Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Inhalt

Stipendien für Literatur

Die Ausreichung von Stipendien stellt ein weiteres wichtiges Förderinstrument dar. Seit 1992 gibt es die Förderstipendien für Thüringer Autorinnen und Autoren, seit 2009 das Thüringer Literaturstipendium "Harald Gerlach". Hier sollen individuelle literarische Leistungen, gerade auch von Nachwuchsautoren, honoriert und gefördert werden. 
Die Förderstipendien für Thüringer Autorinnen und Autoren sollen es den Schriftstellern ermöglichen, sich über einen bestimmten Zeitraum ausschließlich ihrem literarischen Werk zu widmen. Die Maßstäbe für die Bewilligung der Stipendien sind Originalität der Erzählweise, Eigenständigkeit des Tons und handwerkliche Qualität.

 

Die Stipendiaten der Arbeitsstipendien im Jahr 2011:

Die Stipendiaten des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur für das Jahr 2011 stehen fest. Aus 27 eingegangenen Anträgen hat sich die unabhängige Jury für vier literarische Vorhaben mit Förderungen von drei bis zu fünf Monaten zu jeweils 850 € pro Monat ausgesprochen.

Eine fünfmonatige Förderung erhält Kathrin Groß-Striffler für ihr Romanvorhaben „Emma macht eine Analyse“. Groß-Strifflers vielfältiges Können zeigt sich einmal mehr in ihrer eingereichten Textprobe: Sie besticht den Leser gleichermaßen mit ihrer Romanidee wie mit ihrer formalen Herangehensweise. Sie wartet auf mit einer geschickt konstruierten Handlung, unterhaltsamen Dialogen und einer lakonisch-dynamischen, auffallend suggestiven Sprache, deren Bilder der Leser behält und mit sich trägt.

Eine viermonatige Förderung erhält Anne Gallinat für ihr geplantes Jugendbuch rund um gängige Wertvorstellungen mit dem Arbeitstitel „Wolf und Wölfchen“. Erneut greift die Autorin ein komplexes sozialpolitisches Thema in dem Versuch auf, ihm anschaulich und greifbar auf dem Erfahrungshorizont junger Erwachsener beizukommen. In einer schönen und dichten Sprache gelingt ihr die Gratwanderung zwischen klischierter Schwarzweißmalerei und einer existentiellen Lebenswahrheit. Hier bahnt sich wiederholt ein gutes Stück Kinder- und Jugendliteratur an.

Eine dreimonatige Förderung erhält Anke Engelmann für ihren geplanten Erzählband „Mach’s gut, Mama. Geschichten übers Altwerden“. Engelmann greift auf literarisch gescheite Weise ein gesellschaftlich ebenso relevantes wie bekanntes Thema auf. Heraus ragt dabei die Art und Weise des Erzählens: Eine dichte, konzentrierte Sprache überzeugt den Leser ebenso wie der zeitgemäße, flotte Tonfall, das Stakkato an Sätzen, mit dem die Autorin an keiner Stelle ins Sentimentale abfällt. Erfrischend!

Ebenfalls eine dreimonatige Förderung erhält Kai Mertig für sein Romanvorhaben „Žilina“, in dem er das Thema „Freundschaft“ in den Rahmen einer Reise durch Europa einbettet. Mertig zählt zu den jungen Thüringer Nachwuchsautoren, die sich mit einer ganz eigenen Stimme zu erkennen geben. Seine indirekte, schwebende Art des Fabulierens gepaart mit der Freude am sprachlichen wie formalen Experiment und die in der Erzählung angelegte Zeitlosigkeit schaffen eine erzählerische Tiefendimension, die Neugierde weckt und die Lust auf mehr Lesestoff entfacht.


 

Die Stipendiaten der Arbeitsstipendien im Jahr 2010 und die Begründungen der Jury:

Eine viermonatige Förderung erhält Peter Drescher für seine geplante 150-seitige Erzählung mit dem Arbeitstitel „Dumm gelaufen“. Drescher ist ein stringenter und grundsolider Erzähler, der nah am Gegenstand und stets authentisch bleibt. Kunstvoll lässt er im Leser atmosphärisch stimmige Bilder entstehen, die den Blick zurück finden, ohne zu verklären. Drescher verzichtet in seiner teils autobiografischen Milieustudie ebenso auf laute Schlagworte wie politische Vorbehalte oder tendenziöse Filter.

Eine viermonatige Förderung erhält Verena Zeltner für ihr geplantes Jugendbuch mit dem Arbeitstitel „Ein Himmel voller Schokolade“. Zeltner besticht zum einen durch ihre zeitgemäße Themenwahl, zum anderen durch ihre spannungsgeladene und einfühlsame Erzählweise. Als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern weiß Zeltner, was ihre Adressaten umtreibt; altersgerecht problematisiert sie existentielle Fragen. Dabei gelingt es ihr, komplizierte Sachverhalte inhaltlich wie sprachlich ansprechend, spannend und lehrreich zu vermitteln.

Eine zweimonatige Förderung erhält Sabine Bergk für ihr Arbeitsvorhaben „Papiergraben“. Die eingereichten Textproben zum geplanten Lyrikband mit dem Untertitel „Tiefenbohrung, Erkundung des Geländes“ glänzen vor allem durch ihren lakonisch unangestrengten Sprechgestus. Bereits mit der Wahl des Titels gelingt es Bergk, den Leser mittels sprachlicher Bilder zu bezaubern. Sinnliches und Abstraktes stehen in Bergks Texten in einem wirksamen Spannungsverhältnis. Erfrischend originelle Lyrik.

Eine zweimonatige Förderung erhält Alexander Lochthofen für sein in der Wendezeit angesiedeltes Romanvorhaben „Unleid“. Lochthofen erweist sich als genauer literarischer Beobachter. Was er sieht, gibt er unmittelbar an seinen Leser weiter. Diesem überlässt er schließlich auch den Standpunkt. Kurze Sätze und eine unprätentiöse, leichte Erzählweise gestatten einen unverstellten Blick auf einen literarischen Lebensentwurf, in dessen Mitte die spektakuläre Nüchternheit des Alltags steht.

Ebenfalls eine zweimonatige Förderung erhält Stefan Petermann für seine geplante Sammlung von Erzählungen mit dem Arbeitstitel „Wer die Augen schließt, ist allein“. In seinen untergründig miteinander verwobenen Prosastücken konfrontiert Petermann seine Protagonisten modellhaft mit individuellen Katastrophen. Petermann gelingt das Spiel mit dem Möglichen auch, weil er ein Gefühl für die alltagsbedingte Sprache seiner Figuren entwickelt.
 

 

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Stipendiat des Literaturstipendiums "Harald Gerlach" im Jahr 2011 und die Begründung der Jury:


Dritter Stipendiat des Literaturstipendiums „Harald Gerlach“ ist nach Beschluss der Jury der 1980 in Weimar geborene Lyriker
  Christian Rosenau.

Die offizielle Vergabe des Stipendiums durch den Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur findet am 23. Juni 2011 im Rahmen einer Lesung im Augustinerkloster zu Erfurt statt. 

In der Begründung der Jury heißt es:

