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11. Thüringer Mediensymposium

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Kinder.Medien@Thüringen - Mut für Macher

Eröffnung des 11. Thüringer Mediensymposiums durch den Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Thüringer Staatskanzlei Gerold Wucherpfennig

Der Thüringer Medienminister Gerold Wucherpfennig eröffnete am 5. Oktober 2006 in Erfurt das 11. Thüringer Mediensymposium. Rund 200 Wissenschaftler, Politiker sowie Film- und Fernsehschaffende waren der Einladung gefolgt, das Thema "Kinder-Medien und Thüringen - Mut für Macher" zu debattieren. Minister Wucherpfennig sagte, Ziel sei es, Thüringen zum Zentrum für Kindermedien zu machen. Thüringen könne nicht mit Hamburg, München, Berlin und Köln konkurrieren - sie spielten in einer anderen Liga, so Wucherpfennig. Erfurt müsse eine Nische besetzen - und für Kinder produzieren. Das neue Kinder- und Medienzentrum in Erfurt, für das heute Richtfest gefeiert wird, stelle dazu die Weichen. Hier sollen in Zukunft die Kindermedien Deutschlands konzentriert werden. Die "Sendung mit der Maus" oder "Löwenzahn" könnten künftig ebenso in Erfurt abgedreht werden wie völlig neue Formate. So gibt es heute nur selten noch einen Kinder-Fernsehfilm, dem nicht auch Handy- oder Computer-Spiele folgen. Hier, so die Experten, hätten vor allem junge Medien-Absolventen gute Berufschancen.

Quelle: MDR vom 5. Oktober 2006 (www.mdr.de)

Forum I: Kinderfilm in Europa - Andere Länder - andere Sitten?


Im ersten Forum mit dem Thema „Kinderfilm in Europa: Andere Länder - andere Sitten?“ erörterten Diskutanten der Mitteldeutschen Medienförderung und von Filmproduktionsfirmen aus Dänemark und Holland den Ist-Stand in der europäischen Kinderfilmproduktion. „In verschiedenen Ländern, z. B. Skandinavien oder den Niederlanden, besitzt der Kinderfilm einen hohen Stellenwert“, so Michiel de Rooij von der Amsterdamer Produzentenfirma BosBros („Die geheimnisvolle Minusch“). „Es gibt einfach ein Bewusstsein dafür, dass auch Kinder Kultur brauchen.“ Trotzdem stellten die Experten fest, dass auch dort Filme die größte Akzeptanz genießen, die auf bekannten Büchern basieren, während frei erdachte Skripte oft ein Nischendasein führen. Mit Spannung wird in diesem Zusammenhang erwartet, wie das junge Publikum den diese Woche anlaufenden Film „Lapislazuli“, eine luxemburgisch-holländisch-österreichische Koproduktion, annehmen wird.
Beate Völcker warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, inwieweit das Fehlen von Kinos in den Kommunen dazu führt, dass Kinder Filme außerhalb von großen Hollywood-Produktionen überhaupt nicht mehr kennen lernen. Als positives Beispiel diente dabei eine Brandenburger Initiative mit mobilen Kinoangeboten, die mit Filmen aus verschiedenen Ländern durch kleine Kommunen tourt. Völcker: „Dabei zeigt sich, dass Kinder keine kulturelle Hemmschwelle vor chinesischen oder indischen Filmen haben. Das Problem ist vielmehr, dass wir nicht genügend solcher Filme haben, die wir anbieten können.“

Quelle: Pressemitteilung des 11. Thüringer Mediensymposiums vom 5. Oktober 2006 (http://www.mediensymposium.de)

Forum II: Gründerzentren an Hochschulen oder Hochschulen für Gründer?

