Freistaat Thüringen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz

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Häufig gestellte Fragen zu Zecken

Quelle: Baxter

1. Bertram L., Blankenhain: Meine Frau und ich, beide im Rentenalter, halten uns sehr oft in der freien Natur auf. Wir wandern gerne und sind ausgesprochen passionierte „Pilzjäger“. Hin und wieder haben wir uns bei unseren Steifzügen durch die Natur auch Zeckenstiche zugezogen. Uns war bisher nicht bewußt, dass durch diese Blutsauger so gefährliche Krankheiten übertragen werden können. Wie können wir uns am besten schützen?

Gegen eine dieser gefährlichen Krankheiten, die durch Zecken übertragene virusbedingte Hirnhautentzündung, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), schützt nur eine rechtzeitig durchgeführte Schutzimpfung, denn zur Behandlung der FSME-Erkrankung steht keine gezielte antivirale Therapie zur Verfügung. Schwere Verlaufsformen führen zu Lähmungen und bleibenden Schäden; bei ca. 2 % der Patienten kann die FSME-Erkrankung sogar einen tödlichen Verlauf nehmen.
Gegen die Borreliose, eine schwerwiegende bakterielle Infektion, die ebenfalls durch Zecken übertragen wird und unbehandelt zu schweren neurologischen Schädigungen und chronischen Gelenkentzündungen führen kann, gibt es derzeit keine Schutzimpfung. Daher ist es notwendig, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn man nach einem Zeckenstich eine Hautveränderung (ringförmige Rötung der Haut um die Einstichstelle, die sog. Wanderröte) bemerkt. Eine gezielte frühzeitige Antibiotikatherapie hilft, die Borreliose zu beherrschen.
Zweckmäßige helle und geschlossene Kleidung, die Anwendung von Zeckenschutzmitteln (Repellentien) auf der unbedeckten Haut und das Meiden von Orten, in denen sich die Blutsauger bevorzugt aufhalten (hohes Gras, Büsche, Strauchwerk bis 1,5 m Höhe) bieten bedingt Schutz vor Zeckenstichen.
Wichtig ist in jedem Fall, die Zecke sofort sachgerecht zu entfernen!

2. Kirsten S., Erfurt: Wie schnell kann eine Zecke ihre Krankheitserreger übertragen?

Bereits zu Beginn des Blutsaugens können FSME-Viren, die in der Speicheldrüse der Parasiten vorkommen, übertragen werden. Daher ist auch durch ein schnelles Entfernen der Zecke kein sicherer Schutz gegen eine FSME-Erkrankung zu erreichen.
Die im Darmtrakt der Parasiten vorkommenden Borrelien werden dagegen erst nach längerer Saugdauer (12 bis 24 Stunden nach erfolgtem Stich) auf den Wirt übertragen; daher kommt der Empfehlung des Absuchens des Körpers nach einem Aufenthalt in der Natur und einer schnellen Entfernung der Zecke in diesem Fall große Bedeutung zu.

3. Bianca F., Artern: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich eine Zecke auf der Haut bemerke. Stimmt es, dass man keine „Hausmittel“ (Öl, Alkohol, Nagellack) einsetzen soll, um eine Zecke leichter von der Haut zu entfernen?

Zunächst ist es wichtig, eine Zecke so schnell wie möglich zu entfernen ohne jedoch in Panik zu verfallen. Die Zecke soll so nah wie möglich an der Haut gepackt (mit einer Pinzette oder den Fingernägeln) und mit einer geraden Bewegung aus der Haut herausgezogen werden. Beim Entfernen der Zecke darf man den Zeckenkörper nicht quetschen, sonst könnten vermehrt Erreger in den Wirt (z.B. Mensch) eingetragen werden. Aus diesem Grunde muss auch auf den Einsatz von Hausmitteln (wie Öl, Klebstoff) zum Ersticken der Zecke verzichtet werden, da während des „Todeskampfes“ durch die Zecke noch vermehrt Erreger abgegeben werden.

4. Erich W., Ilmenau: Wie wird gegen FSME geimpft, wer übernimmt die Kosten, und wielange hält der Impfschutz vor?

Eine Grundimmunisierung besteht aus drei Injektionen. Die ersten beiden erfolgen in einem zeitlichen Anstand von 1 bis 3 Monaten; die dritte Injektion wird nach 9 bis 12 Monaten ver-abreicht. Ein frühstmöglicher Impfschutz ist etwa 2 Wochen nach der zweiten Teilimpfung zu erwarten. Der Impfschutz nach vollständiger Grundimmunisierung (3 Injektionen) hält ca. 3 bis 5 Jahre an und kann dann mit einer Auffrischimpfung (1 Injektion) verlängert werden, für weitere 3 bis 5 Jahre.
Die Kosten für die Schutzimpfung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für alle Risikogebiete inner- halb Deutschlands; für Reisen in Risikogebiete außerhalb Deutschlands ist die Impfung als Reiseimpfung dagegen selbst zu bezahlen.
Selbstverständlich erhalten auch alle Personen, die berufsbedingt einem FSME-Risiko ausgesetzt sind (z.B: Förster, Waldarbeiter, Landwirte) die Impfung gegen FSME. Die Kosten werden dann durch den Arbeitgeber getragen!

