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Landkreis Weimarer Land

Das Wappen des Landkreises Weimarer Land, am 24. November 1994 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt, hat folgende Blasonierung: Halbgeteilt und gespalten; oben vorn in Rot ein silbernes sechsspeichiges Rad, unten vorn in Silber drei rote Äpfel (2 : 1) und hinten in Gold ein schwarzer Löwe mit roter ausgeschlagener Zunge und Bewehrung. Im Wappen des Landkreises sind die Wappen verschiedener Herrschaften zusammengeführt, die im Gebiet des Landkreises von Bedeutung waren. Das bis 1918 existierende Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach ging aus der ernestinischen Linie der Wettiner hervor. Im Jahre 1089 erhielten die Wettiner durch Heinrich von Eilenburg die Markgrafschaft Meißen. Seit dieser Zeit führen daher die Wettiner neben ihrem Stammwappen auch den schwarzen Löwen auf goldenem Feld. Da die Wettiner in der ernestinischen Linie derer von Sachsen-Weimar-Eisenach überragende Bedeutung für die Entwicklung des heutigen Landkreises hatten, fand der schwarze Löwe Aufnahme in das Wappen. Gleichzeitig steht der schwarze Löwe aber auch für die – für große Teile des heutigen Landkreises – bedeutenden Herrschergeschlechter von Weimar-Orlamünde und von Gleichen-Blankenhain. Das Mainzer Rad rechts oben weist auf die Ausstrahlung des Erzbistums in Teile des Landkreises. Lange Zeit kurmainzisch-erfurtischer Besitz waren vor allem Tonndorf, Blankenhain, Kapellendorf sowie Gebiete westlich und nördlich von Weimar. Die drei Äpfel verweisen auf die Herrschaft Apolda und deren verschiedenen Linien, die verbreitet im Raum Apolda herrschten. Die am 24. November 1994 genehmigte Flagge des Landkreises ist weiß-rot längs gestreift und trägt das Landkreiswappen.

Auf dem Gebiet des heutigen Landkreises gibt es Sachzeugen aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Das älteste urgeschichtliche Objekt ist ein Menhir - ein aufrecht aufgestellter einzelner Stein aus der Jungsteinzeit von kultischer Bedeutung -, dessen Alter auf 4000 Jahre geschätzt wird bei Buttelstädt. Urgeschichtlich interessant sind auch die Felsenhöhlen von Buchfahrt; auf nahezu anderthalbtausend Jahre gehen die Anfänge dieser befestigten Höhlenanlagen und Kammern im Fels des Schlossberges am Steilufer der Ilm zurück. Im Jahr 531 wurde das Thüringer Königreich von den Sachsen und Franken besiegt. In dieser Zeit errichteten die Franken einen befestigten fränkischen Herrensitz als hölzerne Turmhügelburg; aus dieser Motte entwickelte sich nachfolgend die erste steinerne romanische Burg der Herren von Kapellendorf, den späteren bedeutenden Grafen von Kirchberg. Der Ortsname Kapellendorf, im Mittelalter Capeldorf, geht auf das Wort „cappa“ zurück, Bezeichnung für das fränkische Feldzeichen der Nachbildung des Mantels des heiligen Martin, dem Nationalheiligen der Franken, und belegt die Bedeutung der Örtlichkeit, in der durch den Sitz eines fränkischen Anführers ein solches Zeichen stationiert war. Die Landgrafen von Thüringen schufen sich im 12. und 13. Jahrhundert eine Vorrangstellung gegenüber den anderen politischen Gewalten. Die wesentlichen Herrschaften bzw. die betreffenden Geschlechter auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Weimarer Land waren das aus der ernestinischen Linie der Wettiner hervorgegangene und bis 1918 existierende Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herrschergeschlechter von Weimar-Orlamünde und von Gleichen-Blankenhain, die bis in das Gebiet ausstrahlende Herrschaft des Erzbistums Mainz (Tonndorf, Blankenhain, Kapellendorf sowie Gebiete westlich und nördlich von Weimar) sowie die Herrschaft der Vitzthume von Apolda. Die Gemeinde Auerstedt war 1806 – während der Schlacht bei Auerstedt – Hauptquartier eines Teils der preußischen Armee. In Folge der Bildung des Landes Thüringen im Jahre 1920 entstand 1922 der Großkreis Weimar, in dessen Gebiet sich die zwei kreisfreien Städte Weimar und Apolda befanden. Zur Kreisstadt wurde Weimar, das zugleich Landeshauptstadt war. Im Jahre 1952 wurde der Großlandkreis Weimar in die zwei Kreise Weimar und Apolda aufgespaltet. Nach der Wiedergründung des Landes Thüringen 1990 und im Zuge der Gebietsreform wurde der heutige Kreis Weimarer Land mit der Kreisstadt Apolda geschaffen, der in seinem territorialen Umfang nicht voll dem alten Großkreis Weimar entspricht. Der Landkreis Weimarer Land umschließt die kreisfreie Stadt Weimar.

