
Das Wappen der Stadt Erfurt zeigt ein silbernes, sechsspeichiges Rad, wobei zwei Speichen senkrecht stehen, in Rot. Auf dem ältesten Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert ist der Patron des Erzbistums Mainz, der hl. Martin, abgebildet. Das sechsspeichige Rad erscheint etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts an im Siegel. Auf Münzen, Denksteinen, in Druckwerken usw. ist das Rad als Stadtwappen um 1285 erstmals zu finden. Dieses Wappen ist dem des Erzbistums Mainz entlehnt, zu dem die Stadt über 1000 Jahre, von etwa 755 bis 1802, gehörte. Die Bedeutung des Mainzer Rades ist bis heute nicht eindeutig geklärt: Die volkstümliche Erklärung ist die verbreitete Sage vom Erzbischof Willigis, der angeblich der Sohn eines armen Wagenbauers gewesen sei und trotz des Spotts der adligen Mainzer Domherren das weiße Rad im roten Feld als Wappen geführt haben soll. Andere Erklärungen beziehen sich auf das Zeichen des Rades in der Mythologie der Griechen und Römer sowie das Rad als Feldzeichen einer römischen Legion – diese sind jedoch unwahrscheinlich, da der bedeutendste geistliche Würdenträger des Reiches, der Mainzer Erzbischof, sicherlich nicht auf ein heidnisches Symbol zurückgegriffen hat. Weitere Erklärungen sehen das Rad als „Kreuz oder Christusmonogramm im Nimbuskreis“, als symbolische Darstellung für einen Wagen – nämlich den Wagen der Kirche oder als mit einem Siegelrand umgebenen Bischofsring. Die Flagge zeigt drei gleich breite Längsstreifen in den Farben Rot/Weiß/Rot und am Liek einen roten Querstreifen, dessen Breite einem Drittel der Flaggenlänge entspricht, und in dessen Mitte sich das Rad des Stadtwappens in Weiß befindet.
Nach Erkenntnissen aus Bodenfunden gehörte Erfurt zu den Kerngebieten des im 4. Jahrhundert entstandenen Stammesverbandes der Thüringer; nach der Schlacht an der Unstrut 531 kam das Erfurter Gebiet unter fränkische Oberhoheit. Die Franken gründeten auf dem Petersberg einen administrativen und militärischen Stützpunkt, aus dem sich ein fränkischer Verwaltungssitz entwickelte. Die erste urkundliche Erwähnung von „Erphesfurt“ erfolgte 742 durch den Missionar Bonifatius in einem Brief an Papst Zacharias, in dem er um die Bestätigung des Bischofssitzes „...in dem Ort, welcher Erphesfurt heißt, der schon vor Zeiten eine befestigte Siedlung heidnischer Bauern gewesen ist...“, bittet. Das Bistum Erfurt ist vielleicht schon vor dem 754 erfolgten Tode des Bonifatius aufgehoben worden, doch spätestens unmittelbar danach. Sein Sprengel ging in dem des Erzbistums Mainz auf. Erfurt wird 1120 erstmals als „civitas“ und damit als Stadt ausgewiesen. Im 12. Jahrhundert war Erfurt ein bevorzugter Aufenthaltsort des Kaisers und damit ein Mittelpunkt der Zentralgewalt. 1234 bestätigte König Heinrich VII. der Stadt alle Rechte und Freiheiten und 1250/55 musste der Erzbischof die Verwaltung der Stadt einem autonomen Rat überlassen. Um 1470 erreichte das Erfurter Landgebiet seine größte Ausdehnung; es umfasste etwa 900 km² und fast 100 Dörfer, Burgen, Vorwerke und die Stadt Sömmerda. Mit der 1352 erfolgten Übertragung von Burg und Dorf Kapellendorf als Reichslehen verfügte die Stadt über reichsunmittelbaren Besitz und erhielt damit das Recht, eigene Münzen zu prägen. 1664 kam es zu erneuter Unterwerfung der Stadt unter den Mainzer Erzbischof. Im Ergebnis des preußisch-französischen Vertrages ging das Stadt- und Landgebiet Erfurt 1802 in den preußischen Staatsverband über. Nach der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt befand sich Erfurt von 1806 bis 1814 unter französischer Besetzung. 1816 wurde Erfurt Stadtkreis mit eingeschränkten Rechten und Hauptstadt des im selben Jahr gebildeten preußischen Regierungsbezirkes Erfurt der Provinz Sachsen; 1872 scheidet Erfurt aus dem 1818 vereinigten Stadt- und Landkreis aus und bildet mit seiner Feldmark einen eigenen Stadtkreis. 1945 wird die Stadt dem Land Thüringen zugeordnet, seit 1950/51 für zwei Jahre Regierungs- und Parlamentssitz in Thüringen und mit der Teilung des Landes Thüringen in drei Bezirke 1952 Bezirksstadt des Bezirkes Erfurt; nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde Erfurt 1991 wieder Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen. Mit der Gebietsreform 1994 wurde das Stadtgebiet durch Eingemeindungen um 18 Ortschaften erweitert.
Das Stadtgebiet von Erfurt dehnt sich in Süd-Nord-Richtung vom Steigerwald, einem bewaldeten Höhenzug aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, entlang der Geraniederung bis zum Erfurter Becken, einer fruchtbaren Tiefebene, aus; im Nordwesten reichen die Fahnerschen Höhen mit ihrem Ostrand, der Alacher Höhe, bis in die Stadt. Die in Richtung Norden das Stadtgebiet verlassenden Flüsse Gera und Schmale Gera bilden die Geraaue und fruchtbare Lössböden mit teilweisen Kieseinlagerungen und unterbrochen durch den Roten Berg, einen isolierten Keuper-Härtlingshügel. Östlich der Schmalen Gera durchzieht das Stadtgebiet ein weiterer Höhenzug (Ringelberg, Galgenberg, Stolberg), die Melchendorf-Kersplebener Lössplatte. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 269 Quadratkilometer, liegt zwischen 158 und 430 m über NN und umfasst 53 Stadtteile. Die zentrale und verkehrsgünstige Lage Erfurts – bereits im Mittelalter war hier der Schnittpunkt der beiden wichtigsten Handelsstraßen: die Nürnberger Geleitstraße (Nord-Süd) und die „via regia“ (Ost-West) – ist der Grund für die Verkehrsentwicklung mit dem „Erfurter Kreuz“ der Bundesautobahnen A 4 und A 71, dem im Bau befindlichen ICE-Knoten Erfurt und dem Flughafen Erfurt-Bindersleben. Innerhalb des Stadtgebietes besteht ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz mit Stadtbahn- und Buslinien, u.a. mit den in den vergangenen Jahren verlängerten Linien bis zum Wohngebiet Ringelberg, zur Messe/Schmira sowie zum Flughafen/Bindersleben. Bekannt ist Erfurt durch das einmalige Ensemble von Dom und St. Severi, weltbekannter Schatz des Erfurter Domes ist die 1497 durch den Glockengießermeister Gerhard von Wou aus Kampen gegossene „Große Glocke“, die „Gloriosa“. Die Krämerbrücke, eine 125 m lange steinerne 6-Bogenbrücke, beidseitig mit 34 Wohn- und Handelshäusern bebaut, ist ein weltbekanntes weiteres Wahrzeichen Erfurts. Archäologische Funde bezeugen die Besiedlung des Erfurter Stadtgebietes bereits ab der Altsteinzeit um 100.000 v. Chr. Mit der Entwicklung Erfurts als eines frühstädtischen Zentrums in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts kommen zu den bereits ansässigen Ackerbauern und Viehzüchter Kaufleute und Handwerker hinzu. In der Zeit vom 12. bis zum 14. Jahrhundert entstanden viele Klöster, Stifte und Pfarrkirchen als Stätten der Geistlichkeit, wodurch Erfurt den Ruf einer türmereichen Stadt erwarb. Weiteren geistigen Aufschwung brachte die 1392 gegründete Universität. Herausragende Namen sind Meister Eckhart, der Begründer der deutschen Mystik, Ulrich von Hutten, Verfasser des zweiten Teils der „Dunkelmännerbriefe“, Martin Luther verbrachte von 1501 bis 1511 entscheidende Jahre seines Lebens in Erfurt, Georg Faust (Doktor Faust) weilte 1513 in Erfurt, Adam Ries’ Rechenbuch wurde 1518 in Erfurt gedruckt, Christian Reichart, der Begründer des Erfurter Erwerbsgartenbaus lebte von 1685 bis 1775 in Erfurt. Gegenwärtig beträgt die Einwohnerzahl Erfurts 199.114 (31.12.2006).
Die Klima- und Bodenverhältnisse sowie die verkehrsgünstige Lage an den alten Handelsstraßen brachten der Stadt bereits seit dem 13. Jahrhundert mit dem Anbau und Handel der Waidpflanze, aus deren Blättern ein Blaufärbemittel gewonnen wurde, wirtschaftlichen Aufschwung. Mit dem Anschluss Erfurts an das Eisenbahnnetz im Jahr 1847 entwickelte sich Erfurt zu einem beachtlichen Industriezentrum; im gleichen Zeitraum begründet sich auch der Gartenbau und Samenhandel. Erste bekannte Unternehmen waren die Schuhfabrik Lingel, die Fa. Pels – später Umformtechnik, Olympia bzw. Optima-Büromaschinen, Telefunken – später Funkwerk, Kakteen-Haage, Sämereien von N.L. Chrestensen. Seit 1990 sind Unternehmen des Baugewerbes und der Kiesgewinnung sowie das Güterverkehrszentrum als Bindeglied des Transportes zwischen Straße und Schiene entstanden. Mit der neuen Messehalle entwickelte sich Erfurt zum Messestandort. Genannt sei auch die Funktion Erfurts als Landeshauptstadt mit Sitz der Landesregierung, die Ansiedlung des Bundesarbeitsgerichtes mit einem Neubau am Petersberg, der Neubau des mdr-Funkhauses, der seit 10 Jahren bestehende Kinderkanal von ARD und ZDF sowie die neuen Bürogebäude als Standorte von Banken, Versicherungen und anderen Institutionen.
Die 1392 durch Bürgerwillen gegründete und 1816 durch Preußen geschlossene Universität erfuhr ihre Wiedergründung im Mai 1994 – der Studienbetrieb wurde 1998/99 wieder aufgenommen; die Zahl der Studenten beträgt gegenwärtig ca. 4.200. Im kulturellen Angebot weist das Theater Erfurt gegenwärtig eine Besucherzahl von fast 150.000 Besuchern aus, von denen ca. 23.000 die jährlich stattfindenden Domstufenfestspiele besuchen. Unter weiteren kulturellen Angeboten sind zu nennen: 4 Museen, der Thüringer Zoopark und Bibliotheken, darunter der im Jahr 2000 eröffnete Neubau der Universitätsbibliothek sowie das ega-Gelände, auf dem 1961 die Internationale Gartenbau-Ausstellung stattfand. Neben dem Steigerwaldstadion mit ca. 20.000 Plätzen, der Leichtathletikhalle, dem Eissportzentrum mit der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle und der im Umbau befindlichen Radrennbahn besitzt die Stadt weitere Sport- und Freizeitanlagen.