipien und Optimierung der Energieversorgung“ einbezogen.

Das Fakultätsübergreifende Institut für Werkstofftechnik ist in der Lehre für die werkstofforientierte Ausbildung in den Studiengängen Werkstoffwissenschaft, Mechatronik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen zuständig. Die Forschung soll im Planungszeitraum hauptsächlich durch die Themen Metallische Werkstoffe und Verbundwerkstoffe, Anorganisch-nichtmetallische Werkstoffe, Oberflächentechnik und Metallkorrosion, Kunststofftechnik, Funktionswerkstoffe und Werkstoffdiagnostik sowie Biomaterialien bestimmt werden.



10.3 Friedrich-Schiller-Universität Jena

Entwicklung der Studierendenzahl

Mit zehn Fakultäten, einer Gesamtzahl von 6.779 Beschäftigten, 421 Professuren und 16.536 Studierenden ist die Friedrich-Schiller-Universität Jena größte Hochschule und einzige Volluniversität Thüringens. Seit 1990 ist die Studentenzahl im Durchschnitt jährlich um 1.000 Studenten gestiegen; damit hat sich im WS 2001/02 die Studentenzahl gegenüber dem WS 1990/91 nahezu verdreifacht.

Die Universität bietet ihren Studierenden ein Lehrangebot an, das 120 Fächer umfasst; für sich oder in Kombination untereinander münden die Studienfächer in die Abschlüsse Diplom (20), Staatsexamen (6), Bakkalaureat (3)oder Magister Artium bzw. Magister Scientiarum (56).

Die Universität ist durch gemeinsame Berufungen von Hochschullehrern eng mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen Institut für Molekulare Biotechnologie, Hans-Knöll-Institut für Naturstoffforschung, Institut für Physikalische Hochtechnologie und Landessternwarte Tautenburg verbunden. Sie arbeitet darüber hinaus eng mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik, mit den Max-Planck-Instituten zur Erforschung von Wirtschaftssystemen, für chemische Ökologie und für Biogeochemie, mit dem Forschungsinstitut Senckenberg Frankfurt/Main, den Akademischen Lehrkrankenhäusern einschließlich des Waldkrankenhauses Eisenberg sowie mit der Stiftung Weimarer Klassik und mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora zusammen.

Bauliche Situation und Entwicklung

In Übereinstimmung mit der Entwicklungsplanung von 1992 wird die Universität Jena als (Innen-) Stadtuniversität ausgebaut. Nur die Medizinische Fakultät soll mit dem Universitätsklinikum entsprechend der vom Wissenschaftsrat 1993 bestätigten Entwicklungsplanung langfristig in Jena-Lobeda (6 km vom Zentrum entfernt)untergebracht werden.

Am 01.12.2000 standen 9.737 flächenbezogene Studienplätze (davon 1.917 Medizin) und 167.418 m² Hauptnutzfläche (davon 64.455 m² Medizin) zur Verfügung. Bis zum Jahr 2008 soll die Universität Jena auf 10.400 flächenbezogene Studienplätze ausgebaut werden, davon 1.750 für Medizin und
Zahnmedizin.

Für die Medizinische Fakultät besteht auch nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitts des Klinikumsneubaus in Jena-Lobeda für die operativen klinischen Fächer ein Flächendefizit im Bereich der anderen klinischen und theoretischen Fächer. Es ist ferner zu berücksichtigen, dass Flächen teilweise nicht den Standards für eine moderne Forschung, Lehre und Krankenversorgung entsprechen. Auch unter feuerpolizeilichen Gesichtspunkten besteht Ersatz-und Sanierungsbedarf. Desgleichen schafft erst der 2. Bauabschnitt des Klinikumsneubaus mit der Konzentration aller krankenversorgungsrelevanten Einrichtungen und Betriebseinheiten an einem Standort entscheidende Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Universitätsklinikums im Vergleich zu anderen bundesdeutschen Standorten der Hochschulmedizin und zu anderen Thüringer Krankenhäusern. Namentlich für die Pharmazie, die Chemie und die Biologie benötigt die Universität Ersatzbauten und Grundsanierungen.

Folgende Neubauvorhaben sind für die Entwicklung der Universität von zentraler Bedeutung:
-Der Neubau der Universitäts-und Landesbibliothek wurde im WS 2001/02 fertig gestellt. Er nimmt einen Bestand von 1, 58 Mio. Bänden auf und bietet 610 Leseplätze an.
-Der 1. Bauabschnitt des Klinikumsneubaus mit einer Nutzfläche von ca. 39. 000 m² wird Ende 2002 fertig gestellt. Wichtig ist die Fortsetzung des Bauvorhabens im Rahmen des 2. Bauabschnittes. Eine wesentliche Grundlage hierfür stellt das vorliegende Strategiekonzept für das Klinikum der FSU dar, das unter maßgeblicher Mitwirkung einer Unternehmensberatung entwickelt wurde.
-Die Pharmazie soll durch Umbau eines angekauften Gebäudes in Verbindung mit einem Neubau von bisher sechs Standorten auf einen Standort an der Carl-Pulfrich-Str. 2 konzentriert werden.
-Ein modernes Gebäude für die Anorganische Chemie und ein Laborgebäude für die Biologie sollen völlig unzulängliche Altbauten ersetzen.
-Für die Ausbildung der Studierenden der Sportwissenschaft und für den allgemeinen Hochschulsport ist eine Sporthalle notwendig.
-Im Stadtzentrum, eventuell am Standort Bachstraße, ist die Einrichtung einer Teilbibliothek Naturwissenschaften/Theoretische Medizin vorgesehen.
-Die Nachnutzung von Flächen des Klinikums im Gebiet der Bachstraße eröffnet nach erfolgter Sanierung langfristig günstige bauliche Entwicklungsmöglichkeiten für die innerstädtischen Bereiche der Universität.

Die Universität wird fachgruppenspezifisch in die Innenstadt integriert, wodurch ein Campuscharakter gefördert wird:
Für die Geisteswissenschaften ist dies im Stadtzentrum am Fürstengraben im Umfeld des Bibliothekshauptgebäudes unter Einbeziehung des Universitätshauptgebäudes und der vorhandenen Institutsgebäude sowie am Ernst-Abbe-Platz vorgesehen. Die Einrichtungen befinden sich alle innerhalb eines Radius von etwa 250 m. Sanierungsmaßnahmen sind insbesondere für das Historische Institut und das Institut für Altertumswissenschaften notwendig.
Am Ernst-Abbe-Platz sind die Rechtswissenschaftliche Fakultät, die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und Teile der Universitätsbibliothek sowie Institute der Fakultät für Sozial-und Verhaltenswissenschaften und der Philosophischen Fakultät untergebracht.
Die Naturwissenschaften werden hauptsächlich im Landgrafengebiet konzentriert, zudem in der Bachstraße (bisher Klinikum), in der Kochstraße (bisher Kinderklinik)und in der Erbertstraße/Neugasse (Biologie). In Abhängigkeit von der Fertigstellung des 2. Bauabschnitts des Klinikumsneubaus in Jena-Lobeda sind entsprechende Nachnutzungen für die Kinderklinik, die Klinik für Hals-, Nasen-und Ohrenheilkunde und ggf. die Klinik für Urologie zu prüfen.

Ausbauschwerpunkte

Der nach der Wende begonnene personelle Neuaufbau der Universität Jena ist mit der Integration der sieben von der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. an der Universität Jena eingerichteten Arbeitsgruppen und des im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms geförderten Personals außeruniversitärer Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR sowie mit dem Aufbau der Studiengänge Biochemie, Pharmazie, Informatik, Ernährungswissenschaft, Medienwissenschaft, Geographie und Geowissenschaften weitgehend abgeschlossen.

Für die Universität stellen sich als fakultätsübergreifende Ausbauschwerpunkte insbesondere die Informatik, das wissenschaftliche Rechnen, die Medienwissenschaften, Gesundheits-und Lebenswissenschaften, Wissenschaftsethik und im Hinblick auf die DFG-Forschungszentren die Physik (z. B. Optomatronik) dar.

Mit der Einrichtung eines Studiengangs Bioinformatik durch die Fakultät für Mathematik und Informatik in Zusammenarbeit mit der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät, der Medizinischen Fakultät, dem Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, dem Institut für Molekulare Biotechnologie sowie dem Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung wird das BioRegio-Konzept für die Region Jena gestärkt. Forschung und Lehre in diesem Zukunftsbereich werden durch vorhandene Stellen und durch entsprechend ausgestattete, ggf. umgewidmete Lehrstühle abgedeckt. Weitere Ausbauoptionen sind nachfrageabhängig; Gleiches trifft für die geplanten neuen Studiengänge Lebensmittelchemie und Biophysik zu.

Mit dem Verbundstudiengang Wirtschaftsinformatik unter Federführung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Kooperation mit der Technischen Universität Ilmenau soll dem gestiegenen Bedarf an Informatikern Rechnung getragen werden. Dieser Studiengang würde mit seiner Konzeption die Durchlässigkeit für Studierende hin zu beiden Hochschulen gewährleisten und soll an der Universität Jena in Ergänzung zu dem eher technisch orientierten Ilmenauer Studiengang vor allem betriebs-bzw. volkswirtschaftlich ausgerichtet werden.
Mit dem Magister-Nebenfach Informatik für Geistes-und Sozialwissenschaften sollen die Querverbindung von den Geisteswissenschaften zur Informatik hergestellt und die Berufschancen der Absolventen von Magisterstudiengängen verbessert werden.

Die Medienwissenschaft wird hauptsächlich von der Philosophischen Fakultät und der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften mit je drei C 4-und zwei C 3-Professuren abgesichert. Durch die Kombination eines Fachstudiums mit medienrelevanten Schlüsselqualifikationen soll den Absolventen ein guter Berufseinstieg ermöglicht werden.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Ergänzung des genuin medienwissenschaftlichen Angebots um medienbezogene Forschung und Lehre aus den Nachbarfächern, z. B. um Medienrecht, Ethik der öffentlichen Kommunikation, Medienpolitik, Rhetorik und literaturwissenschaftliche Medienforschung sowie Medienökonomie.

Im Bereich der angewandten Ethik besteht ein gewachsener Klärungsbedarf in der Bio- und Medizinethik. Hinzu kommen verstärkt Anforderungen an Wirtschaftsethik, Technologiefolgenabschätzung, Medienethik, Wissenschaftsethik u. a. m. Wichtige Themen sind zudem ethische Fragen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der DDR-Vergangenheit einerseits und Fragen der Nachhaltigkeit unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens im Sinne der Agenda 21 andererseits. An dem fakultätsübergreifenden Ethikzentrum sollen auch Ethiker aus dem Universitätsverbund Halle-Jena-Leipzig, von der Universität Erfurt und der Theologischen Fakultät Erfurt beteiligt werden. Aufbauend auf drittmittelfinanzierten gemeinsamen Projekten sollen ein Magisterstudienfach sowie Weiterbildungsmodule entwickelt werden.
Das Zentrum für Molekulare und Zelluläre Biomedizin (ZMZB) soll einerseits die Aufgliederung dieses sich stürmisch entwickelnden Forschungsgebietes in mehrere spezialisierte Subgebiete verhindern und zugleich den Übergang von der Grundlagenforschung in den biologischen und medizinisch-theoretischen Fächern zur angewandten Forschung erleichtern.
Insbesondere bei Fragestellungen der klinisch-orientierten Neurowissenschaften, der rheumatischen und Autoimmunerkrankungen, der klinisch-experimentellen Onkologie und der Hämostaseologie in Verbindung mit den theoretischen Forschungsgruppen kommt dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung der Medizinischen Fakultät eine koordinierende, fächerübergreifende Funktion zu.

