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Basierend auf dem "Vertrag von Amsterdam" werden alle europäischen Maßnahmen auf dem Gebiet der Forschungsförderung und technologischen Entwicklung unter dem Dach eines so genannten "Gemeinschaftlichen Rahmenprogramms Forschung" zusammengefasst.
Das Forschungsrahmenprogramm ist das zentrale Instrument zur Finanzierung der europäischen Forschungspolitik, seine siebente Ausgabe (FP7) bezieht sich auf den Planungszeitraum 2007 bis 2013 und wurde von der Europäischen Kommission Anfang April 2005 vorgestellt. Das FP7 zielt auf die Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und die Deckung des Forschungsbedarfs in der EU sowie darauf, alle Forschungsmaßnahmen zu unterstützen, die aufgrund anderer Politikbereiche der Gemeinschaft für erforderlich gehalten werden. Es besteht aus den vier sog. Spezifischen Programmen (SP)
Zusammenarbeit (Koordinierung von Themenbereichen, Forschung und Forschungsvernetzung in Europa, 15% der Mittel an KMU), mit folgenden thematischen Prioritäten:
- Gesundheit
- Lebensmittel, Landwirtschaft, Fischerei und Biotechnologie
- Informations- und Kommunikationstechnologien
- Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechniken
- Energie
- Umwelt (inkl. Klimawandel)
- Transport (inkl. Luftfahrt)
- Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften
- Sicherheitsforschung
- Weltraum
Ideen (Grundlagenforschung auf hohem Niveau, durchgeführt vom Europäischen Forschungsrat, ERC, dem ein jährliches Finanzvolumen von 1 Mrd. € zur Verfügung steht)
Menschen (das Programm 'Humanressourcen' soll die Mobilität und Karrierechancen von Forschern innerhalb und außerhalb Europas unterstützen)
Kapazitäten (Unterstützung beim Ausbau der Forschungskapazitäten in Europa: Infrastrukturmaßnahmen sowie KMU-Innovationsmaßnahmen)
Darüber hinaus sind unter diesem Dach das Programm EURATOM und die Finanzierung der Gemeinsamen Forschungsstelle vorgesehen.
Die Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, das FP7 mit 73,2 Mrd. € (ohne EURATOM) für die siebenjährige Laufzeit auszustatten. Der Rat für Wettbewerbsfähigkeit hat dann im Frühjahr 2006 veröffentlicht, dass für die Finanzielle Vorausschau 2007-2013 insgesamt ein Finanzvolumen von rund 54 Mrd. € zu laufenden Preisen zur Verfügung steht.
Davon sollen 50,5 Mrd. € auf das FP7 entfallen, die sich wie folgt verteilen: 32,4 Mrd. € auf das Spezifische Programm "Zusammenarbeit", 7,5 Mrd. € auf das SP "Ideen", 4,7 Mrd. € auf das SP "Menschen", 4,2 Mrd. € auf das SP "Kapazitäten" und 1,75 Mrd. € auf nicht-nukleare Aktionen der Gemeinsamen Forschungsstelle. Rund 4 Mrd. € sollen dem EURATOM-Programm zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus könnte der koordinierte Einsatz von EU-Strukturfonds- und Forschungsfördermitteln einen wesentlichen Beitrag zur besseren Einbindung der neuen Mitgliedsstaaten in den Europäischen Forschungsraum leisten. Eine deutsche Initiative soll deshalb erreichen, dass hierzu von der EU-Kommission ein konkreter Leitfaden erstellt wird. Dabei soll anhand von Szenarien verdeutlicht werden, wie Strukturfondsmittel sinnvoll im Zusammenwirken mit Mitteln aus dem Forschungsrahmenprogramm eingesetzt werden können.
