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Was bedeutet PIRLS, was IGLU?

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  1. Was bedeutet PIRLS / IGLU
  2. IGLU 2001
  3. IGLU 2006

1. Was bedeutet PIRLS, was IGLU?

Mit PIRLS / IGLU wurde international vergleichend das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 4 getestet. In 35 Ländern beteiligten sich an dieser Studie 146 490 Grundschulkinder. Auf Beschluss der Kultusministerkonferenz nahmen in Deutschland 10 571 Schülerinnen und Schüler aus 246 Schulen aller 16 Bundesländer teil. In Thüringen kamen die Teilnehmer aus 4 Grundschulen. In jeder teilnehmenden Schule wurden jeweils zwei vierte Klassen getestet.

PIRLS / IGLU ist eine Studie der IEA (International Association for the Evaluation of Educational Achievement). Die Auswertung des internationalen Datensatzes erfolgt am IEA Data Processing Center (DPC) in Hamburg.

IGLU-E ist eine nationale Erweiterung von PIRLS / IGLU. Mit IGLU-E wurden in Deutschland in zwölf Bundesländern die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der Grundschulzeit im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich erfasst. Schülerinnen und Schüler aus den 4 international ausgewählten und 19 weiteren Thüringer Grundschulen nahmen an diesem Test teil.

In Deutschland wird IGLU und IGLU/E gemeinsam von Instituten der Universität Hamburg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durchgeführt. Die Koordination erfolgt am Lehrstuhl für Quantitative Methoden und Internationale Bildungsforschung der Universität Hamburg (Prof. Dr. Wilfried Bos, Dr. Eva-Maria Lankes).

PIRLS / IGLU wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und durch die Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich gefördert. IGLU-E wird durch die Kultusminister der beteiligten Länder unter der Federführung des Landes Schleswig-Holstein gefördert.

Welche Ziele verfolgt die Internationale-Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU)

Leseverständnis ist eine Schlüsselqualifikation, eine Kompetenz, die für das Lernen in allen Fächern bedeutsam ist. Lesen ist als Kulturtechnik eine wesentliche Voraussetzung für die Teilnahme an nahezu allen gesellschaftlichen Lebensbereichen. Kinder der Klassenstufe 4 haben weitgehend lesen gelernt und lesen immer mehr, um zu lernen. Lesen bedeutet den Sinn zu verstehen und graphisch fixierte sprachliche Inhalte zu verarbeiten. Lesen als Sinnentnahme schließt auch Emotionen, Rollenübernahme, Kreativität und Kritikfähigkeit mit ein.

Nach modernen Lesetheorien bringt der Leser ein Repertoire an Fertigkeiten sowie Hintergrundwissen mit. Der Text andererseits beinhaltet spezifische Sprach- und Strukturelemente und bezieht sich auf ein bestimmtes Thema. Der Kontext der Lesesituation fördert das Engagement und die Motivation zu lesen und stellt oft spezifische Anforderungen an das Leseverständnis.

Der IGLU-Test zum Leseverständnis konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte: den Verstehensprozess und die Leseintention. Diese beiden Aspekte sind sowohl beim Lesen literarischer Texte als auch beim Lesen zum Erwerb und Gebrauch von Informationen bedeutsam. Dabei werden mit Hilfe verschiedener Texte, deren Gestaltung Kindern aus ihrem Leben vertraut ist, unterschiedliche Aspekte der Kompetenz erfasst.

Verstehensprozesse

Wie auch in der PISA-Studie wurden Kompetenzstufen bestimmt, denen jeweils bestimmte Testaufgaben zugeordnet sind. Aufgaben der einzelnen Kompetenzstufen besitzen ein gemeinsames Anforderungsprofil und unterscheiden sich von Aufgaben der anderen Kompetenzstufen. Jeder Kompetenzstufe wird ein Intervall von Skalenwerten (Punkte) zugeordnet.


