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Es gilt das gesprochene Wort!
Thüringen ist Bildungs- und Kulturland auf hohem Niveau. Einem solchen Land als Kultusminister dienen zu dürfen, ist für mich eine große Ehre und Verpflichtung. Ich konnte ein wohl geordnetes Ressort übernehmen und danke an dieser Stelle meinem Vorgänger Prof. Dr. Jens Goebel für seine geleistete Arbeit. Ich werde das Bewährte fortsetzen, aber auch weiterentwickeln. Ich werde auch – nicht zuletzt als Resultat meiner pädagogischen und politischen Arbeit – eigene Akzente setzen.
Vor allem aber werde ich mich dafür einsetzen, dass wir Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur – alles nachhaltige Zukunftsfelder ersten Ranges – unter drei Kriterien fortentwickeln:
• in freiheitlichem Geist,
• mit menschlichem Antlitz
• und mit zukunftsfähigen Lösungen.
Staat und Kultur – wie passt das zusammen?
Dem Begriff „Kultur“ ist in Deutschland traditionell ein humaner, ins Ästhetische zielender, nicht selten apolitischer Sinn zu eigen. In der deutschen Klassik ist Kultur wesentlich individuelle Bildung und Reifung. Damals war der Begriff Kultur individualisiert und vom Politischen abgehoben, damals wurde Kultur mit individueller Bildung gleichgesetzt.
Erst im 18. und 19. Jahrhundert hat der Staat die früheren kirchlichen Kulturaufgaben übernommen.
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hat Klarheit geschaffen und drei wesentliche Eckpunkte gesetzt:
Der Staat, konkret die Länder, haben treuhänderische Funktion gegenüber autonomen Kulturträgern. Sie haben die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die freien Bürger, die Vereine und Verbände ihren kulturellen Auftrag erfüllen können.
Die Föderalismusreform hat die Kulturhoheit der Länder, deren kulturelle Kompetenzen, bestätigt und gestärkt. Das ist gut so. Mit dem Zentralismus haben wir keine guten Erfahrungen gemacht. Mischwald ist interessanter als Monokultur.
Der freiheitliche Staat ist Garant der Freiheit der Kunst und Kultur. Der freiheitliche Staat, der schützende und pflegerische Aufgaben der Kultur übernimmt, ansonsten aber eine neutrale Position in inhaltlichen Fragen der Kunst und Kultur bezieht.
Kunst ist frei, so will es das Grundgesetz, und so wollen wir es!
Für mich als Kultusminister ist Kultur kein Ornament, sondern Fundament nachhaltiger Gestaltung die Kultur fördernder und stimulierender Rahmenbedingungen. Kunst als edelste Form der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit braucht Freiraum. Kultur kann sich nur in einem Klima der Freiheit und Vielfalt entfalten. Staatsmonopolismus erstickt die Kultur!
Wer Antworten auf Herausforderungen der Wissensgesellschaft geben will, muss bei Kultur, Bildung und Wissenschaft ansetzen. Ohne Kultur entsteht keine Bildung, ohne Bildung wächst keine Kultur!
Und wir brauchen die Bildung in Naturwissenschaften und Sprachen genauso wie die musische, literarische und künstlerische Bildung.
Ich trete ein für eine freiheitliche Kulturpolitik, die Bedingungen für die freie Entfaltung kreativer künstlerischer Begabungen schafft. Kultur ist Sache aller Bürger, nicht das Privileg einiger Kunstschaffender.
Ich sehe es als Aufgabe staatlicher Kulturpflege an, Anreize zur schöpferischen Entfaltung zu schaffen und schöpferische Impulse unter Anerkennung uneingeschränkter Freiheitsräume ideell und materiell zu fördern. Pluralismus ist für mich ein entscheidendes Kriterium freiheitlicher Kulturförderung.
Das ist mein freiheitliches Kulturverständnis, welches doktrinäres und ideologisches Denken ausschließt!
Davon hatten wir vier Jahrzehnte lang genug!
Sein kultureller Reichtum verleiht dem Freistaat Thüringen zweifelsohne ein gewisses Alleinstellungsmerkmal unter den Ländern der Bundesrepublik Deutschland. Wohl kein anderer Flächenstaat verfügt in einer solch hohen Verdichtung über so beeindruckende Monumente der Kultur-, Kunst- und Geistesgeschichte.
Allein in Weimar konzentrieren sich zwei Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes. Die gerade begonnene „Lutherdekade“ wird bis zum Jahr 2017 auch die dritte Thüringer Weltkulturerbestätte, die Wartburg, wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses rücken. Es sind dies die kulturellen Leuchttürme, deren nationaler und internationaler Rang hier vor diesem Haus sicherlich keiner ausführlichen Betonung bedarf. Im „Blaubuch“ der kulturellen Leuchttürme der fünf neuen Länder wird ihnen die Rolle von „Orientierungen“ zugewiesen, „die über den Standort hinaus von ferne wahrnehmbar und richtungweisend sind.“ (Blaubuch 2002/2003, S. 26)
Doch wären die nachhaltigen kultur- und geistesgeschichtlichen Impulse, die von Thüringen ausgingen, allein mit den Namen Goethe, Schiller, Luther und Herder, Bach, den Welterbestätten Wartburg und Bauhaus nur unzureichend beschrieben. Es soll hier nur mit gebotener Kürze in Erinnerung gebracht werden, dass beispielsweise das Wort „Kindergarten“ als Lehnwort in das Englische, die lingua franca des Informationszeitalters, Eingang fand und dessen Schöpfer Friedrich Fröbel, der bedeutende pädagogische Reformer, im thüringischen Bad Blankenburg gewirkt hat.
Oder die Erziehungsanstalt Schnepfenthal, an der im 18. und 19. Jahrhundert mit Johann Christoph Friedrich GutsMuths und Christian Gotthilf Salzmann zwei weitere Wegbereiter der modernen ganzheitlich orientierten Pädagogik wirkten. Und das in Jena von Peter Petersen entwickelte Konzept der Jenaplan-Schule gewinnt heute neue Aktualität, es wirkte und wirkt als weltweiter Reformansatz. Reformpädagogik erlebt heute wieder eine Renaissance, nicht nur bei uns in Thüringen.
Wenn ich damit die Vielfalt kultureller Erinnerungsorte in Thüringen und die von hier in die Welt ausstrahlenden Ideen in groben Strichen skizziere, so darf dies nicht allein nur quantitativ bilanziert werden. Denn ebenso sehr wie bedeutende Geister des Humanismus haben hier auch dessen größte Feinde symbolhaltige Spuren hinterlassen. Hier wird das Janusköpfige der Geschichte sichtbar.
Wenn wir uns der deutschen Geschichte mit all ihren Licht- und Schattenseiten stellen, dann müssen auch die Gedenkstätte Buchenwald und die Erinnerungsorte der deutschen Teilung erwähnt werden.
Im nächsten Jahr begehen wir sowohl den 250. Geburtstag Friedrich Schillers als auch in den Thüringer Schulen das Jahr der Demokratie – zwanzigstes Jubiläum der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR. Wir gedenken aber auch siebzig Jahren seit Beginn des zweiten Weltkrieges. Schiller, der Idealist der Freiheit, und das KZ Buchenwald als historisch singuläre Negation des Freiheitsbegriffes – die Erinnerungsstätten an diese entgegen gesetzten Pole des Humanismus und der Barbarei konzentrieren sich hier in Thüringen auf engstem Raum.
Das nächste Jahr, 2009, wird ein Jahr des historischen Gedenkens. Wir feiern das 90. Jubiläum der Weimarer Verfassung und 90 Jahre Weimarer Bauhaus. Zum sechzigsten Mal jährt sich die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, aber auch jene der DDR. Und mit dem Gedenken an den 20. Jahrestag der friedlichen Herbstrevolution in der DDR wird die Erinnerung an die Überwindung der deutschen Teilung wach gehalten.
Mit diesem kursorischen Bezug auf die Kultur- und Geistesgeschichte, auf die historischen Ursprünge bis heute tragender pädagogischer Konzepte sowie auf nationale Symbole der politischen Erinnerungskultur habe ich zugleich die Spannbreite des von mir geleiteten Ressorts umrissen.
Es pflegt unser kulturelles Erbe und gestaltet zugleich die Zukunft unserer Jugend mit. Und es bietet mit seinem Zuschnitt die Chance, aus der Verpflichtung dieses Erbes zugleich Impulse für die Zukunft abzuleiten, im Wissen um das Vergangene Zukünftiges verantwortungsvoll zu gestalten. Von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung, über das Schulwesen, die Hochschulen, die Forschung bis hin zur Erwachsenenbildung und Kultur.
Äußerst vielfältig waren die Eindrücke und Anregungen, die ich seit meinem Amtsantritt als Thüringer Kultusminister gewonnen habe. So oft wie nur möglich bin ich den Einladungen von Kultur- und Bildungseinrichtungen, von Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Ausbildungsbetrieben, von Vereinen und Gesellschaften gefolgt, um mir vor Ort ein authentisches Bild von den Leistungen der dort Tätigen zu machen.
Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern, den Bediensteten der Denkmalbehörden, Archive, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes – ihnen allen gilt mein Dank dafür, dass wir heute mit Fug und Recht sagen können: Der Freistaat Thüringen hat sich als Bildungs-, Forschungs- und Kulturland weiter erfolgreich profiliert. Doch wir werden uns auf dem einmal Erreichten nicht selbstzufrieden ausruhen.
Mit dem Leitmotiv „Bildung braucht Kultur – Kultur braucht Bildung“ möchte ich neue Akzente in der Kultur- und Bildungspolitik des Freistaates Thüringen setzen.
Wir werden eine hohe Kulturquote halten
Die Erhaltung und Fortentwicklung einer der eindrucksvollsten deutschen Kulturlandschaften stellt eine Herausforderung dar, die – so ehrenvoll sie auch ist – natürlich nur in Abhängigkeit von der gesamtwirtschaftlichen Lage bewältigt werden kann.
Der im September dieses Jahres veröffentlichte Kulturfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes weist den Kulturausgaben des Freistaates Thüringen einen Spitzenplatz im Ranking aller deutschen Länder zu.
Die Landesregierung wird sich auch künftig an dieser hohen Kulturquote von 1,3 Prozent orientieren, um das Renommee unseres Freistaates als Kulturland mit weltweiter Ausstrahlung zu sichern und weiter zu entwickeln. Laut Kulturfinanzbericht 2008 beliefen sich die Kulturausgaben aller deutschen Bundesländer im Jahre 2005 durchschnittlich auf rund 85 EURO je Einwohner, in Thüringen waren es dagegen deutlich überdurchschnittliche 101 EURO je Einwohner.
Das meiste Geld gab der Freistaat für Theater und Musik aus. Der Anteil dieser beiden Sparten an der gesamten Kulturfinanzierung betrug 2005 über 47 Prozent. Hier liegt Thüringen nach Berlin und Bremen an dritter, unter den Flächenländern sogar an erster Stelle. Auch aus diesen Zahlen wird deutlich, dass Thüringen von allen deutschen Flächenländern das dichteste Netz an Theatern und Orchestern besitzt.
Kulturförderung bedeutet jedoch nicht nur Ausbau der kulturellen Leuchttürme oder die Konzentration auf die Kultur- und Wissenschaftszentren unseres Landes. Sowohl Hochkultur als auch Alltagskultur, Förderung in der Spitze und Breite, in Zentrum und Fläche war und ist Grundanliegen der Kulturpolitik des Freistaates.
Wir modernisieren die Bibliotheken
Die Förderung der öffentlichen Bibliotheken über die Schlüsselzuweisungen des kommunalen Finanzausgleichs haben wir auf eine neue Grundlage gestellt, um den Kommunen mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Daneben steht jedoch nach wie vor die Förderung verschiedener Einzelprojekte sowie der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken als Institution.
Im Jahr 2008 wird der Ausbau der örtlichen Mittelpunktbibliotheken zu regionalen Bibliothekszentren beispielsweise mit 235.000 EURO gefördert; das Projekt „Thüringen liest“ der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken erhält eine Zuwendung in Höhe von 18.500 EURO. Mit der Finanzierung des „Digitalen Bibliotheksportals“ in Höhe von 40.000 EURO wird dem Medienwandel in den Nutzungsgewohnheiten der Bibliotheksbenutzerinnen und –benutzer Rechnung getragen. Das sind zwar bescheidene Summen, aber dies ist sehr sinnvoll angelegtes Geld.