Der Landkreis wird von Südwest nach Nordost von der Ilm durchquert, deren Landschaftsschutzgebiet „Mittleres Ilmtal“ reizvolle Ausflugsziele bietet. Im Norden wird das Gebiet durch die Höhenzüge der Finne und im Süden durch die Ausläufer des Thüringer Waldes begrenzt. Der Nordteil mit dem unteren Ilmtal gehört zum Thüringer Becken – geologisch gesehen zum Thüringer Keuperbecken, das sich als welliges Hügelland präsentiert und weite Ackerflächen, aber kaum Wälder aufweist; nach Süden schließt sich die Ilm-Saale-Platte, Vorland des Thüringer Waldes, an: die Landschaft ist hügelig bis bergig und auf Kalksandstein ist die Buche der häufigste Baum, während im Gebiet Tannroda, Blankenhain, Bad Berka auf Buntsandstein fast ausschließlich Fichte und Kiefer anzutreffen sind. Die Gesamtfläche des Landkreises beträgt 803 Quadratkilometer. Der höchste Punkt des Landkreises ist der Riechheimer Berg mit 511 m über NN; tiefster Punkt ist der Zusammenfluss von Saale und Ilm in Großheringen bei 120 m über NN. In 8 Städten (Apolda, Bad Berka, Bad Sulza, Blankenhain, Buttelstedt, Kranichfeld, Magdala, Neumark) und 71 Gemeinden leben 87.805 Einwohner (30.6.2006). Der Landkreis verfügt über ein sehr gutes Verkehrsnetz; er wird durchquert von der Bundesautobahn A 4 in Ost- West-Richtung, den Bundesstraßen B 7, B 85 und B 87 sowie der IC-Verbindung der Bahn Frankfurt – Berlin.

In Apolda arbeiteten und leben die weltberühmten Glockengießerfamilien Ulrich und Schilling, hier steht der Name Zimmermann für eine 400-jährige Geschichte der Strick- und Wirkwarenindustrie. Der Hundezüchter Karl Friedrich Louis Dobermann führte 1863 auf dem Apoldaer Hundemarkt erstmals die von ihm gezüchtete Hunderasse „Dobermann“ vor. Auch der Philatelist Michel machte die Stadt Apolda über die Grenzen hinaus bekannt. Der als Erzieher des Prinzen Karl August seit 1772 in Weimar weilende Schriftsteller Christoph Martin Wieland verbrachte viel Zeit auf seinem Gut Oßmannstedt.

Die Kreisstadt Apolda fand 1289 als Ackerbürgerstadt erstmals urkundliche Erwähnung. „David, der Strickermann“ führte 1593 das Strumpfstricken mit fünf Nadeln ein. Damit wurde der Grundstein für eine der bedeutendsten Industriezweige Apoldas gelegt. Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Apolda durch das Strickerhandwerk zur Manufaktur- und Handelsstadt; seit 1654 sind Apoldas Strickereiwaren auf der Leipziger Messe vertreten. 1722 wurden in Apolda in der Glockengießerei von Johann Christoph Rose die ersten Glocken gegossen. 1790 gründete Christian Speck die Porzellanmanufaktur in Blankenhain, die bis heute fortbesteht. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war Apolda Automobilstadt; in den „Apollo-Werken“ entstanden in ganz Deutschland beliebte Autos. Heute ist die Region charakterisiert durch eine Synthese von Industrie, Handel und Gewerbe. Fruchtbare Böden – 74,7 Prozent der Gesamtfläche des Landkreises werden landwirtschaftlich genutzt – ermöglichen eine entwickelte Landwirtschaft und in der Nähe Bad Sulzas, am Beginn der Weinstraße von Saale und Unstrut, reift der nur hier angebaute „Trockene aus Thüringen“. Die vorteilhafte Lage und die sich entwickelnde wirtschaftliche Leistungskraft des Mittelstandes machen den Standort attraktiv. In den neuen Gewerbegebieten haben sich Unternehmen der Lebensmittelproduktion und der Textilbranche, der Druckindustrie, des Verpackungsgewerbes und der Metallverarbeitung angesiedelt. Traditionelle und namhafte Unternehmen sind hier z.B. die Weimarer Wurstwaren GmbH Nohra, Franz Viegener II KG, Sanitär- und Heizungssysteme, Großheringen; Grafe Color Batch GmbH, Blankenhain; Papalina GmbH, Apolda; Weimarer Porzellanmanufaktur Betriebs-GmbH, Blankenhain; Fresnel Optics GmbH, Apolda; Döllken Weimar GmbH, Nohra und verschiedene Firmen für Strickmoden in Apolda und Bad Sulza. In der Region Weimarer Land ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zahlreiche lukrative Angebote stellen für Erholungssuchende optimale Rahmenbedingungen dar. In der Kurstadt Bad Berka findet man den Kurpark und den Paulinenturm und in der Kurstadt Bad Sulza die Toskana-Therme, Goethes Gartenhaus 2 und das Salinemuseum. In der Kreisstadt Apolda sind die Hauptanziehungspunkte das Stadt- und Glockenmuseum, das Kunsthaus „Apoldaer Avantgarde“, die Museumsbaracke „Olle DDR“, die Schlossanlage und der Bismarckturm an der B 87. Weitere Highlights sind der Freizeitpark „Stausee Hohenfelden“ mit der „Avenida-Therme“, die Siedlungs-, Bau-, Wirtschafts- und Sozialformen des mittelthüringischen Dorfes im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden, die Wasserburg Kapellendorf – Erfurts bedeutendste mittelalterliche Besitzung außerhalb der Stadt, das Wielandgut Oßmannstedt, Schloss Kromsdorf mit seinen bedeutenden Steinköpfen im Schlosspark, die Ordensburg Liebstedt, das Schloss Auerstedt mit dem Museum 1806 und dem Kutschenmuseum, der Maloca-Hütte und dem Auerworldpalast. Weitere historische Sehenswürdigkeiten sind die Wassermühle und überdachte Holzbrücke in Buchfahrt, das um 1530 im Renaissancestil erbaute Oberschloss Kranichfeld, die Niederburg in Kranichfeld, die Wasserburg Niederroßla, das Jagdschloss mit Landschaftspark in Ettersburg und der Carolinenturm in Kiliansroda. In den letzten Jahren sind weitere touristische Sehenswürdigkeiten wie die begehbare Sonnenuhr mit Laufbrunnen, ein schwimmendes Hüttendorf und eine historische Ölmühle in der Gemeinde Eberstedt, das Thüringer Kloßmuseum in Heichelheim, das Korbmachermuseum in Tannroda, das Thüringer Orgelmuseum in Bechstedtstraß, das Baumbachhaus in Kranichfeld, der Feiningerturm und die Feiningergalerie in Mellingen und das Thüringer Färbedorf in Neckeroda entstanden.

Für die gesundheitliche und soziale Betreuung stehen drei Krankenhäuser, vier Rehakliniken und acht Altenheime zur Verfügung.