Kompetenzstufe

Intervall der Skalenwerte

I

Gesuchte Wörter in einem Text erkennen

375 - 450

II

Angegebene Sachverhalte aus einer Textpassage erschließen

451 - 525

III

Implizit im Text enthaltenen Sachverhalte aufgrund des Kontextes erschließen

526 - 600

IV

Mehrere Textpassagen sinnvoll miteinander in Beziehung setzen

> 600

Darüber hinaus wurden zur Abrundung der Ergebnisse die Fähigkeit zum Schreiben und in einem kleinen Test die kognitiven Lernvoraussetzungen ermittelt. Die Erhebung zum Leistungsstand des Leseverständnisses/Deutsch der Schülerinnen und Schüler wurde ergänzt durch Befragungen der Schulleitungen, der Lehrkräfte und Eltern (z. B.: Fragebögen zur Erfassung des Leseinteresses; zu Fortbildungswünschen usw.). Schüler und Schülerinnen wurden darüber hinaus zu ihren Lesegewohnheiten und Lesevorlieben, ihren Freizeitaktivitäten u. ä. befragt. Diese Befragungen liefern Hinweise für die Gestaltung des Unterrichts, wichtige Erkenntnisse über den Unterstützungsbedarf von Lehrkräften und Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der Lehrerausbildung bzw. -fortbildung.

Warum gibt es eine nationale Erweiterung (IGLU-E)

Die IGLU-Konzeption für die Grundschule beruht auf einem Modell von Grundbildung, d. h. der Beherrschung grundlegender kultureller Kompetenzen. Die Mathematik und die Naturwissenschaften thematisieren umfassende Weltbereiche bzw. Kulturen, denen Kinder im Alltag begegnen, und dies bereits im Vorschulalter. An bestimmten Ausschnitten oder Teilbereichen nehmen Grundschulkinder (auch außerhalb der Schule) aktiv teil, sie lernen kompetent zu handeln. Die neuere entwicklungspsychologische Forschung hat in überzeugender Weise gezeigt, wie sich Kinder - vor allem im Grundschulalter, aber auch schon im Vorschulalter - aktiv auf Erkenntnis und Wissen ausgerichtet, verschiedene Weltbereiche oder Kulturen erschließen und dabei zusammenhängende und durchaus gehaltvolle theoretische Modelle entwickeln.

Vor diesem Hintergrund kann die Erfassung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Wissens und Verständnisses mit Hilfe der IGLU-E-Tests zur Weiterentwicklung der Grundschule in vielfältiger Weise beitragen. Wesentliche Anregungen sind für die Lehrpläne zu erwarten. Ein Teil der Testaufgaben ist direkt an den in Deutschland gültigen Lehrplänen orientiert: Sie erfassen Wissensbestände und Fertigkeiten, die in den deutschen Lehrplänen für die Grundschule angestrebt werden. Der andere Teil der IGLU-E-Testaufgaben erfasst mathematische und naturwissenschaftliche Grundkompetenzen, die in der Lebenswelt von Grundschulkindern bedeutsam sind und zugleich als wichtige Basis für das anschließende Lernen dienen.

In Mathematik geht es insbesondere darum, in den zentralen Begriffsfeldern Arithmetik, Geometrie, Größen und Sachrechnen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in grundlegenden Zielbereichen zu erheben. So interessieren z. B. unter der Rubrik "fachspezifische Ziele" die Qualität des verfügbaren Zahlbegriffs, Fertigkeiten im Umgang mit dem Zehnersystem und mit schriftlichen und halbschriftlichen Rechenverfahren, die Art des Umgangs mit arithmetischen und geometrischen Mustern, Kenntnis von und Operieren mit geometrischen Formen, Wissen und rechnerische Kompetenzen zu grundlegenden Größen. Bei den allgemeinen Zielen interessiert u. a. wie Mathematik zur Lösung von Problemen in außermathematischen Situationen benutzt wird, wie entdeckend arithmetische oder geometrische Muster und Beziehungen erkannt werden, wie Vermutungen begründet werden, wie mathematische Informationen interpretiert und strukturiert dargestellt werden.

Auch für diesen Wissensbereich wurden Kompetenzstufen bestimmt und diesen Intervalle von Skalenwerten zugeordnet.


