
Sozialen Netzwerken im Internet wird eine glänzende Zukunft vorausgesagt, denn die Zahl ihrer Nutzer wächst täglich. Allein in Deutschland waren 2008 8,6 Millionen aktive Mitglieder registriert. Unter ihnen vor allem Kinder und Jugendliche, denn in ihrem Kommunikationsalltag sind Netzwerke und Communities zunehmend fest verankert. Diese Entwicklung stand am 10. Juni 2009 beim 14. Thüringer Mediensymposium in Erfurt im Mittelpunkt. Im KinderMedienZentrum diskutierten mehr als 200 Medienmacher und Akteure aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft das Thema „Veränderte Medienwelten durch Online-Netzwerke“.
Der Direktor des MDR Landesfunkhauses Thüringen Werner Dieste begrüßte die Teilnehmer des 14. Thüringer Mediensymposiums und unterstrich die Bedeutung und Brisanz des Tagungsthemas: „Nicht nur für die jüngere Generation spielen diese Netzwerke eine zunehmend größere Rolle. Heute kann es sich im Grunde kein Unternehmen, kein Verein, keine Partei und erst Recht keine Zeitung, kein Hörfunk- oder Fernsehsender leisten, ohne entsprechende Angebote im Internet aufzutreten. Doch es fehlt zum Teil an gesetzlichen Vorgaben und an einem gesellschaftlichen Konsens, wie mit den Chancen, vor allem aber den negativen Begleiterscheinungen wie mangelndem Daten- oder Jugendschutz, umgegangen werden soll.“
Thüringens Medienminister Gerold Wucherpfennig führte in seinem Eröffnungsbeitrag aus: „Unsere Kinder und Jugendlichen hat eine neue mediale Ära erreicht. Das Internet lädt heute mehr als nur zur Information und Recherche ein. Durch Online-Netzwerke erhält Kommunikation eine neue Dimension, die unabhängiger von Zeit und Ort ist als je zuvor. Doch wer möglichst gut vernetzt sein will, kommt um die Preisgabe privater Daten nicht herum. Online-Netzwerke sind Plattform für das eigene Leben, das nicht nur Freunden und Bekannten, sondern auch unbekannten Dritten offenbart wird. Darin liegen Gefahren, denen sich die Nutzer bewusst sein müssen.“ Ein weiteres Thema des Symposiums sprach Minister Gerold Wucherpfennig ebenfalls an: „Die politische Kommunikation hat eine neue Dimension erlangt: Durch Online-Netzwerke wird der Wähler informiert und im besten Fall mobilisiert. In Communities unterschiedlichster Art ist man – egal ob in Deutschland oder den USA – zu jeder Zeit präsent. Es scheint, als wäre Kommunikation noch nie so einfach wie heute gewesen. Ob dadurch wirklich mehr Bürger zur Stimmabgabe bewegt werden, ist allerdings fraglich. Denn Politik lebt doch vor allem auch durch Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, durch Präsenz vor Ort.“
Die durch das Web 2.0 bedingten Veränderungen im Kommunikationsverhalten gehen einher mit einem veränderten Medienkonsum. Für Wirtschaftsunternehmen erschließt sich so ein neuer Markt. Durch die Profile bei Online-Netzwerken kann beispielsweise Werbung punktgenau ihre jeweilige Zielgruppe erreichen.
Welche Möglichkeiten durch Online-Netzwerke der Wirtschaft erschlossen werden stand im Fokus der Keynote, mit der die Foren des 14. Thüringer Mediensymposiums eröffnet wurde. Unter dem Titel „The new prime time is my time – wie das neue Medienverhalten die Wirtschaft verändert“ zeigte Kay Oberbeck, Unternehmenssprecher von Google Nord- und Zentraleuropa auf, wie das Internet das Konsumverhalten beeinflusst und wie das von Unternehmen genutzt wird.Um das Thema für sein Publikum greifbar zu machen, verglich Oberbeck das Konsumverhalten heute mit jenem vor zehn Jahren. Er betonte, dass im vergangenen Jahr ein Drittel aller Europäer bis 28 Jahre online einen Kauf getätigt habe. Durch dieses prägnant veränderte Konsumverhalten hätten sich jedoch die Gesetze des Marketings nicht verändert. „Es geht immer noch darum, mit Werbung potentielle Kunden zu erreichen, nur bestimmt jetzt der Kunde, wann er was konsumiert“, so Keynote-Speaker Oberbeck. Und weiter: „Es ist nur eine Mär, dass in erster Linie Jugendliche und junge Erwachsene online sind. 64 Prozent aller 50- bis 59-Jährigen ist regelmäßig im Internet. Das Internet ist auch bei älteren Generationen längst zu einem Massenmedium geworden.“
Stärker als je zuvor ist das Kommunikationsverhalten geprägt von den Möglichkeiten, die das Internet bereit hält. Was einst in Tagebüchern fest- und geheim gehalten wurde, wird heute einem Millionenpublikum in Blogs präsentiert. Der Tagesablauf des Nachbarn, der noch vor einem Jahr vollkommen unbekannt war, „twittert“ dieser selbst ins WorldWideWeb und bei Bedarf auch aufs Handy. Kurzum: Was einst mit E-Mail und SMS anfing, ist heute ein weltumspannendes Kommunikationsnetzwerk, das in seinen vielen unterschiedlichen Facetten unendlich scheint.
