Inhalt
Thüringer Landeshochschulplan
Rahmenbedingungen für die Thüringer Hochschulentwicklung
Rahmenbedingungen / Download pdf
Größe: 453042 Bytes
2.1 Hochschulen
Staatliche Hochschulen
Die Universität Erfurt ist eine innovative, forschungsorientierte Universität mit Schwerpunkt in den Kultur-und Geisteswissenschaften. Sie ist in drei Fakultäten gegliedert. Eine fakultätsähnliche zentrale Einheit für Forschung und Lehre stellt das Max-Weber-Kolleg für Kultur-und Sozialwissenschaftliche Studien dar, das neben der Graduiertenbildung insbesondere inter-und transdisziplinäre Forschungskonzepte für die Universität entwickelt. Zum Wintersemester 2001/2002 waren 2.724 Studierende immatrikuliert. Das Studienangebot der Universität umfasst konsekutive Studiengänge, die zu den Abschlüssen Bakkalaureus (BA) und Magister (MA) führen. Darüber hinaus werden Studiengänge zum Lehramt an Grundschulen, Förderschulen, Regelschulen und berufsbildenden Schulen angeboten. Es wird angestrebt, die Theologische Fakultät Erfurt als Katholisch-Theologische Fakultät in die Universität zu integrieren.
Die Technische Universität Ilmenau (TU Ilmenau)ist in fünf Fakultäten gegliedert. Im Wintersemester 2001/2002 haben sich 6.806 Studierende eingeschrieben. Damit hatte sich die Anzahl der Studierenden seit dem Wintersemester 1995/1996 mehr als verdoppelt.
Die TU Ilmenau bildet in 14 grundständigen Studiengängen aus. Schwerpunkte sind traditionsgemäß die Ingenieurwissenschaften. Neben den traditionellen Studiengängen Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Maschinenbau wird das Spektrum durch Mechatronik, Werkstoffwissenschaft (Verbundstudiengang nach dem Thüringer Modell mit der FSU Jena und der Bauhaus-Universität Weimar), Informatik, Ingenieurinformatik, Technische Physik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und drei Medienstudiengänge (Medientechnologie, Medienwirtschaft und Angewandte Medienwissenschaft) wesentlich erweitert.
Im Rahmen des Studienganges Lehramt an berufsbildenden Schulen können an der TU Ilmenau die Erstfächer Elektrotechnik und Metalltechnik sowie die Zweitfächer Mathematik, Physik, Informatik, Mechatronik und Wirtschaftslehre studiert werden. Es ist beabsichtigt, das Lehramtsstudium durch die Entwicklung neuer Prüfungsfächer wie Kommunikations-und Informationstechnik sowie Medientechnik noch attraktiver und bedarfsgerechter zu gestalten.
1999 hat die TU Ilmenau sechs zukunftsweisende Profillinien in der universitären Forschung beschlossen („Biomedizinische Systeme, Verfahren, Materialien und Informationssysteme im Gesundheitswesen“, „Entwurf, Simulation und Verifikation komplexer Systeme“, „Informations-und Kommunikationssysteme in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft“, „Nanotechnologien“, „Neue Prinzipien und Optimierung der Energieversorgung“ und „Unternehmen, Märkte und Ordnungen im Wandel – Innovative Produkte und Prozesse“). Basierend auf diesen Profillinien wurde im Jahr 2000 das fakultätsübergreifende Zentrum für Mikro-und Nanotechnologien (ZMN) gegründet. Ergänzt wird die universitäre Forschung durch das 1995 gegründete An-Institut für Mikroelektronik und Mechatroniksysteme (IMMS), das Anwendungszentrum Systemtechnik des Fraunhofer-Instituts für Informations-und Datenverarbeitung IITB Karlsruhe, die im Mai 2000 gegründete Fraunhofer Arbeitsgruppe „Elektronische Medientechnologie“(AEMT)des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS-A), vier Steinbeis-Transferzentren und durch das Technologie-und Gründerzentrum Ilmenau (TGZI).
