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Worum geht es? Ziel des Entwicklungsprogramms für Unterricht und Lernqualität (EULe) ist eine nachhaltige Verbesserung des Unterrichts durch die Konzentration auf ein Lernen durch Verstehen, ein "verständnisintensives Lernen", und durch die Stärkung und Erweiterung entsprechender Fähigkeiten bei Lehrerinnen und Lehrern. Wichtigster Ansatzpunkt dafür ist die systematische und handlungsnahe Verbindung von Training und Reflexion. Das Programm baut auf den Erfahrungen von Lehrern und Schulen auf. Es ist langfristig angelegt.
Dieses Faltblatt soll Grundinformationen zu dem Programm vermitteln und umfasst folgende Punkte:
Was ist "verständnisintensives Lernen"?
Warum soll "verständnisintensiv" gelernt werden?
Was heißt das für Lehrerinnen und Lehrer?
Was soll im "Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität" praktisch geschehen?
Zusätzlich zu dieser systematischen Information nennt der Anhang beobachtbare Merkmale für verständnisintensives Lernen im Hinblick auf Schüler, Lehrer und Unterricht und beschreibt sein Verhältnis zu vorhandenen methodischen und didaktischen Ansätze. Es könnte sinnvoll sein, bei der Lektüre des Faltblatts mit dem Anhang zu beginnen.
1. Was ist "verständnisintensives Lernen"?
Dachbegriff
"Verständnisintensives Lernen" bündelt pädagogisch und psychologisch wesentliche Einsichten und Erfahrungen in einem Modell des Lernens. Es handelt sich dabei nicht um eine besondere Methode oder Form des Unterrichts, sondern um einen Dachbegriff. Er bietet einen übergreifenden Rahmen für die methodische und didaktische Planung und Analyse des Unterrichts und zugleich für die Förderung des Lernens beim Einzelnen.
Verstehen und Modellieren
Allgemein bezeichnet "Lernen" den erfahrungsabhängigen, aktiv-konstruktiven Aufbau von Kompetenzen, also von Wissen, Können und Überzeugungen. Der Begriff "verständnisintensives Lernen" ist spezieller ausgerichtet. Er hebt die Bedeutung des Verstehens hervor: Verstehen wird als grundlegend und qualitätsbestimmend für Lernen und für Unterricht angesehen. Wesentlich ist dabei, dass Verstehen als "kognitiver Modellierungsprozess" aufgefasst wird, bei dem Erfahrung, Vorstellung, Begreifen und Metakognition zusammenwirken.
Erfahrung, Vorstellung, Begreifen, Metakognition
Wenn wir von Erfahrung sprechen, ist damit der Bezug auf die äußere Wirklichkeit gemeint: der praktische Kontext unseres Erlebens und Handelns im Zusammenhang mit Problemen, Aufgaben und Situationen. Vorstellungen gehören zu unserer inneren Wirklichkeit; sie sind kognitive, gedankliche Gebilde - Modelle, Situationsprototypen, Muster, Schemata, Analogien - , durch die wir unsere Erfahrung verarbeiten oder unser Handeln planen, man kann auch sagen: modellieren. Vorstellungen lassen sich deshalb als Formen und Mittel kognitiver Modellierung betrachten. Bei diesem kognitiven Modellieren spielt zusammen mit den Vorstellungen das Begreifen eine ganz wesentliche Rolle. Wir bezeichnen damit vor allem die Bearbeitung von Aufgaben, Problemen oder Wahrnehmungen mit Hilfe abstrakter Kategorien und symbolischer Mittel der verschiedenen Disziplinen, Fächer oder Domänen von Schule, Wissenschaft und Kultur. Mit Metakognition wird sodann eine eigene Ebene besonderer Bewusstheit angesprochen, die beim Lernen wichtig ist. Der Begriff der Metakognition macht darauf aufmerksam, dass wir uns beim Lernen gleichsam selbst zuschauen können, auf die kritische und selbstkritische Begleitung des Lernens, eine auf Reflexion über Anlage und Ertrag des Lernprozesses basierende Steuerung und letztlich Verbesserung des Lernens.
