Die Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Schuelerarbeit
Schuelerarbeit

Inhalt

Schülerarbeit

Seminarfacharbeiten

Wer zum Thema DDR bzw. Stasi arbeiten will, erhält vielfältige Unterstützung (als Außenbetreuer):

  • Fachliteratur
  • Zeitzeugen-Kontakte
  • Stasi-Quellen

Die Quellen-Zeitzeugen-Methode als doppelter Zugang zur DDR-Geschichte

Was für die Groß-Eltern-Generation erlebte Geschichte war, ist für die Schüler-Generation erfahrungsferne Vergangenheit. Damit die heutigen Schüler aus der Geschichte ihrer Vorfahren lernen, empfiehlt sich der doppelte Zugang zu dieser Vergangenheit durch Quellenkritik der amtlichen DDR-Akten und durch Befragung der Zeitzeugen in folgenden (möglichen) Arbeitsschritten:

1. Vorbereitung im Schulunterricht
Entsprechend der Lehrplaninhalte bzw. Sachbereiche sollte der Fachlehrer (Geschichte, Sozialkunde, auch fächerübergreifend mit Deutsch, Religion und Ethik) eine theoretische Einführung zum politischen und Rechtssystem der DDR geben.

2. Einführung in das Quellen-Zeitzeugen-Projekt
Der Mitarbeiter der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (siehe Kontakt) informiert über die Herrschaftsfunktion des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Er erläutert die geheimpolizeilichen Methoden der Machtsicherung und führt in den quellenkritischen Umgang mit Täter und Opferakten des MfS ein. Diese Einführung kann in der Schule erfolgen.

3. Aufsuchen außerschulischer Lernorte
Das Projekt selber sollte aber außerschulisch (in Erfurt, Gera oder Suhl) durchgeführt werden, um zwei Lernorte besser nutzen zu können:

  • Besuch der Stasi-Aufarbeitungs-Behörde
    Eine Führung durch Kartei und Archiv der Staatssicherheit in Erfurt, Gera oder Suhl verdeutlicht die Funktion des „Schildes und Schwertes der Partei“ zum Machterhalt des SED-Staates.
  • Besichtigung einer Stasi-Untersuchungshaft
    Eine Führung durch den historischen Ort der Geständniserpressung in Erfurt oder Gera (eventuell mit einem Zeitzeugen) ergänzt das Quellenstudium.

4. Begleitung des Quellenstudiums und Vorbereitung der Zeitzeugenbefragung
Schüler analysieren in Kleingruppen vorbereitete MfS-Akten, um den Herrschaftsblick der untergegangenen DDR auf den/die Zeitzeugen nachzulesen und die Fragen an der/die Zeitzeugen vorzubereiten.

5. Die Auswertung bzw. Präsentation des Projekts erfolgt in der Schule.
Durch die Arbeit mit administrativen Originaltexten der DDR, besonders mit „Täter und Opferakten‘‘ des MfS lernen die Schüler den funktionalen Blick eines Herrschaftsorgans auf seiner Bürger kennen. Anschließend können sie ihr Aktenwissen im Zeitzeugengespräch kritisch hinterfragen und erhalten beispielhaft einen Eindruck von den Lebensumständen ihrer Groß-Eltern-Generation. So können sich die Heranwachsenden an deren Lebensalltag in einem geschlossenen Gesellschaftssystem herantasten. „Ganz nebenbei“ praktizieren sie den kritischen Umgang mit Primärquellen. Die Schüler haben den Lernerfolg, sich diese doppelte Erkenntnis selbst erarbeitet zu haben:

  • Uta, 11. Klasse, Jena: „Ich finde, es hat sich absolut gelohnt, die Zeit in die Vorbereitung zu stecken und das Projekt durch zu führen, denn meiner Meinung nach kann man das, was wir in den 4 Stunden erfahren haben, in keinem Geschichtsunterricht so vermitteln. Denn das ist alles Theorie, aber wir hatten die Möglichkeit, es live zu erleben.“
  • Christiane, 11 . Klasse, Jena: „Ich fühlte mich der DDR und meinen Eltern, die dort lebten, ein Stück näher. Geschichte wurde Realität.“
  • Luise und Karoline, 11. Klasse, Jena: „Das Projekt hat uns von Anfang an begeistert, weil man eine Person aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven kennen gelernt hat.“
  • Ivonne, Regelschule, 10. Klasse, Erfurt: „Ich habe viel über das Zeitzeugengespräch nachgedacht und wie die Häftlinge wohl in der Untersuchungshaft gelebt haben.“
  • Max, Regelschule, 10. Klasse, Erfurt: „Nachdenklich hat mich die Geschichte von Maik S... gemacht. Besonders, dass er damals so mutig war und so offen vor uns darüber geredet hat.“
  •  Manuel, 11. Klasse, Jena: „Hochinteressant waren die Emotionen zwischen den Befragten und der Verdrängungseffekt. ( ... ) So hat man gemerkt, dass das Gespräch etwas Einzigartiges war.“

Ansprechpartner:
Dr. Matthias Wanitschke
Tel.: 0361 37-71958
wanitschke{at}tlstu.thueringen{punkt}de