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU)ist als klassische Volluniversität mit zehn Fakultäten und dem umfangreichsten Studienangebot die größte Hochschule Thüringens. Die Studierenden können zwischen 120 Studienfächern wählen. Im Wintersemester 2001/2002 haben 16.536 Studierende ihr Studium aufgenommen oder fortgesetzt. Der Neuaufbau der Wirtschafts-und Sozialwissenschaften, der Rechtswissenschaft sowie der Geistes-und Kulturwissenschaften ist weitgehend abgeschlossen. Die Naturwissenschaften wurden in den vergangenen Jahren durch den Aufbau der Studiengänge Biochemie, Pharmazie, Informatik, Geowissenschaften und Geographie sowie den Ausbau der Materialwissenschaften verstärkt. Darüber hinaus umfasst das Angebot Studiengänge zum Lehramt an Regelschulen und Gymnasien und medizinische Studiengänge. Bestandteil der Universität ist das Klinikum mit 1.394 Planbetten, zu dem auch Arbeitsgruppen in Erfurt und Suhl gehören.
Die FSU Jena ist durch gemeinsame Berufungen mit den auf dem Wissenschaftscampus Beutenberg angesiedelten außeruniversitären Forschungsinstituten (Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB), Hans-Knöll-Institut für Naturstoffforschung (HKI), Institut für Physikalische Hochtechnologie (IPHT)) und mit der Landessternwarte Tautenburg verbunden. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF), das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen, das Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie und das Max-Planck-Institut für Biogeochemie sowie das Forschungsinstitut Senckenberg arbeiten ebenfalls eng mit der Universität zusammen.
Die Bauhaus-Universität Weimar (BU Weimar) ist in vier Fakultäten gegliedert. Im Wintersemester 2001/2002 haben sich 4.686 Studierende eingeschrieben. Die grundständigen Studiengänge sind: Architektur, Bauingenieurwesen, Management für Bau, Immobilien, Infrastruktur und Umwelt, Werkstoffwissenschaft, Freie Kunst, Produktdesign, Visuelle Kommunikation, Medienkultur, Mediengestaltung, Mediensysteme, Lehramt an berufsbildenden Schulen – Bautechnik (Zweitfächer: Mathematik, Informatik) und Lehramt an Gymnasien – Kunsterziehung. Die tragende und profilbil-dende Idee des Auf-und Ausbaus der Universität war und ist, Kunst und Technik im Raum einer modernen Universität dialogisch zu verbinden. Während in der Ideen- und Konzeptfindungsphase (bis 1996) das Vier-Fakultäten-Modell und damit das Strukturgerüst der Universität geschaffen wurde, das mit dem Namen „Bauhaus-Universität“ auch zum Begriff wurde, schloss sich bis 2000 die Phase der Komplettierung und Arrondierung an. In Zukunft gilt es, die Internationalisierung der Universität weiterzuentwickeln.
Der BU Weimar ist die Materialforschungs-und -prüfanstalt (MFPA)Weimar als An-Institut angeschlossen. Die MFPA ist die amtliche Materialprüfanstalt des Freistaats Thüringen.
Derzeit ist die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar (HfM Weimar)aufgrund einer genehmigten Erprobung gemäß §132 c ThürHG in zwei große Fachbereiche mit fünf Abteilungen und sechs Instituten gegliedert. Die Erprobung dieser Organisationsstruktur ist auf zwei Jahre befristet und soll der Optimierung von Leitungsstrukturen und Entscheidungsprozessen in der Hochschule sowie der Stärkung der Selbstverwaltung dienen.
Zum Wintersemester 2001/2002 waren 791 Studierende immatrikuliert. Die Hochschule bietet Diplomstudiengänge mit künstlerischer oder pädagogischer Ausrichtung in den Studienrichtungen Saiteninstrumente, Blas- und Schlaginstrumente, Gesang und Musiktheater, Tasteninstrumente, Jazz, Dirigieren/Korrepetition und Komposition (Letztere nur im Bereich der künstlerischen Ausbildung) an. Darüber hinaus werden der Studiengang Kirchenmusik, der Lehramtsstudiengang mit Musik als erstem Schulfach für die Lehrämter an Gymnasien und Regelschulen sowie als Doppelfach für das Lehramt an Gymnasien, der Magisterstudiengang Musikwissenschaft sowie postgraduale und weiterbildende Studienmöglichkeiten angeboten.
Besonderes Anliegen der Hochschule ist es, neben der instrumentalen und vokalen Ausbildung auf höchstem Niveau in Konzepten wie dem Studium generale, dem Studium fundamentale und der Auseinandersetzung mit der Musikgeschichte auch das breite Spektrum eines integralen Bildungskonzeptes zu vermitteln.