Deshalb an dieser Stelle noch einmal: Bildung braucht Kultur - und Kultur braucht Bildung. Unsere öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken sind entscheidende Multiplikatoren für die Umsetzung dieses Anliegens. Mit dem „Thüringer Bibliotheksrechtsgesetz“ vom 16. Juli 2008 hat der Freistaat Thüringen eine nationale Vorreiterrolle in der Bibliotheksgesetzgebung übernommen. Es ist das erste derartige Gesetz in Deutschland.
Bibliotheken als unverzichtbare Elemente des Bildungskanons wurden damit in den Gesetzesrang erhoben und das neue Gesetz selbst wird bereits mit Leben erfüllt.
Neben den bereits genannten Fördermaßnahmen konnte sich die Burg Ranis seit dem Frühjahr 2008 als eine Art „Literaturakademie“ des Freistaates profilieren. Dies geht auf die gelungene Kooperation zwischen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und dem Verein „Lesezeichen“ zurück. Für qualifizierte Nachwuchsautoren hat das Thüringer Kultusministerium das „Harald-Gerlach-Stipendium“ ausgelobt, das im Frühjahr 2009 erstmals vergeben wird.
Wir werden die Museen aufwerten
Für die Museen unseres Landes zeugt eine Besucherzahl von 4 Mio. im Jahr 2007 von einer kreativen und erfolgreichen Arbeit. Mehrere Ausstellungen haben sich als regelrechte Besuchermagneten mit überregionaler Ausstrahlung erwiesen. So können die Camille-Claudel-Ausstellung im Kunsthaus „Apolda Avantgarde“ (bereits 2006), die im vorigen Jahr eröffnete Schau „Rococo en miniature“ des Landesmuseums Heidecksburg in Rudolstadt sowie die 3. Thüringer Landesausstellung „Elisabeth von Thüringen – eine europäische Heilige“ (2007) als Einzelbeispiele für viele aufgeführt werden.
Es waren und sind dies Projekte in unterschiedlicher Trägerschaft, Thematik und zeitlicher Dimension, doch stehen sie gerade in dieser Differenziertheit für die Vielgestaltigkeit, die eben auch unsere Thüringer Museumslandschaft prägt.
Ich betrachte es als einen Schwerpunkt meiner Arbeit, dass die Förderung unserer Museen zukünftig größeres Gewicht bekommt.
Wir wollen in Zusammenarbeit mit den Kommunen und anderen Museumsträgern die Voraussetzungen für neue Höhepunkte im Ausstellungskalender des Landes schaffen.
Einer dieser Höhepunkte wird im kommenden Jahr ganz sicher durch das 90-jährige Gründungsjubiläum des Weimarer Bauhauses markiert.
Der Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages hat im Dezember 2007 für die deutschen Museen und Ausstellungshäuser weit gefasste Empfehlungen ausgesprochen. Die Landesregierung wird zu deren Umsetzung das in ihrem rechtlichen Kompetenzrahmen und finanziellen Möglichkeiten Stehende beitragen.
Denn Museen sind nicht nur touristische Anziehungspunkte und kulturelle Beigabe zu einem gelungenen Erholungsaufenthalt, so wichtig diese Zielstellung für sich genommen auch ist. Unsere Museen, und hier meine ich vor allem die mit landes-, regional- und lokalgeschichtlichem Bezug, erbringen einen unverzichtbaren und ganz spezifischen Beitrag zur historischen und kulturellen Bildung. Sie können und sollen in einem Zeitalter supranationaler Zusammenhänge und Strukturen die Bindung der Menschen, vor allem aber der Jugend, an ihre engere Heimat stärken und damit zur Herausbildung regionaler Identitäten beitragen.
Wir haben zukunftsfähige Strukturen für Theater und Orchester
Die bis zum Jahr 2012 festgeschriebene Landesfinanzierung der Theater und Orchester ist Voraussetzung für die Herausbildung zukunftsfähiger Strukturen in diesem Bereich und verleiht den beteiligten Partnern Planungssicherheit.
Es sei in diesem Kontext nochmals an das in Thüringen bundesweit einmalig dichte Netz von Theatern und Orchestern erinnert. Rund 60 Mio. EURO stellt der Freistaat jährlich für deren Finanzierung zur Verfügung und beweist damit, dass sich die Landesregierung der außerordentlichen Rolle der Theater in unserer Kulturlandschaft in besonderer Weise bewusst ist.
Durch Schwerpunktbildung und Vernetzung soll die historisch gewachsene Vielfalt der Thüringer Theatertopografie weiter entwickelt werden. An jedem Theaterstandort wird durch überregionale Kooperationen zwischen den einzelnen Spielstätten auch künftig auf ein Drei-Sparten-Angebot zurückgegriffen werden können.
Dabei ist die herausgehobene Position Weimars in kultureller und kulturpolitischer Hinsicht zu beachten. Sie stellt eine historische Gegebenheit dar und ist damit konstitutiv für die Profilierung unseres Landes im europäischen Rahmen und darüber hinaus. Weimar ist die Kulturhauptstadt Thüringens, ein überregional und international ausstrahlender Ort, ein Leuchtturm in der nationalen Kulturlandschaft. Aus diesem Grund hat das Land ab Januar 2008 beim Deutschen Nationaltheater Weimar eine Trägerverantwortung übernommen, die auch den finanziellen Gegebenheiten entspricht.
Neben der Finanzierung des laufenden Betriebes haben auch die baulichen Investitionen in Theaterspielstätten eine angemessene Landesförderung erfahren. Für die abgeschlossenen Maßnahmen im DNT Weimar – Staatstheater Thüringen und den Theatern Erfurt sowie Gera hat mein Ressort zwischen 1995 und 2007 insgesamt 83,8 Mio. EURO an Fördermitteln zur Verfügung gestellt. Diese Förderung wird bei den laufenden Investitionsmaßnahmen im Theater Meiningen und dem DNT Weimar – Staatstheater Thüringen fortgesetzt. Insgesamt hat das Land zwischen 1993 und 2008 für Investitionen in Theatern 98,4 Mio. EURO bereitgestellt, wobei der Kreis der Zuwendungsempfänger neben den institutionell geförderten Bühnen auch kleinere Theater einschließt.
Wir stärken Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein
Eine ganz besondere Aufgabe bei der Herausbildung von Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein nehmen die zeithistorischen Gedenk- und Erinnerungsstätten sowie Aufarbeitungsinitiativen wahr. Der immer wieder vorgebrachte Imperativ, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen, aus dem Studium der beiden deutschen Diktaturen zwischen 1933 und 1989 das Bekenntnis zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung abzuleiten – dies bildet den verantwortungsvollen Wirkungsrahmen dieser Einrichtungen.
An erster Stelle soll hier die erfolgreiche und auch international hoch anerkannte Arbeit der Stiftung „Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora“ genannt werden. Sie steht beispielhaft für eine reflektierte und wegweisende Erinnerungskultur. Im vergangenen Jahr wurde ihr durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" die große Aufgabe anvertraut, mit einem Finanzvolumen von 4 Mio. EURO eine internationale Wanderausstellung zur Geschichte und Nachgeschichte der NS-Zwangsarbeit zu erarbeiten. Und am 22. Oktober 2008 wird die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Bereits im Jahre 2005 war der Museumsneubau von der Architektenkammer Thüringen im Rahmen des „Architektour-Preises“ mit einer Anerkennung prämiert worden.
Jährlich mehrere hunderttausend Besucher aus aller Welt nehmen die Ausstellungs- und Bildungsangebote in Weimar-Buchenwald und Nordhausen in Anspruch, darunter mit deutlich steigender Tendenz Schüler- und Jugendgruppen. Keine andere Tatsache markiert wohl so klar den Stellenwert der Gedenkstättenarbeit für die politische Bildung und Demokratieerziehung. In der Gedenkstätte Buchenwald konnte kürzlich das zweite Haus der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte eingeweiht werden.
Die Erinnerung an die Zeit der deutschen Teilung und den repressiven Charakter des SED-Regimes wird in den Grenzlandmuseen und zahlreichen Aufarbeitungsinitiativen wach gehalten. Im März dieses Jahres wurde die hessisch-thüringische „Point-Alpha-Stiftung“ gegründet, die sich eine Fortentwicklung des Grenzmuseums Rhön zum Lern- und Gedenkort für die Geschichte des Kalten Krieges zum Ziel gesetzt hat.
Der Freistaat Thüringen wird im Jahr 2009 in deren Stiftungsvermögen einen Beitrag in Höhe von 4,0 Millionen Euro einbringen.
Wo fände sich für diese Stiftung ein besser geeigneter Ort als hier im hessisch-thüringischen Grenzland, wo sich über vier Jahrzehnte hinweg die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt gleichsam Auge in Auge gegenüber standen?
Heute sind die Grenzmuseen Point Alpha, in Teistungen, Schifflersgrund und Mödlareuth symbolhaltige Zeitzeugnisse der unmittelbaren Konfrontation zweier politischer Systeme.
Die Zukunft der Aufarbeitungsinitiativen und Geschichtswerkstätten , die sich der Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit widmen – beispielhaft genannt seien hier die Geschichtswerkstatt Jena, das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte in Jena und die Gedenk- und Begegnungsstätte im Torhaus Gera – muss durch eine stärkere Vernetzung und Koordinierung gesichert werden. Es wird angestrebt, hierfür den Aufgabenkreis der Stiftung Ettersberg um die Wahrnehmung bestimmter zentraler Koordinierungsfunktionen zu erweitern. Eine besondere Bedeutung in diesem Kontext besitzt die ehemalige Untersuchungshaftanstalt des MfS in der Andreasstraße in Erfurt. In unmittelbarer Nähe des historischen Stadtkerns von Erfurt wird hier der repressive Charakter des SED-Staates besonders sichtbar und setzt damit ein Zeichen gegen eine Verklärung dieses Systems.
Gegenwärtig diskutieren wir über die von einer unabhängigen Expertenkommission erarbeitete Empfehlung für ein wissenschaftlich etabliertes Trägermodell einer künftigen „Erinnerungs-, Gedenk- und Lernstätte Erfurter Andreasstraße“. Auch wird am Ende dieser Diskussion eine Lösung stehen, welche die historische Gebäudesubstanz mit modernen ausstellungstechnischen und didaktischen Elementen kombiniert, so die Würde der Opfer wahrt und zugleich der Jugend ein Lernen aus der Vergangenheit ermöglicht.
Wir werden die Staatsarchive modernisieren
Historische Erinnerung gewinnt durch ihre Ausrichtung an schriftlichen Quellen an wissenschaftlicher Kontur und wäre ohne den Fundus der Archive nicht möglich. Das Thüringische Hauptstaatsarchiv in Weimar und die fünf Staatsarchive in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen und Rudolstadt fungieren als archiv- und geschichtswissenschaftliche Kompetenzzentren in ihrem jeweiligen örtlichen Zuständigkeitsbereich, sie erfassen, bewerten und erschließen die Unterlagen, die auf Grund ihres rechtlichen oder wissenschaftlichen Wertes für die dauerhafte Aufbewahrung bestimmt werden.
Jenseits manch gängiger Klischees sind Archive lebendige Einrichtungen, die sich den technischen Herausforderungen des digitalen Medienbruchs in der Informationsüberlieferung stellen müssen. Sie arbeiten eng mit den örtlichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen zusammen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler machen in ihnen ihre ersten Erfahrungen mit historischen Primärquellen, gewinnen aus dieser Perspektive einen ganz neuen Blick auf die Geschichte und werden zu weitergehenden Untersuchungen angeregt. Das Thüringer Kultusministerium wird in den nächsten Jahren in den Staatsarchiven die Arbeitsbedingungen sowohl für die Mitarbeiter als auch die Benutzer verbessern.