Eine Stärkung des interdisziplinären naturwissenschaftlich-medizinischen Lehr-und Forschungspotentials soll durch die Einrichtung eines Lehrstuhls für experimentelle Biophysik und eines in erster Linie von der Physikalisch-Astronomischen Fakultät verantworteten Studiengangs Biophysik sowie eines gemeinsam von der Biologisch-Pharmazeutischen und der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät konzipierten Studiengangs Lebensmittelchemie erfolgen. Im Bereich der Präventivmedizin verfügt die Universität sowohl in der Medizin als auch in den Biowissenschaften über ausgewiesene Fachkompetenzen, welche unter Mitwirkung der Sozial-und Verhaltenswissenschaften, der Ernährungswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaften in einen modularisierten Studiengang Gesundheitswissenschaften münden sollen. Desgleichen sollen die Umweltwissenschaften durch eine modifizierte Weiterführung des Studiengangs Umweltsicherung/Ecotechnie gestärkt werden, an dem Arbeitsgruppen aus den Bereichen Medizin, Chemie sowie Bio-und Geowissenschaften beteiligt sind. Fakultätsübergreifend soll ein Magisterstudienfach Wissenschaftsgeschichte angeboten werden.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IZWR), in das auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (Hans-Knöll-Institut für Naturstoffforschung, Institut für Molekulare Biotechnologie, Institut für Physikalische Hochtechnologie und Max-Planck-Institut für chemische Ökologie)einbezogen werden, soll die Entwicklung neuer numerischer Algorithmen und deren Implementierung auf Höchstleistungsrechnern ermöglichen. Dies hat Auswirkungen bis in den Bereich der Biowissenschaften und der Medizin und soll die Gründung von Sonderforschungsbereichen maßgeblich fördern.

Das Zentrum für Optomatronik wird als Schnittstelle der Optik, Quantenelektronik, Biotechnologie und Materialwissenschaften auch neue technologische Möglichkeiten eröffnen. Dieses Zentrum ist eine gemeinsame Einrichtung von Instituten der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Instituts für Physikalische Hochtechnologie unter enger Mitwirkung der Thüringer Industrie.

Ein Ausbau in der Paläolithforschung in Verbindung mit einer entsprechenden Professur für Ur- und Frühgeschichte soll sowohl die Kooperation mit den thüringischen und sachsen-anhaltinischen Landesämtern für Archäologie stärken als auch die Zusammenarbeit mit dem Bereich Quartärpaläontologie des Forschungsinstituts Senckenberg Frankfurt/Main;hierin wird auch die Weiterführung des Projektes Bilzingsleben eingebettet.
Die Kooperationsbeziehungen des Fachgebietes Volkskunde/Kulturgeschichte mit dem Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt und der dortigen Landesstelle für Volkskunde werden weitergeführt und ausgebaut.

Die Universität pflegt weiter die enge fachliche Zusammenarbeit mit der Stiftung Weimarer Klassik. Dies gilt ebenso für die Wartburgstiftung und dort, wo es sich fachlich anbietet, für die übrigen Stiftungen. Die Universität wird eingedenk des gemeinsamen historischen Erbes die Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora weiter ausbauen, um dem historisch bedingten Spannungsfeld zwischen der räumlichen Nähe der Wirkungsstätten Weimarer Klassik und den Orten menschenverachtenden Terrors Rechnung zu tragen.

Zur Konzentration fachdidaktischer Kompetenz in den lehramtsrelevanten Studienfächern und zur Förderung des Einsatzes modernster Medientechnik sowie der Qualitätssicherung haben sich die Fachdidaktiker zu einem „Fachdidaktikzentrum“ zusammengeschlossen.

Als Mitinitiator der GET-UP-Initiative gemeinsam mit der Fachhochschule Jena, der Technischen Universität Ilmenau und der Fachhochschule Schmalkalden ist die Universität Jena um verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen und um den Aufbau eines Beratungsnetzwerkes für Existenzgründungen bemüht. In das Projekt eingebunden sind auch das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik, das Institut für Physikalische Hochtechnologie und das Institut für Molekulare Biotechnologie.

In der Theologischen Fakultät sind von den bisherigen Forschungsschwerpunkten die Themen Erschließung der reformationsgeschichtlichen Quellen der Universitätsbibliothek Jena, ethische Urteilsbildung und klinische Praxis, Praktische Theologie im Dritten Reich, religiöse Sozialisation Jugendlicher in Thüringen, Islam in Deutschland, Judentum sowie Geschichte des antiken Christentums hervorzuheben. Es ist die Einrichtung einer Forschungsabteilung für das Corpus-Judaeo-Hellenisticum Novi Testamenti in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Halle und Edinburgh vorgesehen. In der Lehre soll der Wissenstransfer aus der Universität in Kirche, Diakonie und Schule intensiviert werden. Hierzu soll als weiteres Magisterstudienfach Evangelische Theologie angeboten werden. Im Verbund mit den Theologischen Fakultäten in Leipzig und Halle sowie der Theologischen Fakultät Erfurt ist ein postgradualer Studiengang Liturgiewissenschaft geplant. Eine wesentliche Aufgabe wird in der Weiterbildung insbesondere für die Thüringer Pfarrerschaft und für Religionslehrer gesehen.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät prüft in Ergänzung zum Staatsexamensstudiengang die Einrichtung eines Diplomstudienganges, um ausgewählten Studierenden einen schnelleren Übergang in die wissenschaftliche Laufbahn und in andere Berufe, die nicht die Befähigung zum Richteramt voraussetzen, zu ermöglichen. Dabei betont die Fakultät die Notwendigkeit breiter juristischer Ausbildung und Bildung, wobei der Vermittlung von Informatik-und Fremdsprachenkompetenzen inklusive Auslandsaufenthalten große Bedeutung beigemessen wird. Zu den Forschungsschwerpunkten der Fakultät zählen das Wirtschaftsrecht (einschl. seiner europäischen, internationalen und ausländischen Komponenten), das Recht der europäischen Integration sowie Arbeits-und Sozialrecht. In Kooperation mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und dem Institut für Politikwissenschaft der Fakultät für Sozial-und Verhaltenswissenschaften wird das „Hellmuth-Loening-Zentrum für Staatswissenschaften “verantwortet, das sich dem Dialog mit Praxisvertretern widmet. Im breiten Kontakt zu Nachbardisziplinen und europäischen Universitäten und Forschungseinrichtungen werden die kulturellen Bedingtheiten der Rechtssetzung und Rechtsanwendung in historischer und vergleichender Perspektive sowie die Grundlagen einer gemeineuropäischen Rechtskultur erforscht.

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät hat unter den Leitmaximen einer berufsbezogenen und wissenschaftlich fundierten Ausbildung und einer Verzahnung mit der wirtschaftlichen Praxis (Leitbild:„Management des Wandels“) in Forschung und Lehre ihren Neuaufbau weitgehend abgeschlossen. Zusätzlich zu den bestehenden Studiengängen konzipiert diese Fakultät den Studiengang Wirtschaftsinformatik in Verbindung mit der Fakultät für Mathematik und Informatik und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Ilmenau.
Hervorzuhebende Aktivitäten liegen darüber hinaus in der Betreuung von Gründungsprojekten im Rahmen der GET-UP-Initiative, in der Entwicklung eines virtuellen Unternehmensgründungszentrums sowie in der Durchführung von zahlreichen Veranstaltungen zum Austausch zwischen Fakultät und Wirtschaft. Die Neubesetzung des Lehrstuhls „Volkswirtschaftslehre I “, dessen zentrale Aufgaben Theorie und Empirie der Mikroökonomik, insbesondere Innovationsökonomik, bilden, gewährleistet eine enge Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen, namentlich auf dem Gebiet der evolutorischen Ökonomik.

Die Philosophische Fakultät verzeichnete in den letzten Jahren einen beachtlichen Anstieg der Studierendenzahlen. Das vielfältige Angebot an Magister-und Lehramtsstudiengängen wird von den Studierenden gut angenommen. Mit der Neueinrichtung der Studienfächer Volkskunde/Kulturgeschichte, der interdisziplinären Südosteuropastudien und der fakultätsübergreifenden Medienwissenschaft wurde dem Bedarf an neuen Lehrinhalten Rechnung getragen. Das Magisterstudienfach Kunsterziehung wird von der Bauhaus-Universität Weimar in die studentische Ausbildung eingebracht. Die Einführung des Studienfaches Wissenschaftsgeschichte ist in Vorbereitung. Mit der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ist ein gemeinsames Institut für Musikwissenschaften eingerichtet worden, das ein entsprechendes Magisterstudienfach anbieten soll. Durch eine Schwerpunktsetzung im Mittelalter und in der Renaissance wird eine interdisziplinäre Anbindung an andere mediävistische Komponenten der Philosophischen Fakultät (mittelalterlicheGeschichte, Neulatein, philologische Fächer)erreicht.
Der Sonderforschungsbereich „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“ und das Graduiertenkolleg „Leitbilder der Spätantike“ wirken weit über Thüringen hinaus in die bundesdeutsche Forschungslandschaft hinein und gewährleisten inneruniversitär die Vernetzung eines Großteils der Fächer der Philosophischen Fakultät untereinander wie auch eine fakultätsübergreifende Zusammenarbeit. In die Arbeit dieses Sonderforschungsbereichs sind sowohl die Hochschule für Musik Franz Liszt als auch die Stiftung Weimarer Klassik eingebunden.
Die „kleineren Fächer“, insbesondere Indogermanistik, Altorientalistik, Semitistik, Islamwissenschaft und Kaukasiologie, sind stark drittmittelorientiert und arbeiten eng mit verschiedenen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik zusammen.
Die Vernetzung der nordamerikaspezifischen Fächer der Philosophischen und anderer Fakultäten zu einem interdisziplinären Nordamerika-Schwerpunkt wird angestrebt. In der weiteren Planungsperspektive steht unter einem in erster Linie interamerikanistischen Blickwinkel die Einrichtung eines Lateinamerika-Schwerpunktes an.

Die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften sieht sich erfreulicherweise mit einer sprunghaft ansteigenden Studierendenzahl konfrontiert, die erhebliche Anforderungen an die Lehrleistungen stellt und Raumprobleme mit sich bringt. Das in Gründung befindliche Zentrum für Didaktik wird den gestiegenen Anforderungen an die Lehrerausbildung Rechnung tragen. Um die Forschungsmöglichkeiten der Fakultät zu erweitern, sollen insbesondere zwei Ausbauschwerpunkte verfolgt werden:Erstens soll die Psychologie in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten anbieten. Zweitens ist in der Soziologie und in der Medienwissenschaft ein „Observatorium der öffentlichen Kommunikation “vorgesehen, für das ein modernes, computergestütztes Umfragelabor eingerichtet werden soll. Neben der Erweiterung der Forschungsmöglichkeiten an der Fakultät bieten beide Vorhaben die Gelegenheit zu einer eigenständigen anwendungsorientierten Methodenausbildung.

Das Europäische Graduiertenkolleg „Conflict and Cooperation between Social Groups“ führt Forschungen dreier europäischer Zentren zusammen -neben der Universität Jena die Universität Canterbury (GB)und die Universität Louvain-la-Neuve (B)-, um Prozesse zu erkennen, welche für die Ausbildung konstruktiver und destruktiver Beziehungen zwischen Gruppen verantwortlich sind, und zu erforschen, welche auch langfristigen Folgen solche Beziehungen für die Entwicklung von Sozialverhalten und Persönlichkeit haben.
Das gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau durchgeführte Innovationskolleg „Bewegungssysteme“, in dem Sportwissenschaften, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften zusammenwirken, befindet sich in der letzten Förderperiode. Nach der Abschlusskonferenz vom Juli 2001 sollen die Thematiken in anderen Förderungsformen gemeinsam mit der TU Ilmenau weiter erforscht werden.
Zum 01.07.2001 wurde der Sonderforschungsbereich „Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ (in Zusammenarbeit mit der MLU Halle-Wittenberg) neu bewilligt.

