Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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Statement

Statement
der Thüringer Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst,Prof. Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski,

zur Auftaktveranstaltung Wettbewerbs „Miteinander studieren in Thüringen“, am 15. Oktober 2003, um 14 Uhr, im Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst



Sehr geehrter Prof. Kern,
sehr geehrter Dr. Spiegel,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie heute hier im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst begrüßen zu dürfen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren hat es hier schon einmal eine Auftaktveranstaltung gegeben, die den Wettbewerb „Miteinander studieren in Thüringen“ eröffnete. Sie fand in eben diesem Raum statt, ebenfalls unter Beteiligung von Studierenden und war doch in einem Punkt ganz verschieden von der heutigen Veranstaltung:

Damals wussten wir nämlich noch nicht, wie erfolgreich dieser Wettbewerb werden würde, der die gelungene Integration ausländischer Studierender auszeichnen soll. Das ist bei jeder Premiere so.

Um so mehr hat es mich gefreut, wie viele Studierende sich dann am Wettbewerb beteiligten. Gleichzeitig wurde die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht, mehrere Projekte konnten ausgezeichnet werden. Und im April diesen Jahres hat beispielsweise auch Bayern erstmals einen Preis für besondere Verdienste um die Internationalisierung der Hochschulen ausgelobt, der unter anderem den Einsatz für die Integration ausländischer Studierender würdigen soll. Ich denke, bei diesen Ergebnissen lohnte es sich zu sagen: „Fortsetzung folgt.“

Auch bei dieser Fortsetzung ist es mir ein Anliegen, die Attraktivität Thüringens für ausländische Studentinnen und Studenten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bekannter zu machen. Denn die Thüringer Hochschulen bieten heute eine Vielzahl von Angeboten, die ausländischen Studierenden den Einstieg in ein Studium im Freistaat erleichtern.

Die akademischen Auslandsämter arbeiten dabei eng mit den Studentenwerken zusammen, so dass die Studierenden sich auch fern ihrer Heimat gut betreut wissen. So gibt es ohne großen bürokratischen Aufwand Hilfe bei der Wohnungssuche, Begleitung bei Behördengängen Studienberatung und eine Betreuung durch ein Mentoren-System.

Ebenso dazu gehören Ausflüge zum Kennenlernen Thüringens oder auch das gemeinsame Begehen von Feiertagen. Gerade für jemanden, der allein in ein fremdes Land kommt, ist diese Unterstützung wichtig. Sie trägt nicht nur dazu bei, dass die ausländischen Studierenden sich ganz auf ihr Studium konzentrieren können; sie soll auch zeigen, dass niemand allein gelassen wird; dass jeder, der zu uns kommt, willkommen ist.

Das gute Betreuungsverhältnis in Thüringen, dass die jüngsten Hochschulrankings wieder bestätigt haben, ist dabei für deutsche wie ausländische Studierende ein Anziehungspunkt. Deshalb ist in den vergangenen Jahren die Zahl der an Thüringer Hochschulen eingeschriebenen Studentinnen und Studenten kontinuierlich gestiegen. In diesem Wintersemester erwarten wir rund 48.000 Studierende im Freistaat.

Ich finde es dabei außerordentlich erfreulich, dass sich seit 1991 die Zahl der ausländischen Studierenden in Thüringen mehr als vervierfacht hat. Waren es im Wintersemester 1991/92 noch 515 Studenten aus dem Ausland, so waren es im vergangenen Wintersemester über 2.300.

Insgesamt haben wir aus über 100 Ländern der Welt Studierende in Thüringen, aus Bulgarien, Frankreich, Italien, Russland, Rumänien, Japan und den USA, aber auch „exotischen“ Ländern wie beispielsweise Botswana, Uruguay oder von den Komoren. Die meisten ausländischen Studierenden kommen aus China, im vergangenen Wintersemester waren es über 500.

Anziehungspunkt für viele Studierende sind auch die zahlreichen internationalen Kontakte, die von den Thüringer Hochschulen gepflegt werden. Rund 400 Hochschulverträge, Kooperationsvereinbarungen und Austauschprogramme ermöglichen es Lehrenden und Lernenden, an ausländischen Hochschulen zu arbeiten und mit diesen gemeinsam Forschungsprojekte durchzuführen. Viele Lehrstühle sind mit Professoren aus dem Ausland besetzt; Forscher aus aller Welt sind an Thüringer Instituten tätig. All dies ist ein Beweis dafür, dass der Freistaat weltweit als Wissenschaftsland anerkannt ist.

Die Thüringer Landesregierung hat des Ziel, die Bedingungen für ausländische Studierende weiter zu verbessern. So gibt es in meinem Haushalt einen zusätzlichen Titel zur Vergabe von Kontaktstipendien an ausländische Studierende. Aus ihm konnten in den Jahren von 2000 bis 2002 rund 280.000 Euro für 200 Stipendien eingesetzt werden. Weiterhin wurden im selben Zeitraum rund 51.000 Euro bereit gestellt für unverschuldet in Not geratene ausländische Studierende.