Die FH Erfurt (FHE)ist in neun Fachbereiche mit zehn Studiengängen gegliedert. Im Wintersemester 2001/2002 haben sich 3.926 Studierende eingeschrieben. Die Hochschule bietet neben den traditionellen Diplomstudiengängen wie Betriebswirtschaftslehre, Sozialwesen, Architektur, Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Restaurierung, Verkehrs-und Transportwesen seit dem Wintersemester 2000/2001 auch Bachelor-und Master-Abschlüsse im Fach Bauingenieurwesen sowie im Fach Angewandte Informatik an. Im Fachbereich Versorgungstechnik wird ein dualer Studiengang angeboten.
Die FH Jena (FHJ)ist in zehn Fachbereiche gegliedert. Zum Wintersemester 2001/2002 waren 3.846 Studierende immatrikuliert. Das Studienangebot umfasst 16 Studiengänge vor allem in denIngenieurwissenschaften, aber auch in Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsingenieur-und Sozialwesen. Außerdem wird ein Fernstudiengang „Pflege“ angeboten. Innovationen der letzten Jahre stellen die Studiengänge Augenoptik, Biotechnologie und der Bachelorstudiengang Internet Business Engineering dar. Da sich die FH Jena an einem historisch gewachsenen Industriestandort befindet und sich den Traditionen von Zeiss, Abbe und Schott verpflichtet fühlt, gilt es für die Zukunft, das breite ingenieurwissenschaftliche Fächerspektrum weiter zu profilieren.
Die per Gesetz vom 18.07.1997 errichtete FH Nordhausen (FHN)hat zum WS 1998/99 den Studienbetrieb aufgenommen. Zum Wintersemester 2001/2002 waren 591 Studierende in den Studiengängen Betriebswirtschaft, Flächen- und Stoffrecycling, Technische Informatik und Sozialmanagement immatrikuliert. Das Studienangebot soll konsequent ausgebaut werden und hierbei Doppelungen zu bestehenden Studiengängen an anderen Thüringer Fachhochschulen vermeiden. Die Hochschule verfolgt in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der vom TMWFK eingesetzten Strukturkommission zur Gründung der Fachhochschule Nordthüringen vom 20. September 1996 einen interdisziplinären und internationalen Ansatz. Kern dieses Ansatzes sind eine Vernetzung der Studiengänge verbunden mit einem modularisierten Studienaufbau sowie die obligatorische Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen und Sozial- und Methodenkompetenz. Im Rahmen der Experimentierklausel des § 132 c ThürHG werden innovative Lehr-/Lern- und Organisationsmodelle erprobt.
An der FH Schmalkalden (FHS)existieren fünf Fachbereiche. Im Wintersemester 2001/2002 haben sich 2.369 Studierende eingeschrieben. Das Studienangebot umfasst acht Studiengänge einschließlich des berufsintegrierenden Studiums (BISS)in den Studiengängen Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Maschinenbau. Die Hochschule bietet als eine der ersten Fachhochschulen die Studiengänge Wirtschaftsrecht (seit 1996) und Volkswirtschaftslehre (seit 1999)an. Ein weiterer Schwerpunkt der Hochschule liegt in der Informatikausbildung.
Nichtstaatliche Hochschule
Das Philosophisch-Theologische Studium als Teil des seit 1952 bestehenden Regionalpriesterseminars war die einzige katholische Priesterausbildungsstätte in der ehemaligen DDR. Mit Wirkung vom 15.09.1990 wurde dem Philosophisch-Theologischen Studium der Status einer staatlich anerkannten wissenschaftlichen Hochschule verliehen.
Die Römische Kongregation für das Katholische Bildungswesen hat durch Dekret vom 22. Mai 1999 gemäß dem kanonischen Recht das Philosophisch-Theologische Studium Erfurt zur kirchlichen Fakultät mit der Bezeichnung Theologische Fakultät Erfurt – Wissenschaftliche Hochschule in kirchlicher Trägerschaft – erhoben. Im Wintersemester 2001/2002 haben sich 153 Studierende eingeschrieben. Das grundständige Angebot der Hochschule umfasst neben dem Diplomstudiengang auch Studiengänge zum Lehramt an Grundschulen, Regelschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen im Fach „Katholische Religionslehre“ sowie Weiterbildungsstudiengänge für Religionslehrer und in Alten Sprachen.
