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Preis für Grundlagenforschung

Thüringer Forschungspreis 2006 in der Kategorie "Grundlagenforschung"

"Grundlagenforschung" (I)

Dr. rer. nat. Helen Morrison (Preisträger Grundlagenforschung I 2006) Dr. rer. nat. Helen Morrison

"Eine neue Tumorsuppressor-Kaskade"

Dr. rer. nat. Helen Morrison
Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) in Jena


Viele Menschen glauben, das Wichtigste an ihrem schnellen Auto sind die Pferdestärken (PS) und das Gaspedal. Ein großer Irrtum: Das Wesentliche sind die Bremsen. Diese Erkenntnis gilt auch für jede Zelle unseres Körpers. Sie besitzen Schalter, deren Andrehen ein Programm von Wachstum und Zellvermehrung starten - solche Schalter wurden zuerst als so genannte Onkogene (Krebsgene) entdeckt, obwohl sie in jeder Zelle existieren. Eine dieser Bremsen hat Dr. Helen Morrison entdeckt und dabei gleichzeitig einen bisher übersehenen Mechanismus am oben erwähnten Schalter gefunden und aufgeklärt.
Eine Hautwunde heilt, indem Haut-Zellen des Wundrands beginnen, sich zu vermehren und die Lücke zu schließen. Nach einer Weile kann man die Stelle der früheren Wunde fast nicht mehr entdecken. Ein wichtiger Schritt der Wundheilung besteht in der Einstellung der Zellvermehrung – sonst entstünde tumorähnliches Narbengewebe. Offenbar wird den Zellen signalisiert, wenn der Platz ausgefüllt ist. Man nennt dies Kontakt-Inhibition des Wachstums.
Dr. Helen Morrison hat sich mit dem Mechanismus dieser Kontakt-Inhibition beschäftigt und dabei einen Schritt zellulärer Regulation entdeckt, der nicht nur für die Wundheilung, sondern auch für die Entstehung von Krebs von Bedeutung ist. In sich vermehrenden Zellen, wie auch in Krebszellen, bewirkt ein Komplex aus mehreren Proteinen, den sogenannten Ras-Schalter auf An zu stellen. Die Kontakt-Inhibition des Wachstums wird durch eine Kette von Signalen ausgelöst und führt zur Aktivierung des Anti-Krebs-Proteins Merlin. Dieses löst den Schalter-Komplex auf, so dass er wieder auf Aus gestellt wird. In Krebszellen ist die Signalkette der Merlinaktivierung durch Mutation gestört, somit der Schalter auf An gestellt und die Zellvermehrung ungebremst.
Die Nachwuchsforschergruppe von Dr. Helen Morrison setzt sich aus zehn Personen zusammen, welche in verschiedenen Projekten am Themenkomplex „Kontakt-Inhibition des Wachstums“ arbeiten.


Laudatio:
Prof. Dr. med. Peter Herrlich
Prof. für Molekulare Genetik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

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Bilder zum Forschungsgegenstand

Kontakt-Inhibition & Krebs
„Kontakt-Inhibition & Krebs“
In normalem Gewebe stellen unsere Zellen als Antwort auf ihre Nachbarschaft die Zellteilung ein, ein Mechanismus der in der Krebsentwicklung verloren gegangen ist.
Kontakt-Inhibition & Krebs 2
Zur Untersuchung der Kontakt-Inhibition des Wachstums muss ein komplexes, miteinander verwobenes, und teilweise unbekanntes Netzwerk aus Proteinen berücksichtigt werden (Abkürzungen stehen für bestimmte Eiweiß-Proteine).