Mit Hilfe von eingeworbenen Mitteln aus dem Leonardo-Programm der EU hat das Thüringer Leonardo-Büro in dieser Zeit außerdem knapp 400 Praktika-Plätze in EU-Unternehmen vermittelt.

Erwähnen möchte ich auch das jährlich stattfindende Studententreffen ISWI an der Technischen Universität Ilmenau sowie die internationalen Wochen im Sommer an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Fachhochschule Nordhausen, die durch Mittel des Innovationsfonds gefördert werden.

Diese Maßnahmen, so wichtig sie auch sind, stellen natürlich nur „formale“ Hilfen dar. Sie ersetzen nicht die „emotionale“ Betreuung durch Freunde und Kommilitonen. Damit die ausländischen Studierenden in Thüringen schneller und einfacher Kontakte knüpfen können, engagieren sich eine ganze Reihe hervorragender Projekte und Aktionen von Seiten der Studierenden.

Diese Projekte sind oft nicht im Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Wettbewerb „Miteinander Studieren in Thüringen“ soll hier eine Unterstützung geben. Der Preis soll anregen, über neue Möglichkeiten der Integration und Betreuung nachzudenken.

Er kann vergeben werden für einmalige Aktionen oder längerfristig angelegte Projekte, die zur Integration oder Verbesserung der Situation von ausländischen Studierenden aber auch von anderen ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern beitragen.

Preiswürdig ist auch der Einsatz für Toleranz und Offenheit in der Öffentlichkeit sowie besondere wissenschaftliche Leistungen zu den Themenbereichen „Integration“ und „Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit“. Ebenso können sich Studenten, die sich künstlerisch mit diesem Thema auseinandersetzen, am Wettbewerb beteiligen. Es kommt uns darauf an, das Thema in seiner ganzen Breite und Tiefe auszuleuchten.

Insgesamt vergeben wir acht Preise. Der erste ist mit 2.000 Euro dotiert, für zwei weitere Preise haben wir jeweils 1.500 Euro vorgesehen, und schließlich gibt es noch fünfmal je 500 Euro. Dankenswerterweise hat die Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft es übernommen, das Preisgeld zur Verfügung zu stellen.

Die Stiftung fördert Wissenschaft und Kultur, Bildung und Völkerverständigung. Ihre Programmschwerpunkte sind derzeit u.a. die Förderung der Internationalen Zusammenarbeit – mit einem besonderen Schwergewicht auf den Ländern Mittel- und Osteuropas. Für dieses Engagement möchte ich Ihnen, Herr Dr. Spiegel als Vertreter der Stiftung noch einmal herzlich danken.

Wie beim letzten Mal wird der Wettbewerb von der Studentenfuttertüte und dem Slogan „Intoleranz kommt nicht in die Tüte“ begleitet. Sie finden dies nicht nur auf den Plakaten, die Sie hier im Raum sehen, sondern in nächster Zeit auch auf 32.000 Gratis-Postkarten, die wir über die üblichen Verteil-Systeme besonders in Kneipen und Cafés bringen. Das zentrale Element ist aber die Internet-Adresse "www.miteinander-studieren.de". Hier finden Sie bis zum Einsendeschluss Ende Januar alle wichtigen Informationen.

Meine Damen und Herren,

wir alle wissen, dass „Internationalisierung“ eines der großen Schlagwörter unserer Zeit ist. Wir brauchen auch hier im Land den geistigen Austausch, die wissenschaftliche Zusammenarbeit und das gemeinsame Studium mit anderen Nationen als eine kulturelle Bereicherung.

Ich möchte aber darauf hinweisen, dass diese Internationalisierung – bevor sie überhaupt wissenschaftliche oder wirtschaftliche Bedeutung erlangt – auch einen sehr menschlichen Aspekt hat. Die Studierenden, Wissenschaftler und anderen Mitbürger aus dem Ausland müssen sich – bevor sie Leistungen vollbringen können – hier in Thüringen erst einmal wohl fühlen.

Auch darauf soll der Wettbewerb aufmerksam machen. Es soll der Öffentlichkeit vor Augen führen, dass der Standort Thüringen nicht nur um ausländische Studierende wirbt, sondern sich bei diesen künftigen Wissenschaftlern und Akademikern auch bewirbt. Nur ein Standort, an dem gut leben kann, ist auch als künftiger Arbeitsplatz interessant.

Besonders unter diesem Aspekt möchte ich noch einmal allen danken, die sich für die Integration unserer ausländischen Mitbürger einsetzen. Ihnen und unserem Wettbewerb wünsche ich viel Erfolg und gutes Gelingen.