Die Maßnahmen der Bundesregierung im Rahmen der High-Tech-Strategie, die von der Forschungsförderung bis hin zur Gestaltung von Rahmenbedingungen auf ausgewählten High-Tech-Sektoren reichen, werden mit den Schwerpunkten im FP7 der EU verzahnt. So wird es im Sinne der Lissabon-Strategie nicht nur neue Impulse beim Wissens- und Technologietransfer geben, sondern zugleich wird die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie in zukunftsfähigen Innovations- und Wissensclustern auf europäischer Ebene vertieft und gestärkt. Dies wird durch die Thüringer Landesregierung begrüßt. Aufgrund der systematischen angelegten Verzahnung nationaler und europäischer Programmmittel ist Deutschland schon jetzt an durchschnittlich 80% aller EU-Projekte in den prioritären Themen des ausgelaufenen 6. Forschungsrahmenprogramms beteiligt. Rund 20% aller Fördermittel wurden von deutschen Einrichtungen eingeworben.
Die Thüringer Landesregierung begrüßt, dass das FP7 mit der Einführung des Europäischen Forschungsrates (ERC) erstmalig die Grundlagenforschung im Spezifischen Programm "Ideen" fördert. Um der Tatsache entgegenzuwirken, dass es in vielen Regionen Europas für junge Forscher schwierig ist, Unabhängigkeit zu erreichen und eine angemessene Unterstützung zu bekommen, hat der wissenschaftliche Beirat des ERC beschlossen, einen ersten Finanzstrom auf das Ziel der Unterstützung junger Spitzenforscher auszurichten. Deutsche Vertreter im wissenschaftlichen Beirat sind die Medizin-Nobelpreisträgerin Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Vollhard (MPI für Entwicklungsbiologie Tübingen) und Prof. Dr. Hans-Joachim Freund (Direktor der Abteilung für Chemische Physik am Fritz-Haber-Institut der MPG Berlin).
Der ERC verfügt über ein Jahresbudget von durchschnittlich gut einer Milliarde Euro. Dieses wird progressiv über die Jahre 2007-2013 ansteigen.
Mit der erfolgreichen Etablierung eines Netzwerkes von EU-Forschungsreferenten an den Universitäten in Ilmenau, Jena und Weimar
(http://www.eu-forschung.de) durch das Thüringer Kultusministerium konnte die Beteiligung der Thüringer Hochschulen am 6. Forschungsrahmenprogramm bereits maßgeblich gesteigert werden. Insgesamt wurden an den Thüringer Hochschulen im 5. und 6. Forschungsrahmenprogramm 44 Mio. € eingeworben. Dabei wurden 18 Projekte in Thüringen koordiniert, darunter ein Integriertes Projekt. Hervorzuheben ist außerdem die hohe Beteiligung an Marie-Curie-Maßnahmen. Interessant ist die hohe Erfolgsquote bei den Antragstellungen. So zeigt die Bilanz für die FSU Jena z.B. im 5. Forschungsrahmenprogramm eine Bewilligungsrate von über 30%, wohingegen der bundesweite Durchschnitt bei rund 10% liegt.
In der thematischen Ausrichtung des FP7 finden sich alle Thüringer Forschungsschwerpunkte (Optische Technologien, Biotechnologie, IuK -Technologien, Mikro- und Nanotechnologien) wieder, wodurch die Voraussetzungen für eine Beteiligung der Thüringer Forscher am 7. Rahmenprogramm gegeben sind. Die Thüringer Landesregierung begrüßt in ihrer Mitte 2006 veröffentlichten "Europapolitischen Strategie - Die Zukunft Europas für Thüringen mitgestalten" die Ausgewogenheit der Thematischen Prioritäten und spricht sich dafür aus, das Spezifische Programm "Zusammenarbeit" zum Kernelement des FP7 zu machen.
Die Thüringer Landesregierung tritt dafür ein, dass als vorrangiges Kriterium für die Projektauswahl das Exzellenzkriterium zugrunde gelegt wird und begrüßt das Vorhaben der Zwischenevaluation des FP7.
Unter folgenden Adressen finden Sie weiterführende Informationen: