Freistaat Thüringen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz

Inhalt

Bericht zur Bienengesundheit 2004

In Thüringen leben 16.510 Bienenvölker.

In Thüringen waren im Jahr 2004 bei der Tierseuchenkasse 1.851 Imker (Bestände) und 16.510 Bienenvölker gemeldet. Im Thüringer Imkerverband waren zum 31.Dezember vergangenen Jahres 1.825 Imker mit 16.195 Bienenvölkern organisiert. Gegenüber den zurückliegenden Jahren bedeutet dies einen weiteren Rückgang der Bienenvölker in Thüringen.
Nach wie vor haben die Varroatose und die Amerikanische Faulbrut die größte Bedeutung in der Bienenwirtschaft. Andere Erkrankungen und Schädlinge treten nur sporadisch auf und sind meist eine Folge mangelnder Hygiene auf den Bienenständen.

Neue gesetzliche Regelungen

Eine neuerliche internationale Gefahr für die Imkerei erwächst aus dem sich in den USA, Kanada und Australien ausbreitenden Kleinen Bienenbeutenkäfer (Aethina tumida) und der Tropilaelaps-Milbe. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft trägt dem Rechnung durch Aufnahme beider Parasitosen in die Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen vom 3.11.2004 (BGBl. I S. 2764) sowie in der Bekanntmachung der Neufassung der Bienenseuchen-Verordnung vom 3.11.2004 (BGBl. I S. 2738). Beide Parasiten wurden in Deutschland bisher nicht nachgewiesen.
Mit der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen vom 3.11.2004 (BGBl. I S. 2738) entfällt die Anzeigepflicht für die Milbenseuche.

Varroatose

Die Varroatose wird hervorgerufen durch die Milbe Varroa jacobsoni und verursacht auf Grund ihrer nachhaltigen Schäden an der Bienenbrut seit Jahren erhebliche Verluste in der Bienenwirtschaft. In Thüringen kann davon ausgegangen werden, dass der Parasit auf allen Bienenständen vorkommt.
Die infolge der Varroatose auftretenden Sekundärinfektionen mit Pilzen und Viren gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bei den Pilzinfektionen ist es der Erreger der Kalkbrut und bei den Viren sind zu nennen das Sackbrut-Virus (SBV), das akute Paralyse-Virus (APV), das langsame Paralyse-Virus (SPV) und von besonderer Wichtigkeit das deformierende Flügel-Virus (DWV). Bei starkem Milbenbefall erhöht sich das Risiko einer Virusinfektion.
Gezielte imkerliche-biologische Massnahmen, unterstützt durch den Einsatz zugelassener Medikamente, können bei konsequenter Anwendung ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit bewirken, wodurch sich die wirtschaftlichen Schäden (Bienenverluste, Honigertragsausfall) in Grenzen halten.
Die Gefahr einer zunehmenden Belastung von Bienenprodukten mit Wirkstoffen synthetischer Varroabekämpfungsmittel und das Auftreten einer erhöhten Resistenz gegen diese Wirkstoffe erfordert weltweit die Suche nach alternativen Bekämpfungsmöglichkeiten.
Gegenwärtig sind in Deutschland zur Bekämpfung der Varroatose die folgenden Medikamente zugelassen:
1. Varroacid 60 im Verdunster (WDT eG)
2. Ameisensäure (60%)® im Verdunster (Serumwerk Bernburg)
3. Milchsäure 15 % ad us vet.
4. Illertisser Milbenplatte®
5. Bayvarol® (Bayer AG)
6. Perizin® (Bayer AG)
7. Apiguard® (VITA)

Als Mittel der Wahl für ein integriertes Bekämpfungsverfahren gegen die Varroatose eignet sich eine Kombination zwischen alternativen medikamentösen Bekämpfungsverfahren, auf der Grundlage von als Arzneimittel zugelassenen organischen Säuren, und der Verwendung eines zugelassenen Akarizides (Anlage 1) in Verbindung mit der Anwendung geeigneter imkerlicher Maßnahmen.