Kompetenzstufe

Intervall der Skalenwerte

I

Rudimentäres schulisches Anfangswissen

< 289

II

Grundfertigkeiten zum Zehnersystem, zur ebenen Geometrie und zu Größenvergleichen

290 - 410

III

Verfügbarkeit der Grundrechenarten und Arbeit mit einfachen Modellen

411 - 520

IV

Beherrschung der Grundrechenarten, Bewältigung von Aufgaben der räumlichen Geometrie und begriffliche Modellentwicklung

521 - 650

IV

Problemlösen bei Aufgaben mit innermathematischen oder außermathematischen Kontext

> 650

Im Bereich der Naturwissenschaften sind die folgenden Komponenten der naturwissenschaftlichen Grundbildung (Scientific Literacy) von besonderer Bedeutung:

  • naturwissenschaftliche Begriffe und Prinzipien,
  • naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden und Denkweisen,
  • Vorstellungen über die Besonderheiten der Naturwissenschaften,
  • Vorstellungen über die Beziehungen zwischen Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft sowie
  • Einstellungen, Überzeugungen und Wertorientierungen zu den Naturwissenschaften.

Beiträge zur Entwicklung der naturwissenschaftlichen Grundbildung werden zum einen im Alltag (Elternhaus, Kindergarten, Medien,..) und zum anderen über die systematische Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen in der Schule erbracht. Dies beginnt im Sachunterricht der Grundschule bei der Beschäftigung mit ausgewählten Themenbereichen. Ziel ist die Bereitstellung von fachlich systematisiertem Wissen, das für das Lernen im später einsetzenden Fachunterricht anschlussfähig ist.

Die Kompetenzstufen berücksichtigen die oben genannten Komponenten.


Kompetenzstufe

Intervall der Skalenwerte


Vorschulisches Alltagswissen

< 323

I

Einfache Wissensreproduktion

323 – 400

II

Anwenden alltagsnaher Begriffe

401 – 468

III

Anwenden naturwissenschaftlicher Begriffe

469 – 522

IV

Beginnendes naturwissenschaftliches Verständnis

523 – 637

V

Naturwissenschaftliches Denken und Lösungsstrategien

> 637

 

 

2. IGLU 2001
Wie lief die Untersuchung ab?

Der 1. Testtag an jeder Schule bestand aus zwei Blöcken – ein Block für den Lesetest und einer für die Bearbeitung des Schülerfragebogens. Pro Klasse führte jeweils ein externer Testleiter /eine Testleiterin den Test mit den Schülern durch und gab diesen darüber hinaus auch einen Elternfragebogen zum Thema Lesenlernen mit nach Hause. Die Deutsch-, Mathematik- und Heimat- und Sachkundelehrerinnen und -lehrer der ausgewählten Schüler erhielten einen Lehrerfragebogen und die Schulleitung einen Schulfragebogen. Zusätzlich füllten die mit ihren Klassen nicht direkt an IGLU beteiligten Lehrkräfte einen weiteren Lehrerfragebogen aus.

Am 2. Testtag bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler zuerst ein Testheft, das vornehmlich Aufgaben aus den Bereichen Mathematik und Heimat- und Sachkunde und daneben einen kleinen Deutschtest enthielt. Danach erfolgte die Bearbeitung eines weiteren Schülerfragebogens.

Wie ist der Stand der Durchführung und Auswertung von IGLU und IGLU-E?

Für IGLU wurden in der internationalen Vergleichsstichprobe je Land mindestens 150 Schulen mit je zwei Schulklassen der Klassenstufe 4 erfasst. In Deutschland fand die Untersuchung in allen Bundesländern statt.

Dabei wurde eine Teilnahme von über 80 Prozent der Kinder in den ausgewählten Klassen erreicht. Die Lehrerfragebogen und Schulfragebogen hatten eine weit über 95 Prozent liegende Rücklaufquote. Die Teilnahme in IGLU-E erreichte ähnliche Werte.

Den jeweiligen Lehrern gingen im Frühjahr 2002 auf Anforderung erste Daten zu den Schülerleistungen in den von Ihnen im jeweiligen Fach unterrichteten Klassen zu. Die Schulleitung erhielt parallel eine Ergebnismitteilung, die einen allgemeinen Überblick über die Schülerleistungen gibt und einen Vergleich mit Schulen herstellt, die ähnliche Kontextbedingungen haben.

Der internationale Bericht und auch der nationale Bericht zu den drei untersuchten Bereichen (Leseleistung, Naturwissenschaften und Mathematik) wurden am 8. April 2003 vorgelegt. Mit weiteren analytischen Auswertungen ist bis Ende 2003 zu rechnen. Informationstagungen und wissenschaftliche Fachtagungen bereiten die Veröffentlichung der Berichte vor und auch nach.

Welche wichtigen Ergebnisse haben PIRLS/IGLU und IGLU-E erbracht?

Die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler aller teilnehmenden Länder konnten direkt verglichen werden. Für die mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen wurde für Deutschland jeweils ein Wert rekonstruiert, so dass ein Vergleich mit den Ergebnissen der TIMSS-Erhebung zur Primarstufe aus dem Jahr 1995 - an dieser Untersuchung hat Deutschland nicht teilgenommen - möglich wurde. Dazu wurden TIMSS-Items verwendet. Die für Deutschland errechneten Werte beruhen allerdings nur auf einer unvollständigen nationalen Stichprobe, da sich vier Bundesländer nicht an IGLU-E beteiligt haben. Ferner muss beachtet werden, dass ein hoher zeitlicher Abstand zwischen den Erhebungen von TIMSS und IGLU existiert. Es ist nicht auszuschließen, dass Länder, die im Jahr 1995 an der Grundschulstudie von TIMMS teilgenommen haben, sechs Jahre später besser abgeschnitten hätten.

  1. Mit 539 Punkten erreicht Deutschland im Leseverständnis ein Kompetenzniveau, das es in die Spitzengruppe bringt und den Vergleich mit den europäischen Nachbarländern standhalten kann. Nur in Schweden erreichen die Kinder mit 561 Punkten, in den Niederlanden mit 554 Punkten und in England mit 553 Punkten bessere Ergebnisse. In Italien werden 541 Punkte erreicht. Dies ist mit dem deutschen Ergebnis fast identisch. Schottland, Frankreich und Griechenland werden klar übertroffen.
  2. Es gelingt dabei in Deutschland besonders gut
    • die Streubreite der Leistung gering zu halten, also das überdurchschnittliche Niveau für einen verhältnismäßig großen Teil der Schülerschaft zu erreichen und eine relativ homogene Schülerschaft in die weiterführenden Schulen abzugeben,
    • die Unterschiede zwischen den Jungen und Mädchen, die weltweit deutlich sind, auf eine Differenz von 13 Punkten zu beschränken,
    • die Risikogruppe, also Kinder, die die Kompetenzstufe II nicht erreichen, auf 10,3 % zu beschränken, bei den 15-Jährigen umfasste diese 23,6 %, und
    • die Bandbreite der Leseleistung im Blick zu haben. „Das hohe Kompetenzniveau ist sowohl bei literarischen Texten und Sachtexten als auch bei textimmanenten und wissensbasierten Leseleistungen gleichermaßen hoch ausgeprägt.“
  3. Folgende Problembereiche sind im Leseverständnis am Ende der Klassenstufe 4 zu identifizieren:
    • Mehr als ein Drittel der Schüler kommen in der Leseleistung nicht über die Kompetenzstufe II hinaus. Sie werden ohne weitere systematische Förderung der Lesekompetenz wahrscheinlich Schwierigkeiten in der Erarbeitung neuer Lerngegenstände in allen Fächern haben.
    • Der Anteil der leistungsstärksten Leser liegt mit 18,1 % im mittleren Bereich aller teilnehmenden Staaten. Hier ist eine verbesserte Förderung im Bereich von Lesestrategien erforderlich. Diese nutzen auch den Leistungsschwächeren.
    • Bei der Auslese zum Übertritt gelingt es nicht, leistungshomogene Gruppen zu bilden. Da die weiterführenden Schulen aber eher davon ausgehen, dass dies gelingt, ist hier ein Ansatz für Verbesserungen.
    • Für die Bewertung der Leistung im Lesen fehlen offensichtlich Standards, so dass diese stärker klassenbezogen als leistungsbezogen erteilt wird.
  4. Der im naturwissenschaftlichen Verständnis erreichte Wert liegt mit 560 Punkten* deutlich über dem aus dem Vergleich mit TIMSS errechneten Mittelwert von 524 Punkten. Grundschulkinder sind also sehr wohl in der Lage, naturwissenschaftliche Sachverhalte zu begreifen und naturwissenschaftlich zu denken. Sie sind am Ende der Grundschulzeit für die Naturwissenschaften aufgeschlossen und zeigen Interesse.
  5. Auch die Mathematikleistungen liegen mit einem Mittelwert von 545 Punkten** über dem internationalen Mittelwert von 529 Punkten. Beunruhigend ist allerdings, dass ein Fünftel der Kinder die Grundschule mit nicht unerheblichen Defiziten verlässt. Positiv ist die hohe Motivation für das Fach auf allen Kompetenzstufen zu bewerten. Diese gibt die Chance, in den weiterführenden Schulen erfolgreich zu intervenieren.
  6. Für die orthographische Kompetenz liegen international keine Vergleichswerte vor. Der Test ist auch nicht normiert. 25 % der Kinder weisen aber deutliche Rechtschreibprobleme auf, sie übertreffen Kompetenzstufe II nicht, und nur 15 % erreichen Kompetenzstufe IV. Im Bereich von 0 – 2 Fehlern, bei 45 kritischen Wörtern, sind nur 1 Prozent der Schüler zu finden. Hier wird für Thüringen im Frühjahr 2004 eine differenzierte Aussage in Form eines Forschungsberichtes auf der Basis eines normierten Tests mit zwei Messzeitpunkten (zu Beginn der Klassenstufe 3 und am Ende) vorliegen.
  7. Die Leistungen in der Grundschule sind signifikant weniger vom sozialen Hintergrund abhängig als in der Sekundarstufe I.

* Der errechnete Wert beruht auf einer nicht vollständigen nationalen Stichprobe ohne Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
**In diese Ergebnisse flossen auch die Leistungen von jeweils zwei ganzen Klassen an vier Thüringer Grundschulen ein

Welche Konsequenzen sind zu erwarten?

Das vorrangige Ziel von vergleichenden Schulleistungsuntersuchungen ist es nicht, Ranglisten der beteiligten Länder zu erstellen. Dies erscheint schon deshalb nicht sinnvoll, weil die Ergebnisse nicht die gesamte Realität an Schulen in Deutschland und in anderen Ländern abbilden können. Sie dienen auch nicht der Überprüfung individueller Leistungen, weder einzelner Schüler oder Lehrkräfte noch einzelner Schulen.

Tests, die auf höchstem Standard konzipiert und ausgearbeitet worden sind, können Aufschluss geben über das Kompetenzniveau deutscher Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit in den untersuchten Lernbereichen. IGLU und IGLU/E liefern weiterhin u. a. differenzierte Informationen über lernförderliche und lernbehindernde Rahmenbedingungen.

Die folgenden Punkte sind erste Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Ergebnissen. Sie beziehen sich vor allem auf die weiterführenden Schulen. Diese sollten von der Lernkultur der Grundschule lernen und dabei folgende Schwerpunkte deutlicher setzen:

  • Kinder individuell zu fördern und zu fordern,
  • bei den Stärken der Kinder anzusetzen,
  • die Gesamtpersönlichkeit im Blick zu haben,
  • sich kindfähig zu machen und nicht auf Vorleistungen und homogene Voraussetzungen aufzubauen,
  • die Differenz im Bereich der Leistungsfähigkeit als Voraussetzung und Ziel im Blick zu haben und
  • die Verbesserung des Unterrichts als zentrale Entwicklungsaufgabe zu sehen.

Detailliertere Schlussfolgerungen sind erst nach dem Vorliegen weiterer Auswertungen möglich. Im Dezember 2003 wird ein Ländervergleich zu den Leseleistungen unter Beteiligung von 6 Bundesländern vorliegen. In diesem Bericht werden auch die Thüringer Ergebnisse dargestellt. Bei der Stichprobenziehung für diese Erweiterung um 19 Schulen wurde ein Weg beschritten, um die Chance für die Schulentwicklung zu nutzen. Grundschulen konnten sich bewerben. Aus den 47 Bewerbungen wurden dann 19 Schulen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Deshalb werden die Thüringer Ergebnisse in diesem Berichtsband gesondert gekennzeichnet sein.

Die im mathematisch-naturwissenschaftlichen Leistungsbereich erzielten Ergebnisse der Thüringer Grundschulen werden durch Wissenschaftler im Frühjahr 2004 analysiert.


