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Thüringer Modell des Europäischen Sprachenportfolios
Im Februar 2003 erhielten ca. 8.500 Schüler aus allen Schularten Thüringens erstmals ein
Europäisches Sprachenportfolio. Dabei handelt es sich um ein Instrument, mit dessen Hilfe Sprachenlerner lernen sollen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf eine bestimmte Sprache selbst einzuschätzen sowie ihr Können selbstständig weiter zu entwickeln. Das Portfolio gehört dem Lernenden und kann für alle modernen Sprachen, auch die außerhalb der Schule erworbenen, eingesetzt werden.
Das Sprachenkönnen wird dokumentiert auf der Grundlage eines sechsstufigen Systems von Skalen und Niveaustufen, dem
Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR), der europaweite Gültigkeit besitzt. Am Ende des schulischen Bildungsganges oder beim Verlassen der Schule werden die erreichten Qualifikationen in einen
Sprachenpass übernommen und können somit bei einer Bewerbung mit vorgelegt werden. Das Portfolio garantiert damit Vergleichbarkeit sprachlicher Kompetenzen im europäischen Kontext.
Das Thüringer Modell des Europäischen Sprachenportfolios wurde vom Europarat am 10./11. Oktober 2002 unter der Nummer 32.2002 a,b,c anerkannt. Es umfasst den gesamten Zeitraum des schulischen Sprachenlernens, das heißt, es begleitet den Schüler von der 3. Klasse bis zum Abschluss der schulischen Erstausbildung. Damit kann das Thüringer Portfolio auch zu einem Instrument werden, das Brüche im Bildungssystem überwinden und glätten hilft.
Gegenwärtig läuft an 24 Schulen aus ganz Thüringen eine 1½-jährige
Erprobung, deren Ziel es ist, das Portfolio flächendeckend ab der Klassenstufe 3 einzuführen. Eine Reihe von Schülern, die 10 Prozent der gesamten Erprobungsgruppe ausmacht, wird in regelmäßigen Abständen befragt. Die Ergebnisse der Evaluation werden in einem Zwischenbericht im Dezember 2003 sowie in einem Abschlussbericht im Dezember 2004 vorgelegt.
Weiterhin arbeitet eine Arbeitsgruppe an einem - auf dem schon genehmigten Portfolio beruhenden - Entwurf für den Bereich der beruflichen Erstausbildung.
Europäisches Sprachenportfolio (ESP)
Das Europäisches Sprachenportfolio, im Folgenden kurz als Portfolio oder ESP bezeichnet, ist eine strukturierte Sammlung von Dokumenten unterschiedlicher Art und von Beispielen persönlicher Arbeiten, die von seinem Besitzer zusammengestellt wird und die er immer wieder ergänzt und aktualisiert, um die eigene Mehrsprachigkeit, die Kompetenzen in verschiedenen Sprachen, das Sprachenlernen, Sprachkontakte und interkulturelle Erfahrungen für sich selbst und für andere transparent zu dokumentieren.
Portfolio-Modelle werden konzipiert für verschiedene Nutzergruppen, ausgerichtet z.B. auf deren Alter oder Bildungshintergrund. Sie bestehen - nach den Vorgaben des Europarates - immer aus drei Teilen:
Das Thüringer Modell wurde im Auftrag des Thüringer Kultusministeriums von einer Arbeitsgruppe - bestehend aus Thüringer Lehrerinnen verschiedener Schularten - entwickelt für die Nutzung durch Schüler der allgemein bildenden Thüringer Schulen von der Klassenstufe 3 bis zum Abschluss der schulischen Erstausbildung. Es orientiert sich neben dem Referenzrahmen auch an den Thüringer Lehrplänen für den Fremdsprachenunterricht von 1999/2001.
So kann der Schüler mit Hilfe des Portfolios dazu befähigt werden, sich seiner eigenen schulischen und außerschulischen Sprachenlerngeschichte bewusst zu werden, den eigenen Lernstand zu erkennen, einzuschätzen und zu dokumentieren. Dies fördert vor allem die Entwicklung von Selbstkompetenz beim Schüler. Zudem gibt die aufmerksame Lektüre des Portfolios dem Lehrer, aber auch den Eltern Aufschluss über das Selbstbild des Schülers und ermöglicht Rückschlüsse auf den bisherigen und für den weiteren Unterricht.
Die Ganzheitlichkeit des Thüringer Modells ermöglicht dem Schüler beim Übertritt in die weiterführende Schule die Fortführung seines Portfolios, mit dem er seit der Grundschule vertraut ist. Gleichzeitig kann es hilfreich sein bei Lehrerwechsel innerhalb der Grundschule oder in der weiterführenden Schule, da es dem übernehmenden Lehrer den individuellen Leistungsstand des Kindes, seine schulischen und außerschulischen Sprachlernerfahrungen aufzeigt und so dem Lehrer ermöglicht, das Kind da abzuholen, wo es sich gerade befindet. Die methodische Ausrichtung des Portfolios ermöglicht seine Weiterverwendung auch in dem Fall, dass ein Schüler umzieht und in einem anderen Bundesland die Schule besucht.
Das Portfolio ist das Eigentum des Schülers und wird von ihm persönlich gestaltet und "gepflegt". Damit Schüler dies leisten können, werden sie zunächst - im Bereich der Grundschule und auch zu Beginn der Sekundarstufe I - Hilfe und Unterstützung benötigen. Dabei können sowohl Lehrer als auch Eltern, Mitschüler als auch Freunde hilfreich sein. Im höheren Schulalter (Klassenstufen 10 - 12), je mehr die Arbeit mit der Sprachenbiografie durch den Schüler selbstständig geleistet werden kann, treten Außenstehende bei der Reflexion über persönliche Sprachlernprozesse immer mehr zurück und werden ersetzt durch Zertifikate von Sprachkursen, Tests usw.
Downloadbereich dieser Seite besteht die Möglichkeit, die verschiedenen Elemente des Portfolios sowie den Leitfaden zu betrachten.
| beteiligte Schulen | Schulart | Schulamt | Team |
| Staatliche Grundschule Marlishausen/Wipfratal | Grundschule | Rudolstadt | Mitte |
| Staatliches Gymnasium "Am Lindenberg" Ilmenau | Gymnasium | ||
| Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Schule Erfurt Staatliche Grundschule | Grundschule | Erfurt | |
| Staatliche Berufsbildende Schule 2 "Rudolf Diesel" | Berufsbildende Schule | ||
| Hoffmann-von-Fallersleben- Gymnasium Weimar | Gymnasium | Weimar | |
| Pestalozzischule Weimar, Staatliche Grundschule | Grundschule | ||
| Staatliche Grundschule ´Käthe Kollwitz´ Nordhausen | Grundschule | Worbis | Nord |
| Bergschule St. Elisabeth Staatlich anerkanntes Gymnasium in Heiligenstadt | Gymnasium | ||
| n.n. | Regelschule | Artern | |
| Thüringische Bibliotheksschule Sondershausen | Berufsbildende Schule | ||
| Staatliche Grundschule "Friedrich Schiller" | Grundschule | Jena | Ost |
| SBBS Jena-Göschwitz (Vollzeitschulformen) | Berufsbildende Schule | ||
| Karl-Volkmar-Stoy-Schule Jena Staatliches Berufsschulzentrum Wirtschaft und Verwaltung | Berufsbildende Schule | ||
| Rötlein-Regelschule Zeulenroda | Regelschule | Schmölln | |
| Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium Meuselwitz | Gymnasium | ||
| Staatliche Regelschule "Otto Dix" | Regelschule | Gera | |
| "Pestalozzi"-Gymnasium | Gymansium | Stadtroda | |
| Lauterschule Suhl | Regelschule | Schmalkalden | Süd |
| Hennebergisches Gymnasium "Georg Ernst" Schleusingen | Gymnasium | Neuhaus | |
| Staatliche Grundschule Neuhaus-Schierschnitz | Grundschule | ||
| Staatliches Berufsbildendes Schulzentrum Hildburghausen | Berufsbildende Schule | ||
| Ludwig-Bechstein-Schule Gotha | Grundschule | Bad Langensalza | West |
| Staatliche Regelschule Waltershausen | Regelschule | ||
| Staatliches Spezialgymnasium zur Förderung sprachlicher Begabungen, Schnepfental | Gymnasium | ||
| Staatliches Berufsschulzentrum "Ludwig Erhard" | Berufsbildende Schule | Eisenach |
In höheren Lernjahren, etwa zu Beginn der Klassenstufe 9, sollte der Schüler erstmals mit dem Sprachenpass bekannt gemacht werden. Vorausgegangen ist die intensive Bearbeitung der
Selbsteinschätzungsbögen, die Arbeit mit - vom Schüler selbst formulierten - Lernzielen und die gezielte Ausstattung des Dossiers. Der Pass, der einem vom Europarat vorgegebenen Grundkonzept folgt, erfüllt folgende Aufgaben:
weitere Angaben, z.B.
Der Sprachenpass kann verwendet werden
Aufbewahrung besonders gelungener Arbeiten
Beim Abschnitt "Ich als Sprachenlerner" - dessen Gestaltung auch in Freiarbeitsphasen oder als häusliche Aufgabe möglich ist - kann im Unterrichtsgespräch erarbeitet werden, wie sich der Erfahrungshorizont der Kinder im Bezug auf Sprachen entwickelt hat, welchen Beitrag andere Unterrichtsfächer für das Portfolio leisten können (z.B. Geschichte, Geografie, Kunst, Sport, Musik). So wird den Schülern erlebbar gemacht, dass die Sprache(n), die sie lernen werden, Brücke(n) zu anderen Menschen ist (sind), zum Verständnis ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Sie erfahren auch, dass Sprache(n) ihnen Türen in andere Länder und Kulturen öffnet(n). In einem solchen intensiven Gespräch schafft der Lehrer Motivationen und positive Grundhaltungen zum Sprachenlernen, die im zunehmenden Maße auch selbständiger durch den Schüler gesteuert werden.
Zur Motivation trägt auch bei, dass die Selbsteinschätzung die Ergebnisse der Lernarbeit positiv würdigt, auch wenn ein Erfolg noch nicht eingetreten ist (‚Das muss ich noch üben´, ‚Das ist normal, schließlich lernst du ja noch´).
Die Bögen im Kapitel "Mein Sprachenlernen" (Selbsteinschätzungsbögen), die der Schüler ab Klassenstufe 5 bearbeitet, geben ihm die Möglichkeit, bis zu viermal eine Einschätzung für eine bestimmte Sprachtätigkeit vorzunehmen. Die Bögen unterscheiden sich von denen der Grundschule insofern, als sie dem Schüler alle im Referenzrahmen vorgegebenen Niveaustufen abbilden. Diese geben dem Schüler die Möglichkeit, auf der vom Europarat vorgegebenen Skala seinen derzeitigen Leistungsstand festzulegen und sich Ziele zu stecken. Der Lehrer sollte den Schülern erklären, wo sie sich - aufgrund des Unterrichtes oder ihres sprachlichen Hintergrundes - reell befinden können, um auch Misserfolgserlebnisse und Frustrationen auszuschließen. Die Portfolio-Mappe enthält außerdem Bögen, der ihnen Lernstrategiewissen für die Planung des selbstständigen Weiterlernens vermitteln - "WAS MIR BEIM LERNEN IN ......... HILFT". Die Schüler schätzen hierbei mit den schon in der Grundschule verwendeten Skalen "immer, oft, manchmal, selten" ein, wie oft sie sich einer bestimmten Strategie bedienen. Die zunehmende Verinnerlichung dieser Strategien hilft dabei, sich realistische Lernziele zu stecken, die sie in regelmäßigen Abständen in einem kleinen "PLAN" schriftlich niederlegen können.
Wie auch in der Grundschule hat der Schüler der Sekundarstufe die Möglichkeit, die Eintragungen seinem Lehrer zu zeigen. Dieser kann auf einer dafür vorgegebenen Seite einen entsprechenden Kommentar dazu abgeben. Dazu verwendet er die Niveaustufen des Referenzrahmens. Es ist zu erwarten, dass ein Schüler der Klassenstufen 5 und 6 noch nicht sicher mit diesem Vokabular umgehen kann. In diesem Falle haben Lehrer oder auch Eltern die Möglichkeit, auf der Rückseite des Lernplans entsprechende Korrekturen und Kommentare vorzunehmen, vielleicht mit dem Schüler einen kleinen "Lernvertrag" auszuhandeln.
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