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Die internationalen Tests und die nationalen Ergänzungen von PISA 2000

Die internationalen Tests und die nationalen Ergänzungen von PISA 2000

An PISA-international nahmen in Deutschland etwa 5000 Schüler in 220 Schulen teil, aus Thüringen waren etwa 300 15-jährige Schüler aus 10 Schulen beteiligt.
Die Teilnehmerzahl geht in den anderen, insgesamt 32 Teilnehmerländern von etwa 300 (Liechtenstein) bis etwa 30 000 (Kanada). Insgesamt wurden mehr als 250 000 Schülerinnen und Schüler getestet (stellvertretend für rund 17 Millionen). In 25 Ländern wurden im Rahmen einer internationalen Option Informationen über die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zum Lernen erhoben.

Der Test wurde in Deutschland an zwei Tagen durchgeführt, die Testzeit betrug pro Teilnehmer und Tag zweimal 60 Minuten zuzüglich der Zeit zur Bearbeitung von Fragebögen und weiteren speziellen Aufgaben (z B. Test der Lesegeschwindigkeit. und Bearbeiten von Problemlöseaufgaben).
Das gesamte Aufgabenmaterial für den ersten Tag wurde in neun 30-minütigen Leseblöcken und jeweils vier 15-minütigen Mathematik- und Naturwissenschaftsblöcken zusammengefasst. Alle Schülerinnen und Schüler bearbeiteten Leseaufgaben, aber nur teilweise Mathematikaufgaben und/oder Naturwissenschaftsaufgaben.
Am zweiten Tag wurden die nationalen Ergänzungstests durchgeführt. Auch hier wurde mit rotierenden Blöcken gearbeitet, d. h. jeder Schüler bearbeitete jeweils nur einen Teil der Mathematik- und Naturwissenschaftsaufgaben.
Alle Schüler (in Thüringen etwa 3300 Schülerinnen und Schüler aus 103 Schulen) nahmen an beiden Tagen am PISA-Test teil.

Im Rahmen der PISA-Untersuchung waren nationale Ergänzungen unter verschiedenen Aspekten möglich.

  1. Es wurden weitere Schulen in die Untersuchung einbezogen. Für PISA-national (PISA–E) kamen in Deutschland Schüler aus 1246 Schulen hinzu, insgesamt wurden somit etwa 50 000 Schüler aus 1466 Schulen getestet. In Thüringen nahmen zusätzlich weitere 93 Schulen, die im Rahmen einer Stichprobenziehung ausgewählt wurden, an den PISA-Tests teil.
    Ziel dieses Oversamplings war die Erhöhung der Anzahl der Teilnehmer, um die Situation innerhalb der Länder repräsentativ zu beschreiben und Vergleiche zwischen den einzelnen Bundesländern vorzunehmen.
  2. Teilnehmer an der internationalen PISA-Studie war der Altersjahrgang der 15-Jährigen. Diese verteilen sich in Deutschland aufgrund unterschiedlicher Einschulungsmodalitäten und der Möglichkeit der Klassenwiederholung auf mehrere Schuljahrgänge (60,5 % der deutschen Teilnehmer lernen Klassenstufe 9, weitere 23,6 % über dieser Klassenstufe, 15,9% unter dieser Klassenstufe).
    Um Aussagen über den Bildungsstand gegen Ende der Sekundarstufe I treffen zu können, wurde die Stichprobe in jeder Schule um etwa 10 nicht 15-jährige Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9 erweitert.
  3. Zu den einzelnen Untersuchungsbereichen des nationalen Teils wurden spezielle deutsche Rahmenkonzeptionen unter Berücksichtigung der in Deutschland gültigen Lehrpläne durch nationale Expertengruppen erarbeitet. Diese stellen eine Ergänzung der internationalen Konzeptionen dar. Nähere Informationen dazu bieten die folgenden Tabellen.

Lesekompetenz

internationale Konzeption

nationale Konzeption

  • Entnehmen von Einzelinformationen aus einem Text
  • Verstehen der Aussage eines Textes
  • Erarbeiten einer ausschließlich auf den Text bezogenen Interpretation
  • Einordnen und kritisches Bewerten von Inhalt und Form eines Textes

Anhand von Texten, die für verschiedene Lesesituationen (privat-Romanauszüge, öffentlich-amtliche Dokumente, berufsbezogen-Handbücher oder bildungsbezogen-Lehrbücher) geschrieben wurden sowie unter Einbeziehung von „nicht-kontinuierlichen Texten“, in denen Informationen auf eine andere Art und Weise dargestellt sind (Listen, Formulare, Graphiken, Diagramme usw.)

