
Allgemeines
Das Arbeitsgebiet Innenraumluft beinhaltet Untersuchungen der Innenraumluft von öffentlichen Einrichtungen, Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnungen, die Erstellung von Gutachten und die Durchführung von Beratungen für Gesundheitsämter, andere Behörden und für private Personen, die sich mit ihren Problemen an das Gesundheitsamt zur Bewertung von Gesundheitsgefahren wenden.
Qualitätsbeeinträchtigungen der Raumluft können sich bei den Raumnutzern z. B. durch Reizerscheinungen an Augen, Haut und Atemwegen, häufige Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein sowie Geruchsbelästigungen bemerkbar machen. Plötzlich auftretende ölig-schmierige bzw. schwarz-graue Ablagerungen auf Wänden und Einrichtungsgegenständen, nahezu ausschließlich in der Heizperiode sind gleichfalls auf belastete Raumluft zurückführbar.
Raumluftbelastungen können nach Sanierung von Gebäuden, Renovierung von Räumen, Aufstellen von neuen Möbeln und Einrichtungsgegenständen, Neuverlegung von Fußbodenbelägen sowie auch durch Aktivitäten der Raumnutzer wie z. B. Heimwerkertätigkeit und Hobbyausübung auftreten. Schimmelpilzbefall in Form von sichtbarem und verdecktem Befall kann die Raumluftqualität ebenfalls beeinträchtigen.
Probenahme
Für die notwendigen Vor-Ort-Luftprobenahmen wird mit dem Auftraggeber ein Termin abgestimmt. Gleichzeitig wird über die für die Probenahmen erforderlichen Raumlüftungs- und Heizungsbedingungen informiert.
Das Untersuchungsspektrum für Innenraumluftbelastungen gliedert sich in chemische und mikrobiologische Raumluftkontaminanten:
Chemische Raumluftkontaminanten
In dem beanstandeten Raum sind aktive und passive Probenahmen als Schadstoffanreicherungsproben aus der Luft auf Adsorbermaterial bzw. Absorptionslösungen sowie Materialprobeentnahmen möglich.
Nach entsprechender Probenvorbereitung bestehen Untersuchungsmöglichkeiten für folgende Substanzgruppen:
flüchtige und schwerflüchtige organische Verbindungen wie z. B. Alkane, Aromaten, Aldehyde, Ketone, Alkohole, Ester, Terpene, Glykolverbindungen, chlororganische Verbindungen;
anorganische Verbindungen (z. B. Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickoxide);
biozide Wirkstoffe in Hausstaubproben aus früheren Schädlingsbekämpfungs- und Holzschutzmittelanwendungen in Innenräumen, die in dem jeweiligen Verdachtsraum gesammelt worden sind.
Ist eine Identifizierung von Quellen für Innenraumluftbelastungen notwendig, können ggf. Materialproben untersucht und mit den Ergebnissen der Raumluftuntersuchungen verglichen werden.
Mikrobiologische Raumluftkontaminanten
Die betroffenen Räume werden besichtigt und ein Begehungsprotokoll wird erstellt. In dem Protokoll werden wichtige Angaben z. B. Temperatur und Feuchtigkeit im Raum, Nutzung des Raumes sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen der Raumnutzer festgehalten.
Untersuchung durch Luftkeimsammlungen (Kurzzeitmessung):
In dem von sichtbarem oder verdecktem Schimmelpilzbefall betroffenen Raum bzw. Gebäude werden definierte Luftvolumina angesaugt und über geeignete Nährböden geleitet. Dabei gelangen luftgetragene Schimmelpilzsporen auf die Nährböden. Die Nährböden werden mehrere Tage bebrütet, um kultivierbare Schimmelpilzarten anzuzüchten. Dadurch ist sowohl die Ermittlung der Gesamtkoloniezahl als Berechnungsgrundlage für die Luftkeimbelastung pro Kubikmeter als auch eine Differenzierung der einzelnen vorhandenen Schimmelpilzarten möglich.
Die gleiche Untersuchung wird in der Außenluft in Gebäudenähe durchgeführt.
Durch Vergleich beider Messergebnisse kann eine Schimmelpilzquelle im Innenraum festgestellt werden. Sie ist dann zu vermuten, wenn die Gesamtkoloniezahl der Schimmelpilze im Innenraum deutlich über der in der Außenluft liegt und/oder das ermittelte Artenspektrum im Innenraum deutlich von dem der Außenluft abweicht.
Untersuchung durch Oberflächenkontaktproben:
Liegt sichtbarer Schimmelpilzbefall vor, werden ergänzend zu den Luftkeimsammlungen von dem befallenen Material wie z. B. Tapete, Putz oder Dämmmaterialien Oberflächenkontaktproben genommen. Das kann durch Abklatschproben, Tupferwischproben und Klebefilmpräparate erfolgen.
Oberflächenkontaktproben liefern Hinweise auf die eigentliche Lokalisation der Schimmelpilzquelle und ermöglichen durch Bestimmung der vorkommenden Schimmelpilzarten eine klare Abgrenzung des Artenspektrums im Innenraum von dem der Außenluft. Außerdem können Sporen mit geringem Flugvermögen erfasst werden, die der Luftkeimsammlung nur bedingt zugänglich sind.
Bei einer Abklatschprobe wird ein geeignetes Nährmedium gegen die Befallsfläche gedrückt und nach Abschluß der Kultivierung ausgewertet.
Die Tupferwischprobenahme erfolgt durch Wischen mit einem sterilen Tupfer über die Befallsfläche. Sie bietet den Vorteil, dass das Material einer Probe auf mehreren verschiedenen Nährmedien angelegt werden kann. Damit kann den unterschiedlichen Wachstumsansprüchen verschiedener Schimmelpilzarten entsprochen werden.
Das Klebefilmpräparat wird durch Überführen der Schimmelpilze von befallenem Material auf eine durchsichtige Klebefolie erhalten. Die Auswertung erfolgt mikroskopisch. Wird in dem Präparat Myzel (Pilzgeflecht) festgestellt, so ist das als Nachweis für Schimmelpilzwachstum auf dem beprobten Material zu werten.
Erstellung von Gutachten Die Untersuchungsergebnisse und ihre gesundheitliche Bewertung werden in Gutachten dokumentiert.
Zur Bewertung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Risiken werden Richtwerte der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes sowie Durchschnittswerte aus verschiedenen Studien herangezogen.
Kontakt/Dezernatsleiter Umwelthygiene
Dr. Konrad Hahn
Tennstedter Str. 8/9
99947 Bad Langensalza
0361 37743320
0361 37743032
Medizinaluntersuchung