Die Forschung der Fakultät für Mathematik und Informatik ist traditionell in den Bereichen Analysis (Funktionalanalysis, Funktionenräume) und Stochastik (Wahrscheinlichkeitsmaße auf Funktionenräumen) konzentriert. Kennzeichnend ist das seit Jahren erfolgreich arbeitende Graduiertenkolleg „Analytische und stochastische Strukturen und Systeme “. Daneben wird der weitere Ausbau von Geometrie und Algebra/Zahlentheorie fortgesetzt, ergänzt um den neuen Lehrstuhl „Theoretische Numerik “. Die fakultätsübergreifende Zusammenarbeit findet sich in dem im Aufbau befindlichen Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IZWR)als Kompetenzzentrum wieder; dies wird unterstrichen durch eine anwendungsorientierte Schwerpunktsetzung des Lehrstuhls für Numerik. Die neuen fakultätsübergreifenden Studiengänge Bioinformatik in Zusammenarbeit mit der Biologisch-Pharmazeutischen und der Medizinischen Fakultät sowie Wirtschaftsinformatik gemeinsam mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und der Technischen Universität Ilmenau erweitern das klassische Ausbildungsangebot.

Die Physikalisch-Astronomische Fakultät hat in Lehre und Forschung den Anschluss an den bundesdeutschen und internationalen Standard erreicht. Die Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in der Optik und Quantenelektronik, Festkörper-und Materialphysik sowie der Theoretischen und der Astrophysik. Forschungsgruppen der Fakultät sind erfolgreich in mehrere Sonderforschungsbereiche, Leitthemen des BMBF und Nationale Schwerpunktprogramme der DFG eingebunden. Der Sonderforschungsbereich „Physik und Chemie optischer Schichten “bezieht auch Fachkompetenz der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät ein. Ein internationales ESA-Projekt für die neue Raumstation wird von Jena aus koordiniert. In naher Zukunft gilt es, die Attraktivität der naturwissenschaftlichen Fakultäten für exzellente Studierende/Doktoranden zu steigern, um weiterhin ein hohes Niveau halten zu können. Hierzu ist auch eine adäquate personelle und apparative Ausstattung notwendig. Fakultätsübergreifend sind die Schwerpunkte Biophysik und Computational Physics auszubauen, um das im Großraum Jena vorhandene wissenschaftliche Umfeld zu stärken.
Für die zukünftigen Informationstechnologien wird das Licht als Transportmedium eine große Rolle spielen. Um die traditionell getrennten Gebiete Optik, Laserphysik, Optoelektronik, neue Materialien und Maschinenbau in angepasster Weise auf diesem Gebiet zu vereinen, wird gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau ein grundständiger Studiengang Optische Technologien konzipiert, anknüpfend an den Thüringer Verbundstudiengang Werkstoffwissenschaft.
Die Fakultät ist bemüht, einen weiteren Sonderforschungsbereich zum Thema „Photonen in komplexen Strukturen “ im Anschluss an ein ausgelaufenes Innovationskolleg einzurichten.

Die Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät hat sich mittlerweile gut in der bundesdeutschen Forschungslandschaft platzieren können und im Rahmen von Rankings sehr gute Bewertungen für die Lehre erzielt. Die Zahl der Studierenden hat sich im Verlauf der letzten vier Jahre verdoppelt. Um das hohe Ausbildungs-und Forschungsniveau halten zu können, ist es notwendig, den anstehenden Generationenwechsel zur Gewinnung hochqualifizierter Hochschullehrer zu nutzen.
Die Schwerpunkte der chemischen Forschung sind vor allem in dem Sonderforschungsbereich „Metallvermittelte Reaktionen nach dem Vorbild der Natur “und in der Koordinierungsaufgabe für das DFG-Schwerpunktprogramm „Cellulosederivate “zu erkennen, desgleichen in der Glaschemie auch nach Beendigung des Innovationskollegs „Glaskeramik mit neuen Eigenschaften “.
Im Bereich der Geographie liegen die Schwerpunkte auf den Gebieten Prozessmodellierung und Paläoökosystemforschung, in den Geowissenschaften bei der Prozessbildung in der oberen Erdkruste, insbesondere im Grundwasserbereich. Übergreifendes Thema in beiden Bereichen sind die Stoffflüsse zwischen den verschiedenen Kompartimenten.

Die Biologisch-Pharmazeutische Fakultät trägt der schnellen Entwicklung der biowissenschaftlichen Forschung durch den neuen Studiengang Bioinformatik und die beabsichtigte Einführung des Studienganges Lebensmittelchemie Rechnung. Der Bioinformatik kommt in der Entwicklung der Biowissenschaft eine Schlüsselrolle zu. Die Universität Jena bietet in Verbindung mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen aufgrund der starken Genom-und Strukturforschung in der Molekularbiologie/Biochemie dafür die besten Voraussetzungen. Gleiches trifft für die Erforschung von Regulationsprozessen zu, insbesondere bei der Aufklärung des Zusammenhangs zwischen Raumstruktur und biologischer Aktivität. In Verbindung mit dem Institut für Molekulare Biotechnologie und dem Hans-Knöll-Institut für Naturstoffforschung wird die Genomik zu einer funktionellen Genomik und schließlich Proteomik entwickelt. Es besteht -auch aus ethischen Überlegungen -die dringende Notwendigkeit einer Synthese von Teilgebieten der Biologie und Medizin zur Biomedizin, weil die Molekulare Genetik in der Medizin gegenwärtige Diagnose-und Therapievorstellungen radikal verändert.
Die universitären Fachgebiete Ökologie, Ernährungswissenschaften, Allgemeine Botanik, das Max- Planck-Institut für Biogeochemie und das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie widmen sich gemeinsam der Untersuchung belasteter Ökosysteme.
Vertreter der Fakultät und des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie betrieben die Einrichtung einer inzwischen positiv begutachteten Forschergruppe „Biodiversität “. Zu dieser Thematik arbeitet seit 1996 ein Graduiertenkolleg „Funktions-und Regenerationsanalyse belasteter Ökosysteme “.
In der Pharmazie ist das Arzneimittel unter chemischen, biologischen, technologischen und pharmakologischen Aspekten gemeinsames Forschungsanliegen. Die rasante Entwicklung in der Arzneimittelforschung erfordert die Vertretung der Gebiete Industriepharmazie, Klinische Pharmazie, Pharmazeutische Verfahrenstechnik sowie Pharmazeutische Biotechnologie, damit die Arzneimittel in ihrer Komplexität umfassend bearbeitet werden können. Hierbei sind Synergien insbesondere mit der Medizinischen Fakultät und der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät sowie mit dem Hans-Knöll-Institut für Naturstoffforschung und dem Institut für Molekulare Biotechnologie zu nutzen.
In der Ernährungswissenschaft ist die Kompetenz der ernährungsrelevanten Forschung im engeren Sinne weiter auszubauen, unter Beibehaltung der naturwissenschaftlichen Ausrichtung dieses Fachgebietes. Zukunftsträchtige Forschungsprofile sollen in der Ernährungstoxikologie, Ernährungsimmunologie und der Ernährungsendokrinologie entstehen und in den Studiengang Lebensmittelchemie einfließen.

Die Medizinische Fakultät hat im bundesweiten Vergleich eine überdurchschnittliche Ausbildungsqualität in den zulassungsbeschränkten Staatsexamensstudiengängen Humanmedizin und Zahnmedizin erreicht, wie die Prüfungsergebnisse des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen belegen. Sie unterstützt die Biologisch-Pharmazeutische Fakultät bei der Konzeption des neuen Studiengangs Lebensmittelchemie und bei der Durchführung des Studiengangs Biochemie, die Fakultät für Mathematik und Informatik beim Studiengang Bioinformatik und die Physikalisch-Astronomische Fakultät beim Studiengang Biophysik. Sie strebt gemeinsam mit der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät die Einrichtung eines Studiengangs Molekulare Medizin an; dieses Fach wird bereits im Studiengang Biochemie als Wahlpflichtfach angeboten. Die Medizinische Fakultät setzt große Hoffnungen auf die inhaltliche Neuorientierung des wissenschaftlichen Profils des Instituts für Molekulare Biotechnologie, wodurch die klinische Forschung in der Medizinischen Fakultät gestärkt werden würde.

Zusätzlich zu dem Sonderforschungsbereich „Bio-und Modellmembranen“ prägt die Klinische Forschergruppe „Klinische Molekularbiologie genitaler Erkrankungen assoziiert mit humanpathogenen Papillomviren“ das Forschungsprofil. Neben dem Gesichtspunkt der Stärkung der klinischen Fächer durch Wiederbesetzung wichtiger Lehrstühle und durch Neustrukturierung der Inneren Medizin liegt ein Augenmerk auch auf der Profilierung der zahnmedizinischen Lehre und Forschung bei der Wiederbesetzung altersbedingt freiwerdender Lehrstühle in der Prothetik und Kieferorthopädie.

Mit der Fertigstellung zweier Forschungsgebäude in Jena-Lobeda und im Bereich der medizinisch-theoretischen Institute in der Kollegiengasse wird eine deutliche Verbesserung der Forschungsinfrastruktur erreicht, welche eine erfolgreiche Drittmitteleinwerbung unterstützt. Die Vergabe dieser zusätzlichen Forschungsflächen wird unter Berücksichtigung von Leistungsparametern der Forschung erfolgen. Außerdem soll entsprechend den Forderungen der Kultusministerkonferenz und des Wissenschaftsrates in den kommenden Jahren ein zunehmender Prozentsatz des Landeszuschusses für Lehre und Forschung fakultätsintern weitgehend leistungsbezogen den einzelnen medizinisch-theoretischen, klinisch-theoretischen und klinischen Abteilungen zugewiesen werden. Aufbauend auf einer ausbildungs-und forschungsbezogenen mittelfristigen Finanzplanung für die Medizinische Fakultät soll zwischen Land, Universität und Klinikum eine Zielvereinbarung über die Höhe der zukünftigen Landeszuschüsse für Lehre und Forschung sowie Dienstleistungen in der Medizinischen Fakultät abgeschlossen werden, um im Interesse des Landes und der Hochschule Planungssicherheit für die hochschulmedizinische Ausbildung und Forschung im Universitätsklinikum zu erhalten.

In der stellenbezogenen Drittmitteleinwerbung liegen alle medizinischen Fakultäten der neuen Länder noch unter dem Bundesdurchschnitt. Das Land wird gemeinsam mit der Universität alle Anstrengungen unternehmen, um die klinische Forschung Thüringens -nicht zuletzt wegen ihrer Bedeutung für die Biotechnologie, das BioInstrumente-Konzept und das Konzept OphthalmoInnovation -international wettbewerbsfähig zu gestalten.


Hochschulmedizin

Das Land verfügt mit der Universität Jena über eine Ausbildungsstätte für Human-und Zahnmediziner, deren derzeitige Ausbildungskapazität für die dauerhafte Sicherstellung der ambulanten und stationären Krankenversorgung der Thüringer Bevölkerung auch langfristig ausreichend ist.

Das Klinikum der Universität Jena ist mit derzeit 1.394 Planbetten und nahezu 44.000 stationären Behandlungsfällen (1999) das größte Krankenhaus Thüringens. Ambulant wurden im gleichen Zeitraum 112.390 ärztliche und 17.127 zahnärztliche Behandlungsfälle registriert. Hinzu kamen weitere 18.159 Notfallbehandlungen.
Die Einheit von Lehre, Forschung und Krankenversorgung spiegelt sich auch in der hochschulrechtlich festgelegten Zusammensetzung des Vorstandes des Klinikums wider, dem der Ärztliche Direktor, der Dekan, der Verwaltungsdirektor, der Direktor des Pflegedienstes und ein Mitglied des Fakultätsrates stimmberechtigt angehören.

