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Saale-Orla-Kreis

Das am 27. Januar 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigte Wappen des Saale-Orla-Kreises hat folgende Blasonierung: Das Wappen ist schwarz und gold gespalten mit einem roten Schildfuß und zeigt vorn einen linksgewendeten, aufrechten, goldenen, rotbewehrten und gezungten Löwen mit roter Krone, hinten einen aufrechten, schwarzen, rotbewehrten und gezungten Löwen und im Schildfuß zwei silberne Wellenleisten. Damit entschied man sich für ein Wappen, welches vorwiegend historische Motive zeigt. So ist der schwarze Löwe dem Wappen der Markgrafen von Meißen entlehnt, die später in den ernestinischen Wettinern aufgingen. Aus dieser Linie kamen die späteren Herzöge bzw. Großherzöge von Sachsen-Meiningen und Sachsen-Weimar-Eisenach, zu deren Besitz das Gebiet des späteren Kreises Pößneck gehörte. Der schwarze Löwe war auch das Wappentier der Grafen von Orlamünde, die einstmals vorherrschend in dieser Region waren. Die Städte Ranis, Orlamünde, Neustadt/Orla und Pößneck führen diesen Löwen selbst heute noch in ihren Wappen. Der goldene, rotbewehrte und bekrönte Löwe ist dem Stammwappen des Fürstentums Reuß entlehnt. Die Grafen und späteren Fürsten Reuß residierten lange Zeit in den Städten Schleiz und Lobenstein, worauf die ehemaligen Schlösser in den Orten verweisen. Im Wesentlichen gehörte das Gebiet der ehemaligen Kreise Schleiz und Lobenstein zu den Besitzungen der Reuß. Das Wappenmotiv der Stadt Lobenstein, der Rumpf einer Bracke, ist der Helmzier des Wappens der Reußischen Fürsten entlehnt. Ein neues Element im Wappen sind die silbernen Wellenleisten. Diese symbolisieren die Flüsse Saale und Orla, die den heutigen Landkreis prägen und ihm seinen Namen gegeben haben. In der Hauptsatzung des Saale-Orla-Kreises wird die am 27. Januar 1995 genehmigte Kreisflagge festgelegt; diese ist weiß/rot längs gestreift und trägt in der Mitte das Kreiswappen.

Spuren unserer ältesten Vorfahren reichen bis zum Ende der letzten Eiszeit im Gebiet der oberen Saale und des Orlalandes zurück: Ausgrabungen in den Döbritzer Höhlen, Funde in der Ilsenhöhle unterhalb der Burg Ranis und Entdeckungen in den Pahrener Kalksteinhöhlen. Erste urkundliche Erwähnung erfuhr der Orlagau in einer Grenzbeschreibung aus den Jahren 1071 bzw. 1074. Der Adel von Lobdeburg errichtete bei Jena seinen Stammsitz und drang von hier aus über Arnshaugk bis nach Schleiz und Lobenstein, aber auch bis nach Greiz und Elsterberg vor und begründete neue Herrensitze bei gleichzeitiger Christianisierung der Region. Nach dem Aussterben der Lobdeburger folgten ständige Teilungen oder Zusammenlegungen und erneute Aufsplitterungen des Territoriums. Am Beginn des 19. Jahrhunderts existierten dann im Fürstentum Reuß jüngere Linie die Ämter von Schleiz mit Saalburg sowie von Lobenstein mit Ebersdorf und Hirschberg sowie das Amt Burgk innerhalb von Reuß ältere Linie. Das Gebiet um Pößneck wechselte die Herrschaft auch mehrmals, bis es sich 1826 zusammen mit Saalfeld im Herzogtum Sachsen-Meiningen befand. Ziegenrück und seine Umgebung kam 1815 zu Preußen und wurde Kreisstadt mit Verwaltungssitz in Ranis. 1852 wurde für das Fürstentum Reuß-Schleiz und Reuß-Lobenstein jeweils ein „Kreisrat“ konstituiert und am 1.1.1872 zum „Oberländischen Bezirk“ mit Sitz in Schleiz zusammengeführt. 1922 kamen 12 Gemeinden aus dem Neustädter Kreis dazu und damit wurde der Landkreis Schleiz gebildet. Pößneck und Umgebung kam in dieser Zeit zum Kreis Saalfeld. 1952 wurden mit der Einführung von Bezirken die Kreise Schleiz, Lobenstein und Pößneck gebildet, die ab 1994 mit der Gebietsreform wieder vereinigt den Saale-Orla-Kreis bilden.

Der Saale-Orla-Kreis hat eine Fläche von 1.148 Quadratkilometern und erstreckt sich vom Thüringer Schiefergebirge und dem oberen Saaletal im Süden bis zur Orlasenke und Heide im Norden. Die Ausdehnung in Ost-West-Richtung beträgt 34 km, in Nord-Süd-Richtung 45 km. Die höchste Erhebung ist der Sieglitzberg bei Lobenstein mit 732,9 m über NN und der tiefste Punkt ist in der Nähe der Schimmersburg bei Langenorla mit ca. 180 m über NN. Mit den Saaletalsperren bei Hohenwarte und am Bleiloch hat der Landkreis Deutschlands größtes Talsperrensystem; das „Land der tausend Teiche“ um Plothen ist seit Jahrhunderten besiedelt und mit seinen „Himmelsteichen“ – die ohne natürliche Zuflüsse sind und daher allein „von oben“, also vom Regenwasser gespeist werden – Speisefischlieferant. Neben 12 Städten hat der durch und durch ländlich geprägte Saale-Orla-Kreis 64 Gemeinden, davon eine große Zahl von intakten Angerdörfern mit den typisch thüringischen Vierseitenhöfen. Heute hat der Landkreis 92.403 Einwohner (30. September 2006). Verkehrsmäßig ist der Landkreis gut erschlossen. Hauptverkehrsachse ist die Autobahn A 9, die durch die Bundesstraßen B 2, B 90, B 94, B 281 und B 282 ergänzt wird; durch den Landkreis führt die Hauptstrecke der Eisenbahn von Saalfeld nach Gera.

Bekannte Persönlichkeiten des Saale-Orla-Kreises sind vor allem die Fürsten von Reuß, die einen Teil des heutigen Landkreises prägten. Bekannte Einzelpersonen sind der 1682 in Schleiz geborene Johann Friedrich Böttger, der zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus als Erfinder des Europäischen Porzellans gilt, der Reformator der deutschen Schriftsprache, Konrad Duden, der als Gymnasialdirektor in Schleiz wirkte, Johann Sebastian Bach gab einst im Schleizer Schloss Konzerte und auf seinen Reisen hielt sich Johann Wolfgang von Goethe mehrfach in Pößneck und Schleiz auf.

Im Saale-Orla-Kreis sorgt das Wasser der Saale mit ihren Talsperren und vieler anderer kleiner Wasserläufe sowie das Plothener Teichgebiet für Energie und frischen Fisch. Die Wirtschaft im Saale-Orla-Kreis basiert auf eher moderaten Betriebsgrößen und vielseitiger Produktion, so dass die Schwäche einzelner Branchen das wirtschaftliche Gleichgewicht nie völlig aus der Bahn warf und die Region vor dem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch verschont blieb. Alteingesessene, jetzt modernisierte Betriebe sind z.B. die Maxion Werkzeuge und Maschinen GmbH (ehemals Spannwerkzeuge), die Kunststofftechnik Thermoform GmbH (ehemals Polymer), die Schokoladenfabrik Berger (Berggold), die Rosenbrauerei, das Feingusswerk Lobenstein, die Großdruckerei GGP Media GmbH Pößneck (ehemals Vogel), die maxit Baustoffwerke GmbH in Krölpa, die Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH, die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH & Co. KG Blankenstein. Auf der Basis nachwachsender Rohstoffe entstanden Betriebe, wie die Sägewerke Klausner in Saalburg-Ebersdorf und Rettenmeier Holzindustrie Hirschberg GmbH & Co. KG sowie die Empe-Werke Ernst Pelz GmbH & CO. KG in Ebersdorf, die Auto-Innenverkleidungen aus Flachs fertigen. Daneben hat die Landwirtschaft mit einer Nutzfläche von 52.237 ha wesentliche wirtschaftliche Bedeutung. Der Fremdenverkehr und Tourismus hat ein breites Spektrum im Landkreis: Wassersport und Wanderungen an den Saale-Stauseen, das Plothener Teichgebiet mit dem über 300 Jahre alten Teichhaus, einem aus Holz gefertigten Pfahlhaus, Schloss Burgk mit seiner Silbermann-Orgel, die Stadt Pößneck mit einem der schönsten Thüringer Rathäuser und als Ausrichter der 1. Thüringer Landesgartenschau, die Kreisstadt Schleiz mit der barocken Bergkirche und dem seit 1923 bestehenden Schleizer Dreieck als älteste Naturrennstrecke Deutschlands, den Naturpark „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“, die Stadt Gefell mit dem Deutsch-Deutschen Museum, die Stadt Moorbad Lobenstein, Neustadt an der Orla mit ihren in Deutschland einzigartigen mittelalterlichen Fleischbänken, Oppurg mit seinem Barockschloss „Vierjahreszeiten“, die Döbritzer Höhlen mit Funden aus der Jungsteinzeit, Ranis mit seiner über 1000-jährigen Burg, das landschaftlich reizvolle Ziegenrück mit dem Wasserkraftmuseum, Oberpöllnitz mit seinem alten Rundschloss sowie mehrere im Landkreis befindliche Windmühlen. Ergänzt wird dieses Angebot durch mehrere Ferienstraßen und Wanderwege, die durch den Landkreis führen, so u.a. 100 km der Deutschen Alleenstraße, die Thüringer Porzellanstraße, die Thüringisch-Fränkische Schieferstraße, die zum Großteil im Saale-Orla-Kreis liegende Reußische Fürstenstraße sowie der Rennsteig zwischen Blankenstein und Brennersgrün, der Saale-Orla-Wanderweg, ein Teil des Radwanderweges „Saale“ sowie Flößfahrten auf der Saale.

Regional- bzw. ortstypische Feste sind das Brunnenfest in Neustadt/Orla, der „Brezeltag“ am 1. Juni und das Lichterfest am Heiligabend in Pößneck sowie der „Fischzug“ im Plothener Teichgebiet. Soziale und gesundheitliche Fürsorge besteht in den Kureinrichtungen Median-Klinik Lobenstein und Mutter-Kind-Kurheim Lückenmühle sowie in Seniorenwohn- und Altenpflegeheimen verschiedener Träger.