
Überblick
Im Gegensatz zu den Unterlagen des Liegenschaftskatasters, die zur Besteuerung der Grundstücke und zum sicheren Nachweis ihrer Grenzen aufgestellt wurden, finden sich die Wurzeln der Landesvermessung einerseits im militärischen Bereich, wo zuverlässige und aktuelle Karten oftmals entscheidende Vorteile brachten, andererseits in Forschung und Wissenschaft, in denen es die Aufgabe der Geodäsie (Erdvermessung) ist, die Figur der Erde möglichst genau zu beschreiben.
Die Aufgaben, die heute den Tätigkeitsbereich der Landesvermessung umfassen, wurden im Thüringer Vermessungs- und Geoinformationsgesetz (ThürVermGeoG) vom 16. Dezember 2008 durch den Gesetzgeber festgelegt. Dem Landesamt für Vermessung und Geoinformation (TLVermGeo) ist hierbei die Position als Obere Vermesssungsbehörde und damit die operative Zuständigkeit für alle Bereiche der Landesvermessung im Freistaat Thüringen zugewiesen worden. Dieses umfasst insbesondere die Einrichtung und Unterhaltung des amtlichen Raumbezugs sowie die Ermittlung und aktuelle Fortführung geotopographischer Informationen durch fachneutrale Beschreibung von Form und Bedeckung der Erdoberfläche.
Um die gestellten Aufgaben erfüllen zu können und den vielfältigen Nutzern (u. a. Verwaltung, Wirtschaft, Umwelt- und Naturschutz sowie Wissenschaft) für deren Anforderungen möglichst optimal angepasste Produkte liefern zu können, bedient sich das TLVermGeo modernster unterschiedlicher Vermessungsverfahren (z. B. terrestrische bzw. Satellitenvermessung, Luftbildauswertung, Laserscanning) und einer entsprechenden Weiterverarbeitung. Digitale Verfahren haben dabei die früher übliche manuelle Bearbeitungsweise abgelöst und ermöglichen es, die Veränderungen in der Landschaft zeitnah, vollständig und genau in den Bestand der Geobasisdaten zu übernehmen.
Die im Zuge der Landesvermessung erstellten Produkte sind für sich im einzelnen nutzbar, sie bauen aber auch aufeinander auf. Die Lage-, Höhen- und Schwerenetze, die in einheitlichen Bezugssystemen bestimmt sind, bilden die Geodätischen Grundlagen und mit ihren Festpunkten den Rahmen für das Liegenschaftskataster und die Geotopographie. Das Satellitenpositionierungssystem SAPOS stellt dabei die modernste und schnellste Form der Realisierung eines hochgenauen Bezugssystems dar.
Die Ergebnisse der topographischen Landesaufnahme werden digital im Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystem ATKIS geführt. Dabei wird die Lagesituation durch Digitale Landschaftsmodelle, die Höhen durch Digitale Geländemodelle dargestellt.
Um einen möglichst umfassenden Überblick über die Veränderungen der Landschaft zu bekommen, die eine Laufendhaltung der Datenbestände notwendig machen, werden regelmäßig Befliegungen des Landesgebietes in Auftrag gegeben und danach ausgewertet. Die so entstandenen Luftbilder und ihre Folgeprodukte werden im Landesluftbildarchiv gesammelt und sind auch aus historischer Sicht von großem Interesse.
Alle diese einzelnen Bestandteile werden schließlich benötigt, um daraus das auch für den privaten Nutzer immer noch bekannteste und am weitesten verbreitete Produkt, die Topographischen Karten, zu erstellen. Diese werden in verschiedenen Maßstäben landesweit bearbeitet und angeboten, darüber hinaus aber auch in Sonderformen (z. B. als Wanderkarten oder als CD) bereitgestellt. Letztlich bieten historische topographische Karten dem geschichtlich Interessierten einen interessanten Einblick, wie sich die Landschaft in Thüringen früher darstellte.