Die zweite Diskussionsrunde „Gründerzentren an Hochschulen - Hochschulen für Gründer“ beschäftigte sich mit der Praxistauglichkeit der Absolventen Thüringer Medienstudiengänge. Als Einführungsreferat stellte Dr. Carsten Rudolph von Microsoft Deutschland vor, wie sein Unternehmen junge Gründer unterstützt: Das reicht von Beratung bis zur Präsenz der Startups auf dem Messestand von Microsoft. „Natürlich hat jemand dann ganz andere Aufmerksamkeit der Cebit-Besucher, als wenn er sich ganz allein in ein Eckchen stellen würde.“
Vertreter der Thüringer Hochschulen und Kultus-Staatssekretär Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg diskutierten, inwieweit Förderung von Gründungen mit dem wissenschaftlichen Auftrag der Universitäten und Hochschulen zusammenpasst. Prof. Dr. Hans-Peter Schade, Universität Ilmenau: „Wir werden in erster Linie dafür bezahlt, dass wir Studierenden unsere Wissenschaft beibringen. Ich unterstütze gern junge Leute, die mit einer guten Idee eine Ausgründung wagen, aber das ist nicht unsere Hauptaufgabe.“ Auch Prof. Dr. Kurt-Dieter Koschmieder von der Universität Jena gab zu Bedenken: „Gründen ist Handwerk, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Meriten. Doch wir gehen das Thema an.“ So gibt es in Jena Ideenwettbewerbe für potenzielle Gründer, Ferienakademien für Gründungsmanagement und professionelle Unterstützung bei der Erstellung von Businessplänen. Mark Möbius von der Gründerwerkstatt „Neudeli“ an der Bauhaus-Universität Weimar kritisierte, dass sich Professoren häufig gegen die Idee sperren würden, Studenten zu unterstützen, eine eigene Firma zu gründen. „Logisch“, fand dies Microsoft-Vertreter Rudolph. „Denn mit der Ausgründung verlieren die Professoren häufig ihre besten Mitarbeiter.“

Quelle: Pressemitteilung des 11. Thüringer Mediensymposiums vom 5. Oktober 2006 (www.mediensymposium.de)
 

Forum III: Print, Film oder Computer: Auf welcher Plattform sind Kindermedieninhalte erfolgreich?

Das Thema des dritten Forums am ersten Tag des 11. Thüringer Mediensymposiums lautete: „Print, Film oder Computer: Auf welcher Plattform sind Kindermedieninhalte erfolgreich?“. Dazu hielt Dr. Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin Fiktion in der Hauptredaktion Kinder und Jugend beim ZDF, einen Einführungsvortrag über crossmediale Entwicklungen. Ihr Beispiel: Die Biene Maja  - 64 Jahre dauerte es vom Jugendbuch zur Kinderserie, noch einmal rund 30 Jahre bis zum Online-Lernspiel. „Das ist eines unserer beliebtesten Angebote auf tivi.de mit mehreren Millionen Klicks pro Monat.“ Sie stellte fest, dass der Grundcharakter der Hauptfigur über alle Medien konstant bleibt, aber sich die Handlung an das jeweilige Medium anpassen muss. „Grundlage für den Erfolg auf einer Plattform ist stets die Qualität des dargestellten Charakters. Taugt die Hauptfigur nichts, stellt sich nirgends Erfolg ein.“
Emely Christians von Ulysses Magma Film Produktion skizzierte den von ihrer Firma produzierten Film „The ugly duckling and me“, der Ende 2007 in die Kinos kommen wird. Die Koproduktion von Deutschland, Dänemark und Frankreich ermöglichte ein Produktionsbudget on 6-7 Mio. Euro. „Es ist unsere erste Produktion über alle Plattformen: Kino, Website, Fernsehen, Handygames.“
Wilfried Goosmann, Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen, betonte, dass die Printmedien letztlich die Basis seien: „Wir sind gern crossmediale Partner. Aber die Kinder müssen erst einmal lesen lernen. Das geht am besten mit Buch und Tageszeitung.“ Er könne sich vorstellen, eine von einem jungen Redaktionsteam ab 2007 im Kindermedienzentrum hergestellte Tageszeitung für Kinder über das Vertriebsnetz von TA, TLZ und OTZ auszuliefern.

Quelle: Pressemitteilung des 11. Thüringer Mediensymposiums vom 5. Oktober 2006 (www.mediensymposium.de)
 

Forum IV: Entwicklung und Vermarktung von Inhalten. Innovative Ideen für das Kinderfernsehen

Das erste Forum am zweiten Tag des Thüringer Mediensymposiums war den Themen „Internationaler Fernsehformathandel“ und „Interaktivität im Netz“ gewidmet. Prof. Dr. Andreas Will (TU Ilmenau) erörterte die Mechanismen des Fernsehformathandels anhand von „Deutschland sucht den Superstar“, das ursprünglich das britische Format „Pop Idol“ war und erfolgreich in rund 20 Länder verkauft wurde. „Handel mit Kinder-Formaten ist bislang unbedeutend“, so Will. Ursachen sieht er darin, dass es keine homogene Gruppe „Kinder“ gibt, Werbeeinschränkungen für das Kinderfernsehen existieren und die Sendefläche für Kinder begrenzt ist. Experten und Betroffene diskutierten die Frage, welche Ideen an Sender verkauft werden können und erfolgreich sind. Simone Baumann vom Mitteldeutschen Film- und Fernsehproduzentenverband: „Leider ist vieles Zufall: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein - und dann kann man ein Konzept verkaufen. Und Erfolg ist nicht zuletzt das Produkt einer riesigen Marketing-Maschinerie.“ Rechtsanwalt und Formathandels-Spezialist Christoph Fey legte die rechtlichen Hürden für den Formathandel dar und betonte, dass entgegen landläufiger Meinung die Möglichkeit des Merchandisings kein Grund für die Sender sei, ein Konzept anzukaufen.

Quelle: Pressemitteilung des 11. Thüringer Mediensymposiums vom 6. Oktober 2006 (www.mediensymposium.de)

Forum V: Interaktivität im Netz - Zwischen Individualität und Massenkommunikation

„Interaktivität im Netz - zwischen Individualität und Massenkommunikation“ lautete das Thema des zweiten Forums, das in Zusammenarbeit mit dem Erfurter Netcode entstand. Die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Internetangebote für Kinder betonten, dass sie Vertrauensinstanz und eine Hilfe für Kinder sein wollen, sich im Netz zurechtzufinden. Netcode-Vertreter Thomas Eichler: „Die Botschaft des KI.KA-Kummerkastens ist ganz klar: Löse deine Probleme nicht allein, suche dir Partner.“ Stuart Gunn, Verantwortlicher für die Jugend-Website der BBC, meinte: „Wir wollen nicht alles machen, was technisch möglich ist, sondern was verantwortlich ist.“ Die BBC hat allerdings auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, Videos und Fotos zum Selbstbearbeiten den jungen Nutzern anzubieten. „Das dürfen öffentlich-rechtliche Angebote in Deutschland momentan nicht“, so Ricarda Fuchs von der Online-Redaktion des KI.KA. „Dem stehen Probleme mit dem Urheberrecht entgegen. Kinder wollen aber solche Angebote. Der Gesetzgeber sollte dem Rechnung tragen.“ Auch das Thema des moderierten Chats für Kinder wurde angesprochen. Einer der Vorreiter ist dabei der Kinderchat von seitenstark.de, den Studierende der Universität Leipzig betreuen. „Unsere Finanzierung ist zwar nicht gesichert“, so Prof. Dr. Hartmut Warkus dazu, „aber meine Studenten sind hoch motiviert und engagiert. Wir haben 16.000 Chatkinder im Jahr. Da kann man das Angebot nicht einfach sterben lassen.“ Weil Eltern dem Verhältnis ihrer Kinder zu neuen Medien oft verständnislos gegenü-berstehen, rät Warkus zum Dialog: „Lassen Sie Ihre Kinder erklären, was sie da tun. Sie als Eltern werden davon lernen und die Kinder werden gleichzeitig feststellen, wie wenig sie doch manchmal über die genauen Mechanismen von Handy und Computer wissen.“

Quelle: Pressemitteilung des 11. Thüringer Mediensymposiums vom 6. Oktober 2006 (www.mediensymposium.de)