Wir sichern den hohen Stellenwert von Denkmalpflege und Archäologie
Ebenso wie in den Archiven werden im Bereich der Denkmalpflege und Archäologie historische Sachzeugnisse und Kunstschätze erhalten sowie öffentlich zugänglich und sichtbar gemacht. Mit dem jüdischen Goldschatz in Erfurt, den ich kürzlich sogar in New York präsentieren durfte, und den Grabungsstätten in Bilzingsleben und Weimar-Ehringsdorf sind in den letzten Jahren herausragende archäologische Funde erschlossen worden.
Mit der Errichtung des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie aus zwei vormals selbstständigen Einrichtungen konnte die Handlungsfähigkeit der Denkmalfachbehörde des Freistaats gestärkt werden. Das novellierte Denkmalschutzgesetz aus dem Jahr 2006 vermittelt zwischen dem Anspruch der Öffentlichkeit auf die Erhaltung von Bau- und Bodendenkmalen und den Interessen privater Denkmaleigentümer.
Von 2004 bis 2007 hatte Thüringen die Präsidentschaft des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz inne.
Seit 1990 beliefen sich die Investitionen des Freistaats Thüringen in den Denkmalschutz auf ca. 520 Mio. EURO. Insgesamt rund 16 Mio. EURO stellt das Land in den Jahren 2008 und 2009 für die Denkmalpflege bereit. Diese Landesmittel wurden in den vergangenen vier Jahren noch durch 17 Mio. EURO aus Fördermitteln der Europäischen Union komplementiert. Im EU-Förderzeitraum 2007 bis 2013 stehen für elf Thüringer Vorhaben insgesamt 26 Mio. EURO zur Verfügung. Davon sind 19 Mio. EFRE-Mittel (Europäischer Fond für regionale Entwicklung), sieben Mio. Euro kommen von Bund, Land und Kommunen.
Diese Investitionen fließen in eine Denkmallandschaft, deren Vielgestaltigkeit und räumliche Dichte ebenfalls den Charakter Thüringens als Kulturland mitprägt. Über 30.000 Bau- und Kunstdenkmale sowie 3.000 Bodendenkmale sind aus der Vergangenheit erhalten; sie nehmen uns in die Pflicht, sie auch für künftige Generationen zu bewahren. Wesentliche Investitionen wurden in den zurück liegenden Jahren für das Weltkulturerbe-Ensemble der Wartburg, das Kyffhäuserdenkmal und den Baubestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten getätigt.
Weimar wird eine neue Mitte erhalten durch Aufwertung der Klassik Stiftung
In Thüringen hat die bundesweit drittgrößte Kulturstiftung ihren Sitz. Die Umstrukturierung der Klassik Stiftung Weimar auf Basis des Gutachtens der Strukturkommission vom Juni 2005 befindet sich in ihrer abschließenden Phase. Im November 2007 billigte der Stiftungsrat das neue Bildungskonzept der Klassikstiftung. Danach wird die Bildungsarbeit einschließlich der Museumspädagogik, zu der auch eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien gehört, intensiv ausgebaut.
Noch in dieser Legislaturperiode soll der Reformprozess der Klassik Stiftung Weimar mit der Einbringung eines Gesetzentwurfs der Thüringer Landesregierung in den Landtag abschließend gesetzgeberisch geklärt werden. Damit würden die Zusammensetzung des Stiftungsrates, die Einführung eines wissenschaftlichen Beirates und neue Leitungsstrukturen geregelt.
Bund und Freistaat Thüringen als Hauptzuwendungsgeber der Klassik Stiftung haben ihre Zuwendungen für die Jahre 2008 bis 2011 erhöht; seitens des Landes wurden für 2008 die Mittel von ca. 6,8 Mio. EURO auf 8,1 Mio. EURO verstärkt. Mit der kurzfristigen Bereitstellung zusätzlicher Investitionsmittel des Bundes und des Landes Ende 2007 trat die erfreuliche Situation ein, dass Investitionsvorhaben, für deren Umsetzung längere Zeiträume veranschlagt waren, nunmehr zügig in Angriff genommen werden konnten. Hierbei handelt es sich um eine Summe von insgesamt 45 Mio. EURO, die der Deutsche Bundestag im Rahmen eines Kultur-Investprogramms mit dem Nachtragshaushalt 2007 aufgelegt hatte.
Dieser Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages über die zusätzlichen Investmittel für die Klassik Stiftung Weimar ist an eine Komplementärfinanzierung des Landes gekoppelt, die durch Verpflichtungsermächtigungen im Doppelhaushalt 2008/2009 bis zum Jahr 2017 veranschlagt sind. Für die Realisierung des Sonderprogramms aus Landesmitteln liegt unter Hinzuziehung von EFRE-Mitteln eine tragfähige Konzeption vor.
Die Grundsanierung des Goethe- und Schiller- Archivs wird aus Gründen der vorrangigen Bestandssicherung intensiv vorangetrieben und bis 2010 umgesetzt sein. Im Rahmen des Liegenschaftskonzeptes der Klassik Stiftung soll das Weimarer Schloss künftig der klar erkennbare, inhaltliche und funktionale Ausgangspunkt des gesamten Angebotsprofils der Stiftung werden. Die neue Mitte Weimars also!
Bund und Land stellen für die Umsetzung dieses Konzepts der „Neuen Mitte“ in Weimar insgesamt 40 Mio. Euro für die denkmalgerechte Sanierung des Stadtschlosses bereit. Da die Gewährung der Bundesmittel an die Voraussetzung gebunden ist, dass die Klassik Stiftung Weimar eine rechtlich weit reichende und gesicherte Position am Residenzschloss Weimar erhält, wird zwischen ihr und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zum 1. Januar 2009 ein Liegenschaftstausch vorgenommen, der dieser Bedingung Rechnung trägt und auch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Möglichkeit eröffnet, ihr Profil am Standort Weimar zu entwickeln. Darüber hinaus wird der Schlösserstiftung das Eigentum an den Dornburger Schlössern (Renaissance- und Rokokoschloss) übertragen, so dass künftig alle drei dort befindlichen Schlösser in einer Hand verwaltet werden, nachdem bereits das „Alte Schloss Dornburg“ zum Bestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gehört hat.
Schloss Friedenstein Gotha wird baulich und inhaltlich aufgewertet
Die bauliche und inhaltliche Neukonzeption für das Schloss Friedenstein in Gotha wird in den nächsten Jahren auf der Grundlage des vom Stiftungsrat der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten genehmigten Masterplans und der Neukonzeption der Stiftung Friedenstein umgesetzt. Hiervon sind die Museen, das Thüringische Staatsarchiv sowie die Forschungsbibliothek betroffen, denen der Masterplan neue Perspektiven für ihre bauliche Entwicklung bietet. Der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und den Museen auf Schloss Friedenstein wird damit die Möglichkeit eröffnet, das Residenzschloss Gotha noch stärker als ein Juwel des mitteldeutschen Barock zu profilieren.
Kultur als Wirtschaftsfaktor
Die Thüringer Landesregierung wird noch in dieser Legislaturperiode einen Kulturwirtschaftsbericht vorlegen, der neben den Kernbereichen wie z.B. Medien- und Musikwirtschaft oder Kunstmarkt, auch den Zusammenhang zwischen Investitionen im Kulturbereich und der Entwicklung des Kulturtourismus als Wirtschaftzweig aufzeigt. Die Arbeiten des beauftragten Expertenbüros „STADTart“ an diesem Kulturwirtschaftsbericht bewegen sich innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens, so dass dessen Fertigstellung bis Ende 2008 erfolgen kann.
Doch schon erste Zwischenergebnisse dieses Berichts bekräftigen den Befund der Statistiker, dass der Freistaat Thüringen seines reichen Erbes wegen bei den öffentlichen Kulturausgaben in besonderem Maße engagiert ist. An exemplarischen Fallstudien ist nachweisbar, dass durch diese Ausgaben die Entwicklung der Kulturwirtschaft und die Tourismuswirtschaft des Landes profitieren. Die Ergebnisse des Kulturwirtschaftsberichtes werden aufzeigen, wo Thüringens Stärken und Alleinstellungsmerkmale zu verorten sind. Sie werden aber – und dies ist ja das wesentliche Anliegen des Projekts – vor allem deutlich machen, wie der Freistaat Thüringen, dieses fast idealtypische Kulturland, seine Stärken weiter ausbauen und bisher ungenutzte Synergien produktiv machen kann, auch im Hinblick auf zielgruppenorientiertes Kulturmarketing.
Wir rufen in den Schulen das Jahr der Demokratie 2009 aus
Das letzte Quartal des Jahres 2008 ist angebrochen und kommende Herausforderungen kündigen sich an. 2009 begehen wir das „Jahr der Demokratie“, lenken drei Jubiläen den Blick auf die historischen Zäsuren der Jahre 1919, 1949 und 1989. Die erste deutsche Demokratie, als „Weimarer Republik“ in die Geschichte eingegangen, die Verabschiedung des Grundgesetzes und schließlich die friedliche Revolution des Herbstes 1989 in der ehemaligen DDR, die eine Wiedervereinigung unseres Vaterlandes möglich machte.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle eine detaillierte Vorschau auf die zahlreichen Veranstaltungen dieses jubiläumsvollen Jahres zu geben. Aus deren Fülle seien hier nur das Projekt „Demokratiekalender“ und ein Demokratiewettbewerb für Schüler und Jugendliche herausgegriffen.
Jede dieser drei historischen Zäsuren, derer im „Jahr der Demokratie“ zu gedenken sein wird, ist im Freistaat Thüringen gewissermaßen sinnlich fassbar, in Baudenkmalen oder Erinnerungsorten materiell dokumentiert: Das Deutsche Nationaltheater Weimar als Tagungsort der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung, die Grenzlandmuseen an der ehemaligen Trennlinie zweier politischer Systeme und die heute sowohl museal als auch archivisch genutzten Wirkungsstätten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit mit seiner bedrückenden schriftlichen Hinterlassenschaft. Das Jahr der Demokratie, das wir am 1. Oktober im Landesfunkhaus eröffnet haben, baut an den Schulen auf drei Säulen auf: Unterricht, Schulleben und Wettbewerbe. Es gibt dazu auch eine eigene Homepage.
Der Thüringer Landesregierung ist es ein vordringliches Anliegen, dass aus der vielfältigen Erinnerungsarbeit des Jahres 2009 das Bewusstsein für die Stärken unserer Demokratie erwachsen möge – und wir mit Stolz auf das in Thüringen seit 1990 Erreichte zurückschauen. Hier haben Kultur und Bildung eine politische Funktion zu erfüllen, zeigt sich ihr Nutzen für unser Gemeinwesen wohl am unmittelbarsten.
Wir setzen neue Impulse in der Thüringer Bildungspolitik
Wir werten die frühkindliche Bildung auf
Am 27. September 2008 hatten wir in der Messe Erfurt die Auftaktveranstaltung zur Implementierung des Thüringer Bildungsplans für Kinder bis zehn Jahre. Bis zum Ende des Jahres 2010 gilt es nun, sich mit den Ideen und Inhalten des Thüringer Bildungsplans in Ruhe vertraut zu machen.
Entsprechend einer Forderung des Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetzes ist der Bildungsplan als Arbeitsgrundlage für die pädagogische Arbeit und für Bildungsqualität, insbesondere in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, aber auch im Bereich der Kindertagespflege und darüber hinaus konzipiert.
Er setzt die Leitlinie der Reformpädagogik um: Er geht vom Kinde aus, das aktiv und kompetent seine eigene Entwicklung und Bildung mit gestaltet. Er beschreibt, was Kinder für ihre Entwicklung brauchen, wie Lernprozesse moderiert werden und wie man Kindern in der Entwicklung ihrer Stärken zur Seite stehen kann.
Er formuliert den Anspruch der Kinder an die Gesellschaft, er stellt das Kind in seiner Individualität in den Mittelpunkt und betont sein aktiv handelndes Erobern der Welt.
Der Bildungsplan bezieht sich nicht auf einzelne Altersabschnitte, sondern umfasst die gesamte kindliche Entwicklung zwischen dem ersten und dem zehnten Lebensjahr.