Das Universitätsklinikum trägt nicht nur in Verbindung mit der Medizinischen Fakultät die Verantwortung für die universitäre Ausbildung und Forschung, sondern nimmt auch regional für die Bevölkerung Jenas sowie überregional für die Bevölkerung Ostthüringens und darüber hinaus Versorgungsaufträge wahr. Die Medizinische Fakultät wird dem in ihrer strukturellen Gliederung Rechnung tragen, da die gesamten Aufwendungen für die stationäre Krankenversorgung trotz zunehmenden Wettbewerbsdrucks auf dem Gesundheitsmarkt zu erwirtschaften sind. Unter diesem Aspekt wird die rechtliche Gestaltung des Klinikums und der Medizinischen Fakultät zur gesamten Universität geprüft werden. Die Entscheidungsträger des Klinikums und der Medizinischen Fakultät sollen zukünftig am Erfolg des Klinikums beteiligt werden, um hierdurch einen effektiveren Ressourceneinsatz und eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.

Mit Fertigstellung des 1. Bauabschnitts des Klinikumsneubaus in Jena-Lobeda Ende des Jahres 2002 wird ein wesentlicher Schritt zur Konzentration der klinischen Fachdisziplinen durch die Zusammenführung der operativen Fächer mit den Medizinischen Kliniken erreicht. Im Klinikumsneubau werden neue Organisationsformen eingeführt, die eine wirtschaftlichere Betriebsführung ermöglichen sollen. Erst die Fertigstellung des 2. Bauabschnitts konzentriert alle wesentlichen klinischen Fachgebiete und Dienstleistungsbereiche an einem Standort, was unabdingbare Voraussetzung für die notwendige Minimierung der Betriebskosten ist. Es müssen daher alle Voraussetzungen geschaffen werden, um nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitts sofort den 2. Bauabschnitt in Angriff nehmen zu können. Hierzu hat eine interministerielle Arbeitsgruppe Vorschläge zur optimierten Bedarfs-, Organisations-und Bauplanung sowie zur Finanzierung unterbreitet.

Mit den Krankenhäusern in Landesträgerschaft -bzw. in teilweiser Landesträgerschaft -dem Landesfachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Stadtroda und dem Waldkrankenhaus “Rudolf Elle” Eisenberg sind alle Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Verbundlösung zu nutzen. Die Investitionskosten des Landes sind zu optimieren. Durch eine effektive Betriebsführung sind die ökonomischen Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige regionale Krankenversorgung und für eine Verbesserung der anwendungsbezogenen klinischen Forschung zu schaffen.

Das Klinikum der Universität Jena gewährleistet die Voraussetzungen für die Ausbildung an der Medizinischen Fakultät in den Studiengängen Humanmedizin und Zahnmedizin sowie zukünftig im Studiengang Molekulare Medizin. Über die Hälfte der Thüringer Ärzte und fast alle Thüringer Zahnärzte sind im späteren Berufsleben im niedergelassenen Bereich tätig. Zu den Ausbildungsinhalten entsprechend den Approbationsordnungen gehören daher auch die Diagnostik und Therapie ambulant zu behandelnder Krankheitsbilder. Die Hochschulen Deutschlands sind aus diesem Grunde nach §117 des Fünften Sozialgesetzbuches ermächtigt, als Krankenhäuser auch Polikliniken zum Zwecke der Durchführung von Lehre und Forschung in einem hierfür erforderlichen Umfang vorzuhalten. Die Polikliniken nehmen keinen gesetzlichen Versorgungsauftrag wahr; diesen Sicherstellungsauftrag erfüllen vielmehr allein die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen mit ihren Vertragsärzten bzw. -zahnärzten und mit den von ihnen persönlich ermächtigten Krankenhausärzten. Der Bundesgesetzgeber hat daher die Vergütung der ambulanten Versorgung in den universitären Polikliniken nach §120 Abs. 3 des Fünften Sozialgesetzbuches mit einer Verminderung um 20 %wegen dieser Zweckbindung für Lehre und Forschung zusätzlich zum 10%-igen Investitionskostenabschlag versehen. Zudem ist es den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen erlaubt, diese Vergütung pauschaliert und fallbezogen quartalsweise auszuzahlen, ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Aufwand und auf erforderliche Mehrfachkonsultationen innerhalb eines Quartals. So verbleibt bei dem Land als Träger eines Universitätsklinikums wegen des Ausbildungsauftrages solange ein Großteil der fixen Vorhaltekosten für die universitären Polikliniken, bis die bundesgesetzliche Regelung eine kostendeckende Vergütung der ambulanten Behandlungen ermöglicht. Der Vorstand des Klinikums der Universität Jena hat seine Bemühungen kontinuierlich fortzusetzen, die Fixkosten für die Polikliniken weiter zu minimieren.
Gesundheitspolitisch sind Organisationsstrukturen wie die Polikliniken der Universitätsklinika grundsätzlich zu begrüßen, stellen sie doch einen ersten Schritt zur gewünschten Verzahnung von ambulanter und stationärer Krankenversorgung dar.

Das Klinikum der Universität Jena nimmt mit seinem Institut für Rechtsmedizin auch Aufgaben des öffentlichen Gesundheitswesens in Thüringen wahr. Dieses Institut wird weiterhin die Ermittlungstätigkeit der Thüringer Strafverfolgungsbehörden auf hohem Niveau und wirtschaftlich effektiv unterstützen. Auch unter Beachtung bundesdeutscher Richtwerte wird das Institut für Rechtsmedizin mit seinen Arbeitsgruppen in Jena, Suhl und Erfurt strukturell den Thüringer Erfordernissen angepasst.



10.4 Bauhaus-Universität Weimar

Entwicklung der Studierendenzahl

Die Bauhaus-Universität konnte in den letzten 9 Jahren eine Verdoppelung der Studierendenzahlen verzeichnen. Im WS 2001/02 sind an den vier Fakultäten 4.686 Studierende eingeschrieben. Der Rückgang der Studienanfänger in den bauorientierten Studiengängen konnte durch die steigende Anzahl der Immatrikulationen im Bereich der Medien-und der Gestaltungsstudiengänge teilweise kompensiert werden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass für den Studiengang Architektur bundesweit Zulassungsbeschränkungen (numerus clausus)bestehen. Auch die Zahl der ausländischen Studenten konnte im WS 2000/01 auf 253 Studierende gesteigert werden. In den internationalen Studentenaustausch waren im WS 1999/2000 insgesamt 167 Studenten einbezogen. Die BUW geht davon aus, dass im Jahr 2005 mehr als 5.200 Studierende eingeschrieben sind von denen mindestens 4.400 in grundständigen Studiengängen studieren.


Bauliche Situation und Entwicklung

Die Bilanz der abgeschlossenen Baumaßnahmen und Anmietungen ist insgesamt positiv. Die Rekonstruktion des Hauptgebäudes der Universität, der angemietete Komplex Marienstraße 1/Bettina-v. -Armin-Straße 1 für die Fakultät Gestaltung, die ersten Neubauten für die Fakultät Architektur sowie die Anmietung in der Leibnizallee haben entscheidend zur Verbesserung der Situation für die Lehrenden und die Studierenden beigetragen. Damit verfügt die Universität zurzeit über 1.978 flächenbezogene Studienplätze auf einer HNF von 37.870 m². Das Ausbauziel für die Hochschule liegt im Jahr 2004 bei 2.300 flächenbezogenen Studienplätzen. Als Planungsziel für das Jahr 2008 werden 3.200 flächenbezogene Studienplätze ausgewiesen.

Durch Baumaßnahmen des Landes wird in den kommenden Jahren zusätzliche Fläche für die Universität geschaffen werden. Darüber hinaus sind weitere Flächen durch Anmietungen bereitzustellen. Die Schwerpunkte der baulichen Entwicklung an den drei Standorten Coudraystraße, Steubenstraße und Marienstr. /Geschwister-Scholl-Str. /Bauhausstr. /Belvederer Allee sind:

-Fertigstellung des Lehr- und Laborgebäudes in der Coudraystraße
-Neubau des Bibliotheks- und Hörsaalgebäudes am Standort Steubenstraße
-Vollendung des Medienhauses am Standort Steubenstraße
-Beginn des Experimentalbaus „Holzhaus“, ein Projekt von Studierenden unter Leitung von Professoren der BUW
-weitere Neubauten für die Fakultät Architektur am Standort Geschwister-Scholl-Straße/Bauhausstraße, 2. Bauabschnitt.


Ausbauschwerpunkte

Die Bauhaus-Universität Weimar bietet mit ihrem in Deutschland einmaligen Spektrum einer technischen und künstlerischen Universität beste Voraussetzungen, die Synergieeffekte aus der räumlichen Nähe unterschiedlicher Disziplinen z. B. auch für die Entwicklung weiterer, innovativer Studiengänge zu nutzen. Neue Lehr-und moderne Unterrichtsformen werden von Ingenieuren, (Medien-)Gestaltern und Informatikern der Universität gemeinsam entwickelt. Hier sind insbesondere das Modell des interdisziplinären Projektstudiums, der Weiterbildende Fernstudiengang „Wasser und Umwelt“, der auch als Masterstudiengang angeboten wird, und das Thüringer Studiengang-Modell der „Werkstoffwissenschaften“ (Kooperation der Universitäten Ilmenau, Jena
und Weimar) zu nennen.

Die BUW wird sich dem internationalen Wettbewerb stellen. Durch den Ausbau der Aktivitäten in internationalen Austauschprogrammen, die weitgehende Einführung und Etablierung des neuen zweistufigen BA/MA-Studiums, verbunden mit dem Aufbau weiterer Studiengänge sowie der Bemessung der Studienleistungen nach dem Credit Point System, wird die BUW Voraussetzungen schaffen, um sich auch auf dem internationalen Bildungsmarkt präsentieren zu können.
Über das Spannungsfeld von Kunst und Technik hinaus wird mit dem Ausbau der reflektierenden und kritischen Kultur –und Sozialwissenschaften die „Idee “stärker in das Konzept der Bauhaus-Universität einbezogen werden. Diese Entwicklung soll auf der Bündelung der vorhandenen geistes- und kulturwissenschaftlichen Komponenten basieren und so z. B. die Voraussetzungen für ein PhD-Studium bilden und das Spektrum um solche Fächer wie Technikphilosophie und Technikgeschichte erweitern. Dabei soll eine wissenschaftlich und künstlerisch sinnvolle Vernetzung von Disziplinen besonders gefördert werden. Gekoppelt mit dem weiteren Ausbau des interdisziplinären Projektstudiums werden die Erfolge der fakultätsübergreifenden Schwerpunktprojekte wie SFB 524 „Werkstoffe und Konstruktionen für die Revitalisierung von Bauwerken“, Management/Wirtschaftswissenschaften, Urbanistik, Angewandte Informatik, Weiterbildung/Fernstudium und Marketing/Universitätskommunikation die weitere Entwicklung der BUW wesentlich bestimmen. Außerdem wird den unterschiedlichen Anwendungen der Informatik in den einzelnen Wissensgebieten zukünftig eine hohe Bedeutung zukommen (System Engineering, Mediensysteme).

Im Bereich der Lehramtsstudiengänge für berufsbildende Schulen sind folgende Studiengänge in Vorbereitung:

-Mediengestaltung und Medientechnik
-Farbtechnik.

Darüber hinaus werden Fortbildungsangebote für Lehrer auf dem Gebiet der Medien erarbeitet.