Dieses Informationsmaterial basiert auf einer Ausarbeitung des Institutes für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg.

Bericht IGLU 2001

Pressemitteilung des TKM
zur Veröffentlichung der IGLU-Ergebnisse vom 8. April 2003

einige interessante Ergebnisse einer Befragung von beteiligten Schulleitern

Musteraufgaben zu PIRLS/IGLU

 

3. IGLU 2006

Beteiligung
Der erste Zyklus wurde 2001 mit Beteiligung Deutschlands durchgeführt. Bei IGLU 2006 handelte es sich um den zweiten Zyklus. Gemäß eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom März 2004 beteiligte sich Deutschland auch im Jahr 2006. Der Test fand im Zeitraum 24. April bis 2. Juni 2006 statt.
An IGLU 2006 nahmen weltweit insgesamt 35 Staaten teil. Hinzu kamen zehn Regionen, die zwar keine souveränen Staaten darstellen, in der internationalen Berichtserstattung aber getrennt aufgeführt werden, weil die jeweiligen Regionen für Bildungsfragen weitestgehend selbstverantwortlich sind. Aus pragmatischen Gründen wird einheitlich von 45 „Teilnehmerstaaten“ gesprochen. Bei den Regionen, die keine souveränen Staaten sind, handelt es sich um Hongkong (Volksrepublik China), England und Schottland (Vereinigtes Königreich), die Flämische und die Französische Gemeinschaft in Belgien und die kanadischen Provinzen Alberta, Britisch-Kolumbien, Neuschottland, Ontario und Québec. 27 dieser Teilnehmerstaaten waren bereits bei IGLU 2001 dabei, einige Teilnehmer an IGLU 2001 beteiligten sich allerdings 2006 nicht, z. B. Argentinien, Belize und Griechenland.

Ziele und Inhalte
Lesefähigkeit ist eine der – wenn nicht die wichtigste Kulturtechnik, die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer ersten Schuljahre erlernen. Sie stellt die Basis für jegliches Lernen, für die persönliche Weiterentwicklung und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dar.
Lesefähigkeit ist bei IGLU definiert als die Fähigkeit geschriebene Texte, die für die Gesellschaft und/oder den Einzelnen bedeutsam sind, zu verstehen und zu nutzen. Junge Leser können den Sinn von verschiedenartigen Texten erkennen. Sie lesen, um zu lernen, um zur Gemeinschaft der Leser in der Schule und im täglichen Leben zu gehören und zum Vergnügen.
Es reicht dazu nicht aus, einfach nur lesen zu könne. Vielmehr müssen Schülerinnen und Schüler Informationen aus Texten entnehmen und mit diesen Informationen weiterarbeiten. Sie sollen den Sinn und den Aufbau einer Geschichte verstehen, sich in handelnde Personen hineinversetzen und erzählerische Mittel erkennen. Dabei kommen mit Kurzgeschichten und Sachtexten zum Einsatz.
Diese Kernkompetenz bei Schülerinnen und Schülern wird durch IGLU am Ende der Grundschulzeit erhoben. Der Schwerpunkt der Untersuchung sind nicht allein die Schülerleistungen, sondern auch deren schulische und häusliche Bedingungsfaktoren.


Zusätzlich zum Test wurden zur Erfassung der Lesemotivation, des Leseselbstkonzepts und des Leseverhaltens Schülerfragebögen eingesetzt. Weiterhin wurden ergänzende Befragungen der Schulleitungen, der Lehrkräfte und der Eltern der befragten Schülerschaft (z.B. zu fachlichen und fachdidaktischen Ansätzen im Deutschunterricht oder zu professionellen Standards) durchgeführt. Diese Zusatzerhebungen liefern wertvolle Hinweise für die Gestaltung des Unterrichts, wichtige Erkenntnisse über den Unterstützungsbedarf von Lehrkräften und allgemein relevante Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung.