Wir machen mit diesem Bildungsplan eines deutlich: Bildung fängt nicht erst in der Schule an. Bildung beginnt bereits mit der Geburt, wenn das Kind mit seiner Umwelt in Beziehung tritt und mit der Hilfe, Fürsorge und Liebe seiner Eltern die neue Welt mit allen Sinnen erschließt. Die primäre Erziehungsverantwortung liegt selbstverständlich bei den Eltern. Sie sind in einer freien Gesellschaft verantwortlich für ihre Kinder und können über die Grundrichtung der Erziehung ihrer Kinder selbst und frei bestimmen. Dies ist ihr natürliches Recht, aber auch eine Pflicht. Und das wird von unserer Thüringer Verfassung und dem Grundgesetz auch eindeutig geschützt und gefordert.
So unbestritten dieses Recht und diese Pflicht der Eltern sind, so sehr ist hier doch auch die Tatsache zu beachten, dass Bildung mehr ist als Erziehung und dass unsere Gesellschaft die Aufgabe hat, Eltern mit dieser Verpflichtung nicht allein zu lassen. Es geht nicht um eine Konkurrenz staatlicher Angebote zum Erziehungsrecht der Eltern. Es geht um eine Ergänzung und, wenn dies von den Eltern gewollt und angenommen wird, um die Verzahnung der elterlichen Bildung und Erziehung mit unterstützenden und fördernden professionellen Angeboten.
Kinder haben ein Recht auf Bildung. Auf eine Bildung, welche die Persönlichkeit, die Begabungen, die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des jeweiligen Kindes voll zur Entfaltung kommen lässt, und zwar von Anfang an.
Bedeutende Pädagogen haben dies erkannt, etwa Comenius, Pestalozzi, Friedrich Fröbel, Maria Montessori. Neuere Erkenntnisse der Gehirnforschung und Entwicklungspsychologie sind sich einig: Die frühe Kindheit, vor allem die erste Lebensdekade, und davon wiederum die ersten drei Jahre, das ist die lernintensivste Zeit und somit die prägendste Phase in der Entwicklung eines Kindes.
Es gilt, diese lernintensive Zeit der ersten Jahre positiv und kindgerecht zu nutzen. Niemand will einem Kind seine Kindheit nehmen. Aber Voraussetzung für Bildungsfähigkeit ist auch eine hohe Bindungsfähigkeit. Insoweit ist die Förderung der Kinder in der Familie ein besonders hoch zu haltendes Gut, das auch durch den Besuch von Krippen und Kindergärten allein nicht ersetzt werden kann.
Der Bildungsplan soll unseren Kindern helfen, aus ihren Talenten das Beste zu machen. Dieser Orientierungsrahmen erleichtert auch den entscheidenden Übergang vom frühkindlichen Bereich in die Grundschule. Der Bildungsplan ist mit den Thüringer Lehrplänen für allgemeinbildende Schulen (Kompetenzmodell) kompatibel.
Es ist ein Bildungsplan der zweiten Generation, dem es durchgehend gelingt, das Bild vom Kind als Subjekt seines Lernens umzusetzen. Der Bildungsplan formuliert klar die Ansprüche des Kindes gegenüber der Gesellschaft, adäquate Bildungsgelegenheiten bereit gestellt zu bekommen.
Bildung fördern, Qualität sichern, das sind die Ziele des Bildungsplans. Mit dem Bildungsplan werten wir die Trias der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung entscheidend pädagogisch auf.
Stellt doch die Frühförderung entscheidende Weichen für die Bildungsbiografie. Zudem trägt sie zur Entkopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg wesentlich bei.
Die überdurchschnittlichen Betreuungsquoten und Betreuungszeiten sind Beweise für die hohe Akzeptanz unserer Familienpolitik. Drei Viertel aller Zweijährigen und rund 96 Prozent der dreijährigen Kinder besuchen eine Kindertageseinrichtung.
Thüringen hat bundesweit den größten Anteil von Kindern in Ganztagsbetreuung, und zwar in jeder Altersgruppe. Rund 83 Prozent der unter dreijährigen und rund 88 Prozent der über dreijährigen Kinder besuchen länger als sieben Stunden täglich eine Einrichtung. Die Mehrzahl der Kinder besucht die Kindertagesstätte mindestens vier Jahre.
Laut Bertelsmann-Länderreport „Frühkindliche Bildungssysteme 2007“ liegt Thüringen bei der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bundesweit im Spitzenfeld der Länder. Die Betreuungsquoten und Betreuungszeiten sind im Bundesvergleich überdurchschnittlich. Beim Qualifikationsniveau des Personals und beim Finanzierungsanteil des Landes ist Thüringen Spitze. Rund 94 Prozent der Erzieherinnen, das sind 22 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt, verfügen in Thüringen über einen Fachschulabschluss. All dies zeigt den hohen Stellenwert, den die Thüringer Landesregierung der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung beimisst. Dies werden wir auch zukünftig weiterhin tun. Ich darf deshalb wörtlich aus der „Initiative für Thüringen“ der CDU-Fraktion zitieren: „Insbesondere streben wir an, dass mit der Umsetzung des Thüringer Bildungsplans mehr Zeit für die Arbeit mit Kindern bleibt und der Austausch zwischen Grundschulen und Kindertagesstätten intensiviert wird.“
Wer wirksam fördern will, muss früh beginnen. Der Biologe Hubert Markl hat eine treffende Metapher geprägt. Kleinkinder sind für ihn „geborene Lernstaubsauger“, die alles Mögliche an sich ziehen und erlernen. Kleine Kinder sind Erkenntniswesen. Hirnforscher wie Ernst Pöppel haben nachgewiesen: Die Prägung des Gehirns erfolgt in der frühen Lebensphase. Hier gibt es natürliche Lernfenster, in denen Lernvorgänge leichter fallen.
Mit dem Bildungsplan dokumentieren wir die herausragende Bedeutung der
frühkindlichen Bildung und Erziehung für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung.
Wir machen aber zugleich deutlich:
Die Familie ist der erste und wichtigste Ort der grundlegenden Wertevermittlung und frühkindlichen Bildung. Dies hat die Landesregierung mit der Familienoffensive deutlich gemacht. Und dies wollen wir mit dem neuen Vorstoß der CDU-Fraktion verstärken, das Thüringer Landeserziehungsgeld von 2010 an bereits für die Einjährigen zu zahlen. Kommt es dazu, dann investiert der Freistaat zusätzlich 28 Millionen Euro, die auch den Kindertagesstätten zugute kommen. Dann fließen schon unter Berücksichtigung der heutigen Betreuungsquoten zusätzlich rund 4 Millionen Euro jährlich in die Einrichtungen.
Der Bildungsplan berücksichtigt die drei wesentlichen Dimensionen von Bildung: Die personale, die soziale und die sachliche Dimension. In das Bildungsverständnis des Thüringer Bildungsplans sind die Ergebnisse des zwölften Kinder- und Jugendberichtes eingearbeitet.
Der Bildungsplan ist konzeptionell auf zahlreiche, in Thüringen laufende Projekte der frühkindlichen Bildung abgestimmt:
Ganz bewusst haben wir in Zusammenarbeit mit den Kirchen auch das Kapitel „Soziokulturelle, moralische und religiöse Bildung“ in den Bildungsplan aufgenommen.
Bei der Implementierung des Bildungsplans bauen wir auf ein Netzwerk der Institutionen und Träger, bauen wir auf die Eltern, auf alle Partner von Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder bis zehn Jahre.
Thüringen widmet, nicht nur mit dem Bildungsplan, der frühkindlichen Entwicklung und Bildung in den ersten zehn Jahren die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
Zugleich wird hier ein neues Bildungsverständnis deutlich: Bildung als sozialer Prozess, an dem sich neben Fach- und Lehrkräften auch Kinder, deren Eltern und andere Partner von Bildung, Erziehung und Betreuung beteiligen.
Mit dem Bildungsplan stellen wir in Thüringen nicht mehr die Institution, sondern das Kind, dessen Entwicklung und Bildung in den Mittelpunkt. Dies passt gut zum Land eines Friedrich Fröbel, Vater des Kindergartens. Und dies passt gut zum Kernland der Reformpädagogik, deren Devise war: vom Kinde aus. Thüringen setzt mit dem Bildungsplan, der ständig fortgeschrieben werden soll, auf Qualität und Professionalität in der frühkindlichen Bildung. Mit der noch besseren Verzahnung des frühkindlichen Bereichs mit der Grundschule oder der Förderschule trägt der Bildungsplan entscheidend zu mehr Chancengerechtigkeit bei. Damit wird der Freistaat seine Spitzenposition als Bildungsland auch im frühkindlichen Sektor weiter ausbauen.
Zur Implementierung des Thüringer Bildungsplans sind 2,2 Millionen Euro vorgesehen. Wir haben vor wenigen Tagen im Einvernehmen mit den Kommunalen Spitzenverbänden und der LIGA der freien Wohlfahrtsverbände die Vereinbarung unterzeichnet. Damit kann die Qualifizierung aller Beteiligten bis zum Ende des Jahres 2010 erfolgreich realisiert werden.
Was sind die tragenden Säulen unserer Bildungspolitik?
Wir gehen vom Primat des Elternrechts auf Bildung und Erziehung aus. Die Wahlfreiheit für die Eltern hat Vorfahrt vor jeglichem Staatsdirigismus.
Wir setzen auf frühe Förderung. Auf den Anfang kommt es an. Familien, Kindertagesstätten und Kindergärten sind Orte der Bildung. Nicht nur Orte der Bewahrung und Betreuung.
Wir setzen auf Wahlfreiheit der Eltern.
Wir verwirklichen Bildungsgerechtigkeit durch individuelle Förderung und Differenzierung. Wir fördern alle Kinder. Nicht nur Benachteiligte oder Eliten, sondern alle Schüler gleichermaßen, jedes individuell und mit den Ressourcen, die für das einzelne Kind erforderlich sind.
Bildung für alle, Aufstieg durch Bildungsdurchlässigkeit auf verschiedenen Stufen, das ermöglicht das gegliederte Thüringer Schulwesen. Kein Abschluss ohne Anschluss!
Bildungsgerechtigkeit entscheidet sich im Unterricht. PISA hat gezeigt: Nicht primär die äußeren Rahmenbedingungen, sondern die Qualität des Unterrichts entscheiden über den Lernerfolg. In Thüringen, auch das ein Resultat der PISA-Studie, gelingt die Entkopplung von sozialer Herkunft und realen Bildungschancen weitgehend. Hier leisten wir Gleiches wie europäische Spitzenländer, z.B. Schweden.
Heterogenität, Differenzierung, Individualisierung und gemeinsamer Unterricht – das sind unsere zentralen Prinzipien für eine kindgerechte, begabungsgerechte Schule. Wir wollen die kindgerechte Schule, nicht das schulgerechte Kind. Fordern und Fördern: Beides brauchen wir im Unterricht. Schatzsuche statt Defizitfahndung, das macht die neue Lernkultur aus. Unsere Schulen vermitteln Wissen und Werte gleichermaßen. Es genügt eben nicht, wenn die Schule nur Kulturtechniken vermittelt.
Bildung hilft Orientierungslosigkeit zu verhindern.
Nicht nur in Zeiten demografischen Rückgangs gilt: Jedes Kind hat Talent. Und jedes Talent ist wertvoll. Es ist Aufgabe der Eltern und Aufgabe der Schule, diese jeweils verschiedenen Talente zu entdecken und so gut wie möglich zu fördern. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hat der Pädagoge Friedrich Herbart von der „Verschiedenartigkeit der Köpfe“ gesprochen. Genau das gilt es heute wieder im Unterricht zu beachten: den professionellen Umgang mit Heterogenität.
Wir wollen nicht die eine Schule für alle, sondern die richtige Schule für jeden. Erzwungenes gemeinsames Lernen in der Einheitsschule ist für uns kein Modell mit Zukunft. Wir wollen das gemeinsame Lernen in einem differenzierten Schulwesen verwirklichen. Differenzieren statt nivellieren, das ist der richtige Weg. Wir geben jedem die Chance, seinen Weg zu gehen. Chancengerechtigkeit heißt aber nicht, jeden zum gleichen Weg zu zwingen.
Wir entwickeln die Grundschule weiter!
Die Thüringer Grundschulen leisten Hervorragendes. Ich konnte mir bei meinen Schulbesuchen vielfach selbst ein Bild davon machen.