Zusammenfassung
"Verständnisintensives Lernen" bezeichnet also, zusammenfassend, ein Lernen, das auf Verstehen ausgerichtet ist, und bestimmt "Verstehen" als einen kognitiven Modellierungsprozess, der durch das Zusammenspiel von Erfahrung, Vorstellung, Begreifen und Metakognition strukturiert und in seiner Dynamik aufrechterhalten wird. Ob Lernen zu einem vertieften Verstehen führt, hängt wesentlich davon ab, wie aktiv, wie tragfähig, wie anspruchsvoll die kognitiven Modellierungsprozesse beim Lernen sind.
2. Warum soll "verständnisintensiv" gelernt werden?
Vieles spricht dafür, dass in einem auf Verstehen ausgerichteten Unterricht der Schlüssel für bessere Leistungen aller Schülerinnen und Schüler liegt. Ein solcher Unterricht wird den unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen besser gerecht und betont den Aspekt der Förderung. Er stärkt auf diese Weise bei den Schülern Anstrengungsbereitschaft, Selbstbewusstsein und Schulzufriedenheit. Das vermindert mittelbar auch den Berufsstress bei Lehrerinnen und Lehrern und erhöht ihre Berufszufriedenheit. Nicht zuletzt können so günstige Wirkungen auf ein besseres Schulklima erwartet werden.
3. Was heißt das für das Handeln der Lehrerinnen und Lehrer?
Lehrerinnen und Lehrer sollen durch das Entwicklungsprogramm ihre Fähigkeiten verbessern, die sehr unterschiedlichen Modellierungs- und Konstruktionsprozesse beim Lernen der Schüler zu begleiten, das heißt anzuregen, zu verstehen und zu unterstützen. Diese Fähigkeit zu einer co-konstruktiven Begleitung und Steuerung des Lernens schließt ein,
4. Was soll im "Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität" praktisch geschehen?
Wie gut der Unterricht Verstehen fördert, hängt entscheidend von den Lehrerinnen und Lehrern und von den Schulen als ganzen ab. Sie sind die wichtigsten Akteure. Hier setzt das Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität an. Das Programm ist darauf ausgerichtet, die notwendigen Qualifikations- und Veränderungsprozesse schulnah anzuregen, zu begleiten und zu unterstützen. Schulen und Lehrer sollen dabei zuallererst ihre eigenen Erfahrungen und Kräfte für einen guten, auf Verstehen ausgerichteten Unterricht mobilisieren. Wesentlich ist der gemeinsame Veränderungs- bzw. Entwicklungswille von Schulleitung und Kollegium. Schulinterne Arbeitsgruppen werden dabei von schulübergreifenden Entwicklungsgruppen unterstützt und beraten.
In einem Kontrakt zwischen der Schule und dem Schulamt werden Schwerpunkte und grundlegenden Formen der Arbeit in der Schule sowie für die Unterstützung und Beratung des Entwicklungsprozesses festgelegt. Die konkreten Themen und Arbeitsformen werden jährlich in einem Arbeitsplan und im Verlaufe des Programms immer wieder neu reflektiert und fortgeschrieben.
Zu den Entwicklungsgruppen, die bei den Schulämtern eingerichtet werden, gehören Praktiker aus Schule, Lehrer(fort)bildung und Schulaufsicht sowie Wissenschaftler. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Schulen deren individuellen Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarf zu ermitteln und den Entwicklungsprozess zu begleiten. Sie sollen darüber hinaus einen schulübergreifenden Erfahrungsaustausch sichern und an einer landesweiten Koordination und Prozessbegleitung mitwirken.
5. Anhang
Woran erkennt man und was bedeutet verständnisintensives Lernen ...
1. ... bei Schülerinnen und Schülern?
Beim Lernen der Schülerinnen und Schülern sind aktive, modellierende Formen der Auseinandersetzung besonders wichtig. Beispiele sind: