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Aufklärung

Über 300 Graffiti-Straftaten aufgeklärt

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Illegale Graffiti sind ein Ärgernis. Für den Hauseigentümer, der die Schmiererei kostenintensiv beseitigen muss. Für die Stadt Gotha, die das Erscheinungsbild der Stadt beeinträchtigt sieht. Für die Polizei, die Anzeigen gegen Unbekannt bearbeiten muss und deren Aufklärung mitunter schwierig ist. Daher ist der Erfolg, den die Beamten des Ermittlungsdienstes der PI Gotha für sich verbuchen können, um so positiver zu werten, da nun 309 Straftaten wegen Sachbeschädigung durch Graffiti geklärt werden konnten. Diese 309 Straftaten verteilen sich auf 11 Tatverdächtige im Alter zwischen 19 und 21 Jahren.
Anfang des Jahres 2008 zog ein inzwischen 21-Jähriger von Berlin nach Gotha. Er knüpfte frühzeitig Kontakte in die hiesige illegale Graffiti-Szene. Die Beamten der PI Gotha verzeichneten seit dieser Zeit eine Zunahme der illegalen Graffiti. Aber dieser 21-Jährige war wegen illegaler Graffiti bei der Polizei Gotha ein unbeschriebenes Blatt. Die Beamten fanden keinen Hinweis darauf, dass dieser junge Mann ein geübter Sprayer ist. Durch einen Zufall stießen die Beamten auf eine Verbindung der illegalen Graffiti mit dem jungen Mann. Am 24.02.2009 entdeckte ein Bürger bei einer Wohnungsräumung im zurückgebliebenen Müll ein sogenanntes „Blackbook“ und informierte die Polizei. Ein Blackbook ist ein Skizzenbuch, in dem die Sprayer ihre Graffiti und Tags (Erkennungszeichen der Sprayer) entwerfen. In diesem Blackbook sahen die Beamten ihnen aus dem Stadtgebiet Gotha bekannte Tags und Graffiti, die alle illegal entstanden sind. Eine Zuordnung zu bekannten Sprayern war noch nicht möglich. Der ehemalige Wohnungseigentümer, dieser aus Berlin stammende 21-Jährige, war den Beamten bislang nur wegen anderer Delikte bekannt.
Am 30.03.2009 wurde er aufgrund eines Haftbefehles wegen Raub festgenommen, und für die Beamten bot sich endlich die Gelegenheit, ihn wegen dem in der geräumten Wohnung gefundenen Blackbook zu vernehmen.
Die Vernehmung zog sich über mehrere Stunden hin, denn der 21-Jährige sagte umfassend aus. Er räumte eigene Graffiti ein, nannte aber auch weitere Mittäter und deren Tags.
Für die Beamten des Ermittlungsdienstes der PI Gotha begannen arbeitsreiche Wochen, denn zu den 147 bekannten Graffiti-Anzeigen aus dem Jahr 2008 kamen weitere 162 Anzeigen hinzu. Denn nicht immer zeigen die Hauseigentümer ein illegales Graffiti bei der Polizei an. Durch die Stadtverwaltung Gotha wird eine Graffiti-Datei geführt, in der alle im Stadtgebiet Gotha entdeckten illegalen Graffiti aufgeführt sind. Durch Abgleich mit dieser Datei und den nun bekannten Tags summierten sich die Anzeigen auf insgesamt 309.
In enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Erfurt begannen die Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft Erfurt beantragte beim Amtsgericht Erfurt einen Durchsuchungsbeschluss für weitere acht Tatverdächtige. Bei diesen Ende April zeitgleich durchgeführten Wohnungsdurchsuchungen in Gotha fanden die Beamten umfangreiches Beweismaterial. So wurden zahlreiche Farbspraydosen, Eddings, Blackbooks und weitere für die Graffiti-Szene übliche Utensilien sichergestellt.
In der nachfolgenden Auswertung der Funde konnten die Tags nun endlich konkreten Personen zugeordnet werden, weitere Vernehmungen schlossen sich an.
Bei ihren aufwändigen Ermittlungen stießen die Ermittler auch auf Veröffentlichungen der Sprayer auf der Internetplattform MySpace. Dort waren Fotos der von den Tatverdächtigen gesprühten Graffiti eingestellt. Teilweise haben sich die Sprayer vor ihren Bildern fotografieren lassen und auch diese Fotos bei MySpace veröffentlicht. Diese Internetseiten wurden entsprechend gesichert und den Beweismitteln hinzugefügt.
Bei den Vernehmungen der nun auf neun Tatverdächtige angewachsenen Tätergruppe ergaben sich konkrete Hinweise auf weitere zwei Tatverdächtige.
Gesprayt wurde einzeln, aber auch in Gruppen. Meist stand dann eine Person Schmiere, die die anderen warnte, wenn die Gefahr des Auffliegens zu groß wurde. Musste ein Graffiti unvollendet eilig verlassen werden, kamen die Sprayer ein paar Tage später wieder und vollendeten ihr Werk. Beim Sprayen wurde sogar ein gerade aufgestelltes Gerüst an einem Haus genutzt, so dass in schwindelerregender Höhe ein Graffiti entstand.
Die Tags entstanden meist im Vorbeigehen, denn dafür ist nicht viel Zeitaufwand nötig. Einer der Tatverdächtigen gab an, dass man auch gerne mal beim Heimweg von einer Party sein Zeichen an den Hauswänden hinterließ.

Bei der Aufklärung der 309 Straftaten wurden die Beamten der PI Gotha sehr gut von den Mitarbeitern der Ordnungsbehörde der Stadt Gotha unterstützt. Dank der dort existierenden Graffiti-Datenbank war es möglich, dass bei der Polizei noch nicht bekannte Graffiti als Straftat erfasst wurden und später einem Tatverdächtigen zugeordnet werden konnte.

Im Auftrag

Karin Köhler