5. Susanne Z., Stadtilm: Aus der Presse war zu erfahren, dass es gegenwärtig in Thüringen drei Risiokgebiete für das FSME-Virus gibt; können im Laufe der Zeit neue Risikogebiete hinzukommen? Wer deklariert solche Risikogebiete?

Die Risikogebiete, in denen mit FSME-Viren infizierte Zecken zu erwarten sind, werden durch das Robert Koch-Institut anhand eingehender epidemiologischer Daten festgelegt. In Thüringen sind derzeit 3 Risikogebiete bekannt: der Saale-Orla-Kreis, der Saale-Holzlandkreis und der Landkreis Hildburghausen. Durch die ablaufenden klimatischen Veränderungen (globale Erwärmung) und den damit zwangsläufig verbundenen günstigeren Voraussetzungen für die Aktivitäten der Zecken ist mit einer Zunahme bzw. Ausdehnung der Risikogebiete zu rechnen.

6. Antje M., Weimar: Mein Sohn ist knapp zwei Jahre alt. Wir planen im August einen Urlaub auf einem Wochenendgrundstück. Leider ist dieses Grundstück in einer als Risikogebiet für FSME ausgewiesenen Region (Saale-Orla-Kreis) gelegen. Meine Kinderärztin empfahl eine rechtzeitige Schutzimpfung gegen FSME für meinen Sohn. Ich habe Bedenken wegen der Verträglichkeit des Impfstoffes für ein Kleinkind. Sind Nebenwirkungen zu befürchten? Und wie kann ich mein Kind vor Zeckenstichen schützen?

Eine Impfung gegen FSME ist für Kinder ab dem 1. Lebensjahr möglich. Mittlerweile sind die Kinderimpfstoffe so weiterentwickelt, dass sie bereits von Kleinkindern sehr gut vertragen werden. Gelegentlich können Nebenwirkungen, insbesondere Fieberreaktionen auftreten, die jedoch rasch wieder abklingen. Man sollte jedoch immer vor Augen haben, dass nur die Impfung einen sicheren Schutz vor FSME bietet.
Ein gewisser Schutz vor Zeckenstichen ist durch das Tragen von festem Schuhwerk und geschlossener, heller Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt (lange Ärmel, lange Hosenbeine), zu erreichen; Kleine Kinder sollte man zusätzlich mit einer Kopfbedeckung schützen. Hohes Gras, Gebüsch und Unterholz – Orte, an denen sich Zecken bevorzugt aufhalten – sollten nach Möglichkeit gemieden werden.
Wichtig ist, dass man das Kind nach dem Aufenthalt im Freien sorgfältig auf etwaigen Zeckenbefall absucht und im Falle eines Zeckenstichs genau auf Hautveränderungen an der Stichstelle innerhalb der nächsten vier Wochen achtet. Bei Verdacht auf eine Hautveränderung umgehend einen Arzt konsultieren!

7. Rolf S., Bad Langensalza: Welche Körperstellen werden bevorzugt von Zecken heimgesucht?

Zecken suchen nach einer für das Blutsaugen günstigen Körperstelle wie Kniekehle, Leisten- beuge, Achselhöhle oder Haaransatz. Solche Köperregionen sollten nach einem Aufenthalt im Freien besonders sorgfältig auf Zeckenbefall abgesucht werden.

8. Jens M., Hildburghausen: An meinem Hund habe ich des öfteren Zeckenbefall fest- stellen müssen. Ich habe die Zecken mit einer Zeckenzange entfernt. Geht von meinem Hund eine Ansteckungsgefahr für mich aus?

Nein, eine direkte Ansteckung mit FSME oder Borreliose von Haustier zu Mensch ist nicht möglich. Aber Ihr Hund könnte selbst erkranken. Sie sollten daher bei ihrem Vierbeiner auf Anzeichen wie ungewohnte Mattigkeit, hohes Fieber und Schwellungen an den Gelenken achten und das Tier dann sofort einem Tierarzt vorstellen.

9. Katharina K., Neudietendorf: Wo kann ich mich informieren, ob mein Urlaubsziel in einem FSME-Risikogebiet liegt?

Auskunft erhält man über das zuständige Gesundheitsamt, eine Apotheke oder nach einer zielgerichteten Internet-Recherche beim Robert Koch-Institut unter Externer Link www.rki.de


10. Martina H., Eisenberg: Wieviele Risokogebiete sind derzeit für Deutschland bekannt und für welche Länder in Europa wurde das FSME-Risiko als besondes hoch eingestuft?

Im Jahr 2004 wurden 90 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete eingestuft:
50 Kreise in Bayern
31 Kreise in Baden-Württemberg
5 Kreise in Hessen
3 Kreise in Thüringen (Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Landkreis Hildburghausen)
1 Kreis in Rheinland-Pfalz

In Europa haben folgende Länder ein besonders hohes FSME-Risiko: Russland, die Tschechische Republik, Litauen, Estland und Lettland.
Aber auch in Polen, Ungarn, Kroatien, Schweden, Finnland und der Slowakischen Republik ist das FSME-Risiko hoch.