2.2 Studiennachfrage
Die Beteiligung der Jugendlichen an höherer Bildung hat in den letzten zehn Jahren in Thüringen erheblich zugenommen. In der DDR war die Zahl der Studierenden ein Planungsparameter, der sich wegen der Beschränkung des Zugangs zum Abitur jahrzehntelang kaum veränderte. Der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung an der gleichaltrigen Bevölkerung betrug seinerzeit ca. 15 %. In Thüringen ist nach der Deutschen Einheit die Studienberechtigtenquote rasant auf inzwischen 36 % angestiegen. Die Zahl der Studierenden ist jährlich um ca. 2.000 bis 3.000 gewachsen. Derzeit studieren an den Thüringer Hochschulen über 42.000 junge Menschen (Bild 1).
-
-
Bild 1
Anlagen A 1 bis A 3,die aktuellen Studienmöglichkeiten sind in den Anlagen A 4 bis A 6 aufge-
führt.
Konjunkturelle Schwankungen von Teilbereichen des Arbeitsmarktes beeinflussen in starkem Maße die Studienwahl. So gab es bis zur Mitte der 90er Jahre sinkendes Interesse an Studiengängen der Ingenieur-und Naturwissenschaften, das sich danach jedoch wieder verstärkt hat.Die Nachfrage nach Informatik-und Medienstudiengängen hat insbesondere in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen. Die Entwicklung einiger ausgewählter Studiengänge ist in den Anlagen A 7 und A 8 dargestellt.
Ein Vergleich zwischen den Thüringer Zahlen und dem Bundesdurchschnitt zeigt, dass sowohl bei Studienanfängern als auch bei Studierenden und Absolventen in der Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften Thüringen überproportionale Anteile für sich verbuchen kann. So ist die Zahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften von 7.406 im Wintersemester 1994/95 auf 9.200 - das sind 23 % der Studierenden - im Wintersemester 2000/2001 angestiegen (aktuell:25 %). Bundesweit lag der Anteil der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften bei weiterhin sinkender Nachfrage bei nur 16 % (Stand 2000/2001).
-
-
Vergleich Fächergruppe Ingenieurwissenschaften
Bei den durch die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen verwalteten medizinischen Studiengängen sowie den Studiengängen Pharmazie, Psychologie, Biologie und Architektur übersteigt die Zahl der Bewerber die Zahl der vorhandenen Studienplätze mehrfach.
Ähnlich ist die Situation im Studiengang Sozialwesen der Thüringer Fachhochschulen.
Studienanfänger
Die Zahl der Studienanfänger im 1.Fachsemester ist an Thüringer Hochschulen seit 1990 schrittweise von 3.958 auf 10.560 gestiegen (Bild 2,Anlagen A 9 bis A 11).
-
-
Bild 2
Dieser Anstieg wird vor allem durch die stärkere Bildungsbeteiligung verursacht. Der Anteil der Studienanfänger unter den Schulabsolventen mit Hochschulzugangsberechtigung – die sogenannte Übergangsquote – liegt nach den aktuellen Erhebungen der HIS GmbH in den neuen Ländern bei 68 %. Darin nicht enthalten sind die Studienbewerber, die ein duales Studium an Berufsakademien anstreben.
Studierende
Die Studierendenzahl hängt ab von der Zahl der Studienanfänger, der Häufigkeit der Studienfachwechsler und der Einhaltung oder Überschreitung der Regelstudienzeiten. Das Verhältnis aus der Zahl der Studienanfänger im 1. Fachsemester und der Zahl derjenigen, die erstmalig ein Hochschulstudium beginnen (1. Hochschulsemester), ist in Thüringen an den Universitäten von 1,06 im Jahre 1993 auf 1,29 im Jahre 1999 angestiegen. Bundesweit ist das Verhältnis bei Universitäten und gleichgestellten Hochschulen 1, 52. An den Thüringer Fachhochschulen beträgt dieses Verhältnis derzeit 1,2. Dieser Wert weicht kaum noch vom Bundesdurchschnitt ab.
Die Entwicklung der Zahl der Studierenden an Thüringer Hochschulen verdeutlichen Bild 3 und die Anlagen A 12 bis A 15.
-
-
Bild 3
Bild 4 und den Anlagen A 16 und A 17 ist zu entnehmen, dass der Anstieg der Studierendenzahl wesentlich vom Anstieg in den Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts-und Sozialwissenschaften beeinflusst wurde. Innerhalb des Zeitraums von 1990 bis 2001 ist der Anteil dieser Fächergruppe von 10 % auf 27 % angewachsen. Eine hochschulbezogene Fächergruppenentwicklung wird in den Anlagen A 18 und A 19 dargestellt.