Die Bauhaus-Universität Weimar fühlt sich der Tradition des Staatlichen Bauhauses Weimar verpflichtet, ohne es jedoch kopieren zu wollen. Die Maxime des Staatlichen Bauhauses von der Einheit von Form und Funktion, von künstlerischer Gestaltung und industrieller Fertigung wird erweitert durch das heutige Leitbild der Einheit von Technik und Kunst in ökonomischer und ökologischer Verantwortung. Alle Fakultäten der Bauhaus-Universität tragen zu diesem Leitbild bei.

Über die Fakultät Architektur hinaus wird zukünftig der Schwerpunkt „Stadt “in seiner räumlichen, sozialen, funktionalen, ästhetischen und geschichtlichen Dimension einen Schwerpunkt der Lehre und Forschung an der BU Weimar bilden. Als bundesweit erstes und bisher einziges Studienangebot seiner Art bietet die Fakultät Architektur den postgradualen Studiengang „Europäische Urbanistik “an. Das Studium ist international ausgerichtet, bilingual (deutsch und englisch)und wird nach vier Semestern mit dem „Master of Science“ abgeschlossen.

Um die Studierenden für neue Berufsfelder der Architekten, z. B. in solchen Bereichen wie Projektentwicklung, Facility Management, CAAD, Denkmalpflege, Ökologisches Bauen, vorzubereiten und ihnen eine größere Wahlfreiheit für das Studium und die Berufsplanung zu ermöglichen, wurden im Hauptstudium Vertiefungsrichtungen eingeführt.

Der Fakultät Bauingenieurwesen fällt die Aufgabe zu, den überwiegenden Teil der mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Komponenten im Ausbildungsangebot der Universität in Lehre und Forschung zu übernehmen. Die Fakultät verfügt über eine historisch gewachsene große fachliche Breite, die aufgrund der unterschiedlichen Berufsfelder des Bauingenieurs erforderlich wurde und nun ein im Vergleich mit anderen deutschen Universitäten bemerkenswertes Spektrum darstellt. Dadurch ist die Fakultät in besonderem Maße in der Lage, auf die sich ständig verändernden Voraussetzungen und Bedingungen in der Bauwirtschaft, im konstruktiven Ingenieurbau, der Umwelttechnik, der Baustoffindustrie, im Verkehrs- und Wasserwesen zu reagieren und an der weiteren Entwicklung dieser Wirtschaftszweige mitzuwirken. Dabei soll vor allem auch die Zusammenarbeit mit der MFPA Weimar auf allen für die Fakultät relevanten Gebieten verstärkt werden. Ein wichtiger Schritt ist die erfolgte Bestellung von Professoren der Fakultät Bauingenieurwesen zu Fachgebietsleitern der MFPA Weimar. Im Rahmen einer Studienreform an der Fakultät Bauingenieurwesen sind zum WS 2001/2002 die BA-und MA-Studiengänge Management für Bau, Immobilien, Infrastruktur sowie Infrastruktur und Umwelt eingeführt worden.

Zahlreiche nationale und internationale Kooperationen der Fakultät Bauingenieurwesen haben sich aus dem erfolgreichen BMBF Fernstudien-Projekt „Weiterbildender Studiengang Wasser und Umwelt“ in Zusammenarbeit mit der Universität Hannover entwickelt. Im Rahmen eines weiteren BLK-Projektes „Wasser und Umwelt mit dem Abschluss Master of Science“ wird nun auch eine Kooperation mit universitären Einrichtungen in Karlsruhe, Braunschweig, Koblenz-Landau und Lüneburg angestrebt.
Neben dem weiteren Ausbau des SFB 524 „Werkstoffe und Konstruktionen zur Revitalisierung von Bauwerken“ werden die Forschungsschwerpunkte in der Baustoffforschung und zukünftig auch in der Umweltforschung liegen.

Die Fakultät Gestaltung bestimmt seit ihrer Gründung im Jahre 1993 mit ihrer künstlerisch-gestalterischen Ausrichtung das Profil der BU Weimar wesentlich mit. Die Bedeutung und Stellung der Fakultät als Fakultät mit besonderer Prägung wird dadurch unterstrichen, dass der Dekan der Fakultät Gestaltung die Bauhaus-Universität Weimar als vollwertiges Mitglied in der Kunsthochschulrektorenkonferenz vertritt. Die Studiengänge Freie Kunst, Produktdesign, Visuelle Kommunikation wurden 1998 um den Studiengang Lehramt Kunst an Gymnasien erweitert. Im Konzept der projekt- und problemorientierten Lehre stehen exemplarische Fragestellungen mit offenen Lösungen im Zentrum. Lehre und Forschung sowie künstlerische und gestalterische Tätigkeit werden integrativ betrieben. Das interdisziplinäre Projektstudium und die Verbindung von Theorie und Praxis wurden so zu wesentlichen Eckpfeilern des Studiums entwickelt. Durch die regelmäßige Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse findet eine permanente Evaluation von Lehre und Forschung statt.
Ermöglicht durch die Neugründungssituation erfolgte mit diesem Reformmodell eine Abkehr vom konventionell strukturierten Ausbildungssystem deutscher Kunst-und Gestaltungshochschulen. Die zum Wintersemester 2001/02 erfolgte Einrichtung des Masterstudiengangs „Master of Fine Arts“ soll der stärkeren internationalen Verflechtung zeitgenössischer Kunst Rechnung tragen und die Fakultät noch stärker für ausländische Studierende öffnen.

Die Fakultät setzt sich insbesondere unter gestalterischen Gesichtspunkten kritisch mit den Neuen Medien auseinander. Die Werkstätten sind zentral verfügbar, damit die Studierenden ihre Ausdrucksmedien je nach der Funktion ihrer künstlerischen oder gestalterischen Intention auswählen können, sich also dem bewusstseinsschärfenden Prozess der Wahl zwischen traditionellen und neuen Medien (oder Kombinationen)stellen können. Auf dieser Basis sollen vitale Experimentier- und Forschungsebenen entwickelt werden und, wie am Beispiel des Transferbüros „Laboratorium: Design“ des Studiengangs Produktdesign erfolgreich unter Beweis gestellt, in konkrete Projekte münden.

Die 1996 gegründete Fakultät Medien umfasst die inhaltlich, gestalterisch und technologisch integrative Arbeit an und mit Medien. Dazu zählen vorrangig auch freie und angewandte künstlerische Formen und Formate. Da sich die Gesamtdynamik der Entwicklung, insbesondere der digitalen Medien, unvermindert fortsetzen wird, hat der verstärkte Ausbau der Fakultät Medien besondere Priorität. Die inhaltlichen Entwicklungsschwerpunkte sind deshalb darauf ausgerichtet, die Fakultät zu einem erstrangigen Standort der Medienausbildung und –forschung zu machen. Deshalb wird u. a. die weitere Differenzierung und Anreicherung der Studienangebote (BA/MA-Abschlüsse, Graduiertenstudien, berufsbegleitende Studien)angestrebt, wobei auch die Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Institutionen stärker genutzt werden sollen. Die Forschungsschwerpunkte der Fakultät, die als gemeinsame Schwerpunkte der drei Studiengänge verfolgt werden, sind: Teleteaching und Telelearning, Computergestützte Spiele, Mediale Historiographien, Medien in Museen und Öffentliche Ereignisse.
Die BU Weimar will durch zusätzliche Studienangebote flexibler auf den Bedarf der Gesellschaft reagieren. Die damit verbundenen grundlagen-und anwendungsorientierten Aufgaben, an deren Lösung die Universität aktiv arbeiten möchte, sind:Modelle in der Informatik weiterzuentwickeln, die Komplexität der Modelle zu veranschaulichen, die damit verbundenen Zusammenhänge zu visualisieren und mittels Simulation von Abläufen eine frühzeitige Problemerkennung zu unterstützen.

Durch den Auf- und Ausbau von Netzwerken und als wichtiger Impulsgeber für Firmengründungen und -entwicklungen wird die BU Weimar zukünftig verstärkt an der Entwicklung der Stadt Weimar zur Universitätsstadt Weimar mitarbeiten. Dazu sollen die Form und die Intensität der Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Franz Lizst Weimar, der Stiftung Weimarer Klassik, den Kunstsammlungen zu Weimar, der Europäischen Sommerakademie und dem Autonomen Cultur Centrum weiter entwickelt werden. Solchen Gemeinschaftsprojekten wie „neues bauen am horn“ und „Laboratorium: Design“ sollen weitere Neugründungen folgen. Die Aktivitäten der BUW richten sich dabei zunächst auf die Etablierung eines Center for Intelligent Building (CIB), eines Atelierprogramms Freie Kunst und eines Medienzentrums.



10.5 Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Entwicklung der Studierendenzahl

Die Anzahl der Studierenden an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar lag trotz der problematischen räumlichen Situation in den vergangenen Jahren stabil bei 800, darunter mehr als 20 % ausländische Studierende. Im Wintersemester 2001/2002 sind 791 Studierende immatrikuliert. Die Zahl der Studienabbrecher ist im Vergleich zu anderen Hochschulen nach wie vor sehr gering. Die Regelstudienzeit wird –zumindest in den künstlerischen Studiengängen –nahezu eingehalten. Aufbau- und Ergänzungsstudienangebote verbessern die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt, auf dem z. T. hoher internationaler Konkurrenzdruck herrscht.

Die Hochschule ist darüber hinaus mitverantwortlich für den künstlerischen Einzelunterricht von 120 Schülerinnen und Schülern des Musikgymnasiums Schloss Belvedere.


Bauliche Situation und Entwicklung

Nach der inzwischen vollendeten Sanierung der zukunftsfähigen Gebäude und dem abgeschlossenen Umbau der ehemaligen Streichhan-Kaserne zum Hochschulzentrum Am Horn ist die Raumentwicklung der Hochschule abgeschlossen. Die Hochschule verfügt damit über 600 flächenbezogene Studienplätze und hat den geplanten Endausbaustand mit dem „Innenstadtbogen“ (Gründungsgebäude Am Palais, Hauptgebäude Fürstenhaus und Verwaltungsgebäude Rößlersches Haus am Platz der Demokratie, Hochschulzentrum Am Horn) und dem baulichen Ensemble aus drei Kavaliershäusern und dem Studiotheater in Belvedere erreicht.


Ausbauschwerpunkte

Nach dem Aufbau des Institutes für Jazz und eines integrativen Bereichs Alte Musik, nach dem Ausbau von Komposition, Kammermusik und Schulmusik, nach der erfolgreichen Stärkung des Bläserbereichs und des Bereichs Kulturmanagement und schließlich mit dem Aufbau des Instituts für Musikwissenschaft im Jahr 2000 als gemeinsames Institut mit der FSU Jena ist das „Konsolidierungs-Jahrzehnt“ an der Hochschule im Wesentlichen abgeschlossen. Ausgehend von dieser Basis soll nun einerseits eine weitere Stärkung des internationalen Rufes der Hochschule erreicht werden. Andererseits strebt die HfM den Ausbau als Kompetenzzentrum für Musik, Musikerziehung und Musikwissenschaft in Thüringen an.

Zur weiteren Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit wird die Hochschule u. a. die folgenden Zielstellungen realisieren:
-weitere Erhöhung des Anteils ausländischer Studierender und verstärkte Anstrengungen bei der Integration und sozialen Betreuung dieser Studierenden
-Konzentration der gesamtinstitutionellen Zusammenarbeit auf wenige Partner von europäischem Format
-Ausbau der Möglichkeiten kurzfristiger Auslandsaufenthalte für Studierende und Lehrende im Rahmen der europäischen Mobilitäts-Programme
-Aufbau von Kontakten der wissenschaftlichen bzw. wissenschaftlich-künstlerischen Institute im Rahmen bestehender oder neuer Partnerschaften
-verstärkte Berücksichtigung der internationalen Zusammenarbeit in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule.