Die Thüringer Grundschule kann sich auch im Bundesvergleich sehen lassen: Sie hat eine höchst anspruchsvolle Stundentafel, mit die höchste Wochenstundenzahl, die engste Verzahnung zwischen unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angeboten.
Und die Thüringer Grundschule hat verglichen mit anderen Ländern das engagierteste Personal, das sich zu seiner Aufgabe, Verantwortung für den Erfolg zu übernehmen, auch bekennt. Das haben die Befragungen der Lehrkräfte zu IGLU, der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung, ergeben.
Mehr als zwei Drittel aller Grundschüler besuchen in Thüringen einen Grundschulhort. Damit weist der Freistaat im Bundesdurchschnitt die höchste Betreuungsquote auf. Für jeden Schüler, der dies wünscht, steht an einer Staatlichen Grundschule in Thüringen ein Hortplatz zur Verfügung.
Die Grundschule war in Thüringen von Anfang an aufgeschlossen für Reformen. Wir gehen seit einiger Zeit in der Grundschule erfolgreich neue Wege, die ich ausbauen will.
Wir haben im Interesse individueller Förderung die Schuleingangsphase als bedeutsames Schulentwicklungsprojekt geschaffen. Die Schuleingangsphase ermöglicht eine hohe Lernqualität und verbessert die Bildungschancen aller Kinder. Es ist unser erklärtes Ziel, die Schuleingangsphase an allen Thüringer Grundschulen in den nächsten Jahren zu etablieren.
Wir in Thüringen sind stolz darauf, dass wir den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule als eines der wenigen Länder nicht auf eine Sprache verengen.
Trotz drastischen Schülerrückgangs in den vergangen Jahren wollen wir, soweit möglich, wohnortnahe Bildungsangebote erhalten. Auch wenn wir bereits in früheren Jahren etliche Grundschulen schließen mussten, so bleiben wir bei unserem Ziel: Kurze Wege für kurze Beine. Im Schuljahr 2001/2002 hatten wir mit damals gut 12.000 Schulanfängern den demografischen Tiefpunkt erreicht. Inzwischen hat sich die Zahl der Schulanfänger wieder bei etwa 17.000 stabilisiert.
Wir sind dabei, die Grundschule inhaltlich und strukturell weiterzuentwickeln. Das Modellvorhaben „Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule“ ist – das zeichnet sich jetzt bereits ab – ein großer Erfolg. Die Landkreise Eichsfeld, Greiz, Saalfeld/Rudolstadt und Sömmerda sowie die Stadt Erfurt beteiligen sich bereits an dem Erprobungsmodell. Der Unstrut-Hainich-Kreis, die Stadt Jena, die Landkreise Kyffhäuserkreis, Saale-Orla-Kreis, Wartburgkreis, Ilm-Kreis und Hildburghausen werden sich anschließen. Den Schulträgern werden für die Dauer der Erprobungsphase die Erzieher zur Verfügung gestellt. Dabei verbleibt die Dienst- und Fachaufsicht über das Erzieherpersonal beim Land. Das Land wird weiterhin seine Verantwortung wahrnehmen. Eine vollständige Kommunalisierung der Grundschulen steht derzeit nicht zur Debatte.
Welche Ziele verbinden wir mit den Erprobungsmodellen?
Wir setzen auf eine verstärkte Kooperation von Land und Kommunen. Die Einheit von Bildung, Erziehung und Betreuung in den jeweiligen Sozialräumen soll zu einer höheren Bildungsqualität in den Regionen führen. Wir entwickeln für unterschiedliche Regionen Thüringens differenzierte Reformen ganztägiger Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsangebote. Und wir wollen Erfahrungen sammeln, wie die Regionen, orientiert an ihren Bedingungen, gemeinsam mit Grundschulen ein verlässliches Netzwerk mit Partnern des Sozialraums schaffen, etwa durch Einbindung der Bereiche Sport, Kultur, Vereine, Jugendarbeit. Ziel dieses Modells ist es, die Einheit von Bildung, Erziehung und Betreuung in den Sozialräumen in einer neuen Qualität zu erreichen.
Wir sind derzeit dabei, gemeinsam mit dem ThILLM den Thüringer Lehrplan für die Grundschule weiterzuentwickeln. Wir wollen dabei die Ergebnisse der Evaluation der Thüringer Lehrpläne, vorgenommen von der Universität Zürich, und den Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre ebenso berücksichtigen wie die veränderten Steuerungsansätze zur Qualitätsentwicklung. Und wir wollen das neuere Steuerungswissen, das uns PISA, IGLU, DESI (Deutsch Englisch Schülerleistungen International), die sieben KMK-Handlungsfelder, die Ländervergleiche, die Kompetenztests und Schulversuche geliefert haben, in den Lehrplänen berücksichtigen. Auch neuere erziehungswissenschaftliche, lern- und entwicklungspsychologische sowie neurobiologische Erkenntnisse werden in den Lehrplan einfließen. Projekte wie EULE (Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität), HIBIKUS (Entwicklungsprogramm hirngerechte Bildung in Kindergarten und Schule), die Erkenntnisse aus dem vernetzten Wissen, all dies muss Konsequenzen für die Lehrpläne haben.
Lehrpläne müssen ständig weiterentwickelt werden, die Reform der Lehrpläne ist nie zu Ende.
Wir stärken gezielt die Allgemeinbildung und die mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Bildung
Wir werden in den Klassenstufen fünf bis zehn des Gymnasiums und der Regelschule weitergehende Reformen vornehmen.
Wir entwickeln das „Thüringer Patent“, die Regelschule, weiter
In der Regelschule werden wir das neue Fach Mensch-Natur-Technik einführen. Die technische Linienführung wird im neuen Lehrplan in diesem Fach stärker ausgeführt werden. Dies stellt auch eine Entwicklung dar, die insbesondere mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit Jungen stärker ansprechen wird.
Wir werden in Klassenstufe fünf/sechs der Regelschule eine zweite Fremdsprache als Angebot, nicht verpflichtend für die einzelne Schule, einführen. Regelschüler sollen die Chance – nicht die Verpflichtung – haben, eine zweite Fremdsprache von Anfang an erlernen zu können.
Der durchgängige integrative Kurs Medienkunde von der Klassenstufe fünf bis zehn soll entwickelt werden.
Wir werden die Regelschule in Richtung mehr gemeinsames Lernen, individuelle Förderung (ich nenne nur die flexiblen Stunden), bessere Förderung der Schulausgangsphase, Stärkung des praktischen Profils (MNT) weiterentwickeln. Unser Ziel lautet: Jeden Schüler mitnehmen, keinen zurücklassen.
Wir werden die Durchlässigkeit unseres Schulsystems auch mit diesen Reformen stärken!
Wir führen an den Regelschulen den Schulversuch „Individuelle Abschlussphase“ ein. Ziel dieses Schulversuches ist es, die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern. Thüringen liegt mit 7,19 Prozent Schulabgängern ohne Schulabschluss unter dem Bundesdurchschnitt von knapp 8 Prozent. Ein zweites Ziel verbinden wir mit diesem Schulversuch: Wir wollen die Zahl der Absolventen der Regelschule mit unmittelbarem Anschluss an eine qualifizierte schulische oder berufliche Ausbildung erhöhen. Hierbei setzen wir auf Kooperation mit berufsbildenden Schulen und Praxispartnern, die Bildungswege zur Hochschulzugangsberechtigung aufzeigen. Derzeit gibt es 25 interessierte Schulen für diesen Schulversuch.
Bildungschancen verbessern, schulische Abschlüsse sichern und den Einstieg in das Berufsleben optimieren, das sind die Ziele dieses Schulversuchs. Dazu ist eine intensive Verbindung der bisher entwickelten Präventions- und Interventionsmaßnahmen (Praxisklassen, Kooperation von Regelschule mit Grundschule und Berufsbildender Schule) notwendig. Zielgruppe sind also besonders leistungsfähige Schüler auf der einen und Schüler mit ungünstigen Lernvoraussetzungen und Abschlussgefährdungen auf der anderen Seite.
Diese Schüler erhalten eine individuelle Bildungswegplanung, berufliche Orientierung und Übergangsbegleitung sowie passfähige und bedarfsgerechte Angebote für Praktika und Entwicklungsmöglichkeiten.
Partner des Schulversuchs sind das ThILLM, das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft, Unternehmen der Region und die Jugendhilfe.
Wir verbessern die Studierfähigkeit durch Reform des Gymnasiums!
Ein erster, mehr äußerer Anstoß zur Gymnasialreform war die demografische Entwicklung. Weniger Schüler heißt zwangsläufig weniger Kurswahlmöglichkeiten. Das eigentliche Ziel der Oberstufenreform ist es aber, die allgemeine Studierfähigkeit zu verbessern. Wer in Thüringen Abitur abgelegt hat, soll in der Lage sein, jedes Fach zu studieren. Die Verbesserung der Unterrichtsqualität steht also auch hier im Vordergrund. Die neue Lernkultur fordert mehr Partizipation der Schüler in Bezug auf das Beobachten, Einschätzen und Bewerten ihrer Leistung.
Vier Hauptziele verfolgen wir mit der Oberstufenreform:
1. Die bessere Individuelle Förderung
2. Die Stärkung der Sprachenbildung
3. Die Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bildung
4. Die Stärkung der ganzheitlichen Allgemeinbildung.
Wir werden eine Rahmenstundentafel mit der Möglichkeit von Doppelklassenstufen und flexiblen Stunden einführen. Diese eröffnet noch mehr Möglichkeiten, die Schüler individuell zu fördern. Im Rahmen der flexiblen Stunden soll in den Klassenstufen fünf bis zehn mindestens je eine Jahreswochenstunde zum Ausgleich individueller Entwicklungsunterschiede und zur Förderung von Begabungen benutzt werden.
Im Wahlpflichtbereich der Klassenstufe neun und zehn können die Schüler eigene Schwerpunkte setzen.
Sprachenbildung wird im Zeichen der Globalisierung und Technisierung immer bedeutsamer. Nach einer Entschließung des Europäischen Rates von 1997 soll jeder Bürger der Europäischen Union neben seiner Muttersprache noch über zwei Gemeinschaftssprachen verfügen. Ab der Doppeljahrgangsstufe fünf/sechs sollen alle Schüler zwei Fremdsprachen, das heißt in der Regel Englisch sowie eine weitere Fremdsprache lernen.
Zur Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen wird in der Doppeljahrgangsstufe fünf/sechs das neue Fach „Mensch-Natur-Technik“ ab dem Schuljahr 2009/2010 (auf der Basis schulinterner Umsetzungskonzepte) eingeführt. Wir wollen damit das Interesse an Naturwissenschaft und Technik mehr als bisher fördern. Und wir wollen die Schüler mit der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in der Technik und mit der Bedeutung technischer Entwicklung für die naturwissenschaftliche Forschung bekanntmachen.
Darüber hinaus wollen wir die Nutzung mathematischer Kompetenzen verstärken. Das angesehene Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften Kiel (IPN) hat das Thüringer MNT-Konzept genau so positiv bewertet wie die Thüringer Wirtschaft, die Kammern und die Landeselternvertretung.
Das neue Oberstufenmodell soll die Breite der Allgemeinbildung fördern. Es wird die Kompetenzen in den Naturwissenschaften und bei den Sprachen verbessern und stärkt den Leistungsgedanken.
Neben der verbindlichen Belegung der Kernfächer Deutsch und Mathematik im erhöhten Anforderungsniveau sollen weitere drei Fächer, die bereits in der Sekundarstufe I unterrichtet wurden, auch auf erhöhtem Anforderungsniveau verbindlich belegt werden. Eine Naturwissenschaft, eine Sprache und ein Fach aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich. Je nach Schulprofil können auch weitere Fächer mit erhöhtem Anforderungsniveau unterrichtet werden.
Auch Geschichte wird verbindlicher Bestandteil bleiben, entweder auf erhöhtem oder auf grundlegendem Anforderungsniveau.
