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Wettbewerb "Miteinander studieren in Thüringen"
Statement
Ministerin Prof. Dr. Dagmar Schipanski
Pressekonferenz Miteinander studieren
Meine Damen und Herren,
ich freue mich, dass wir heute diesem wichtigen Thema eine eigene Pressekonferenz widmen, denn die Attraktivität Thüringens für Ausländer – und insbesondere für Studentinnen und Studenten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland – ist mir ein großes Anliegen.
[und ich freue mich, dass Sie so großes Interesse an diesem Thema haben]
Wissenschaft ist international: Wissenschaftler arbeiten im internationalen Vergleich, stellen ihre Ergebnisse der internationalen „scientific community“ vor. In gleicher Weise sind Ausbildung und Studium international. Wir bilden unsere junge Generation als „global player“ aus. Unsere deutschen Studenten sollen befähigt werden, überall auf der Welt arbeiten, forschen und lehren zu können. Zugleich brauchen wir auch hier im Lande den geistigen Austausch, die wissenschaftliche Zusammenarbeit und das gemeinsame Studium mit anderen Nationen als eine kulturelle Bereicherung für unser Land.
Dies gilt nach dem 11. September in besonderer Weise, gerade auch für die Hochschulen unseres Landes.
Ich finde es daher außerordentlich erfreulich, dass sich in den vergangenen 10 Jahren die Zahl der ausländischen Studierenden in Thüringen
mehr als verdreifacht hat.
Waren es im Wintersemester 1991/92 noch 515 Studenten aus dem Ausland, so sind es jetzt in diesem Wintersemester über 1.700.
Sie finden die Zahlen auch in Ihren Unterlagen.
Der prozentuale Anteil erhöhte sich nur leicht, weil die Studentenzahlen in Thüringen in den vergangenen Jahren erfreulicherweise stark angestiegen sind.
Von 13.700 in 1991 auf heute 44.000, wenn wir die Berufsakademie-Studenten mit hinzuzählen.
Insgesamt haben wir aus 106 Ländern der Welt Studenten in Thüringen, aus Bulgarien, Frankreich, Italien, Russland, Rumänien, Japan, den USA und Kamerun.
Die meisten ausländischen Studierenden kommen aus China, in diesem Jahr rund 440. Gerade in den letzten Jahren hat das Interesse chinesischer Studenten an Studienplätzen in Thüringen deutlich zugenommen. Dies ist ein Ausdruck dafür, dass die chinesische Staatsführung die bisher restriktiven Bestimmungen deutlich gelockert hat. Für mich aus dem Ostblock kommend ist das ein positives Zeichen in der internationalen Verständigung.
In diesem Zusammenhang möchte ich hervorheben, dass die Thüringer Hochschulen bereits heute Verträge mit 128 Hochschulen im Ausland geschlossen haben. Das bedeutet Studentenaustausch, Wissenschaftleraustausch, Internationalisierung des Studiums.
Internationalisierung ist eine Zielstellung des Studiums. Diese Zahl muss noch wachsen.
So gibt es in meinem Haushalt einen zusätzlichen Titel über 700.000 Mark zur Förderung der internationalen Hochschulzusammenarbeit. Damit finanzieren wir in diesem Jahr unter anderem 70 Stipendien für Studenten aus Thüringer Partnerhochschulen im Ausland. In der Regel erhalten diese einen Zuschuss in Höhe von 900 Mark pro Monat.
Außerdem habe ich 35.000 Mark zur Verfügung gestellt speziell für unverschuldet in Not geratene ausländische Studierende.
Vor 14 Tagen haben wir hier im Wissenschaftsministerium eine große Konferenz veranstaltet, die sich mit arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten ausländischer Studierender beschäftigt hat. Zum ersten Mal saßen dabei Vertreter aller Hochschulen, der Studentenwerke, des Innenministeriums, der Ausländerbehörden der Hochschulstandorte, der Krankenkassen, der Arbeitsämter und der Ausländerbeauftragte unserer Landesregierung an einem Tisch. Gemeinsam wollen wir die Lebens- und Arbeitsbedingungen für ausländische Studierende noch attraktiver machen. Wir wollen diesen Dialog, der weit über die Hochschulen hinausreicht, noch intensivieren.
Ein gutes Beispiel sind auch die Betreuungspakete, die die Studentenwerke für Ausländer geschnürt haben. Hier gibt es ohne großen bürokratischen Aufwand Wohnung, Studienberatung, Mensa-Essen und die Betreuung durch ein Mentoren-System. Besonders freut mich, dass die Studentenwerke inzwischen ganz intensiv mit den akademischen Auslandsämtern der Hochschulen zusammenarbeiten.
