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Potenzielle Erosionsgefahr auch in Thüringen
Wassererosion kann auch in Thüringen auf Grund der naturräumlichen Gegebenheiten sowie der zum Teil sehr großen landwirtschaftlichen Bewirtschaftungseinheiten und der damit verbundenen erosionswirksamen Hanglängen auftreten. In der Folge kommt es zu Bodenverlagerungen. Langfristig führt der Verlust von wertvollem Bodenmaterial zu irreversiblen Schädigungen.
Neben diesen mittel- und langfristig wirkenden Folgen können in erosionsgefährdeten Lagen insbesondere bei Starkniederschlagsereignissen große Schäden auch außerhalb der betroffenen Ackerflächen auftreten, die sowohl für die Landwirte aber auch für die Kommunen und deren Bürger katastrophale Folgen haben können. Im sehr niederschlagsreichen Jahr 2010 war insbesondere Nordthüringen schmerzlich betroffen.
Beeinträchtigung der Oberflächengewässer
Finden diese Erosionsprozesse in unmittelbarer Nähe von Gewässern statt, können sie zu einer übermäßigen Befrachtung der Gewässer mit Sedimenten und den an sie gebundenen Phosphorverbindungen führen. Durch die damit einhergehende Eutrophierung kann das ökologische Gleichgewicht der Gewässer gestört werden. Die Erreichung des guten ökologischen Zustands der Gewässer bis 2015 – wie er durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird – kann durch erosive Einträge aus Ackerflächen in Frage gestellt sein.
Um dennoch die anspruchsvollen europäischen Zielstellungen zu erreichen, sind zusätzliche Erosionsminderungsmaßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich erforderlich. Konservierende Bodenbearbeitung, Zwischenfrucht- und Untersaatenanbau sind in Thüringen zum Teil schon als gute fachliche Praxis etabliert. Einige dieser ackerbaulichen Maßnahmen, verbunden mit zusätzlichen Auflagen, werden im Rahmen des
Thüringer Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) seit 2008 in Gebieten mit besonderem Handlungsbedarf gefördert.
Verstärkter Stofftransport über erosive Fließbahnen
Oberflächenabfluss und Stofftransport von großen Ackerflächen finden in hohem Maße über sammelnde Abflussbahnen statt. Die Fotos zeigen typische Fließbahnen auf thüringischen Ackerstandorten (Fotos: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie).
Wegen des hohen Transportpotenzials ist Erosionsschutz an oder in Fließbahnen besonders wirksam bei Vorsorge und Gefahrenabwehr. Solche Maßnahmen können sein: Begrünung der Bahnen, Anlage von Rückhaltemulden, Heckenpflanzungen oder Gewässerrandstreifen am Auslauf der Fließbahnen oder Schutzdämme vor Ortslagen.
Landesweite Erfassung der Fließbahnen liegt vor
Um den Landwirtschaftsbetrieben die Möglichkeit zu geben, die Fließbahnen in ihr betriebliches Erosionsschutzmanagement zu integrieren, erfolgte eine landesweite Erfassung durch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Unter Anwendung von digitalen Landschafts- und Erosionsmodellen konnten die erosiven Fließbahnen für die landwirtschaftliche Nutzfläche Thüringens ermittelt, mit geographischen Informationssystemen aufbereitet und kartografisch dargestellt werden. Der Abgleich mit einer Luftbildaufnahme zeigt, dass mittels Modellierung eine gute Übereinstimung mit der Realität erreicht werden konnte.
(Fotos: © GeoBasisDE / TLVermGeo, Modellierung: TLUG).
Die digitalen Karten stehen jedem frei zur Verfügung, der sich ein Bild über die potenzielle Erosionsgefährdung seiner Betriebsflächen verschaffen möchte. Auf dieser Grundlage kann sich der Landwirt mit den kommunalen Entscheidungsträgern und den Behörden über zusätzliche Maßnahmen zum Erosionsschutz abstimmen.
Die Ergebnisse und weitere fachliche Hintergrundinformationen befinden sich auf den Seiten der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft unter: www.tll.de/mapdown/md_idx.htm.
Praktische Anwendung im Rahmen der Gewässerschutzkooperationen
Eine Anwendung dieser präzisierten Erosionsmodellierung wird aktuell (2010/11) vorrangig in der Gewässerschutzkooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft in Nordthüringen erprobt. Die Kooperation mit Landwirtschaftsbetrieben aus der Region zielt unter anderem auf ein verbessertes betriebliches Erosionsschutzmanagement ab und somit auf die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Eine weitere Kooperation mit dem Schwerpunkt Erosionsschutz nahm im November 2010 im Bereich des Landwirtschaftsamtes Zeulenroda (Schwerpunkt Altenburger Land) ihre Arbeit auf.