Unter dem Titel „Der Verlust des Privaten: Das Netz vergisst nie“ diskutierten Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, die Salzburger Wissenschaftlerin Mag. Dr. Christine Wijnen und der Medienphilosoph Prof. Dr. Mike Sandbothe mit Phillippe Gröschel von SchülerVz und der Userin Fidelity Kastrow. Im Mittelpunkt des Forums, das von Jörg Thadeusz vom rbb moderiert wurde, standen durchaus kontrovers diskutierte Fragen zum Daten- und Persönlichkeitsschutz sowie zu Normen und Verhaltenskodizes in virtuellen Netzwerken. Philippe Gröschel betonte zu Beginn des Forums, dass die Vorgänge innerhalb sozialer Netzwerke für Außenstehende, für Internetnutzer, die dort nicht registriert sind, nicht einsehbar sind: „Nahezu alle deutschen sozialen Netzwerke sind nicht von Suchmaschinen auslesbar, die Nutzer befinden sich also in den Communities in einem geschlossenen Raum.“ Dennoch zeige sich, da waren sich alle Forenteilnehmer einig, innerhalb dieser in sich abgegrenzten Netzwerke, dass die jungen Nutzer noch sehr unbedarft, stellenweise auch naiv mit privaten Daten umgehen. Jugendlichen fehle das Bewusstsein für die Reichweite ihrer Kommunikation und damit auch für die Öffentlichkeit des social web, gab Mag. Dr. Christine Wijnen zu bedenken. Regulierende Gesetze allein seien dabei nicht hilfreich, vielmehr müsse die Medienkompetenz der Nutzer ausgeweitet werden.
Interaktion im Internet beschränkt sich jedoch nicht allein auf soziale Plattformen. Auch Informationen und Meinungen können von Nutzern selbst generiert werden. Wikipedia und Youtube sind die prominentesten Beispiele dafür, wie die moderne Informationsgesellschaft Medien aktiv mitgestaltet. Das hat auch Auswirkungen auf die politische Meinungs- und Willensbildung. Unter dem Titel „Gelebte Demokratie – Wie verändern Online-Netzwerke die Kommunikation?“ wurde daher im zweiten Forum zur Diskussion gestellt, wie sich Web 2.0 auf den Journalismus auswirkt, wie Qualität und Ethik in der Berichterstattung gesichert werden können und welche Rolle zum Beispiel im Wahljahr die Politik dem Internet beimisst. Juliette Guttmann von der WAZ-Mediengruppe stellte während der Diskussion in dem von Tina Mendelssohn vom 3sat-Magazin „Kulturzeit“ moderierten Forum heraus, dass viele der bürgerlichen Parteien bislang nur bedingt im Netz und speziell im web 2.0 angekommen seien. Dem pflichtete auch Stefan Gehrke von politik-digital.de bei: Das Auftreten der politischen Akteure in Deutschland im Internet gleiche jenem auf den Marktplätzen. Im engen Zusammenhang mit der Etablierung des Web 2.0 steht auch die Entwicklung des Journalismus. Diesem bescheinigten die Teilnehmer des Forums eine gesicherte Zukunft – unabhängig von seinem Trägermedium. Auch die journalistische Qualität steht nach Meinung der Experten nicht zur Debatte. Denn sowohl die klassischen Medien als auch die Bloggerszene im Internet verfügten über ihre jeweils eigenen Qualitätsstandards.
Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, beendete das 14. Thüringer Mediensymposium und führte unter anderem aus: „Web 2.0-Anwendungen machen das Internet zu einem Medium, das von jedem aktiv mitgestaltet werden kann. Es erlangt dadurch den Status eines Bürgermediums. Die Öffentlichkeit jedoch, die das Internet dadurch herstellt, kann nicht kalkuliert und schon gar nicht begrenzt werden. Einen privaten Raum gibt es nur scheinbar. Gerade in Hinblick auf das stetig steigende Nutzungsinteresse von Kindern und Jugendlichen haben Medienverantwortliche einen ganz klaren Auftrag: Rechte und Pflichten, Erwartungen und Risiken zu benennen, um Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren.“
Im Anschluss an das 14. Thüringer Mediensymposium fand der traditionelle Abendempfang "Thüringer Medientreff" im MDR Landesfunkhaus statt.

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Das Thüringer Mediensymposium ist eine Veranstaltung im Kindermedienland Thüringen.