Die künstlerischen Großprojekte der Hochschule –Weimarer Meisterkurse (seit 40 Jahren) und Internationale Wettbewerbe für Klavier, Violine, Kammermusik (seit 1994)–wurden als international beachtete Ereignisse profiliert. Das Liszt-Festival im Zusammenhang mit dem alle drei Jahre stattfindenden Klavierwettbewerb wird zur weiteren Stärkung der Reputation ebenso beitragen, wie Orchester-Projekte mit internationaler Beteiligung und übergreifende Musiktheater-Inszenierungen im Studiotheater Belvedere.

Die Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität führte im Kulturstadtjahr 1999 zu sichtbaren und hörenswerten Ereignissen, vor allem mit der Ausstellung und Konzertreihe „Entartete Musik 1938 –Weimar und die Ambivalenz“. Die weitere intensive Zusammenarbeit über die bereits erreichten Gemeinsamkeiten im Bereich des Sprachen-, Sport-und Internationalen Begegnungszentrums hinaus zielt insbesondere auf elektroakustische Komposition/Mediengestaltung. Weitere Kooperationsprojekte sind das gemeinsame Institut für Musikwissenschaft mit der FSU Jena sowie die Vorbereitung der Einrichtung eines neuen Studiengangs „Katholische Theologie und Kirchenmusik“ in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät Erfurt. Der Studiengang soll Referentinnen und Referenten für Gemeindedienst und Kirchenmusik ausbilden und bietet damit eine bedarfsgerechte Ausbildung an der Nahtstelle zwischen der reinen Kirchenmusiker- und der reinen
Priesterausbildung.

Auch mit allen anderen Partnern in der Region (Musikschulen, Vereinen und Verbänden) arbeitet die Hochschule in Form eines Kompetenzzentrums zusammen, das netzwerkorientiert alle relevanten Ausbildungs- und Kunstpraxis-Felder verbindet und als Ansprechpartner für die Praxis zur Verfügung steht.

Der Personalstrukturplan auf der Basis der Empfehlung des Wissenschaftsrates konnte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre im Wesentlichen umgesetzt werden. Die dadurch erreichte und zu erhaltende Stabilität im professoralen Bereich soll nun durch flexiblere Momente (befristete und halbe Professuren, Ablösen freiwerdender Mittelbaustellen durch Lehraufträge)sinnvoll ergänzt werden.

Der Verbesserung der inneren Kommunikation diente Ende 1999 eine Strukturreform im Rahmen der Erprobungsklausel des §132 c ThürHG durch Zusammenlegung von fünf zu zwei Fachbereichen und damit einhergehend einer Basis-Gliederung in Abteilungen und Institute. Der Fachbereich I gliedert sich in die Abteilungen Streicher und Harfe, Bläser und Schlagwerk, Dirigieren, Gesang und Musiktheater sowie die Abteilung Gitarre. Der Fachbereich II gliedert sich in die Institute Tasteninstrumente und Alte Musik, Jazz, Neue Musik, Schul-und Kirchenmusik, Musikpädagogik und Musiktheorie sowie das Institut für Musikwissenschaft. Die Wirkungen dieser Strukturreform werden in der Folgezeit beobachtet und ausgewertet.

Nachdem im Sommer 2001 der räumliche Ausbau der Hochschule abgeschlossen worden ist, soll nun der Ausstattungsrückstand bei den Tasteninstrumenten aufgeholt werden. Hierzu liegt ein Flügelerneuerungskonzept vor, das auf einer externen Begutachtung beruht.

Ebenso werden im Bereich der elektronischen Medien (Tonstudio, Studio für elektroakustische Musik) aufgrund der rasanten technischen Entwicklung weitere Investitionen nötig sein. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Hochschulbibliothek, bedarf es der kritischen und aufgeschlossenen Beobachtung und Umsetzung von neuen technischen Möglichkeiten. Hierfür ist ein langfristig abgestimmtes gemeinsames Handeln mit der Bauhaus-Universität von entscheidender Bedeutung.

Eine besondere Einrichtung musikalischer Begabtenförderung ist das Musikgymnasium Schloss Belvedere, das in der Trägerschaft des Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kulturs steht. Ziel dieses Gymnasiums ist es, hochbegabten Kindern und Jugendlichen den Weg zum Abitur und zugleich zu einer hochrangigen Spezialausbildung im Bereich der Musik zu eröffnen. Dabei wird der musikalische Teil der Ausbildung durch Lehrkräfte der Hochschule abgesichert. Lehrveranstaltungen in Höhe von 300 SWS, die etwa dem Lehrdeputat von 16 Stellen entsprechen, werden von Lehrkräften der HfM übernommen. Darüber hinaus hat die Hochschule in der Vergangenheit aus ihrem Etat erhebliche Aufwendungen für die sächliche Ausstattung, insbesondere für Instrumente und für Projekte am Musikgymnasium getätigt.



10.6 Fachhochschule Erfurt

Entwicklung der Studierendenzahl

Seit der Gründung der Fachhochschule Erfurt am 01.10.1991 sind die Studierendenzahlen ständig gestiegen. Die FH Erfurt ist in Thüringen die Fachhochschule mit den meisten Studierenden, nämlich 3.926 im Wintersemester 2001/2002. Bis zum Jahr 2008 ist ein Ausbau auf 3.300 flächenbezogene Studienplätze vorgesehen. Derzeit stehen 2.402 flächenbezogene Studienplätze und 22.631 m² Hauptnutzfläche zur Verfügung. Die Hochschule bietet in den neun Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Konservierung und Restaurierung, Sozialwesen, Verkehrs-und Transportwesen, Versorgungstechnik und Wirtschaftswissenschaft Studiengänge an.

Seit dem Wintersemester 2000/2001 werden zusätzlich ein konsekutiver Bachelor- und Masterstudiengang im Bauingenieurwesen sowie ein Bachelorstudiengang in Angewandter Informatik angeboten.

Im Bereich Versorgungstechnik wird ein dualer Studiengang angeboten, der nach fünf Jahren zwei Abschlüsse ermöglicht: den Gesellenbrief sowie das Diplom.


Bauliche Situation und Entwicklung

Die FH Erfurt soll zukünftig auf drei Standorte konzentriert werden. Als Hauptstandort wird die Altonaer Straße ausgebaut. Dieser Standort wird die Fachbereiche Bauingenieurwesen, Konservierung und Restaurierung, Sozialwesen, Verkehrs-und Transportwesen, Versorgungstechnik, Wirtschaftswissenschaft sowie Rektorat, Verwaltung, Rechenzentrum und Bibliothek aufnehmen. In derLeipziger Straße werden die Fachbereiche Gartenbau und Landschaftsarchitektur auch zukünftig verbleiben. Die Schlüterstraße ist weiterhin als Standort des Fachbereichs Architektur vorgesehen. Langfristig werden die Standorte Adalbertstraße, Steinplatz und Werner-Seelenbinder-Straße aufgegeben.

Umfangreiche Um- und Erweiterungsbauten sind vor allem in der Altonaer Straße erforderlich, um die vorhandenen Büro- und Fabrikflächen an neue Nutzungen, wie Arbeits-und Seminarräume, Labore und Hörsäle anzupassen und die Voraussetzungen zur Abgabe der Interimsstandorte zu schaffen.


Ausbauschwerpunkte

Die FH Erfurt ist in ihrer bisherigen Struktur „baulastig“. Die strategische Konzeption geht daher in Richtung einer stärkeren Berücksichtigung der veränderten Anforderungen des Arbeitsmarktes nach Arbeitskräften in den Zukunftstechnologien und neuen Arbeitsfeldern.
Im Sommersemester 2000 wurde eine Professur für Existenzgründungsfragen und Innovationsmanagement eingerichtet, um in verstärktem Umfang den Studierenden aller Fachbereiche das Rüstzeug für den Aufbau einer selbstständigen Existenz zu vermitteln. In allen Fachbereichen werden die Medien- und Informatik-Anteile ausgebaut. Drei Medienprofessuren werden den Einsatz von Multimediaanwendungen interdisziplinär für die grundständigen Studiengänge entwickeln. Darüber hinaus ist fachbereichsübergreifend ein Master-Studiengang mit einem Schwerpunkt im Medienbereich geplant.
Die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit soll insgesamt an der Hochschule weiter verstärkt werden mit dem Ziel, die Ausbildung modern und nachfrageorientiert zu gestalten.

Neue grundständige, fachbereichsübergreifende sowie weiterbildende Studiengänge werden auf ihre Marktfähigkeit getestet. Bestehende Studiengänge will die Hochschule auf gestufte und international kompatible Formate umstellen. Zusätzlich strebt die Fachhochschule Erfurt in geeigneten Bereichen internationale Kooperationen mit dem Ziel an, internationale Studiengänge aufzubauen, damit zum einen mehr ausländische Bewerber ihr Studium an der Fachhochschule Erfurt aufnehmen und zum anderen deutsche Studierende Auslandserfahrungen sammeln können.

Die Studiengänge werden modularisiert und mit fächerübergreifenden Angeboten verknüpft.
Schlüsselqualifikationen gewinnen zunehmend Bedeutung. Gestufte Abschlüsse mit postgradualen Studienangeboten und Weiterbildungsmöglichkeiten tragen zu einer weiteren Differenzierung bei.

Im stark nachgefragten Studiengang Betriebswirtschaftslehre werden im Rahmen der Internationalisierung verstärkt Kooperationen mit ausländischen Hochschulen geplant. Insbesondere soll ermöglicht werden, dass Fachsemester -in diesem wie in anderen Studiengängen -auch an Hochschulen im Ausland absolviert werden können.

Mit der Vertiefungsrichtung Gebäudemanagement (Facility Management) wurde das Profil der klassischen Versorgungstechnik um eine zukunftsträchtige Dienstleistungs-Facette erweitert.

Im Bauingenieurwesen wurden zum Wintersemester 2000/01 die konsekutiven Bachelor-Master-Studiengänge eingeführt. Diese sind innerhalb der nächsten Jahre zu akkreditieren.

Die Bereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Konservierung und Restaurierung, Versorgungstechnik
sowie Verkehrs- und Transportwesen planen gemeinsam in Abstimmung mit der Bauhaus Universität Weimar und dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege einen Studiengang im Bereich der Denkmalpflege. Die Fachbereiche Architektur sowie Verkehrs-und Transportwesen wollen sowohl ihr Angebot in den grundständigen Studiengängen als auch im Bereich der Weiterbildung ausweiten.

Die so genannten „grünen“ Fachbereiche Gartenbau und Landschaftsarchitektur erwägen die Einführung von konsekutiven Bachelor-und Masterabschlüssen. Der Fachbereich Gartenbau plant die Einführung eines dualen Studiengangs, der als Modell bereits erfolgreich bei der Versorgungstechnik läuft.

Im Studiengang Sozialwesen wird die Weiterbildung ausgebaut. In Kooperation mit anderen Fachbereichen sollen neue kreative Studiengänge entwickelt werden.

Die personelle Ausstattung innerhalb der Hochschule muss den veränderten Bedingungen angepasst werden. Dabei ist die notwendige Flexibilität und dynamische Entwicklung auf Dauer nur durch fachbereichsübergreifende Kooperation in Verbindung mit der Umsetzung geeigneter Organisationsstrukturen und -formen zu erreichen.

Ziel muss sein, die Bedingungen für Lehre und Forschung sowie die personelle Ausstattung den sich wandelnden Anforderungen der zunehmenden Vernetzung und Virtualisierung der Kommunikations- und Informationsprozesse sowie der sich abzeichnenden Konkurrenz mit privaten Anbietern im Bildungsmarkt anzupassen und durch Kooperation am Hochschulstandort Erfurt Synergieeffekte zu nutzen.