Christian Rosenau überzeugte die Jury mit seinem Vorhaben, einen Gedichtband zu erarbeiten, in dem er sich mit „Erinnerungstexten“ (Arbeitstitel des Bandes) auseinandersetzt. Als konstitutives Element wird vom Autor dabei weniger auf die Erinnerung als „biographisches Erzählen und Gestalten“ gesetzt, sondern „die Erinnerung ist vielmehr Teil der literarischen Gestaltung“, mit der er „die Mechanismen und Projektionen der Erinnerung“ in poetische Sprache überführt.
Rosenau, der sich mit bislang drei Veröffentlichungen bereits einen Namen gemacht hat, ist weit davon entfernt, Klischees zu bedienen. Er setzt in den vorgelegten Gedichten sowohl auf das ursprüngliche, unmittelbare Selbsterlebnis, als auch auf poetische Verdichtungen, die sich in einer Polyphonie der Stimmen manifestieren. Sein eigenes Erleben spielt er gegenüber dem „Faktum des Untergangs einer ganzen Gesellschaftsordnung“ jedoch nicht in den Vordergrund.
Mit den Veröffentlichungen, die Rosenau vorgelegt hat und den hier eingereichten Gedichten zeigt Rosenau, daß er an der Weiterentwicklung seiner lyrischen Sprache interessiert ist und dieses Interesse auch gestalterisch umzusetzen vermag. Diese Dynamik, die auch innerhalb des eingereichten Textkorpus erkennbar ist, gibt den gründlich am Wort arbeitenden Lyriker zu erkennen; sie verrät gleichermaßen Impuls und Ausdauer des Autors.
Rosenau ist sich der Schwierigkeit dessen vollauf bewußt und verzichtet dennoch (gekonnt) auf Manierismen und Originalität um des schieren Effekts willen. „wie der Staubzungen auf- / stiebendes Vokabular / sich senkt ins Gedächtnis.“ heißt es im Gedicht „Heimatmen“; „und unter alten Apfelbäumen / lag im Herbst mein kleiner Kopf, / ganz verschrumpelt / übersät mit Fliegen. / / aus seinem Kerngehäuse / brach das Lied.“
Rosenau ist einer, der weniger auf das Sich-in-Szene-Setzen, auf die Suche nach Welt als notwendigem Elixier für Weltläufigkeit baut, sondern seine unmittelbare Welt sieht und mit ihr in einen Dialog tritt. Dafür bedarf es weniger der großen Schritte, als des genauen Blicks.
„der Sommer ritt durchs Unterholz, an einem Samstagnachmittag / waren die Füße Laub, im Baum, / windschief der Verschlag, genagelt / aus Holz, aus Spucke und Stolz, / wo im Astloch unterm Fenster / eine tote Hummel schlief / in ihrem Knetegrab.“ (Nadelstich und Schlangensprache)
Dieser Blick ist immer ein Blick auf die sprachliche Umsetzbarkeit von Beobachtungen. Die Betrachtung der im Frühjahr blühenden Rapsfelder gibt ihm Anlaß zu einem Zyklus von Raps-Gedichten, „Rapsodien“. Wenngleich er das Schwelgerische der Blütenpracht herausstellt, so scheint beiläufig fast das Unsichtbare auf: „Raps, wohin mich / deine Kreuzblüten / verschlugen – feldwärts, / bis zur Hüfte die Hybride,“ (Rapsodie Nr. 7). Und in der „Rapsodie Nr. 9“ der Blick zurück „von der Heimat, / die uns vor Jahren schon / abhandenkam. // in den Schoten die Trauer, / Schwarzkörner - / Raps.“ Das ist jenseits aller nostalgischen Verklärungen der DDR. Rosenaus Blick richtet sich auf eine Kindheit der intensiven Gerüche, ersten prägenden Eindrücke und den Versuch, mit dem Blick zurück dieser vergangenen, entschwundenen Zeit erneut habhaft zu werden. Rosenau verbindet hier die Sehnsucht nach der ursprünglichen Natur mit der Technisierung unseres Lebens, ohne ins Klischeehafte zu verfallen. Eindrucksvoll zeigt er die Verbindung von Natur und Mensch und dessen Geschichtlichkeit in dem Gedicht „nur nachts“ auf:

„ein ursuppentrübes Gedächtnis
und Salz dieser Erde, das atmet,
noch atmet

aus dem Kiemen der Stadt.“

Mit dem Bild des „ursuppentrüben Gedächtnisses“ evoziert Rosenau poetisch das Bild des kollektiven Gedächtnisses, des „kollektiven Flimmerns“ (um einen Begriff von Hans Magnus Enzensberger zu verwenden), das man im Sinne Rosenaus auch als die Polyphonie der subjektiven Erinnerungen nennen könnte.
Die Jury ist der Überzeugung, daß von dem Lyriker Christian Rosenau noch viel zu erwarten ist. In seinen Gedichten ist eine eigene, originäre Stimme zu erkennen, die der Dichter weiter ausbauen wird. Die Jury möchte ihn mit der Zuerkennung des „Harald-Gerlach-Literatur-stipendiums“ auf diesem Weg bestärken und ermutigen, konsequent und selbstkritisch wie bisher an seinen Texten weiterzuarbeiten und die vorgelegten Gedichte zu einem Lyrikband voranzutreiben.

Mitglieder der Jury waren:

Monika Eger, Prof. Dr. em. Gerhard R. Kaiser, Dr. Jens Kirsten, Christina Onnasch, Hubert Schirneck und Dr. Martin Straub

 

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Der Stipendiat des Literaturstipendiums "Harald Gerlach" im Jahr 2010 und die Begründung der Jury:


Zweiter Stipendiat des Literaturstipendiums „Harald Gerlach“ ist nach Beschluss der Jury der 1976 in Gera geborene Lyriker und Essayist   Jan Volker Röhnert.
( www.janroehnert.de)

Die offizielle Vergabe des Stipendiums durch den Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur fand am 19. Mai 2010 im Rahmen einer Lesung im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei statt.  Rede des Ministers

In der Begründung der Jury heißt es:

Jan Röhnert plant einen zyklisch durchkomponierten Gedichtband, der den Titel „In aufgelöster Gestalt“ tragen soll. Die titellosen durchnummerierten Textproben sind dem Teilzyklus „Die Fabeln zwischen Frost und Tau“ entnommen. Es handelt sich dabei um reim- und strophenlose, in prosanahem Rhythmus gehaltene Langgedichte, die betont auf das Zusammenspiel von Bildlichkeit und Reflexion setzen. Der Anspruch ist kein geringerer als der, das Gedicht gerade in unserer Gegenwart als autonome, eigene Form wörtlich verstandener Welt-Anschauung zur Geltung zu bringen.
Die als Proben eingereichten „Fabeln zwischen Frost und Tau“ werden ausdrücklich als work in progress deklariert. […]

Aber selbst in den Gedichtproben, in denen der Leser sich noch an Unfertigem stößt, gelingen Röhnert immer wieder Verse von eigentümlicher Schönheit:

Du nimmst teil wie jeder an den Geschichten,
die bei klarem Himmel aus der Erinnerung blühn
und dafür sorgen, dass das Blau in der Atmosphäre besteht.

Vollends überzeugend sind schon beim gegenwärtigen Arbeitsstand jene Proben aus den „Fabeln zwischen Frost und Tau“, in denen er sich in der gewählten Form des Langgedichts entschieden zu Kürze zwingt. Immer wieder gelingt es ihm, Bild- und Vorstellungsfelder von ältester Natur und neuester Technik, äußerer und innerer Erfahrung, unscheinbar Nächstem und existentiell Letztem auf erstaunliche Weise zu verweben. Lesbar wird eine gegenwärtige Welterfahrung, die im Einerlei der beschleunigten Bild- und Datenflüsse an der sich stets erneuernden Möglichkeit festhält, dem gleichförmigen Einerlei für Augenblicke zu entkommen. Das Gedicht ist nicht weniger als ein Medium, sich im Gegeneinander von Uniformität und epiphanischem Augenblick des Ganzen unseres Lebens zu versichern.

Jan Röhnerts lyrische Textproben haben schon beim gegenwärtigen Arbeitsstand eine außerordentliche Qualität. Sie lassen erwarten und hoffen, dass es ihm mit Hilfe des „Harald-Gerlach-Literaturstipendiums“ gelingen wird, mit „In aufgelöster Gestalt“ nach „metropolen“ einen weiteren Gedichtband vorzulegen, der ihn als einen maßgeblichen deutschen Lyriker seiner Generation etablieren wird.

Mitglieder der Jury waren:

Dr. Sylvia Bräsel, Monika Eger, Prof. Dr. em. Gerhard R. Kaiser, Dr. Jens Kirsten, Hubert Schirneck und Dr. Martin Straub


 Fotogalerie

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Der Stipendiat des Literaturstipendiums "Harald Gerlach" im Jahr 2009 und die Begründung der Jury:


Erster Stipendiat des Literaturstipendiums „Harald Gerlach“ ist nach einstimmigem Beschluss der Jury der 1963 in Gera geborene Autor  Lutz Seiler.

Die offizielle Vergabe des Stipendiums durch Herrn Kultusminister Bernward Müller fand am 27. Mai 2009 im Rahmen einer Lesung im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei statt.  Rede des Ministers

In der Begründung der Jury heißt es:

Lutz Seiler plant einen Band mit Erzählungen, der den schönen und rätselhaften Titel „Der Kapuzenkuß“ tragen soll. Wie schon in früheren Arbeiten greift er dabei vielfach auf Erlebnisse und Erfahrungen seiner in den sechziger und siebziger Jahren in Ostthüringen verbrachten Kindheit und Jugend zurück. Doch bindet er sich nicht an die Zwänge traditionellen autobiographischen Schreibens, sondern nimmt die Freiheiten der Fiktion in Anspruch und öffnet so den lebensgeschichtlichen Stoff in Richtungen, die den Leser auch zum Erkennen seiner selbst führen können. Im vordergründig Alltäglichen und Spezifischen der DDR scheinen hintergründig Vorgänge und Situationen auf, die sich überall und jederzeit wiederholen können.
Um „erste Male“, frühe Prägungen, Schlüsselsituationen soll es in den Erzählungen gehen: eine erste Empfindung von Schuld, den ersten Sieg im Schachspiel über den Vater (der auch der letzte sein wird), erste Liebe ... Die Textproben aus der Titelerzählung „Der Kapuzenkuß“ zeigen die Tragfähigkeit dieses Konzeptes und seine ebenso unprätentiöse wie anspruchsvolle und genaue Umsetzung. Atmosphärisch dicht kommen das Beklemmende, die Süße und die Angstlust der Jahre zwischen Kindheit und Jugend zur Sprache. Der Tag einer möglichen zweiten Kuba-Krise, von der man ganz beiläufig erfährt, ist zugleich der des ersten (Kapuzen-) Kusses. Groteske und Humor verbinden sich in einer Erinnerungsprosa, die sich nie in wohlfeilen retrospektiven Anklagen, im Gefühligen oder in Oberflächenkomik verliert, sondern stets sachlich-poetisch bleibt. Welche Bilder gelingen diesem Autor! „Ihr kleines, wunderbar gebogenes Ohr“, heißt es in der Titelerzählung, „war so überwältigend deutlich hervorgetreten unter der wundersam weichen Kapuze, dass mir der Mund auch noch ein paar Schritte weiter offen stehen blieb, als hielte ich es noch zwischen meinen Lippen, so vorsichtig und behutsam wie möglich ...“ Und dieser sinnlichen Bestimmtheit entspricht die lebenskluge reflexive Genauigkeit: „Ich glaube, noch heute könnte ich meinen Stoffturnbeutel in allen Einzelheiten beschreiben, mein Stoffturnbeutel von 1972 erscheint mir vertrauter als das Kind, das ich war.“
Alles Leichte ist schwer, Lutz Seiler schreibt eine wunderbar leichte Prosa.
Durch sein poetisches Wort macht er die Schauplätze seiner ostthüringischen Herkunft zu Orten von unser aller Kindheit.

 

Mitglieder der Jury waren:

Frau Dr. Sylvia Bräsel, Frau Monika Eger, Herr Prof. Dr. em. Gerhard R. Kaiser, Herr Dr. Jens Kirsten, Herr Christoph Schmitz-Scholemann, Herr Dr. Martin Straub

 

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