Vergleicht man die Entwicklung des Gymnasiums seit der Humboldt-Süvernschen-Reform von 1812, so wird eines deutlich: Bis in unsere Zeit hinein wird immer wieder der pädagogische Inhalt, der Lehrplan, der Bildungskanon verändert. Aber das Berechtigungselement, die Hochschulreife, die das Abitur verleiht, bleibt als Konstante erhalten. Heute haben Realbildung, Technik, musische Fächer, lebende Sprachen längst den kanonischen Hochschulreifebegriff des Humanismus ergänzt und differenziert. Das Abitur markiert also nicht nur den Abschluss der weiterführenden Schule, sondern ist Aditur, Zugangsberechtigung zur Hochschule.
Daher lautet das wichtigste Ziel der Gymnasialreform: bessere Studierfähigkeit und Stärkung der ganzheitlichen Allgemeinbildung sowie der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bildung.
Wir setzen systematisch das Gemeinsame Lernen um
Das Ziel, das im Thüringer Schulgesetz verankerte Prinzip des Gemeinsamen Lernens, ist noch stärker als bisher im Schulalltag durchzusetzen, dies verfolgen wir in allen Schularten.
Wir bauen Förderzentren zu Kompetenz- und Beratungszentren um
Ziel der bereits eingeleiteten Reformen im Förderschulbereich ist es, die hohe Quote von Schülern an Förderzentren im Freistaat zu senken (derzeit 8,4 Prozent im Vergleich zur Gesamtschülerzahl). Gleichzeitig wollen wir den Anteil der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Gemeinsamen Unterricht erhöhen. Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf sollen also - soweit möglich - in der Grundschule und in den weiterführenden Schulen unterrichtet werden, im Gemeinsamen Unterricht.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für diesen Gemeinsamen Unterricht in Thüringen sind optimal. Das bestätigt auch die Wissenschaft. Doch im konkreten Schulalltag und in der Umsetzung des Gemeinsamen Unterrichts besteht noch Handlungsbedarf. Mit dem novellierten Thüringer Förderschulgesetz haben wir im Jahr 2003 die Möglichkeiten des Gemeinsamen Unterrichts erheblich ausgeweitet. Doch das Umdenken in Richtung Gemeinsamer Unterricht ist noch nicht überall angekommen.
Integration beginnt im Kopf, im Kopf der Eltern und eines jeden Lehrers.
Es gilt also, den gesetzlich festgelegten Vorrang des Gemeinsamen Unterrichts konsequenter umzusetzen. Mein Plädoyer für Gemeinsamen Unterricht heißt nicht Abschaffung der Förderzentren, sondern deren Profilierung und Weiterentwicklung zu Beratungs- und Kompetenzzentren.
Wir brauchen eine neue Schulnetzplanung für die Berufsbildenden Schulen
Die demographische Entwicklung hat jetzt auch die berufsbildenden Schulen erreicht. Dies stellt an Schulentwicklung und Schulpolitik neue Herausforderungen, insbesondere vor dem Hintergrund, ein wohnortnahes und differenziertes und somit leistungsstarkes Berufsbildungsangebot aufrecht zu erhalten. Um das Schulnetz verantwortungsvoll gestalten zu können, wurden in Vorbereitung des Schuljahres 2008/2009 einige Prämissen gesetzt; etwa die Festschreibung der unteren Klassenmesszahl von 15 Schülern. Damit sollen eine Konzentration der Ausbildung und eine sinnvolle Ausschöpfung der vorhandenen personellen Ressourcen gesichert werden. Synergien, die damit weiter einhergehen, sind eine finanziell effektive, von gut qualifizierten Fachkräften durchgeführte, die räumlich sächlichen Ausstattungen auf hohem Niveau gehaltene Vermittlung von berufstypischen Fachkenntnissen.
Das Thüringer Kultusministerium sowie der Thüringische Landkreistag haben an der Universität Erfurt ein Gutachten in Auftrag gegeben, mit dem Namen „Entwicklung der Berufsbildenden Schulen im Freistaat Thüringen“. Dieses sogenannte „Zedler-Gutachten“ sieht mehrere Bildungsregionen für Thüringen vor. Die Zuständigkeit für die Aufstellung des Schulnetzplanes liegt nach dem Thüringer Schulgesetz in der Verantwortung der Kommunalen Träger, der Schulträger.
Derzeit sind Bestrebungen kooperierender Schulträger bekannt, in verschiedenen Regionen ein tragfähiges Schulnetzkonzept zu entwerfen. Planungsregionen in Ostthüringen wie auch in Westthüringen treiben nach der konstituierenden Sitzung den notwendigen Konzentrationsprozess voran. Das Kultusministerium moderiert in den Abstimmungsgesprächen und steht den Schulträgern beratend und koordinierend zur Seite.
Bis zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 sollen die Abstimmungsgespräche zwischen Schulträgern, dem Kultusministerium und der Wirtschaft so weit entwickelt werden, dass für die berufsbildenden Schulen in Thüringen ein neues und tragfähiges Konzept steht.
Am 15. Oktober 2008 wird sich eine Stabsgruppe aus Vertretern der Wirtschaft, der Kommunalen Spitzenverbände, des Landesausschusses für Berufsbildung und des DGB unter Federführung des Staatssekretärs Eberhardt konstituieren und sich über Eckpunkte einer weiteren Verfahrensweise verständigen. Die duale Ausbildung wird dabei eine wichtige Rolle in der berufsschulischen Ausbildung einnehmen.
Bildungsgänge der berufsbildenden Schule werden auch zukünftig die Aufgabe erfüllen, durch die Vermittlung von Kompetenzen leistungsstarke Fachkräfte in Thüringen auszubilden. In diesem Zusammenhang spielen insbesondere weiterführende Bildungsgänge, Ausbildungsrichtungen für das mittlere Management in Wirtschaft und Industrie eine tragende Rolle, zumal diese den Zugang zu Hochschulen eröffnen.
Zur Sicherung des Nachwuchses an qualifizierten Fachkräften hat die berufliche Aus- und Weiterbildung einen hohen Stellenwert.
Wir vernetzen die Schule stärker im Sozialraum!
Regionalisierung und Dezentralisierung sind prägende Grundprinzipien unserer Bildungspolitik. Im letzten Jahr haben wir das Thüringer Bildungsmodell „Neue Lernkultur in Kommunen“ eingeführt. Damit wollen wir die Erziehungs- und Bildungsarbeit der Kindergärten und Schulen mit den Partnern, Institutionen und Initiativen des sozialen Umfelds vernetzen. Wir bauen auf bereits bestehenden ehrenamtlichen Netzwerken auf. Wir wollen so die Kooperation von Jugendhilfe und Schule verstärken. Von den skandinavischen Ländern wissen wir, dass dort die Schulen viel stärker im regionalen Umfeld verankert sind. Wir bauen auf eine enge Kooperation mit der Ehrenamtsstiftung. Mit dieser Lernkultur des Sozialraums entwickeln wir die Schnittstellen zwischen Elternarbeit, Kindergarten und Schule weiter.
Mit diesem Projekt erweitern wir das Entwicklungsvorhaben „Eigenverantwortliche Schule“ um eine kommunale Dimension, um eine Sozialraum-Perspektive. Beteiligen sollen sich alle Eigenverantwortlichen Schulen.
Diese Verbindung zwischen individueller Förderung und sozialer Verantwortung im Verbund eines lernenden Gesamtsystems aller regionalen Bildungsakteure ist ein bedeutsamer Beitrag zur inneren Schulentwicklung und zu mehr Unterrichtsqualität.
Wir bauen die Zusammenarbeit Schule/Wirtschaft aus, wir verstärken den Praxisbezug der Schule
Im Sommer haben wir durch zwei Vereinbarungen mit dem Handwerk und der Thüringer Wirtschaft die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft noch stärker intensiviert. Zusätzlich zum Thüringer Pakt für Ausbildung haben wir vor wenigen Wochen mit dem Handwerk den Thüringer Bildungspakt und mit der IHK Erfurt das gemeinsame Programm „Schule stärkt Wirtschaft“ beschlossen.
Dadurch können wir die Arbeitsmarktpolitik der Landesregierung durch neue Impulse flankieren. Schule und Wirtschaft teilen hier gemeinsame Verantwortung. Dadurch stärken wir das duale System.
Junge Menschen sollen langfristige Zukunftsperspektiven bei uns in Thüringen haben. Dazu brauchen sie eine schulische und berufliche Ausbildung auf hohem Niveau.
das sind die zentralen Zielstellungen dieser beiden neuen Vereinbarungen.
Was sind die entscheidenden Schlüsselfaktoren für die Zukunft der Wirtschaft?
• Die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger,
• die Studierfähigkeit der Abiturienten,
• die Berufsfähigkeit der Absolventen des dualen Systems und der Hochschulen,
• die Fähigkeit und Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.
Der handlungs- und kompetenzorientierte Bildungsbegriff, wie wir ihn in Thüringen vertreten, hat die innovative, kreative Persönlichkeit zum Ziel.
Mit dem Kompetenzmodell der Lehrpläne und dem verständnisintensiven Lernen haben wir in Thüringen eine neue Lernkultur aufgebaut.
Unser Bildungssystem soll junge Menschen lebenstüchtig machen für eine künftige Welt, die sie noch nicht kennen und die es erst noch zu entdecken gilt. Die Kunst der Bildung ist es, Wissen, Können und Wollen so zu entwickeln, dass daraus Kompetenz und Lebenstüchtigkeit entstehen.
Berufs- und Studienwahlvorbereitung haben bei uns einen hohen Stellenwert
Unsere Strategie der Berufswahlvorbereitung basiert auf drei Säulen: dem Thüringer Berufswahlpass, Maßnahmen zum Praxiserleben von Ausbildungs- und Arbeitswelt für Schülerinnen und Schüler sowie dem Qualitätssiegel „Berufswahlfreundliche Schule“. Im Januar 2009 werden wir gemeinsam mit der „Initiative für Beschäftigung“ sowie mit der Wirtschaft zur Thüringer Berufsorientierungskonferenz einladen.
Wie sieht die Personalplanung für das laufende Schuljahr aus?
Der Unterricht ist in diesem Schuljahr grundsätzlich abgesichert.
Um den Bedarf an den Berufsbildenden Schulen, Grundschulen und Förderschulen zu decken sowie territoriale Unterschiede auszugleichen, sind Lehrerinnen und Lehrer aus den allgemein bildenden Schulen, insbesondere aus den Regelschulen und Gymnasien, abgeordnet.
Das Kultusministerium hatte außerdem den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Einstellungsteilzeit in Niedersachsen vom 19. September 2007 zu berücksichtigen.
Rund 75 Prozent der verbeamteten Lehrer, die bisher in Teilzeit beschäftigt waren, werden nun früher als vorgesehen in Vollzeit arbeiten. Dadurch stehen uns zusätzlich rund 700 Lehrkräfte zur Verfügung.
Priorität beim Einsatz dieser Lehrkräfte hat die Absicherung des Unterrichts. Weiterhin soll die individuelle Förderung der Schüler gestärkt werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir damit die Quote der Jahrgangswiederholer und der Schüler ohne Abschluss, aber auch die Förderung hochbegabter Schüler entscheidend verbessern werden.
Wir erhalten auch mehr Spielraum für Schulentwicklungsprojekte, wie die Umsetzung des „Thüringer Bildungsplans für Kinder bis zehn Jahre“.
Die Fortbildung von Lehrern können wir ebenfalls verstärken.
Durch diese Maßnahmen werden wir die Schulqualität in Thüringen weiterhin nachhaltig verbessern.
Für dieses Schuljahr steht derzeit ein Einstellungskorridor von 35 Lehrerstellen zur Verfügung. Die Landesregierung wird alle Möglichkeiten prüfen, wie die Initiative der CDU-Landtagsfraktion, in jedem Schuljahr 100 junge Lehrerinnen und Lehrer neu einzustellen, umgesetzt werden kann.
Wir haben ein modernes Konzept der Führungskräfteentwicklung
Wir müssen in Thüringen bis zum Schuljahr 2015/2016 etwa 400 Schulleiter- und Stellvertreterstellen neu besetzen. Neuere erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse machen deutlich: Qualifizierte Schulleitung ist ein wesentlicher Erfolgsgarant schulischer Qualität. Und: Qualifizierte Schulleitungstätigkeit macht zielgruppenspezifische Ausbildung notwendig.
