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Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten Maßnahmen der Prävention im Ge-sundheitswesen.
Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, den Geimpften vor einer Krankheit zu schützen. Bei Erreichen hoher Durchimpfungsraten (> 90 %) ist es möglich, einzelne Krankheitserreger regional zu eliminieren und schließlich weltweit auszurotten.
Um diese Ziele zu erreichen, hat das Europäische Regionalbüro der WHO ein erweitertes Impfprogramm verabschiedet. Die Europäischen Mitgliedsstaaten der WHO haben sich das Ziel gesetzt, die Masern und die Erkrankung von Neugeborenen an Tetanus zu eliminieren. Bis 2010 soll dies auch für Diphtherie, Haemophilus influenzae b, Keuchhusten, Mumps (jeweils < 1 Erkrankung/100.000 Ew.) und angeborene Röteln erreicht werden. Hepatitis B-Virusträger sollen um 80 % reduziert werden.
In Thüringen werden die gewünschten Durchimpfungsraten bei Keuchhusten (Inzidenzen 2001 - 2006 noch zwischen 1,3-25,8 Erkrankungen/100.000 Ew.) und Hepatitis B (Wiederanstieg der Erkrankungen seit 2004) noch nicht erreicht. Für die anderen impfpräventablen Erkrankungen sind diese Ziele seit Jahren erreicht.
Ein großer Erfolg bei der Umsetzung des Impfprogramms der WHO war die Zertifizierung des „Nicht mehr Auftretens“ von Kinderlähmung in der europäischen Region ab Juni 2002. Die weltweite Eradikation sollte ursprünglich bis 2005 erreicht werden, wurde jetzt bis 2008 verlängert.
Die Bundesregierung hat wiederholt die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung betont. Um erhöhte Durchimpfungsraten der Bevölkerung zu erreichen, ist eine breit angelegte und kontinuierliche Aufklärungsarbeit notwen-dig. Diese Forderungen werden auch vom Robert-Koch-Institut unterstützt. Insbesondere soll für alle durch die STIKO empfohlenen Impfungen geworben werden, um die erforderliche Impfakzeptanz zu schaffen.
Auch Thüringen muss zur Verwirklichung dieser Ziele weiterhin seinen Beitrag leisten.
Die Bedeutung hoher Durchimpfungsraten für den individuellen Schutz und den Schutz der Gesamtbevölkerung muss breiten Bevölkerungskreisen verständlich gemacht werden. Dabei müssen insbesondere auch jene erreicht werden, die über längere Zeit keinen oder nur sehr selten einen Arzt aufsuchen.
Die Situation in Thüringen verdeutlicht, dass auch ohne Impfpflicht hohe Durchimpfungsraten zu erreichen sind, wenn die Koordination der mit Impfungen befassten Bereiche funktioniert. Es ist davon auszugehen, dass die aufgezeigten Probleme in den nächsten Jahren zu überwinden sind und auch für die neu eingeführten Impfungen gute Durchimpfungsraten erreicht werden können. Dies sind die Impfungen gegen Humanes Papillomavirus (HPV), Pneumokokken und Meningokokken-C im Kleinkindalter.
Unterstützend wirkt sich dabei aus, dass das umfangreiche Weiterbildungsangebot zu Schutzimpfungen von den Thüringer Ärzten zunehmend genutzt wird und zunehmend mehr Ärzte Impfungen in ihr Leistungsangebot aufnehmen.
Um die Möglichkeiten der Krankheitsprävention durch Impfungen auch weiterhin optimal zu gestalten, wurde Ende 2006 der Arbeitskreis Impfen des Freistaates Thüringen gegründet.
Für eine erfolgreiche Impfprävention müssen kontinuierlich valide und belastbare Daten zur Erkrankungshäufigkeit, Seroprävalenz, Durchimpfungsraten und Impfkomplikationen erhoben werden sowie bestehende Impfprogramme regelmäßig evaluiert werden.
Für Thüringen liegen Auswertungen der kinder- und jugendärztlichen Untersuchungen des ÖGD für 7 aufeinander folgende Schuljahre von 1997/98 bis 2006 vor. Damit besteht ein nahezu lückenloser Überblick über die Durchimpfungsraten in Thüringen. Insgesamt konnten in diesem Zeitraum die Durchimpfungsraten bei den Kindern und Jugendlichen ganz wesentlich verbessert werden.
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung bestehen noch einige Probleme, auf die besonders geachtet werden muss.
Die Impfungen im Kleinkindalter sollten fristgerecht im 2. Lebensjahr abgeschlossen werden, um Impflücken zu vermeiden und Impftermine zu reduzieren, sind konsequent die modernen Kombinationsimpfstoffe wie 6-fach und MMR zu verabreichen. Bei der Pertussis-Impfung ist zu beachten, dass nur bei 4-maliger Impfung im Kleinkindalter ein Langzeitschutz bis ins Jugendalter gewährleistetet ist.
Spätestens vor Aufnahme in eine Kindereinrichtung und vor der Einschulung sollte der Impfschutz überprüft werden.
Bei Kindern, die um die „Wendezeit“ geboren wurden, bestehen z. T. noch Impflücken bei verschiedenen Impfungen. Bei den über 13-jährigen Kindern sollte geprüft werden, ob sie bereits 2 Mumps- und Röteln-Impfungen haben da diese Impfstoffe in der DDR nicht verfügbar waren.
Weiter verbessert werden sollte die Hepatitis B-Grundimmunisierung bei Jugendlichen. Die Qualifizierung weiterer Fachärzte, wie z. B. Gynäkologen, Dermatologen, HNO-Ärzte auf dem Gebiet der Schutzimpfungen, die auch von Jugendlichen aufgesucht werden, die noch keinen Hausarzt haben, wird sicher zu einer Verbesserung führen. Zusätzlich bleibt aber auch eine bessere Einbindung des Themas Schutzimpfungen in den Schulunterricht notwendig.
Mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss auch den Auffrischimpfungen im Erwachsenenalter. Während für die Diphtherie- und Tetanus-Impfung bei den Kindern und Jugendlichen in allen Altersgruppen hohe Durchimpfungsraten erreicht werden, macht sich bei den Erwachsenen eine zunehmende Impflücke bemerkbar.