10.7 Fachhochschule Jena

Entwicklung der Studierendenzahl

Die Fachhochschule Jena wurde am 01.10.1991 gegründet und verfügt über zehn Fachbereiche: Betriebswirtschaft (BW), Elektrotechnik und Informationstechnik (ET/IT), Feinwerktechnik (FT), Maschinenbau (MB), Medizintechnik (MT), Physikalische Technik (PT), Sozialwesen (SW), Werkstofftechnik (WT) und Wirtschaftsingenieurwesen (WI). Der zehnte Fachbereich, Grundlagenwissenschaften, erbringt Dienstleistungen für die übrigen Fachbereiche.

Seit der Gründung ist die Anzahl der Studierenden von damals 273 auf 2.209 im WS 1995/96 gestiegen. Im Wintersemester 2001/2002 sind insgesamt 3.846 Studierende immatrikuliert.

Die Studiengänge Sozialwesen, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen und Medizintechnik besitzen den größten studentischen Zulauf. Zur Sicherung des Industriestandortes Deutschland sind verstärkt Studierende für die technischen Fachbereiche mit modernen industrienahen Ausbildungsprofilen zu gewinnen. Dies ist in den vergangenen Jahren insbesondere mit der Einführung der Studiengänge Augenoptik und Biotechnologie gelungen.


Bauliche Situation und Entwicklung

Die Fachhochschule Jena ist auf zwei Standorte im Stadtgebiet Jena verteilt –auf die Carl-Zeiss-Promenade 2 (Hauptstandort und zukünftig einziger Standort) und die Carl-Zeiss-Straße 2.

Im Zuge der Realisierung des Campusprojektes haben auch die bisher am Nebenstandort in der Carl-Zeiss-Straße befindlichen Fachbereiche BW und SW sowie die Zentralbibliothek ihren endgültigen Platz am Hauptstandort gefunden. Der Fachbereich WI wird noch folgen.

Bis zum Jahr 2008 ist ein Ausbau auf 3.200 flächenbezogene Studienplätze vorgesehen. Zurzeit verfügt die Hochschule über 2.085 flächenbezogene Studienplätze und 19.841 m² Hauptnutzfläche.

Für die Fachbereiche FT, MB und PT sowie Teilbereiche der MT und WT hängt die endgültige Unterbringung vom Beginn und der Fertigstellung des 2. Bauabschnittes (Haus 4)ab. Bis dahin müssen diese Fachbereiche weiter mit Übergangslösungen in angemieteten Flächen leben. Die mittelfristige Finanzplanung des Landes sieht einen Baubeginn im Jahre 2003 vor.

Der Nebenstandort in der Carl-Zeiss-Straße kann erst dann zugunsten der Friedrich-Schiller-Universität Jena gänzlich geräumt werden, wenn am Hauptstandort die Häuser 1 und 2 fertig gestellt sind.


Ausbauschwerpunkte

Durch das hohe Wachstumstempo von Wissenschaft und innovative Technologien ist es notwendig, die Studieninhalte ständig den zukünftigen Bedingungen des Marktes anzupassen.
Folgende Aktivitäten stehen dabei im Vordergrund:

-Modularisierung, u. a. des Grundstudiums, um Ressourcen gemeinsam optimal zu nutzen
-Internationalisierung des Studiums, u. a. mit der schrittweisen Einführung des Kredit-Punkte-Systems, das die Anerkennung von Studien-und Prüfungsleistungen an der Fachhochschule Jena auf nationaler und internationaler Ebene erleichtert
-verbesserte Strukturierung der Studien-und Prüfungsordnungen, d. h. das Angebot von Wahlpflicht- und Wahlfächern zu erhöhen, um individuell wählbare Lehrangebote zu schaffen.

An der Hochschule sind Fachgruppen eingerichtet worden, in denen Professoren mit ähnlicher fachlicher Orientierung zusammenarbeiten mit dem Ziel, fachbereichsübergreifende Ausbildungsinhalte zu erarbeiten.

Die genannten Teilschritte werden als Möglichkeiten verstanden, das praxisbezogene Studium transparenter und effektiver zu gestalten.

Im Rahmen der Internationalisierung ist die Einführung von gestuften Abschlüssen (Bachelor und Master) mit stärkeren Fremdsprachenanteilen vorgesehen. Generell soll die Fremdsprachenausbildung verstärkt werden.

Synergieeffekte sind auch durch die Zusammenlegung von Fachbereichen denkbar.

Der Fachbereich Grundlagenwissenschaften ist für die Ausbildung in Mathematik, Statistik, Physik, Informatik, EDV und in den Fremdsprachen für alle Studiengänge verantwortlich.

Der Fachbereich Betriebswirtschaft trägt den grundständigen Studiengang „Betriebswirtschaftslehre“. Sowohl der Zustrom an Studierenden als auch die Nachfrage der Unternehmen nach Absolventen ist sehr gut. Der Fachbereich erwägt die Einführung gestufter Abschlüsse.

Der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik hat auf den Wandel der Gesellschaft zur Wissens- und Informationsgesellschaft und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes reagiert. Zum Wintersemester 2001/2002 wurden anstelle des bisherigen grundständigen Studiengangs Elektrotechnik mit den fünf Studienschwerpunkten Automatisierungstechnik, Digitale Medientechnik, Geräteelektronik, Informationstechnik sowie Nachrichtentechnik die drei Studiengänge ‚Elektrotechnik/Automatisierungstechnik‘, ‚Kommunikations-und Medientechnik‘ und ‚Technische Informatik ‘neu eingerichtet.

Ebenso wird gemeinsam mit dem Fachbereich Maschinenbau unter Einbindung des Fachbereichs Feinwerktechnik die Einführung eines gemeinsamen Studienganges „Mechatronik“ geprüft.

Der Fachbereich Feinwerktechnik bietet die beiden Studiengänge „Augenoptik“ und „Feinwerktechnik“ an. Die Ingenieurausbildung in dem erst 1997 eingerichteten Studiengang „Augenoptik“ trägt den sich verändernden Bedingungen Rechnung, die in einer durch Hochtechnologie geprägten Medien- und Kommunikationsgesellschaft gegeben sind. Diese Entwicklung ist einerseits geprägt durch steigende Sehanforderungen in vielen Tätigkeitsbereichen. Andererseits bieten sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für hocheffektive Sehhilfen mit neuartigen Gebrauchseigenschaften.
Hinsichtlich der internationalen Kompatibilität der Ausbildung will die Hochschule in den kommenden Jahren einen Masterstudiengang konzipieren.

Für den Studiengang „Feinwerktechnik“ sieht die Hochschule eine Vertiefungsrichtung im Bereich Ingenieurinformatik vor.

Der Fachbereich Medizintechnik bietet die beiden Studiengänge „Medizintechnik“ und „Biotechnologie“ an. Eine stärkere Fokussierung auf Themen wie Qualitätsmanagement und Medizinische Informatik ist dringend erforderlich. Das BioRegio-Projekt „BioInstrumente“ mit dem Ziel der Instrumentalisierung biotechnologischer Prozesse und der Aufbau des BioInstrumente Zentrums auf dem Campus Beutenberg hat die Hochschule zu einer Konzeption einer neuen Studienrichtung „BioInstrumente“ angeregt.

Der Fachbereich Physikalische Technik zeichnet für den grundständigen Studiengang „Physikalische Technik“ verantwortlich. Gemeinsam mit den Fachbereichen Medizintechnik und Werkstofftechnik wird seit dem Wintersemester 1995/96 darüber hinaus der Studiengang „Umwelttechnik“ angeboten. Solche fachbereichsübergreifenden Angebote sollen an der Hochschule weiter verstärkt werden. In diesen Studiengängen werden zusätzlich duale Studienformen angestrebt.

Im Fachbereich Sozialwesen wurde der Modellversuch „Pflege“ ab dem Wintersemester 2000/01 in einen grundständigen Fernstudiengang überführt.

Durch den Fachbereich Werkstofftechnik werden im Hauptstudiengang Konstruktions- und Funktionswerkstoffe im Planungszeitraum verstärkt Ausbauschwerpunkte im Bereich Verbundwerkstoffe/Werkstoffverbunde sowie im Bereich der Technologien auf der Grundlage nanodispersiver Pulver in das Fachstudium integriert.

Die Nachfrage nach dem Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen“ im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen
ist nach wie vor hoch. Im zum Sommersemester 2001 gestarteten Studiengang „Internet Business Engineering“ kooperiert der Fachbereich mit der Intershop GmbH.



10.8 Fachhochschule Nordhausen

Entwicklung der Studierendenzahl

Nachdem die Fachhochschule zum Wintersemester 1998/99 den Studienbetrieb mit 141 Studenten aufgenommen hatte, sind im Wintersemester 2001/2002 591 Studierende in den vier Studiengängen Betriebswirtschaft, Flächen-und Stoffrecycling, Technische Informatik und Sozialmanagement immatrikuliert.


Bauliche Situation und Entwicklung

Bei Gründung der Fachhochschule Nordhausen wurde das geschlossene Campusgelände einer ehemaligen Ingenieurschule von 11,2 ha vom Freistaat Thüringen an drei Nutzer übergeben. Zwei Drittel der Fläche werden durch die neue Fachhochschule genutzt. Weitere Flächen wurden dem Studentenwerk Erfurt-Ilmenau und dem Studienkolleg zugeordnet.

Insgesamt verfügt der Campus über zahlreiche Gebäude, die teilweise am Beginn des 20. Jahrhunderts, in den 50er sowie in den 70er Jahren erbaut wurden und zum Teil als Ensemble unter Denkmalschutz stehen. Besonders die alte Bausubstanz im Zentrum des Geländes ist erhaltungswürdig. Die für die Fachhochschule Nordhausen vorgesehenen Gebäude bieten einen ausreichenden Flächenbestand. Viele der Gebäude bedürfen jedoch einer grundhaften Sanierung und einer zweckgerechten Herrichtung für die künftige Nutzung.
Lediglich für die Bibliothek wird ein Neubau erforderlich, weil keines der vorhandenen Gebäude von seiner Struktur für die Aufnahme einer modernen Bibliothek geeignet ist.

Bis 2008 ist ein Ausbau auf 1.200 flächenbezogene Studienplätze vorgesehen.

Von 1997 bis einschließlich 2001 wurden aus Landesmitteln die baulichen Voraussetzungen für die Durchführung der Lehre geschaffen. Es stehen ein Hörsaalgebäude, ein Laborgebäude, eine provisorische Bibliothek sowie ein Verwaltungsgebäude und eine Mensa zur Verfügung. Umfassende Grundsanierungen der vorhandenen Gebäude sowie ein Neubau für die Bibliothek sollen ab 2002 mit Hilfe des Bundes schrittweise realisiert werden.