Bewertung der Ergebnisse des internationalen Vergleichs aus Thüringer Sicht
In das Gesamtergebnis Deutschlands, dass am 28.11.2007 vorgestellt wird und ab dem 29.11.2007 als Publikation „IGLU 2006 – Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich“ erhältlich ist, gehen die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer entsprechend der Anzahl der Grundschüler im Verhältnis zur Anzahl aller deutschen Grundschüler der entsprechenden Klassenstufe ein. Die Thüringer Grundschulen beeinflussen das Gesamtergebnis mit etwa 3 Prozent.
Ergebnisse zu Thüringen lassen sich aus dem Bericht der internationalen Daten demzufolge nicht ableiten, dies ist erst nach Bekanntgabe der Daten zu IGLU-E 2006 möglich.


Nationale Erweiterung IGLU-E 2006
Für IGLU-E, die nationale Erweiterung, wurde die Stichprobe pro Bundesland auf etwa 25 Schulen mit je einer vierten Klasse (Nordrhein-Westfalen: 35 Schulen) ausgeweitet. Diese Stichprobe von 410 deutschen Schulen mit insgesamt etwa 10 000 Schülerinnen und Schülern ermöglicht Aussagen über die Schülerpopulation der jeweiligen Bundesländer. Auf internationaler Ebene sind Vergleiche zwischen Schulen und Lehrkräften aber selbstverständlich möglich.
Der Bericht mit den Ergebnissen des nationalen Vergleichs wird frühestens im Herbst 2008 vorliegen (als Zeitfenster wurde der Kultusministerkonferenz vom IFS Dortmund der Zeitraum Oktober 2008 bis Januar 2009 vorgeschlagen – eine Entscheidung liegt noch nicht vor). Erst im nationalen Bericht werden die konkreten Ergebnisse der einzelnen Bundesländer miteinander verglichen. Mit den dann vorliegenden Zahlen kann dann für Thüringen ein Vergleich mit den Leistungen der Schüler in den anderen Ländern in Deutschland, mit den Leistungen der anderen Teilnehmerstaaten und auch im Längsschnitt zu den Leistungen Thüringer Kinder der Klassenstufe 4 im Jahr 2001 gezogen werden.

Im Rahmen von IGLU-E 2006 wird, neben einer Erweiterung der Fragebögen im Hinblick auf solche Schwerpunkte wie Leseselbstkonzept, spezifische Förderangebote für Jungen, Einsatz digitaler Medien im Deutschunterricht, Umsetzung der neuen Schuleingangsphase, Wirkung des Ganztagsangebots und Einflüsse des soziokulturellen Hintergrund der Familien, die orthographische Kompetenz von Schülerinnen und Schülern erhoben. Zur Erhebung der Rechtschreibfähigkeiten werden drei unterschiedliche Orthographietests eingesetzt. Diese Tests basieren auf unterschiedlichen fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Theoriekonzepten, die in einer vergleichenden Analyse überprüft werden sollen.

Auf die 2001 in IGLU- E vorgenommene Erweiterung um Tests zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen wurde 2006 verzichtet. Für die Erhebung dieser Daten nahmen die Grundschulen 2007 an TIMSS teil.

Ausblick
Das Projekt IGLU/PIRLS ist zyklisch angelegt, um Tendenzen in der Entwicklung der Lesekompetenz erheben zu können. Nach IGLU 2001 ist IGLU 2006 die zweite Erhebung innerhalb eines fünfjährigen Turnus. Mit ihr können die an IGLU 2001 beteiligten Länder wertvolle Vergleichsinformationen über die Veränderungen des Fähigkeitsniveaus der Kinder gewinnen, um auf der Basis einer dann umfassenden Beobachtung von Bildungsergebnissen Unterrichtsqualität langfristig sichern und verbessern zu können.
Weitere Untersuchungen sind für das Jahr 2011 und 2016 geplant. Dabei nimmt Deutschland nur noch an der internationalen Studie teil. Die Ländervergleiche innerhalb Deutschlands werden dann auf der Basis der Bildungsstandards durchgeführt. Die Ergebnisse werden wesentlich zeitnaher vorliegen und somit die Unterrichtsentwicklung stärker beeinflussen können als dies gegenwärtig der Fall ist. Dabei hilft auch, dass die Schülerleistungen auf der Basis des dann implementierten Referenzrahmens der Bildungsstandards erhoben werden.


Icon externer Link weiterführende Informationen finden Sie unter
www.iglu.ifs-dortmund.de/aktuelles.html