Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringentag

Inhalt

Grußwort Bürgermeister Reinhard Kupietz

Eine wunderbare Musik, die uns hier begrüßt hat. Recht vielen Dank an die Musiker!

Zum Festakt am 3. Oktober 2005 im Meininger Theater heiße ich Sie alle herzlich willkommen!

Ich begrüße den Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus und seine Frau Katharina,
des weiteren die Präsidentin des Thüringer Landtages Frau Prof. Dagmar Schipanski,
ebenso den designierten Präsidenten des Thüringer Verfassungsgerichtshofes, Herrn Harald Gräf, seien auch Sie herzlich willkommen!
Ich begrüße die Vertreter des Diplomatischen Corps Thüringens,
willkommen auch den Vertretern der beiden Kirchen – Herrn Bischof Dr. Joachim Wanke und Landesbischof Prof. Dr. Christoph Kähler, Herrn Dekan Michael Bedbur als Vertreter für Herrn Bischof Dr. Martin Hein – und den Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Herrn Wolfgang Nossen,
ich begrüße die anwesenden Abgeordneten des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestages, des Thüringer Landtages, des Stadtrates Meiningen sowie die Thüringer Minister und Staatssekretäre,
den Befehlshaber WBK III, Brigadegeneral Johann Oppitz und unseren Landrat, Herrn Ralf Luther.
Einen besonderen Gruß dem langjährigen Ministerpräsidenten Herrn Dr. Bernhard Vogel und dem ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister Dr. Gerd Schuchardt!

Ich freue mich, dass anlässlich des 50. Jahrestages der Bundeswehr Kommandeure der in Thüringen stationierten Bundeswehreinheiten und ebenso 50 Soldatinnen und Soldaten hier anwesend sein können.
Außerdem heiße ich die Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen des Meininger Henfling-Gymnasiums mit Ihren Lehrern zu diesem Festakt willkommen!

An dieser Stelle darf ich mich zunächst dafür bedanken, dass wir den Thüringentag mitgestalten durften und den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Meiningen hautnah miterleben können. Für das Wetter war allerdings die Staatkanzlei zuständig!

Sie haben Meiningen in den letzten Tagen als eine Stadt erleben können, die den Menschen etwas bieten kann. Als einen Ort, der sich seinen Traditionen verpflichtet fühlt, die vor allem in der Theater- und Kulturgeschichte Wurzeln haben.

Das Theater als herzogliches Hoftheater hat die Art und Weise, Theater zu spielen, weltweit geprägt. Das Südthüringer Staatstheater ist aus der Thüringer Theaterlandschaft nicht wegzudenken. Die Stadt als solches lebt und leidet mit diesem Haus und den Menschen, die dort arbeiten. Dieses schöne Theater wirkt für Thüringen auch weit über Landesgrenzen hinaus.

Bei allem Traditionsbewusstsein ist Meiningen eine moderne und lebendig nach vorn gerichtete Stadt. Wir müssen natürlich auch im Hier und Heute leben. Dafür stehen neue, auch weltmarkttaugliche Hightech-Unternehmen. Eine richtige Industriestadt waren wir zwar nie, obwohl bis zur Wende, in der Zeit der DDR, ca. 5.000 Industriearbeitsplätze in der Stadt waren. Nach der politischen Wende verschwanden diese Arbeitsplätze bis auf wenige.

Trotzdem darf man anderthalb Jahrzehnte später resümieren, dass Meiningen aus dieser dramatischen Situation herausgefunden hat. Wir durchlebten einen extremen Wandel, wobei die Stadt im Laufe der Zeit wieder ein Verwaltungszentrum und auch ein Wirtschaftsstandort wurde.

Es bildete sich eine leistungsfähige, mittelständig geprägte Struktur heraus. Wir dürfen aber noch nicht zufrieden sein. Die Arbeitslosenquote ist noch immer hoch, nicht alle Blütenträume sind gereift – aber wir arbeiten daran!

Auch der demografische Wandel macht vor Meiningen nicht halt. Wir stellen uns diesem Problemen. Wir kämpfen darum, unseren Standort zu stärken – um einerseits Argumente zum Hierbleiben zu liefern, aber auch andererseits Bürger von außerhalb für uns zu interessieren. Es wäre allerdings fatal, Fakten zu ignorieren. Insofern begleiten wir den Schrumpfungsprozess gezielt mit den vorhandenen städtebaulichen Instrumentarien. Das ist die Voraussetzung, dass Städte lebendig und erlebbar bleiben.

Es ist also noch vieles zu tun. Zur Zeit erleben wir in Deutschland eine Phase der Stagnation. Für einen Großteil der Probleme gibt es einen Lösungsansatz, der aus meiner Sicht zu wenig Beachtung findet: Die kommunale Selbstverwaltung schafft einen Rechtsrahmen, den wir mit den Menschen in unseren Städten und Gemeinden ausgestalten.

Dazu brauchen wir Handlungsspielräume, die nicht nur mit Geld zu tun haben. Eine Aufgabenkritik ist gefragt. Die Frage darf nicht lauten: Wie viel Staat können wir uns leisten? Sondern: Wie viel Staat brauchen die Bürger? Ich gebe zu, dass setzt allerdings solche Bürger voraus, die bereit sind, genau so viele Pflichten zu übernehmen, wie sie Rechte für sich in Anspruch nehmen wollen.

Das Verantwortungsgefühl und Selbstverständnis des Einzelnen spielt auch eine große Rolle, wenn wir dieser Tage zum 15. Jubiläum des wiedervereinten Deutschlands ein wenig öfter als sonst über das Zusammenwachsen der Menschen in Ost- und Westdeutschland reden. Die Grundvoraussetzung für diesen Prozess ist, zu akzeptieren, dass der jeweils andere seine eigene Geschichte hat. Jeder brachte seinen eigenen Erfahrungswert mit, den keiner aus seiner Biographie streichen oder aus seiner Erinnerung löschen kann.

Wozu auch? Das eigene Leben und Erleben hat uns ja geprägt. Das hat nichts damit zu tun, dass man mit dem Staatssystem einverstanden gewesen sein muss, aber man hat – weil man darin lebte – lernen müssen, damit umzugehen. Außerdem bringen die einen wie die anderen auch positive Erlebnisse und Erfahrungen mit.

Warum soll man davon nicht gemeinsam profitieren? Wir müssen dahin kommen, uns gegenseitig zu respektieren, dass der andere eben etwas anderes ist, weil er eine eigene Entwicklung genommen hat. Für die Zukunft aber kommt es darauf an, neue, gemeinsame Wege zu gehen.

Jetzt, da unsere Gesellschaft wieder vor einem Umbruch steht, ist doch genau der richtige Zeitpunkt, darüber zu reden, manches anders zu machen. Im Osten fällt das den Leuten vielleicht etwas leichter, altes Denken kritisch zu prüfen und aufzugeben und Neues aufzunehmen, weil sie darin schon einige Übung haben.

Tage wie dieser heutige 3. Oktober, an denen man bewusst aufeinander zu geht, tragen mit Sicherheit dazu bei, nicht mehr länger mit dem Finger aufeinander zu zeigen, sondern sich in aller Freundschaft die Hände zureichen und stolz zu sein auf ein deutsches Vaterland.