Freistaat Thüringen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz

Inhalt

Infektionsrisiko Hantaviren

maus

Bei Arbeiten im Wald und bei Aktivitäten im Freien, die zum Kontakt mit Nagern und deren Ausscheidungen führen, besteht ein erhöhtes Risiko, sich mit Hantaviren zu infizieren. Auch die so genannten Nussjagden können eine Infektionsquelle darstellen.

  • Was sind Nussjagden?

Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt in Kooperation mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) rufen Kinder und Jugendliche in mehreren Bundesländern auf, unter anderem auch in Thüringen, in den Wäldern Nüsse mit Fraßspuren zu sammeln. Mit Hilfe dieser Nüsse soll das Verbreitungsgebiet der seltenen Haselmaus bestimmt werden.

  • Wo finden Nussjagden statt?

Die Nussjagden sollen außerhalb von Ortschaften in arten- und strukturreichen Gehölzen mit Haselnüssen durchgeführt werden. In diesen Habitaten können neben Haselmäusen auch Rötelmäuse und andere Nagetiere vorkommen.

  • Welche Gefahren können bei Nussjagden auftreten?

Rötelmäuse, Brandmäuse, Spitzmäuse und andere Kleinsäuger können Träger von Hantaviren sein. Für Haselmäuse, die zur Familie der Bilche gehören, ist bisher nicht bekannt, ob sie Überträger von Hantaviren sind. Sie bevorzugen aber die gleichen Lebensräume wie die Rötelmäuse, die insbesondere in Laubwäldern mit einem hohen Anteil von Buchen zu finden sind.
Infolgedessen besteht bei Nussjagden durch den Kontakt zu infizierten Nagetieren, deren Exkrementen oder kontaminierten Nüssen ein erhöhtes Infektionsrisiko für Hantaviren.

  • Wo kommen Hantaviren vor?

Hantaviren kommen in Thüringen vermutlich nicht überall gleich häufig vor. Aus der Verteilung der gemeldeten Hantaviruserkrankungen beim Menschen, lässt sich gegenwärtig ein erhöhtes Risiko für die Infektion in den Landkreisen Wartburgkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Eichsfeld, Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen ableiten. Die Häufigkeit der Erkrankungen variiert von Jahr zu Jahr abhängig von der Mäusepopulation und deren Durchseuchung. In besonders mäusereichen Jahren mit reichhaltigem Futterangebot und nach einem milden Winter ist die Infektionsgefahr am größten. Erkrankungen kommen das ganze Jahr über vor, am häufigsten aber von Mai bis September.

HantavirenKarteOkt2012
Erkrankungfälle durch Hantaviren 2012 in Thüringen
  • Wie werden Hantaviren übertragen?

Hantaviren werden von infizierten Rötelmäusen mit dem Urin, Kot und Speichel ausgeschieden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch Einatmen von durch Mäusekot kontaminiertem Staub, seltener oral oder durch Bisse der Nager. Nüsse können durch Speichel oder Ausscheidungen der Mäuse kontaminiert sein, so dass beim Aufsammeln die Gefahr besteht, mit Hantaviren in Kontakt zu kommen. Das Virus bleibt in der Umwelt mehrere Tage infektiös.

  • Welche klinischen Symptome treten bei Hantavirusinfektionen auf?

Hantavirusinfektionen verlaufen beim Menschen häufig ohne Krankheitserscheinungen, können aber auch zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen führen. Seltener verursachen sie Fieber mit Blutungen und Nierenversagen.

  • Welche Vorsichtsmaßnahmen können getroffen werden?

Eine vorbeugende Impfung und eine ursächliche Therapie der Hantavirusinfektion gibt es nicht. Der NABU Rheinland-Pfalz empfiehlt bei Nussjagden gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Hantavirusinfektionen überwiegend durch Einatmen erfolgen und sich durch Händewaschen nicht vollkommen vermeiden lassen. Das vom RKI beim Umgang mit toten Mäusen und Mäusekot empfohlene Tragen von Handschuhen und Atemschutzmasken ist bei Nussjagden mit Kindern kaum praktikabel.
Deshalb wird in Thüringen in Hochrisikogebieten, dies sind Laubwaldgebiete mit einem hohen Buchenanteil, von Nussjagden abgeraten. Dies betrifft zurzeit (Stand Oktober 2012) die westlichen Landkreise Wartburgkreis, Unstrut-Hainich-Kreis und das Eichsfeld sowie die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen.
Zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen bei Nussjagden sollten keine toten Tiere angefasst, beim Auffinden toter Nager die Suche sofort abgebrochen, keine Beeren gepflückt und ungewaschen gegessen sowie die Hände nach Beendigung der Suche und vor Mahlzeiten gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.  

Stand: Oktober 2012

 Informationsblatt zum Ausdrucken

Weitere Informationen: 
 Informationsseite des RKI über das Hantavirus
 Informationsseite des FLI über Hantaviruserkrankungen
 Informationsblatt der Charité Berlin über Prävention Hantavirus