
Herr Ministerpräsident, lieber Dieter Althaus,
Frau Präsidentin, liebe Dagmar Schipanski,
meine Damen und Herren Abgeordneten und Ministerinnen und Minister von heute und aus früheren Kabinetten,
meine Herren Bischöfe,
Herr Nossen,
Herr Bürgermeister,
lieber Herr Schuchardt!
Herzlichen Dank für die Auszeichnung und für die mich in der Tat ehrenden Worte. Wenn sie auch mehr waren, als ich verdient habe, und auch der Beifall mehr war, als ich ihn verdient habe – gefreut hat es mich.
Um der Einheit willen bin ich gekommen! Und dass wir sie erreicht haben, das ist ein Grund zu tiefer und dauerhafter Dankbarkeit. Ich weiß nicht, Herr Schuchardt, ob es die glücklichsten Jahre meines Lebens waren – das würde dann auch die Kindheit mit umfassen. Die erfülltesten Jahre meines Lebens und auch die abenteuerlichsten waren es sicher. Deswegen möchte ich mich bedanken.
Vor fast 25 Jahren habe ich in Rheinland-Pfalz die Initiative ergriffen, einen Landesorden zu schaffen. In einem Land, das durch den Willen der Besatzungsmacht und nicht aus historischen Gründen entstanden war. Vor fünf Jahren habe ich die gleiche Initiative hier in Thüringen ergriffen. Ich gebe zu: nicht ohne Zögern, weil auch Auszeichnungen und Orden Opfer von Missbrauch geworden und in Verruf geraten waren.
Beide Male habe ich diese Initiative in der Überzeugung ergriffen, dass ein demokratisches Staatswesen sich seiner selbst nicht schämen muss. Dass ein demokratisches Staatswesen Bürger ehren darf, wohl vor allem die – und das ist am schwersten – die herausragende Leistungen im Stillen erbracht haben. In beiden Gesetzen – in Rheinland-Pfalz und in Thüringen – ist ausdrücklich und bewusst nicht vorgesehen, dass derjenige, der den Orden verleiht, ihn automatisch auch besitzt – wie das anderswo, im Freistaat Bayern beispielsweise, vorgesehen ist. Und gerade weil ich darauf Wert gelegt habe, freue ich mich ganz besonders, diesen Orden heute aus der Hand meines Nachfolgers zu erhalten. Nicht nur Vorgänger sagen oft nicht nur Gutes über Nachfolger, Nachfolger ehren auch nicht selbstverständlich Vorgänger.
Ich bedanke mich bei Dieter Althaus und habe lediglich die einzige Bitte, in der Verleihungsurkunde – trotz aller Liebe zu Speyer – das Wort „Speyer“ durch „Erfurt“ zu ersetzen. In Erfurt habe ich meinen ersten Wohnsitz, dort habe ich am 18. September gewählt und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Darum die Bitte um diese kleine Korrektur.
Wenn es tatsächlich stimmt, was viele sagen, dass sich niemand den Orden oder eine Auszeichnung allein verdient, dann gilt das jedenfalls mit absoluter Sicherheit für einen Ministerpräsidenten: Ohne hilfreiche Hände wäre er ein armer Hund und könnte nichts bewegen. Deswegen ist es mir eine besondere Freude, dass viele heute mit dabei sind, die mir über Jahre meine Arbeit unmittelbar ermöglicht haben: Die Ministerinnen und Minister, die Mitarbeiter in der Staatskanzlei – von Dr. Krapp, dem langjährigen Chef, bis zu Hans Kaiser, von Frau Renker und Frau Hübel bis zu Herrn Danzer und Herrn Schlichting. Und ich nenne ausdrücklich auch Herrn Kniepert für die ersten Jahre und Herrn Schuchardt für die eben beschriebenen Jahre. Ein Stück des Ordens gilt denen, die ermöglicht haben, dass ich arbeiten konnte. Ihnen ein herzliches Dankeschön!
Besonders geehrt hat mich, dass Dr. Schuchardt die Laudatio gehalten hat – der Mann, mit dem ich von 1994 bis 1999 in einer Koalition zusammengearbeitet habe. In der Tat, auch hier unterstreiche ich, was Schuchardt gesagt hat: Niemand konnte ahnen, dass das Stichwort Koalition ausgerechnet am heutigen Tag in Deutschland in aller Munde sein würde. Die Ordensverleihung war schon festgelegt, als noch nicht einmal feststand, dass es eine Wahl geben würde.
Ich habe die Erfahrung gemacht: Koalitionen gelingen dann – und das heißt, sie sind für ein Gemeinwesen dann von Nutzen –, wenn beide Partner ihren Erfolg wollen, wenn beide Partner sich gegenseitig respektieren, wenn keiner den anderen überfordert, wenn jede Seite ihre Personalentscheidungen selber trifft – Herr Schuchardt, ich hätte Ihnen gerne manchmal reingeredet, vielleicht hätte es Ihnen sogar geholfen – aber es ist trotzdem richtig, dass dies zum Respekt voreinander gehört. Und eine Koalition ist dann erfolgreich, wenn beiden das Land wichtiger ist als die eigene Partei!
Herzlichen Dank, lieber Herr Schuchardt, dass Sie von 1994 bis 1999 alles getan haben, um diese Koalition zum Erfolg zu führen!
Nun haben wir den 3. Oktober 2005. Wie gut, dass es diesen Feiertag gibt. Und wir denken über 15 Jahre Deutsche Einheit nach. Vieles ist erreicht, eine Menge bleibt noch zu tun. Und das ist keine Frage: Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben und Herausforderungen. Angesichts dieser gewaltigen Aufgaben und Herausforderungen lassen Sie mich sagen: Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass wir die Kraft haben, sie zu meistern, wenn wir uns auf unsere Kraft besinnen, wenn wir genügend Männer und Frauen finden, die nicht herrschen wollen, sondern dienen.
Jedes Gedenken an den Oktober 1990, jedes Gedenken an den November 1989 ist eine große Ermutigung. Wer von uns hätte gedacht, dass er zu seiner Lebzeit die Wiedervereinigung Deutschlands erlebt? Und wer mag da jetzt Angst haben, dass die Probleme von heute und morgen nicht zu meistern sein? Deswegen lassen Sie uns gemeinsam nach Einigkeit und Recht und Freiheit für unser deutsches Vaterland streben.
Herzlichen Dank!