  • Aneignen der Inhalte eines Textes
  • Bearbeiten von Fragen zu einem Text, ohne Möglichkeit des Zurückgreifens auf den Text

sowie:

Erfassen von Faktoren, mit deren Hilfe Leistungsunterschiede erklärt werden können bzw. die durch gezielte Fördermaßnahmen beeinflusst werden können (z. B. Motivation, Interesse, Leseerfahrung, Lesestrategie)

Mathematische Grundbildung

internationale Konzeption

nationale Konzeption

Orientierung an Leitideen, die das mathematische Denken strukturieren (z. B. Veränderung und Wachstum, Raum und Form), weniger an den in den Lehrplänen ausgewiesenen Stoffgebieten

Lösen von Aufgaben mit unterschiedlich hohen Anforderungen:

  • Berechnen und Wiedergeben von Definitionen
  • Mathematisches Modellieren und Herstellen von Querverbindungen
  • Mathematisches Denken, Verallgemeinern und Verstehen von Zusammenhängen

Anhand von z. T. recht umfangreichen Aufgaben aus verschiedenen, möglichst wirklichkeitsnahen Anwendungssituationen

  • Anwenden von mathematischen Routinen
  • Verstehen innermathematischer Problemstellungen

anhand von weniger umfangreichen, den deutschen Schülern vertrauteren Aufgaben

Die beiden folgenden Tabellen geben zusätzliche Informationen zur Art der eingesetzten PISA-Aufgaben sowie zur Verteilung der Aufgaben auf die Stoffgebiete der deutschen Mathematiklehrpläne. Ein Vergleich der Anzahl der Aufgaben weist auf die unterschiedlichen Akzente der internationalen bzw. der nationalen PISA-Aufgaben hin.

Art der Aufgaben

Internationale PISA-Aufgaben

Nationale PISA-Aufgaben

Technische Aufgaben

1

23

Rechnerische Modellierungsaufgaben

14

33

Begriffliche Modellierungsaufgaben

16

30

Aufgaben insgesamt

31

86

Verteilung auf die Stoffgebiete

Internationale PISA-Aufgaben

Nationale PISA-Aufgaben

Arithmetik

1

12

Algebra

1

11

Funktionen

6

14

Proportionalität und Prozentrechnung

2

15

Geometrie

13

19

Umgehen mit Daten und Stochastik

8

15

Aufgaben insgesamt

31

86

Aufgaben aus dem nationalen Test

Beispiele aus dem Bereich Proportionalität / Prozentrechnung)

Sparen
Karina hat 1000 DM in ihrem Ferienjob verdient. Ihre Mutter empfiehlt ihr, das Geld zunächst bei einer Bank für 2 Jahre (Zinseszins) festzulegen. Dafür hat sie zwei Angebote:
a) „Plus“-Sparen: Im ersten Jahr 3 % Zinsen, im zweiten Jahr dann 5 % Zinsen.
b) „Extra“-Sparen: Im ersten und zweiten Jahr jeweils 4 % Zinsen.
Karina meint: „Beide Angebote sind gleich gut.“ Was meinst du dazu? Begründe deine Antwort.

Glasfabrik (Version 3)
Eine Glasfabrik stellt am Tag 8000 Flachen her. Erfahrungsgemäß sind ca. 160 Flaschen fehlerhaft.
Wie viel Prozent sind das?
0,02%     1,28%     5%
0,5%       2%

Naturwissenschaftliche Grundbildung

internationale Konzeption

nationale Konzeption

  • Erkennen von Fragestellungen, die naturwissenschaftlich untersucht werden können
  • Identifizieren von Belegen/Nachweisen, die in einer naturwissenschaftlichen Untersuchung benötigt werden
  • Ziehen und Bewerten von Schlussfolgerungen
  • Verstehen naturwissenschaftlicher Konzepte

Anhand von wirklichkeitsnahen naturwissenschaftlichen Anwendungsaufgaben aus den Bereichen Leben und Gesundheit, Erde und Umwelt und Technologie, die hauptsächlich dem Alltagsleben entnommen wurden

  • Bearbeiten von Aufgaben, die eine getrennte Darstellung der Leistungen in Biologie, Chemie und Physik erlauben
  • Erfassen zentraler Konzepte des naturwissenschaftlichen Unterrichts der Sekundarstufe I
  • Betonen von Aspekten naturwissenschaftlicher Grundbildung, die im internationalen Test wenig berücksichtigt wurden

Die folgende Übersicht belegt die Unterschiede zwischen den Aufgaben des internationalen und des nationalen Tests. Durch Lehrplanexperten aller Bundesländer wurde u. a. untersucht, in welcher Klassenstufe der Stoff, der den Aufgaben zugrunde liegt, behandelt wird. Für 75 % der nationalen Aufgaben und für 58 % der internationalen Aufgaben wurde nach diesen Einschätzungen der Stoff bis zur Klassenstufe 9 bearbeitet: Diese Angaben weichen für die einzelnen Schulformen voneinander ab. Sie sind für das Gymnasium immer geringer (68 % bzw. 50%). Letzteres lässt sich auf das z. T. recht späte Einsetzen naturwissenschaftlicher Fächer (vor allem Chemie) zurück führen.


Internationale PISA-Aufgaben

Nationale PISA-Aufgaben

Ableiten von Informationen aus einer graphischen Darstellung

3

8

Abrufen und Anwenden von Faktenwissen aus dem Gedächtnis

0

7

Ziehen von Schlüssen aus gegebenen Informationen

12

2

Heranziehen eines (räumlichen) mentalen Modells

2

4

Verbalisieren eines Sachverhaltes

8

5