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"Beschleunigung – Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne"
Prof. Dr. rer. soc. habil. Hartmut Rosa
Friedrich-Schiller- Universität Jena
Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Allgemeine und Theoretische Soziologie
Die Zeit ist ein zentrales Thema in Philosophie, Ökonomie, Soziologie und Psychologie. Mit großer synthetischer Kraft hat Prof. Hartmut Rosa die unzähligen Einzeluntersuchungen zur Erfahrung von Zeit aus den verschiedenen Disziplinen durchdrungen und kraftvoll in einer kohärenten Perspektive zusammengeführt. In einer kreativen Verarbeitung der vielfältigen Anregungen hat er auf höchstem theoretischen Niveau eine „Theorie des gegenwärtigen Zeitalters“ entwickelt; ihr Schüsselbegriff heißt „Beschleunigung“.
Die moderne Gesellschaft ist durchdrungen von dem Bewusstsein einer fortwährenden, multidimensionalen Dynamisierung des sozialen Lebens. Tatsächlich hat der Modernisierungsprozess zu gewaltigen technischen Geschwindigkeitssteigerungen in den Bereichen des Transports, der Kommunikation und der Produktion, aber auch zu einer markanten Beschleunigung des sozialen Wandels und des individuellen Lebenstempos geführt. Er versetzt die materielle, die soziale und die geistige Welt in immer schnellere Bewegung. Die unter dem Stichwort der „Globalisierung“ zusammengefassten Phänomene stellen dabei nur das Ergebnis der jüngsten politischen und digitalen Beschleunigungswelle dar. Die Forschungsarbeit von Prof. Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena unternimmt erfolgreich den Versuch, die sich potenzierende Dynamisierung gesellschaftlicher Verhältnisse systematisch zu erfassen und in ihren kulturellen und strukturellen Ursachen ebenso wie in ihren Auswirkungen auf die individuelle und kollektive Lebensführung zu analysieren. Prof. Rosa entwickelt und begründet dabei die These, dass die zunächst befreiende und befähigende Wirkung der modernen sozialen Beschleunigung jenseits eines kritischen Umschlagpunktes in der Spätmoderne in ihr Gegenteil umzuschlagen droht: Individuell wie kollektiv verändert sich die Erfahrung von Zeit und Geschichte; an die Stelle einer gerichteten Vorwärtsbewegung tritt die Wahrnehmung einer gleichsam bewegungslosen und in sich erstarrten Steigerungsspirale, d.h. eines „rasenden Stillstandes“.
Laudatio:
Prof. Dr. Klaus- Michael Kodalle
Professor für Praktische Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Laudatio zum Forschungspreis 2006 in der Kategorie "Grundlagenforschung" II
Größe: 21173 Bytes
Bilder zum Forschungsgegenstand