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Prof. Dr. med. Konrad Reinhart
Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Universitätsklinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Der Forschungsschwerpunkt des Preisträgers, Prof. Dr. Konrad Reinhart, liegt im Verständnis der Entstehung, der Diagnostik und Therapie der Sepsis (umgangssprachlich Blutvergiftung genannt), der am häufigsten zum Tode führenden Infektionskrankheit im Krankenhaus. Die Sterblichkeit der schweren Sepsis (Blutvergiftung) liegt nach wie vor über 50%. Die Häufigkeit der Sepsis nimmt weltweit jährlich um 7-8 % zu. Täglich sterben in Deutschland ca. 140 Menschen an den Folgen einer Sepsis. Sie ist mit 220 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr ähnlich häufig wie der Herzinfarkt und weit häufiger als Brustkrebs, Dickdarmkrebs oder AIDS.
Prof. Reinhart hat mit der Entwicklung von Markern zur Frühdiagnostik von Sepsis, der Weiterentwicklung von Überwachungsmethoden und vor allem der Überprüfung von Therapieverfahren wesentliche Beiträge zur Überwindung der hohen Sterblichkeit bei dieser Erkrankung geleistet. Das vom ihm geleitete und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kompetenznetzwerk SepNet hat in einer großen Studie, die in Kooperation mit 15 weiteren Kliniken durchgeführt wurde, für Sepsispatienten wichtige Erkenntnisse erzielt. Es zeigte sich, dass weltweit stark verbreitete Therapieprinzipien wie die Behandlung des Kreislaufversagens mittel künstlicher Stärkelösungen zum vermehrten Auftreten von Nierenversagen führen können und dass die strenge Normalisierung des Blutzuckers bei Patienten mit Sepsis nicht von Vorteil ist, sondern mit der Gefahr einer potentiell lebensbedrohlichen Unterzuckerung des Patienten einhergehen kann.
Die Forschungsergebnisse wurden nicht nur in der weltweit angesehensten medizinischen Zeitschrift publiziert, sondern haben weltweit auf Kongressen Beachtung und inzwischen Eingang in Behandlungsempfehlungen gefunden. Es ist davon auszugehen, dass die Beachtung dieser Forschungsergebnisse, die inzwischen von anderen Forschern bestätigt wurden, zu einer Verbesserung der Überlebenschancen von Sepsispatienten führt.
Prof. Reinhart hat Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung überführt und damit wesentlich zur Verbesserung der Patientenversorgung beigetragen.
Laudatio:
Prof. Dr. med. Tobias Welte
Direktor der Klinik f. Pneumologie, Medizinische Hochschule Hannover
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin
Laudatio zum Thüringer Forschungspreis 2008 in der Kategorie "Angewandte Forschung"
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Die Klinik
Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Universitätsklinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Die seit 1993 von Professor Konrad Reinhart geleitete Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin nimmt im Bereich Forschung und Lehre den Spitzenplatz innerhalb der Medizinischen Fakultät ein und gilt als ein weltweit führendes Zentrum für klinische Sepsisforschung.
Bilder zum Forschungsgegenstand
Abb 1 zeigt die 90-Tage-Sterblichkeit von Patienten mit hoher und niedriger Dosierung der Stärkelösung [HES, Hydroxyäthylstärke]. Sie beträgt 30,9 % bzw. 57,6%; p<0.001.
(N Engl J Med 2008;358:125)
Abb. 2 zeigt die Häufigkeit des Nierenversagens in Abhängigkeit von der Menge der zugeführten Stärkelösung [HES - dunkelblaue Balken] und der Elektrolytlösung [Ringerlaktat - hellblaue Balken]
(N Engl J Med 2008;358:125