Daher hat das Kultusministerium Ende 2006 die Konzeption zur Qualifizierung von pädagogischen Führungskräften in Schulen vorgestellt. Seit Februar 2007 gibt es am ThILLM eine Koordinierungsstelle für Führungskräfteentwicklung. Das Fortbildungsprogramm gliedert sich in vier Phasen: Orientierungsangebot, vorbereitende Qualifizierung, amtseinführende Qualifizierung und berufsbegleitende Qualifizierung. In den ersten beiden Phasen qualifizieren sich bisher rund 500 Lehrer zum Schulleiter bzw. stellvertretenden Schulleiter. Am 11. Oktober 2008 ist der Start einer neuen Phase, im Juli 2010 wird die erste Durchgangsphase abgeschlossen sein.
Die „Eigenverantwortliche Schule“ ist und bleibt das zentrale bildungspolitische Konzept
Das Entwicklungsvorhaben „Eigenverantwortliche Schule“ ist und bleibt das zentrale bildungspolitische Projekt in dieser Legislaturperiode in Thüringen. Dies war die logische Antwort auf die vor allem in den PISA-Studien diagnostizierten Schwachstellen der Unterrichtsqualität. Thüringen war hier mit der „dialogischen Schulaufsicht“ sogar bundesweit schon vor PISA Wegbereiter der Idee „Eigenverantwortliche Schule“.
Das ist ohne Zweifel ein Paradigmenwechsel, der Organisation, Arbeitsweise, Zuständigkeiten, Betriebsklima und nicht zuletzt die Form der Schulaufsicht verändert. Zuständigkeiten und Verantwortungen werden neu justiert. Die Grundphilosophie, die hinter diesem Konzept steckt, lautet: Wir treten Verantwortung an diejenigen ab, die Schule konkret vor Ort gestalten, an diejenigen, die dem Problem und seiner Lösung am nächsten sind. Denn deren Wissen und Können ist das wertvollste Kapital der Schule. Wir vertrauen auf das Wissen, auf das Können und die Eigenverantwortung der Menschen direkt am Ort des pädagogischen Geschehens.
Mit dem Konzept der Eigenverantwortlichen Schule entwickelt sich die Schule zur lernenden Organisation. Und wir wissen aus dem modernen Management, dass sich Erfolg nachhaltig nur dann steigern lässt, wenn jedes Mitglied als Individuum und alle als Gesamtheit ständig dazu lernen. Und wir wissen, dass in den Menschen neue Kräfte wachsen, denen man etwas zutraut und denen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übertragen wird.
Das Entwicklungsvorhaben begann im Frühjahr 2005 mit zunächst 59 Schulen; inzwischen nehmen 205 Schulen teil, 108 haben bereits Zielvereinbarungen abgeschlossen. Unter diesen Schulen hat sich seitdem einiges getan, in Sachen Unterrichtsqualität, Unterrichtserfolg und Schulklima. Dies können die Experten für Evaluation bestätigen, die durchweg positive Resonanz erfahren. Diese Experten gehen auf Schatzsuche, sie betreiben keine Defizitfahndung, sie setzen auf die Stärken und wollen vorhandene Schwächen überwinden.
Parallel zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung an den Thüringer Schulen werden auch die Schulämter evaluiert. Thüringen ist damit das einzige Land, das seine Schulaufsicht einer so gründlichen Überprüfung unterzieht. Die Schulämter Eisenach und Rudolstadt haben bereits eine Zielvereinbarung mit dem Kultusministerium abgeschlossen. Bis Ende des Jahres 2008 werden alle Thüringer Schulämter von einem der beiden Expertenteams besucht worden sein.
Der Idee der dialogischen Schulaufsicht folgend entwickeln sich die Schulämter zu Qualitätsagenturen.
Wir fördern Begabte
Die Begabtenförderung in Thüringen ist auch Grundprinzip der allgemein bildenden Schulen. Begabtenförderung ist darüber hinaus in Thüringen besonders vorbildlich. In Spezialgymnasien und Gymnasien mit Spezialklassen fördern wir besonders interessierte und begabte Schüler optimal, sei es im Sport, in der Musik, in Mathematik und den Naturwissenschaften, aber auch den Sprachen. Begabte und sozial engagierte Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund erhalten im Rahmen des START-Programms Schülerstipendien. Wir unterstützen die Musikschulen, die Jugendkunstschulen und wir vergeben Stipendien für musikalisch hochbegabte Schüler. Im Bildungscamp Christes oder Zella-Mehlis fördern wir Kinder und Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten im mathematisch-naturwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen oder künstlerisch-sprachlichen Bereich.
Wir sind stolz darauf, dass ein Gymnasiast aus Jena zu den sechs leistungsstärksten Schülern in Deutschland bei der internationalen Mathematikolympiade in Madrid zählte.
Und Thüringen ist stolz darauf, im Juni Austragungsort des 17. Sprachfestes des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen gewesen zu sein.
Internationale Schulprojekte in Thüringen
Das Thüringer Bildungswesen ist offen für die Welt der Globalisierung und Internationalisierung. Die Deutschen Auslandschulen arbeiten nach dem Thüringer Lehrplan. Also Bildungsangebote „Made in Thuringia“ als Exportschlager.
Thüringen ist bildungspolitisch eng mit internationalen Projekten vernetzt.
Am 1. Oktober 2008 startete in Helsinki das OECD-Projekt „Innovative Learning Environments“. Es soll Schulen innovative Lernumgebungen bieten.
Vier Thüringer Schulen sind an diesem Projekt beteiligt: die Herrmann-Lietz-Schule Haubinda, die Lobdeburgschule Jena, die Jenaplanschule Jena sowie die IMPULS-Schule Schmiedefeld. Das Projekt geht davon aus, dass die Transformation der Industrie- zu Wissensgesellschaften nicht ohne Folgen für den Unterricht, für Lernen und Lehren bleiben kann.
In der Tat: Wissensgesellschaften brauchen Schulen, die Kindern Lernumgebungen bieten, in denen verständnisgerecht gelehrt und gelernt wird und die auf geringe Lernmotivation und hohe Quote von Schulabgängern ohne Abschluss angemessen reagieren.
Thüringen ist an einem weiteren Internationalen Projekt beteiligt: „Teacher Education for Diversity“. Dieses Projekt will den Umgang mit sprachlichen und kulturellen Aspekten der Heterogenität im Unterricht erforschen.
Thüringen bringt hier seine Erfahrungen mit dem Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität (EULE) ein. Ziel des Thüringer Entwicklungsprogramms für Unterricht und Lernqualität ist es, Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen, ihren Unterricht weiterzuentwickeln und kollegiales Lernen in Lehrerkollegien anzuregen. Seit 2004 werden jährlich 24 Lehrkräfte zu Beratern für verständnisintensives Lernen ausgebildet.
Die EULE–Trainergruppe hatte dieser Tage Gelegenheit, ihr Konzept vor 400 Experten aller Phasen der Lehrerbildung aus Österreich an der Universität Klagenfurt zu präsentieren. Auch dort hat sich wieder bestätigt: Das Entwicklungsprogramm wird von der Internationalen Fachöffentlichkeit als sehr innovatives Programm in der Spitzengruppe der europäischen Initiativen eingeordnet. Dieses betrifft sowohl die eigene Lerntheorie als auch das eigene Trainingskonzept sowie das Transformationskonzept in der Fläche. Das Programm EULE ist ein viel beachtetes Modell für private-public-partnership. Kooperationspartner sind das Kultusministerium, die Bosch-Stiftung sowie die Imaginata (FSU Jena).
Wie viele andere Projekte symbolisiert EULE den Paradigmenwechsel von der Belehrung zum Lernen, also eine neue Lernkultur.
Thüringen – Land des Bildungspluralismus
Thüringen ist nach der Einheit wieder zum Land der Bildungsreformen geworden. Die Reformpädagogik hatte in ihrem Mutterland rund 40 Jahre Zwangspause. Dieses auf das Individuum bezogene Konzept harmonierte nicht mit dem Bildungsbegriff eines totalitären Staates, der die Einheitsschule proklamierte und das Ziel der Chancengerechtigkeit in der Bildung durch zentrale Steuerung ersetzte. Die DDR verunglimpfte wichtige Elemente reformpädagogischer Bemühungen, wie zum Beispiel entwicklungsgemischtes Lernen, als veraltet und rückständig.
Wir haben unsere Bildungspolitik nach der Wende an der Leitidee der Reformpädagogik, der Kindorientierung, ausgerichtet. Wir haben reformpädagogische Traditionen weiterentwickelt, ich nenne nur Petersen, Fröbel, Salzmann, Montessori. Und wir haben reformpädagogische Konzepte in die Struktur des neu geschaffenen gegliederten Schulsystems in Thüringen eingebaut. In enger Kooperation von kommunaler Trägerschaft und Verantwortung des Kultusministeriums entstehen regionale Bildungslandschaften, welche die Idee der Eigenverantwortung im Bildungswesen umsetzen.
Wir sind stolz darauf, dass Thüringen wieder zum Kernland moderner Reformpädagogik geworden ist. Dazu haben übrigens auch die freien Träger in Thüringen einen hervorragenden Beitrag geleistet. Eine freiheitliche Gesellschaft braucht auch freie Bildungsträger.
Wissenschaft und Forschung in Freiheit und Verantwortung
Wissenschaft und Forschung sind die Grundlagen für Innovation in Wirtschaft und Gesellschaft, der Schlüssel für Wachstum und Beschäftigung. Partnerschaft, Hochschulautonomie sowie Verantwortung und Wettbewerb sind die Leitlinien der Thüringer Hochschulpolitik.
Kaum ein anderes Land der Bundesrepublik Deutschland hat in so kurzer Zeit so grundlegende Hochschulreformen umgesetzt wie Thüringen.
Systematischer Ausbau der Hochschulen
Seit 1990 haben wir das Hochschulsystem in Thüringen von Grund auf erneuert. Die Universität Erfurt – einst die zweitälteste im damaligen deutschen Sprachraum – ist wieder gegründet worden und die vier Fachhochschulen sind neu errichtet worden. Die Universitäten in Ilmenau, Jena und Weimar und die Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar wurden qualitativ und quantitativ erheblich umgestaltet und erweitert. Wir haben das Fächerspektrum erheblich ausgebaut. Thüringen hat darüber hinaus die Berufsakademiestandorte in Eisenach und Gera; die Absolventen dieser Einrichtungen haben sehr gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Zahl der Studierenden hat sich in Thüringen von rund 14.000 im Jahr 1990 auf über 50.000 im Jahr 2007 mehr als verdreifacht. Ziel des bundesweiten Hochschulpakts 2020 ist es, die durch die demografische Entwicklung frei werdenden Kapazitäten in den neuen Ländern zur Ausbildung von zusätzlichen Studienanfängern aus anderen Ländern zu verwenden. Dieses Potenzial muss auch für die Forschung genutzt werden.
Mit dem novellierten Thüringer Hochschulgesetz von 2006 verfügen die Thüringer Hochschulen über ein hohes Maß an Autonomie. Mit der Rahmenvereinbarung II erhalten die Hochschulen durch Budgetierung ihrer Haushalte gleichzeitig Flexibilität bei der Mittelbewirtschaftung sowie größtmögliche finanzielle Planungssicherheit für den Zeitraum bis 2011. Ihre Leistungsprofile und Entwicklungsstrategien stimmen sie mit dem Land in Ziel- und Leistungsvereinbarungen ab. Zu den Eckpfeilern der Hochschulfinanzreform gehört neben der Rahmenvereinbarung II auch eine leistungs- und belastungsorientierte Mittelvergabe. Bis 2011 wird für die Hochschulen der Anteil der Landesmittel, der auf Grund von bestimmten Indikatoren leistungs- und belastungsorientiert verteilt wird, auf über 40 Prozent gesteigert.
Zusammen mit dem novellierten Thüringer Hochschulgesetz verfügen die Hochschulen damit über umfassende Handlungsfreiheiten und größtmögliche Planungssicherheit.
Die Hochschulen verpflichten sich im Rahmen der verabredeten Ziel- und Leistungsvereinbarungen zu entsprechenden Leistungsprofilen, etwa Erfolgsquoten bei den Studierenden, zu einem bestimmten Fächerangebot. Dazu gehört außerdem die Umsetzung des Bologna-Prozesses an den Hochschulen.