-
-
Bild 4
Der Anteil der weiblichen Studierenden ist seit 1991 gestiegen und liegt derzeit bei etwa 48 % (Bild 5, Anlage A 20). In der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften ist er am höchsten, bei den Ingenieurwissenschaften am niedrigsten (Anlage A 21).
-
-
Bild 5
Die Nachfrage ausländischer Jugendlicher nach einem Studium in Thüringen ist gewachsen. Während sich der Anteil der ausländischen Studienanfänger im 1. Fachsemester von 2,5 % im Jahre 1991 auf etwa 6 % im Jahre 2001 entwickelt hat, ist der Anteil der ausländischen Studierenden bei rund 4 % verblieben (Bild 6, Anlagen A 22 und A 23). Die Fachhochschulen haben entsprechend ihrem kleineren Einzugsbereich einen deutlich geringeren Ausländeranteil als die Universitäten.
Um ausländischen Studierenden den Start in das Studium zu erleichtern, wurden von den Hochschulen und Studentenwerken vielfältige Ideen entwickelt und Hilfen wie Servicepakete und Individualbetreuung angeboten.
-
-
Bild 6
Studienverhalten
Eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung schätzt die Studienintensität in den neuen Ländern deutlich höher ein. Das Engagement der Studierenden während des Studiums an den Thüringer Hochschulen ist seit zehn Jahren erfreulich hoch. Auch die traditionell gute Betreuung durch das Lehrpersonal ist ein hervorragendes Qualitätsmerkmal und begünstigt einen raschen Studienabschluss. Die Fachstudiendauer, d. h. das Zeitintervall von der Einschreibung in einen bestimmten Studiengang bis zum erfolgreichen Abschluss dieses Studienganges, beträgt in Thüringen nur 4,74 Jahre, bundesweit jedoch 5,41 Jahre. Eine neue Studie des Wissenschaftsrates bestätigt diese Tendenz.
Während in den alten Ländern der Anteil der Studierenden, die 13 und mehr Semester immatrikuliert sind, inzwischen bei mehr als 19 % liegt, überschreiten in Thüringen nur 7,6 % aller Studierenden die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester. Verschiedene bundesweite Rankinglisten bescheinigen den Thüringer Hochschulen ein vorzügliches Angebot für besonders zielstrebige oder praxisorientierte Studierende. Von den Studierenden selbst werden fast alle Thüringer Studiengänge mit Spitzenwerten belegt.
Es ist das Ziel der Thüringer Hochschulen, durch eine intensive Beratung vor Studienaufnahme und während des Studiums sowie durch Verbesserungen in den Studieneinführungsveranstaltungen Studienfachwechseln und dem bundesweiten Trend zur Überschreitung der Regelstudienzeit entgegenzuwirken.
Hochschulzulassung und Studienplatzvergabe
in zulassungsbeschränkten Studiengängen
Die Hochschulen haben grundsätzlich die Aufgabe, allen Bewerbern mit Hochschulzugangsberechtigung ein Studium zu ermöglichen. Für qualifizierte Berufstätige ohne Hochschulzugangsberechtigung besteht außerdem die Möglichkeit der Aufnahme eines Hochschulstudiums nach bestandener Eingangsprüfung. Eine weitere Möglichkeit des Hochschulzugangs wurde für Personen, die mit mindestens gutem Erfolg die Meisterprüfung oder eine gleichwertige berufliche Fortbildung abgeschlossen haben, durch das Probestudium geschaffen.
Da eine beliebige Ausweitung der räumlichen, sächlichen und personellen Ressourcen nicht finanzierbar ist, sind bei extrem starker Nachfrage Zulassungsbeschränkungen und damit verbundene Studienplatzvergabeverfahren nicht völlig vermeidbar. Mittelfristig wird es nicht möglich sein, die bundesweiten Zulassungsbeschränkungen abzubauen. Das trifft auch für die Situation an Thüringer Hochschulen zu. Der Zulassungsanspruch studienberechtigter Bewerberinnen und Bewerber darf jedoch nur dann begrenzt werden, wenn der Schutz der Funktionsfähigkeit der Hochschule dies erfordert. Zulassungsbeschränkungen sind nur für die Zeit einer überaus hohen Nachfrage nach Studienplätzen akzeptabel.