Geeignete Betriebsweisen im Rahmen des integrierten Varroa- Bekämpfungskonzeptes sind:
· Ausschneiden der Drohnenbrut (als Bestandteil aller gängigen Betriebsweisen)
· Einmalige Entnahme der gesamten verdeckelten Brut zur Ablegerbildung
· Bildung von Kunstschwärmen

Amerikanische Faulbrut

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) hervorgerufen durch das Bakterium Paenibacillus larvae subsp. larvae ist eine von Imkern besonders gefürchtete anzeigepflichtige Tierseuche der Bienen.
Das Auftreten der AFB in den Beständen schwankte in den letzten 8 Jahren zwischen 0,3% 2001 und 1.2 % im Jahr 1998. Die AFB wurde 2004 in 7 der 16.510 Bienenvölker, d.h. in 0,4 % der Bestände Thüringens amtstierärztlich festgestellt.
Das seit 1997 erhöhte Auftreten der AFB in ganz Deutschland, ebenso in Thüringen erforderte ein Umdenken und eine neue Strategie der Diagnostik und Bekämpfung dieser Erkrankung.
Gemäß §3 der BSVO und auf der Grundlage der Regelungen zur Tierseuchenüberwachung in Thüringen werden seit 1998 im Rahmen von flächendeckenden Monitorings Futterhonigproben aus Bienenbeständen auf den Erreger der AFB untersucht. In den vergangenen sieben Jahren wurden insgesamt 4.859 Futterhonigproben in den Imkereien untersucht.
Die Ergebnisse der Untersuchungen von Futterhonigproben auf Paenibacillus larvae subsp. larvae im Jahr 2004 auf Kreisebene sind in Anlage 2 zusammengefasst. Der Anteil der Futterhonigproben in Kategorie 0 (keine Faulbrutsporen nachweisbar) betrug 2004 87,3 % und hat sich gegenüber den zurückliegenden Jahren erhöht.
Die Ergebnisse der Untersuchungen von Beständen mit Nachweis von Paenibacillus larvae subsp. larvae zeigt die Anlage 3. Der Anteil freier Bestände ist gegenüber den letzten beiden Jahren weiter auf 91,1% angestiegen.

Mit der Einführung eines landesweiten diagnostischen Futterhonigproben- Monitorings zur frühzeitigen Feststellung der Erkrankung konnte durch gezielte amtstierärztliche Bekämpfungsmassnahmen unter Einbeziehung von Bienensachverständigen die AFB auf
0,4 % der Bienenbestände im Jahr 2004 zurückgedrängt werden.

Schlußfolgerungen:

1. 2005 gilt es die Thüringer Imkerschaft über die aktuellen Gesetzesänderungen umfassend zu informieren.

2. Die Untersuchungen mittels Futterhonigproben stellen eine geeignete Methode zur
frühzeitigen Erkennung einer Gefährdung durch die AFB dar. Dadurch ist eine schnelle Aufhebung seuchenrechtlicher Massnahmen und eine rasche Abklärung von Mischinfektionen möglich.

3. Mit dem frühzeitigen Nachweis des Erregers im Bestand (noch vor dem Auftreten erster klinischer Erkrankungen) können umgehend eingeleitete Bekämpfungsmassnahmen(z.B. Kunstschwarm- und Umhängeverfahren) zu einer Erregerverdünnung oder auch Tilgung des Erregers im Bestand führen. Auf diese Weise kann wesentlich zur Gesunderhaltung der Bienenvölker beigetragen werden.

4. Die erfolgreiche Zurückdrängung der Varroatose gelingt nur bei einer kosequenten umsetzung des integrierten Varroatose- Bekämpfungsmanagements durch die Imker.

Kontakt:
Tel.: 03603/817158
Fax: 03603/817106
l.hoffmann[at]tllv.thueringen[punkt]de

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