Die Ziel- und Leistungsvereinbarungen sind mit den Hochschulen erfolgreich ausgehandelt und am 25. September 2008 mit dem Kultusministerium unterzeichnet worden.
Diese haben das Ziel, die hochschulplanerischen Ziele des Landes sowie die Entwicklungsziele der Hochschulen umzusetzen.
Auch das ist ein Stück Freiraum, ein Stück Autonomie der Hochschulen, die hier auf Augenhöhe und gemeinsam mit dem Kultusministerium handeln.
Mit dieser grundlegenden Hochschulreform wollen wir die Leistungsfähigkeit der Hochschulen steigern und den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Thüringen weiter ausbauen.
Im Juli 2007 haben wir die „Zukunftsinitiative Exzellentes Thüringen“ beschlossen, die für die Jahre 2008 bis 2011 insgesamt 2,8 Milliarden Euro umfasst. Damit bekennt sich die Landesregierung klar zu den Investitionsschwerpunkten Bildung, Forschung und Nachwuchsförderung. Dieses ressortübergreifende Innovationspaket reicht von der Hochschulreform über die außeruniversitären Forschungseinrichtungen bis hin zur wirtschaftsnahen Technologie- und Entwicklungsförderung.
Wir setzen dabei auf Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Wir stärken damit zugleich die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen und befördern die Neugründung von Unternehmen.
Die Rahmenvereinbarung II, die von 2008 bis 2011 gilt, ist der grundlegende und finanziell umfangreichste Baustein der Zukunftsinitiative. Sie führt den Thüringer Hochschulpakt weiter.
50-Millionen-Programm „Pro Exzellenz“
Das Landesprogramm „Pro Exzellenz“ ist Teil der Zukunftsinitiative „Exzellentes Thüringen“. Für das Landesprogramm stehen 50,3 Millionen Euro zur Verfügung. Es wurde im Frühjahr ausgeschrieben. In den ersten Ausschreibungsrunden gingen insgesamt 51 Anträge ein. Die dritte Runde läuft noch bis Februar 2009.
Die bisher vorliegenden Anträge aus den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen umfassen Institutionen übergreifende Forschungsprojekte mit den Schwerpunkten „Optische Technologien, Photonik“ und „Mikrobiologie“ sowie Vorhaben zur Verbesserung der Lehre. Bis Juni 2009 sollen alle Förderentscheidungen im Rahmen des Landesprogramms „Pro Exzellenz“ getroffen sein.
Der Ausbau und die Stärkung bestehender exzellenter Forschungsstrukturen, der Erfolg im Wettbewerb um die talentiertesten Köpfe, die Stärkung der Innovations- und Clusterfähigkeit sowie die Förderung exzellenter Lehre, das sind die wesentlichen Ziele dieses Programms.
Dieser Tage hat die Programmkommission erste Förderempfehlungen für 12 Projekte mit einem Gesamtumfang von 17,5 Millionen Euro aus dem Landesprogramm „Pro Exzellenz“ ausgesprochen.
Die Hochschul- und Forschungslandschaft ist in einem dynamischen Prozess
Investitionen in die Köpfe und in innovative Projekte sind die beste Zukunftsvorsorge. Die TU Ilmenau erhält eine Stiftungsprofessur für Fotovoltaik. Die Ernst-Abbe-Stiftung wird in den nächsten fünf Jahren insgesamt Stiftungsmittel in Höhe von 250.000 Euro dafür zur Verfügung stellen. Ein Konsortium Thüringer Solarfirmen beteiligt sich in gleicher Höhe. Dies ist ein wesentlicher Baustein der Thüringer Bildungs- und Forschungslandschaft im Bereich Energie- und Umwelttechnik mit dem Schwerpunkt regenerative Energien.
Eine weitere Stiftungsprofessur der Carl-Zeiss-Stiftung wird in diesem Jahr an der Fachhochschule Jena eingerichtet.
Noch 2008 startet das Thüringer Sonderprogramm zur Ingenieurausbildung an der Fachhochschule Jena und der Fachhochschule Erfurt. Die Landesregierung stellt dafür 3,9 Millionen Euro bereit. Damit können wir zusätzlich 360 Ingenieure in und für Thüringen ausbilden!
In diesem Wintersemester nehmen zwei private Fachhochschulen in Thüringen ihren Lehrbetrieb auf: Die Adam-Ries-Fachhochschule Erfurt mit den Studiengängen Tourismuswirtschaft, Steuern und Prüfungswesen, Umwelt- und Energiemanagement sowie Mittelstandsmanagement. Ferner die FH Kunst - freie Kunststudienstätte Arnstadt. Sie wird die Studiengänge Kunsttherapie, Kunstpädagogik, Freibildende Kunst anbieten.
Besonders will ich auch auf die Thüringer Universitätsmedizin verweisen. Die rechtliche Verselbstständigung des Universitätsklinikums Jena unter dem Dach der Friedrich-Schiller-Universität ist bestens geglückt und findet als herausragendes Reformmodell bundesweite Beachtung.
Neben der ausgezeichneten wirtschaftlichen Entwicklung freuen wir uns vor allem auch über das so erfolgreiche wissenschaftliche Leistungsprofil, etwa im Bereich Sepsis-Forschung oder in den Neurowissenschaften und in anderen Feldern. Im Frühjahr startet nach aktuell abgeschlossenem Architektenwettbewerb der zweite Neubauabschnitt, der das Universitätsklinikum bis 2014 am Standort Lobeda baulich und logistisch verdichtet.
Lehrstrategie
Die Entwicklung besonderer Lehrprofile an den Hochschulen und die Sicherung der Qualität von Studium und Lehre stehen im Zentrum der Thüringer Lehrstrategie.
Wesentliche Ziele dieser Lehrstrategie sind:
Moderne Forschungslandschaft in Thüringen
Zur Umsetzung der Lissabonstrategie, unser Europa bis zum Jahr 2010 zum dynamischsten, wettbewerbsfähigsten und wissensbasiertesten Wirtschaftsraum zu entwickeln, haben die Europäischen Regierungschefs verabredet, die Investitionen in Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern.
Die Exzellenzinitiative in der Forschung, der Pakt für Forschung und Innovation und der Hochschulpakt 2020 stellen bundesweit gemeinsame Schritte auf diesem Weg dar. Thüringen beteiligt sich aktiv an diesen Initiativen.
Die Stärkung und Weiterentwicklung von Exzellenz in Forschung und Lehre besitzt für die Thüringer Landesregierung große Bedeutung.
Unsere Forschungspolitik zielt insbesondere auf eine enge Verzahnung von Grundlagen- und angewandter Forschung sowie Ausbildung und Innovationsprozessen. Wenn wir exzellente Rahmenbedingungen für Wissenschaftler und Forscher in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben, gelingen Spitzenforschung und die erfolgreiche Teilnahme am nationalen und internationalen Wettbewerb sowie das Wachstum moderner, technologieorientierter Unternehmen.
Wir stellen uns dem hohen Anspruch, Thüringen zum global konkurrenzfähigen Wissenschaftsland, zum Forschungsland und damit zum Zukunftsland weiterzuentwickeln. Weltweit bekannte Persönlichkeiten wie Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott sind mit Thüringen verbunden. Mit seinen Hochschulen, mit den zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Instituten zeigt der Freistaat Thüringen heute ein Profil, das der großen wissenschaftlichen Tradition dieser Region entspricht.
Bildung, Wissenschaft und Forschung haben eine Hebelwirkung für den technologischen Fortschritt eines Landes, für das Wirtschaftswachstum wie auch für den Wohlstand einer Gesellschaft. Im Vergleich zu den innovativsten EU-Regionen liegt Thüringen – bezogen auf den Dynamikindex – auf einem guten sechsten Platz. Thüringen liegt beim prozentualen Anteil des in Forschung und Entwicklung beschäftigten Personals im Vergleich mit den jungen Ländern an zweiter Stelle, bei den Patentanmeldungen sogar an der Spitze der neuen Länder. Doch anders als in den alten Ländern ist der Anteil an den in der Forschung und Entwicklung beschäftigten Menschen in Thüringen immer noch zu gering.
Thüringen belegt mit einem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 1,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt bundesweit einen guten Mittelplatz. Nur Bayern, Baden-Württemberg und Berlin erreichen schon heute die von der EU geforderte Drei-Prozent-Marke. Allerdings geht dieses Resultat in Thüringen stärker auf das staatliche Engagement zurück als anderswo. Der Anteil des öffentlichen Sektors bei den Forschungsausgaben beträgt in Thüringen 46,3 Prozent, geht also deutlich über das von der EU angestrebte eine Drittel hinaus.
Beispielhaft für die Entwicklung der Wissenschaft in Thüringen und das zu Grunde liegende forschungspolitische Konzept ist die Verflechtung der verschiedenen Sektoren auf dem Wissenschafts-Campus Beutenberg in Jena. Die außeruniversitären Forschungsinstitute kooperieren eng mit den dort ansässigen Instituten der FSU Jena und des Klinikums der Universität und sind personell mit diesen Institutionen durch eine Vielzahl gemeinsamer Berufungen verknüpft.
Aus der Zusammenarbeit von Technologieunternehmen wie Jenoptik, Schott und Carl Zeiss mit den Instituten der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ergeben sich Impulse für Wirtschaft und Wissenschaft. Diese Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gilt es zu stärken. Wir müssen alle Kräfte von Wissenschaft und Wirtschaft, Hochschulen und außeruniversitärer Forschung bündeln.
Der Mangel an Wissenschaftlern in Europa bedroht unsere wirtschaftliche und technologische Konkurrenzfähigkeit. Um das ehrgeizige Lissabonziel zu erreichen, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung zu investieren müsste Europa zusätzlich 700.000 Wissenschaftler, davon etwa zehn Prozent bei uns in Deutschland, beschäftigen. Derzeit liegt der Anteil von Forschern in Europa bei nur 5,6 pro 1000 Beschäftigten im Vergleich zu 8,1 in den USA und 9,1 in Japan.
Thüringen hat diese Herausforderung angenommen.
In Thüringen existieren derzeit neben ausgeprägten Netzwerken und Verbünden in zukunftsträchtigen Technologiefeldern bereits institutionalisierte Cluster, vor allem auf den Gebieten optische Technologien, Kunststofftechnik, Automobilzulieferer, Solartechnik, Medizintechnik, Biotechnologie, Mediencluster und Mikrotechnik. Im Bereich der optischen Technologien liegt bereits ebenso wie in der Mikroelektronik ein hoher Grad an Passfähigkeit und Kooperation zwischen Industrie und öffentlicher Forschung vor. In den anderen genannten Bereichen brauchen wir noch die entsprechenden Forschungs- und Entwicklungspotentiale in Thüringen.
Unsere Forschungspolitik in Thüringen konzentriert sich auf vier Handlungsfelder:
Die Forschungsförderung folgt zwei Prioritäten:
Zum einen sollen bestehende Forschungsschwerpunkte, die insbesondere durch Förderungen in nationalen Programmen ausgewiesen sind, so ausgebaut werden, dass ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert ist. Zum anderen sollen innovative Projekte in den Schwerpunktfeldern kultureller und sozialer Wandel, Medien und Kommunikation, Gesundheitsforschung und Medizintechnik, Mikrobiologie und Biotechnologie, optische Technologien, Photonik, Mikro- und Nanotechnologien, Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Werkstoffe und Produktionstechnologien sowie Umwelt- und Energietechnik gefördert werden.
Meine Damen und Herren!
Bildungsland-Forschungsland-Kulturland-Zukunftsland
Dieses Begriffsquartett ist unsere Maxime.
Kreativität und Schöpfergeist – dieses Zukunftspotential liefert uns die Kultur.
Bildung wiederum ist Aneignung von Kultur und Welt als Voraussetzung, sich darin bewegen und diese weiterentwickeln zu können. Wissenschaft erforscht die Welt, um sie besser zu verstehen. Die Grundlagenforschung will die Welt erkennen, die angewandte Forschung will die Welt gestalten.
Als Kultusminister diese Zukunftsfelder bearbeiten zu dürfen ist eine faszinierende Aufgabe. Es ist Arbeit für die Menschen. Und es ist Arbeit für die Zukunft.