Ein Staatsvertrag der Länder regelt die Vergabe von Studienplätzen in bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen. Die Ratifizierung des Staatsvertrages erfolgte nach entsprechender Gesetzgebung der Länder, in Thüringen durch das Studienplatzvergabegesetz. Die Einzelheiten der Studienplatzvergaberegelungen werden durch eine bundesweit einheitliche Rechtsverordnung vorgegeben. Die Studienplatzvergabe wird durch die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) verwaltet. Seit dem Wintersemester 1991/92 werden die Studienplätze in den Studiengängen Architektur, Betriebswirtschaft, Biologie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Rechtswissenschaft und Zahnmedizin an den Thüringer Universitäten von der ZVS vergeben.
Darüber hinaus waren in weiteren Studiengängen, insbesondere an den Thüringer Fachhochschulen, Zulassungsbeschränkungen nicht vermeidbar. Derzeit trifft dies u. a. für Informatikstudiengänge, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht und Studiengänge für Sozialwesen zu. An Universitäten sind u. a. die Medienstudiengänge, Kommunikationswissenschaft, Biochemie, Ernährungswissenschaft und an der TU Ilmenau die Informatikstudiengänge zulassungsbeschränkt. Für diese Studiengänge wird die Auswahl der Bewerber und die Studienplatzvergabe im Wesentlichen nach den gleichen Kriterien wie bei den durch die ZVS verwalteten Studiengängen durch die betreffende Hochschule auf der Grundlage einer entsprechenden Rechtsverordnung vorgenommen.
Es ist das Ziel des Ministeriums, örtliche Zulassungsbeschränkungen zu vermeiden, um auch zeitlich veränderten Nachfrageprofilen zu entsprechen. Bei der Festlegung gilt grundsätzlich auch hier der Maßstab der Kapazitätsverordnung. Nur für im Aufbau befindliche Studiengänge werden Zulassungszahlen in einzelnen Fällen abweichend von der Kapazitätsverordnung festgesetzt.
2. 3 Personal
Im Landeshaushalt 2001/2002 sind für die Hochschulen insgesamt 5. 116 Stellen (ohne Stellen im Zentralkapitel) ausgewiesen, davon 919 für die vier Fachhochschulen.
Eine Übersicht über die Veränderungen seit dem 3. Oktober 1990 geben die Anlagen A 33 und A 35. Der Stellenbestand der Hochschulen ist nach dem erforderlichen Abbau in der ersten Hälfte der neunziger Jahre auf die neuen zukunftsorientierten Strukturen optimiert worden und versetzt die Hochschulen in die Lage, ihre Aufgaben sachgerecht zu erfüllen. Der im Landeshochschulplan 1996 vorgesehene Aufbau bei den Fachhochschulen und der Universität Erfurt wurde realisiert, die Umstrukturierung bei den Universitäten abgeschlossen.
Damit ist es gelungen, eine leistungsfähige Hochschulstruktur aufzubauen, die eine gute Ausgangsposition im Wettbewerb mit den Hochschulen anderer Länder darstellt.
2. 4 Flächenbezogene Studienplätze
Aus dem gesamten Baubestand einer Hochschule ergibt sich nach den Kriterien der Rahmenplanung des HBFG über sogenannte Flächenrichtwerte, die für einzelne Fächergruppen definiert sind, die Zahl der flächenbezogenen Studienplätze. Jährlich zum 31. März wird ihr Wert ermittelt. Stichtag für die Erhebung ist der 1. Dezember des Vorjahres. In den einzelnen Studiengängen steht dieser Zahl die jeweilige Studierendenzahl gegenüber, die in den meisten Fächern größer als die entsprechende Zahl der flächenbezogenen Studienplätze ist. Der Auslastungsgrad wird durch das Verhältnis aus der Zahl der Studierenden zur Zahl der flächenbezogenen Studienplätze ausgedrückt. Zum 1. Dezember 2000 lag die Auslastung der 23.847 flächenbezogenen Studienplätze mit 39.050 Studierenden bei 164 %. Die Situation an den einzelnen Hochschulen ist in der Anlage A 25 dargestellt.
Bei Realisierung der Zielstellung von 30.800 flächenbezogenen Studienplätzen an den Thüringer Hochschulen im Jahr 2008 und über 50.000 Studierenden wird der durchschnittliche räumliche Auslastungsgrad bei rund 162 % liegen.