Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen

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Landkreis Gotha

Das Wappen des Landkreises Gotha wurde am 28. Juni 1991 durch das Thüringer Innenministerium genehmigt und wird wie folgt beschrieben: Geteilt von Silber und Rot; oben das Schloss Friedenstein in Silber und mit schwarzen Dächern; unten über einem von Silber und Schwarz geschliffenen sechsstrahligen Stern ein silberner Wellenbalken. Das herzogliche Schloss Friedenstein mit den markanten unterschiedlichen Türmen, das 1993 seine 350-jährige Grundsteinlegung feierte, steht als Symbol für das Gothaer Land. Der silberne Wellenbalken symbolisiert den 1366 künstlich angelegten Leinakanal, der die Verbindung zwischen Stadt und Land darstellen soll. Der Stern ist dem Thüringer Landeswappen entlehnt und dokumentiert die Zugehörigkeit des ehemaligen Herzogtums und jetzigen Landkreises Gotha zum Freistaat Thüringen. Die Tingierung Silber/Rot steht gleichfalls für Thüringen. Die Kreisfahne des Landkreises Gotha ist weiß-rot längs gestreift und trägt das Kreiswappen.

Der heutige Landkreis Gotha gehört seit Jahrhunderten zu Thüringen. Nach der Zerschlagung des „Königreichs der Thüringer“ regierten fränkische und sächsische Herzöge das Land. Bereits im 8. und 9. Jahrhundert werden solche Orte wie Ohrdruf, Mühlberg, Wechmar erwähnt. So wird der Ursprung Ohrdrufs auf die Zeit um 724/725 zurückgeführt, als Bonifatius, der Hauptglaubensbote der Deutschen, sein Wirken in Deutschland entfaltete; Lullus, eifrigster Schüler des Bonifatius und dessen Nachfolger weihte im Jahre 777 die Petrikirche auf der rechten Seite der Ohra. Mühlberg (anno 704) ist die älteste Gemeinde Thüringens und Wechmar wurde 786 im „Breviario Lulli“ erstmals urkundlich erwähnt. Auch die Klöster Georgenthal und Reinhardsbrunn, ebenso die Landgrafenburg Grimmenstein sind Zeugnisse dieser frühen Besiedlung. 1554 wurde Johann Friedrich der Mittlere aus dem Geschlecht der Ernestiner Herzog von Gotha. Dies war zugleich die Geburtsstunde des Herzogtums Gotha. 1825 erlosch die Dynastie der Gotha-Altenburger, und es entstand in der Folge durch Neuaufteilung das Herzogtum Sachsen-Gotha-Coburg. Nach Abdankung der Fürstenhäuser und deren Enteignung erfolgte die Gründung des Freistaates Gotha im Jahre 1919. Im Ergebnis der Reichsgesetzgebung zur Gründung des Landes Thüringen wurde am 1. Oktober 1922 der Landkreis Gotha gegründet.

Die Fläche des Landkreises Gotha beträgt 936 Quadratkilometer. Vom Thüringer Becken im Norden des Landkreises erhebt sich südlich der markanten Keuper-Bergkegel und -Höhenrücken die Ohrdrufer Muschelkalkplatte. Im Süden wird der Landkreis vom Gebirgszug des Thüringer Waldes begrenzt; die höchste Erhebung des Landkreises ist der Große Inselsberg (916 m NN). Im Nordteil wird der Landkreis von den Fahnerschen Höhen mit dem Abtsberg (413 m NN) durchzogen. Verkehrsmäßig reicht die Erschließung von der Bundesautobahn A 4, die den Landkreis in Ost-West-Richtung durchquert, über ein Netz von Bundesstraßen (B7, B 88, B 247), bis zur Nord-Süd-Autobahn A 71 und guten Bahnverbindungen.

Burg und Kirche Mühlbergs sind verbunden mit Radegunde von Thüringen, der Tochter eines Thüringer Königs, die als erste Christin hierzulande gilt. Bedeutende Persönlichkeiten des Landkreises waren außerdem in Waltershausen Philanthrop Salzmann und sein Mitstreiter, der Pädagoge Gutsmuths, der den Schulsport einführte. In Gotha wirkte Konrad Ekhof, der „Vater der deutschen Schauspielkunst“. Mit dem 5-jährigen Aufenthalt Johann Sebastian Bachs wurde Ohrdruf neben Wechmar zur „Bach-Stadt“. Gustav Freytag setzte der Mühlburg in seinem Werk „Die Ahnen“ als „Das Nest der Zaunkönige“ ein literarisches Denkmal. In Neudietendorf siedelten sich 1743 Mitglieder und Freunde der Herrnhuter Brüdergemeine an; mit der Gründung von Manufakturen (Aromatique-Fabrikation, Siegellackherstellung, Weberei und Färberei, Brauerei, Tischlerei und Schmiede) trugen diese zu einem schnellen Aufstieg des Ortes bei; Waidanbau und Waidverarbeitung werden hier noch heute gepflegt. In den 5 Städten und 60 Gemeinden des Landkreises leben 142.833 Einwohner (31.12.2006).

Charakteristisch für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises ist die Branchenvielfalt. Betriebe der Metallverarbeitung, der Kunststoff- und Kautschukindustrie, aber auch der Baustoffindustrie sowie Zulieferer für den Straßenfahrzeugbau, sind in der Region strukturbestimmend und bieten gute Voraussetzungen für weitere Investitionen ansiedlungswilliger Unternehmen. Auch heute noch ist Gotha das wirtschaftliche Zentrum des Kreises. Die 1785 von Justus Perthes gegründete Verlagsanstalt (heute Klett-Perthes) und die seit 1821 bestehenden Gothaer Versicherungen machten die Stadt bekannt. Die Traditionen der Metallverarbeitung leben weiter, so in der Gothaer Fahrzeugtechnik, bei Schmitz-Gotha Fahrzeugwerke, ZF Gotha, C & P Stahlmöbel; Verbandpflaster kommt von Gothaplast; Gotano stellt Wermutweine, Mixgetränke und Sekt her; die Gothaer Kerzenfabrik ist für Kerzen zuständig. Neu ist der weltweit operierende Klebefolienhersteller Avery-Dennison. Industrie und Dienstleistungen sind aber auch anderenorts zu Hause, so die Phönix Compounding Technologie GmbH in Waltershausen, die Erste Hermes TransStore GmbH in Ohrdruf, das Warendienstleistungszentrum „Fiege“ in Apfelstädt, das REWE-Logistikzentrum bei Neudietendorf, die Spirituosenfabrik Aromatique GmbH in Neudietendorf, die Firma Motex in Hörselgau/Fröttstädt, die Multicar Spezialfahrzeuge GmbH Waltershausen sowie das EJOT Schraubenwerk Tambach GmbH. Darüber hinaus ist besonders im nördlichen Teil des Landkreises die Landwirtschaft, speziell der Obstbau in den Fahnerschen Höhen, ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, während der Süden des Kreises – die Region nördlich des Rennsteigs – sich in erster Linie auf den Bereich Fremdenverkehr, Tourismus und Naherholung mit mehr als 6.200 Gästebetten (November 2006) spezialisiert hat. Die über 1200 Jahre alte frühere Residenzstadt und heutige Kreisstadt Gotha ist ein Glied der „Städteperlenkette“ entlang der A 4 sowie eine bedeutende Station der Thüringer Klassikerstraße. Das Wahrzeichen der Stadt, das Schloss Friedenstein, beherbergt neben umfangreichen und vielfältigen Kunstsammlungen ein in Europa einzigartiges Barocktheater, das Ekhof-Theater, mit vollständig erhaltener Bühnentechnik aus dem 17. Jahrhundert. Die Musiktradition des Gothaer Landes führt die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl weiter. Von Gotha aus führt auch eine der schönsten Überlandstraßenbahnen Deutschlands, die Thüringerwaldbahn, bis nach Tabarz und Waltershausen. Seit über 150 Jahren empfangen Erholungsorte wie Friedrichroda mit der in der Nähe gelegenen Marienglashöhle, Tabarz, Georgenthal, Gräfenhain mit der 96 Meter hohen Kletterwand des Falkenstein, Luisenthal, Finsterbergen und Fischbach mit seiner Freilichtbühne Feriengäste aus nah und fern. In Reinhardsbrunn liegt das 1828 als Jagdschloss und Sommerresidenz des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha erbaute Schloss Reinhardsbrunn. Waltershausen als zweitgrößte Stadt des Landkreises liegt idyllisch unterhalb des Burgberges mit Schloss Tenneberg – bereits 1176 als Burg der Thüringer Landgrafen genannt. Hauptanziehungspunkt in Ohrdruf ist der Tobiashammer, ein historisches Pochwerk mit der größten funktionsfähigen Dampfmaschine Europas. Bekannte touristische Ziele sind auch zwei der im Landkreis liegenden Drei Gleichen, die Burg Gleichen und die Mühlburg sowie das Naturdenkmal „Spring“, eine bis 2.000 Liter Wasser in der Minute liefernde Karstquelle. In Catterfeld steht ein 9 Meter hoher Kandelaber an der Stelle der ersten Kirche Thüringens, der durch Winfried Bonifatius gebauten Johanniskirche. Wechmar ist fast in jedem Jahr Anziehungspunkt für Trachtenfreunde. Fachkompetentes Handwerk aller Innungen ergänzt die Wirtschaftsstruktur und trägt zur Stabilität bei. Der Hochwasserentlastung und Trinkwasserversorgung dient die Ohratalsperre bei Luisenthal.

Die gesundheitliche Betreuung erfolgt in zwei Krankenhäusern; Kurkliniken und Rehabilitationseinrichtungen ergänzen das Angebot. Am Boxberg bei Gotha befindet sich eine traditionelle Galopprennbahn. Tabarz bietet mit seinem Kur- und Familienbad sportliche Betätigung zu jeder Jahreszeit.