Neben all diesen Maßnahmen, gibt eine ganze Reihe hervorragender Projekte und Aktionen von Seiten der Studenten, die im Zusammenhang mit ausländischen Studierenden in Thüringen stehen.
Diese sind oft nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Daher haben wir jetzt einen Preis ins Leben gerufen: den Wettbewerb „Miteinander Studieren in Thüringen“.
Mit diesem Wettbewerb wollen wir Aktionen und Projekte auszeichnen, die sich für die Integration von ausländischen Studierenden und Mitbürgern einsetzen.
Der Preis soll anregen, über neue Möglichkeiten der Integration und Betreuung nachzudenken. Er kann
vergeben werden für einmalige Aktionen oder längerfristig angelegte Projekte, die zur Integration oder Verbesserung der Situation von ausländischen Studierenden aber auch von anderen ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern beitragen.
Preiswürdig ist auch die überzeugende Verbreitung und Pflege des Gedankens von Toleranz und Offenheit bzw. der Bekämpfung von Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit.
Außerdem kommen besondere wissenschaftliche Leistungen zur Theorie und Praxis der Themenbereiche „Integration“ sowie „Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit“ in Betracht.
Ebenso können sich Studenten, die sich künstlerisch mit diesem Thema auseinandersetzen, am Wettbewerb beteiligen.
Sie sehen, wir haben den Preis nicht nur auf Aktionen und Projekte zur Integration beschränkt, uns kommt es darauf an, das Thema in seiner ganzen Breite und Tiefe auszuleuchten.
Insgesamt vergeben wir sechs Preise. Der erste ist mit 1.500 Euro dotiert, für zwei weitere Preise haben wir jeweils 1.000 Euro vorgesehen, und schließlich gibt es noch dreimal je 500 Euro.
Dankenswerterweise hat die Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft es übernommen, das Preisgeld zur Verfügung zu stellen.
In bester Stiftermanier hat sie dies schnell und unbürokratisch getan. Die Stiftung fördert Wissenschaft und Kultur, Bildung und Völkerverständigung. Ihre Programmschwerpunkte sind derzeit u.a. die Förderung der Internationalen Zusammenarbeit – mit einem besonderen Schwergewicht auf den Ländern Mittel- und Osteuropas.
Ich weiß aus Äußerungen der Mitglieder des Stiftungskuratoriums, dass man unsere Initiative gerade in diesen Zeiten für ausgesprochen wichtig erachtet und sie mit Nachdruck unterstützt.
Um dieses wichtige Thema möglichst viele Studentinnen und Studenten ins Bewusstsein zu bringen, haben wir uns begleitend zum Wettbewerb einige Werbemaßnahmen ausgedacht.
Allen gemeinsam ist das Motiv der Tüte Studentenfutter mit dem zentralen Slogan "Intoleranz kommt nicht in die Tüte". Sie finden dies nicht nur auf den Plakaten, die Sie hier im Raum sehen, sondern ab Mitte dieser Woche auch auf 40.000 Gratis-Postkarten, die wir über die üblichen Verteil-Systeme besonders in Kneipen und Cafés bringen, und auf 250.000 Servietten, die in den nächsten Wochen in allen Mensen der Thüringer Hochschulstandorte verteilt werden.
Das zentrale Element ist aber die Internet-Adresse "miteinander-studieren.de". Hier finden sie bis zum Einsendeschluss Ende Februar alle wichtigen Informationen.
Meine Damen und Herren,
es gibt bereits viele Projekte und Aktionen rund um das Thema ausländische Studierende. Wir wollen sie jetzt zusammentragen und gleichzeitig dazu aufrufen, sich dieses Themas anzunehmen. Es geht dabei um den Wissenschaftsstandort Thüringen. Ich möchte alles dafür tun, dass wir für ausländische Studenten und Wissenschaftler attraktiv bleiben.
Ich weiß, meine Damen und Herren, Sie in den Medien sind davon ebenso überzeugt wie ich, dass dieses Anliegen von grundsätzlicher Bedeutung für Thüringen ist. Jetzt hoffe ich, dass es uns gemeinsam gelingt – auch mit Hilfe dieses neuen Wettbewerbs – dass sich ausländische Studenten, Wissenschaftler und andere ausländische Mitbürger hier in Thüringen wohl fühlen.
Dabei setze ich auf die Unterstützung der Hochschul-Leitungen, aller Lehrenden und Studierenden, der Ausländerbehörden und Ämter und auch von Ihnen, meine Damen und Herren der Medien.
Gleichzeitig danke ich allen, die sich jeden Tag neu für dieses Thema engagieren.