Ausbauschwerpunkte

Gemäß den Empfehlungen des Wissenschaftsrates soll das Studienangebot zukünftig um den Studiengang „Öffentliches Dienstleistungsmanagement“ („Public Management“) erweitert werden.
Die Einführung dieses geplanten Studiengangs ist nur dann sinnvoll, wenn die Integration entsprechender Teile der internen Verwaltungsfachhochschulausbildung erfolgt. Bereits 1996 hat der Wissenschaftsrat die Empfehlung ausgesprochen, die Ausbildung der Beamten des gehobenen nichttechnischen Dienstes unter Beibehaltung der dualen Ausbildungskonzeption in das allgemeine Hochschulwesen einzugliedern.
Dem Studiengang wird dabei eine Schlüsselfunktion zugewiesen, um langfristig das Angebot im Bereich der Wirtschaft über die klassische Betriebswirtschaft hinaus ausweiten zu können. Bevor es jedoch zur Einrichtung eines eigenständigen Studienganges Öffentliches Dienstleistungsmanagement kommen kann, bedarf es der dafür grundlegenden Vorentscheidungen des Kabinetts. Das Studienangebot soll auch in den technischen Fächern und im sozialen Bereich weiter ausgebaut werden. Der Wissenschaftsrat hat dabei dem Land nahegelegt, den Akzent auf „klassische“ Studiengänge zu legen. Als unumgänglich wird die Querverbindung zwischen den einzelnen Studiengängen angesehen. Das hat der Wissenschaftsrat in besonderem Maße auf die Studiengänge Betriebswirtschaft, Public Management sowie Sozialmanagement bezogen.
Im WS 2000/2001 wurde der vom Wissenschaftsrat empfohlene Studiengang „Technische Informatik“ eingeführt. Dem weiteren Aufbau wird hohe Priorität eingeräumt.
Den zweiten technischen Studiengang „Flächen- und Stoffrecycling“ (früher:„Technische Sanierung“) hatte der Wissenschaftsrat im Hinblick auf die Bedürfnisse der Region bejaht.
Ein besonderes Kennzeichen der Fachhochschule Nordhausen ist der modulare Aufbau des Studiums. Das Studium gliedert sich in Lehreinheiten, die zur Erhöhung der Wahlfreiheit der Studierenden eingerichtet werden. So soll eine interdisziplinäre Verzahnung zwischen den einzelnen Studiengängen einen zum Teil individuell wählbaren Studienaufbau ermöglichen. Zudem ist geplant, Auslandsstudienaufenthalte in das Studium zu integrieren. Dazu sind bereits mit einer Reihe europäischer Hochschulen Partnerschaftsabkommen geschlossen worden.

Die Internationalisierung der Hochschule wird durch den verpflichtenden Fremdsprachenerwerb weiter gefördert. Das derzeitige Sprachangebot von Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch wird um Polnisch erweitert werden, was aufgrund der mittel- und osteuropäischen Ausrichtung der Hochschule von besonderer Bedeutung ist.

Als weiterer Schritt zur Internationalisierung ist die Einführung gestufter Abschlüsse (Bachelor, Master) geplant.


Staatliches Thüringer Studienkolleg

Das Staatliche Thüringer Studienkolleg in Nordhausen wurde zum 01.01.2001 organisatorisch der Fachhochschule Nordhausen zugeordnet. Seit seiner Gründung im Jahre 1991 hat es vorrangig die Aufgabe, Studienbewerber mit einer im Ausland erworbenen Schulbildung auf ein Hochschulstudium in Thüringen vorzubereiten.

Ausländische und staatenlose Studienbewerber, deren Bildungsnachweise nicht unmittelbar zur Aufnahme eines Studiums in Deutschland berechtigen, müssen vor Aufnahme des Studiums einen Nachweis der sprachlichen und fachlichen Qualifikation für ein Studium in der angestrebten Fachrichtung erbringen. Sie legen dazu die Feststellungsprüfung ab. Zur Vorbereitung auf diese Prüfung können sie am Studienkolleg einen in der Regel zwei Semester dauernden studiengangbezogenen Kurs besuchen.

In Thüringen bereitet das Staatliche Thüringer Studienkolleg zentral für alle Thüringer Universitäten und Fachhochschulen auf diese Prüfung vor.

Derzeit sind 157 ausländische Studienbewerber aus 25 Ländern eingeschrieben. Damit hat sich ihre Zahl seit 1992 mehr als verdoppelt (siehe A 74).

Außerdem gibt es am Staatlichen Thüringer Studienkolleg die Möglichkeit, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer Studienbewerber (DSH) abzulegen. Deutsche Studienbewerber mit einem ausländischen Bildungsnachweis können an der Anerkennungsprüfung teilnehmen.

Seit dem Wintersemester 1995/96 gibt es am Studienkolleg auch Sonderlehrgänge für deutsche Aussiedler. In zwei Jahren erwerben die Teilnehmer dieser Lehrgänge die Fachhochschulreife. Derzeit sind in zwei Kursen 52 Aussiedler eingeschrieben.



10.9 Fachhochschule Schmalkalden

Entwicklung der Studierendenzahl

Seit der Gründung der Fachhochschule Schmalkalden am 01.10.1991 sind die Studierendenzahlen gestiegen. Die Hochschule verfügt über acht Studiengänge in fünf Fachbereichen:Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre im Fachbereich Wirtschaft, Informatik und Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik im Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsrecht in den gleichnamigen Fachbereichen. Der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen wird gemeinsam von den Fachbereichen Elektrotechnik und Maschinenbau angeboten.

Im Wintersemester 2000/2001 waren erstmals über 2.000 Studierende immatrikuliert, im Wintersemester 2001/2002 sind es 2.369.

Die größte Nachfrage besteht nach wie vor in den Studiengängen Wirtschaftsrecht und Betriebswirtschaftslehre, gefolgt von Wirtschaftsinformatik und Informatik.

Eine Trendwende lässt sich bei den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen erkennen. Nachdem insbesondere in den Jahren 1995-1997 das Interesse an diesen Studiengängen stark gesunken war, sind nunmehr wieder steigende Bewerberzahlen zu verzeichnen.


Bauliche Situation und Entwicklung

Die FH ist am Standort Blechhammer konzentriert, an dem früher die Ingenieurschule für Maschinenbau untergebracht war. Zum Wintersemester 2000/01 wurden die Neubauten des 1. Bauabschnittes für den Campus der Fachhochschule Schmalkalden in Betrieb genommen. Der 1. Bauabschnitt umfasst fünf Gebäude und zwar eine Bibliothek, ein Hörsaalgebäude, ein Laborgebäude für die Elektrotechnik und den Maschinenbau, ein Institutsgebäude für Informatik sowie eine Mensa. Diese Neubauten bilden einen eigenständigen Campus, der bei Bedarf erweitert werden kann. Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen des Verwaltungsgebäudes und des Gebäudes für den Fachbereich Wirtschaft ist noch der Hessenhof, ein historisch wertvolles, im Zentrum der Stadt gelegenes Gebäude, zu sanieren.
Bis zum Jahr 2008 ist ein Ausbau auf 1.700 flächenbezogene Studienplätze vorgesehen. Am 01.12.2000 standen 1.296 flächenbezogene Studienplätze und 15.092 m² Hauptnutzfläche zur Verfügung.


Ausbauschwerpunkte

Die Lehre in den technischen Studiengängen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen schließt, ebenso wie in den Studiengängen Informatik und Wirtschaftsinformatik, eine betreuungsintensive und praxisorientierte Laborausbildung ein. Forschung und Lehre in den entsprechenden Fachbereichen erfordern daher hinreichende Unterstützung durch technisches Personal. Ebenso ist die Fremdsprachenausbildung personell abzusichern.

Die geplante Weiterentwicklung und Profilierung des Studienangebotes, die notwendige Optimierung der Servicefunktionen der Hochschule sowie die personelle Untersetzung zusätzlicher Aufgaben werden maßgeblich aus dem vorhandenen Stellenpotential heraus realisiert werden müssen. Insoweit wird es auch der Umstrukturierung vorhandener Bereiche und der Umverteilung personeller Ressourcen innerhalb der Hochschule bedürfen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Es sollen synergetische Potentiale genutzt und die Studiengänge übergreifende Zusammenarbeit verstärkt werden. So bieten die Fachbereiche Elektrotechnik und Maschinenbau gemeinsam bereits seit 1994 den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an.

Die Ausbildung der Studierenden in den technischen Studiengängen Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen ist stark mit den Unternehmen der Region Südthüringen verknüpft. Bis 2004 wird mit einem Anstieg der Studierendenzahlen aufgrund des derzeitigen Ingenieurkräftemangels gerechnet. Eine strukturelle Weiterentwicklung ist das berufsintegrierende Studium BISS. Diese Studienform wird seit dem WS 1999/2000 angeboten, zunächst im Studiengang Maschinenbau. Seit dem WS 2000/2001 existiert sie auch im Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik. Insgesamt 81 technikinteressierte Studierende nutzen derzeit die Möglichkeit, neben einem Fachhochschulabschluss zusätzlich einen Berufsabschluss als Facharbeiter in einem anerkannten Beruf zu erwerben.

Die Ausbildung in den Studiengängen Informatik und Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Informatik stellt eine wesentliche Profillinie dar. Sie soll ausgebaut werden. Die rasante Entwicklung auf diesem Gebiet und der derzeit diskutierte Mangel an qualifizierten Informatikfachkräften lassen ein starkes Ansteigen der Studierendenzahlen erwarten.

Im Rahmen der Internationalisierung ist die Einführung gestufter Abschlüsse wie Bachelor und Master geplant. Insbesondere die Fachbereiche Informatik und Wirtschaft erarbeiten entsprechende Konzeptionen. Dies erfordert eine konsequente Modularisierung sowie die Berücksichtigung moderner, internetgestützter Lehrformen. Der Andrang der Studierenden zum Studiengang Wirtschaftsrecht sowie zu den Studiengängen Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre ist unverändert hoch. Der Fachbereich Wirtschaft strebt langfristig eine Verstärkung des Fremdsprachenangebotes an.



10.10 Hochschulneugründungen

Die Landesregierung hat am 15.12.1998 beschlossen, aus strukturpolitischen Überlegungen an der Absicht festzuhalten, in Ostthüringen eine weitere Fachhochschule zu gründen. Dies hat der Ministerpräsident in der Regierungserklärung vom Oktober 1999 bekräftigt.

Allerdings hat der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zur Aufnahme der Fachhochschule Nordhausen in das Hochschulverzeichnis des HBFG vom Mai 2000 dem Land davon abgeraten, eine weitere, selbstständige Fachhochschule Ostthüringen zu gründen. Er hat empfohlen, die im Landeshochschulplan für die Fachhochschule Ostthüringen bis zum Jahr 2005 vorgesehenen 550 Studienplätze stattdessen der Fachhochschule Nordhausen zuzuordnen. Nach Auffassung des Wissenschaftsrats ist dies eine unverzichtbare Voraussetzung, um die Existenz der Fachhochschule Nordhausen auf Dauer zu gewährleisten. Bei den Überlegungen zu einer weiteren Fachhochschule in Ostthüringen ist diese Haltung des Wissenschaftsrats zwingend zu berücksichtigen.



10.11 Nichtstaatliche Hochschule – Theologische Fakultät Erfurt

Das 1952 gegründete Philosophisch-Theologische Studium Erfurt war in der DDR die einzige Ausbildungsstätte für Katholische Theologie mit Hochschulcharakter. Im April 1999 gab sich die Bildungseinrichtung den Namen „Theologische Fakultät Erfurt -Staatlich anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft“. An dieser Hochschule besteht die Möglichkeit zur Erlangung des Lizentiats, des Doktorats und der Habilitation. Die Vorlesungen und Seminare werden in den am Mariendom gelegenen Räumen gehalten, die bis 1816 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Erfurter Universität gedient haben. Die Bibliothek weist derzeit einen Bestand von ca. 120.000 Bänden auf. Die Hochschule verfügt über 13 Lehrstühle, eine Lektorenstelle und fünf Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Zwei weitere Mittelbaustellen stehen dem Seminar für Zeitgeschichte, einem An-Institut der Hochschule, zur Verfügung.
Die Theologische Fakultät Erfurt bildet auch weiterhin den Nachwuchs an katholischen Priestern in einem zehnsemestrigen Diplomstudiengang aus. Auch Laientheologen steht inzwischen dieser Studiengang offen. Daneben wird in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Erfurt die Ausbildung für alle Lehramtsstudiengänge im Fach Katholische Religionslehre angeboten. Die Kostenerstattung für erbrachte Leistungen in der Religionslehrerausbildung ist in einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Theologischen Fakultät Erfurt geregelt.

Zur beabsichtigten Aufnahme der Theologischen Fakultät Erfurt in eine Fakultät für Katholische Theologie an der Universität Erfurt werden Verhandlungen mit der Katholischen Kirche geführt.