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Stadt Weimar

Die Stadt Weimar führt, wie sich aus den seit 1262 bezeugten und vom Jahre 1387 ab erhaltenen Siegeln ergibt, bereits seit dem 13. Jahrhundert das Wappen der einstigen Landes- und Stadtherren, der Grafen von Orlamünde, als eigenes Wappen: einen rot gezungten, steigenden schwarzen Löwen in einem mit roten Herzen übersäten goldenen Feld. Dieses Wappen haben außer Weimar noch die damals gräflich-orlamündischen Städte Magdala und Orlamünde als Stadtwappen übernommen. Die ursprüngliche blaue Tingierung des Löwen, die auf die dänische Prinzessin Sophia, die Gemahlin Siegfrieds III., zurückgeht, wurde dann nach dem Übergang der Besitzung der Grafen von Orlamünde an das Haus Wettin im 16. Jahrhundert schwarz. 1938 wurde dieses Wappen außer Kraft gesetzt und an seine Stelle kam ein der nationalsozialistischen Ideologie entsprechendes. 1945 wurde das frühere Stadtwappen wieder verwendet; 1975 erhielt es seine endgültige heutige Form, gestaltet von Horst Michel. Die aus dem Stadtwappen hergeleitete Stadtflagge ist dreistreifig Schwarz-Gelb-Rot, belegt mit dem Stadtwappen.

Die Ilm-Aue war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wie Funde in Weimar-Ehringsdorf nachweisen. Dabei handelt es sich um Spuren von Wildbeuterhorden des „frühen Neandertalers“, die hier ihre Lagerplätze hatten (135000 v.u.Z.). In der mittleren Steinzeit zogen Jäger durchs Tal und in der Jungsteinzeit siedelten bandkeramische Feldbauern und schnurkeramische Kriegerhirten (3000 – 1600 v.u.Z.). Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 899 als „Vvigmara“; anlässlich eines Hoftages Kaiser Otto II. 975 wurde die Burg Hornstein der Grafen von Weimar erwähnt. Im Schutz dieser Burg entwickelte sich die Stadt „Wimares“. 1249 wird Weimar erstmals schriftlich in einer Urkunde für das Kloster Oberweimar als Stadt bezeichnet. 1372 gelangte die Stadt in den Besitz der Wettiner, 1445 erwählte sie Herzog Wilhelm III. zu seiner bevorzugten Residenz. 1485 wurde Weimar ernestinisch. Nach dem Schmalkaldischen Krieg 1547 verlegten die Ernestiner ihre Residenz nach Weimar, das nun bis 1918 Hauptstadt des Herzogtums, seit 1815 Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach war. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ließen die Bedürfnisse des Hofes das Wirtschaftsleben der Stadt aufblühen und es setzte eine rege Bautätigkeit und kulturelles Leben ein. Hervorzuheben sind: 1617 Gründung der „Fruchtbringenden Gesellschaft zur Förderung der deutschen Sprache“ (auch Palmenorden genannt); 1650 Bau der Hofkapelle; 1696 wurde im Schloss die erste deutsche Opernbühne eingeweiht, später die Hofbibliothek und Gemäldesammlung aufgebaut. Nach der Ausrufung der Republik in der Novemberrevolution von 1918 wurde in Weimar am 6. Februar 1919 die verfassunggebende Nationalversammlung eröffnet und damit die Weimarer Republik begründet. 1920 wurde Weimar die Landeshauptstadt des neu gegründeten Landes Thüringen und ab 1922 war Weimar ein Stadtkreis. Die Ära des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg fügten der Stadt schwere Wunden zu. Weimar war das Thüringer Zentrum des Nationalsozialismus; für immer schmerzhaft mit dem Namen Weimar verbunden bleibt das vor den Toren der Stadt – auf dem Ettersberg – gelegene Konzentrationslager Buchenwald (seit 1937). Mit der Verlegung des Sitzes des Thüringer Landtages nach Erfurt 1951 verlor Weimar seinen Status als Landeshauptstadt. 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eingeweiht; 1993 wurde Weimar zur „Europäischen Kulturstadt 1999“ ernannt – das Kulturstadtjahr bot für die Gäste aus aller Welt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen.

Weimar liegt im Südosten des Thüringer Beckens in einer breiten von der Ilm und ihren Nebengewässern durchflossenen Mulde zwischen den bewaldeten Muschelkalkhöhen des Ettersberges (478 m ü.NN) im Norden und den Ausläufern der Ilm-Saale-Platte im Süden. Im Ilmtal und seiner Umgebung hat die Eiszeit starke Ablagerungen von Travertin hinterlassen, die sich in weiter Ausdehnung als Muschelkalksteinbänke bis in das südliche Stadtgebiet erstrecken und in den Steinbrüchen von Oberweimar und Ehringsdorf als prähistorische Fundstellen einen weltweiten Ruf genießen. Die Fläche der Stadt Weimar beträgt 84 Quadratkilometer; ca. die Hälfte davon ist Landwirtschaftsfläche. In der Stadt leben 64.532 Einwohner (1.9.2006). Die Stadt Weimar liegt 208,6 m über NN; höchster Punkt ist der Große Ettersberg mit 478,0 m über NN und der tiefste Punkt befindet sich an der Kirche Tiefurt mit 201,2 m über NN. Die Verkehrserschließung der Stadt ist über die in unmittelbarer Nähe der Stadt befindlichen Autobahn-Anschlussstellen der A 4, die beiden durch die Stadt führenden Bundesstraßen B 7 und B 85 und den IC-Anschluss an die Strecke Frankfurt/Main – Leipzig gesichert.

Die Klassikerstadt Weimar kann eine lange Liste berühmter Persönlichkeiten aufweisen: 1552 bis zu seinem Tode 1553 lebte der Maler Lucas Cranach in Weimar, 1708 bis 1717 war Johann Sebastian Bach Hoforganist in Weimar, 1772 holte die Herzogin Anna Amalia Christoph Martin Wieland als Prinzenerzieher an den Hof. 1775 übernahm Carl August, 18-jährig, die Regentschaft. Seit 1774 war der junge Herzog mit Johann Wolfgang Goethe bekannt, er holte diesen 1775 an den Hof, der hier bis zu seinem Tode als leitender Minister und gefeierter Dichter wirkte. Johann Gottfried Herder kam 1776 nach Weimar und Friedrich Schiller besuchte 1787 die Stadt, in der er sich endgültig 1799 niederließ. Es begann eine neue historische und kulturelle Blütezeit, denn Weimar zog die bedeutendsten Köpfe jener Zeit an und wurde für Jahrzehnte die geistige Metropole Deutschlands, das Zentrum der klassischen deutschen Literatur. Nach dem Tode Goethes 1832 suchte Weimar die Kraft der Erneuerung. Franz Liszt sammelte bedeutende Künstler und Musikfreunde um sich. 1860 fand die Gründung der Kunsthochschule statt, an der unter anderem Arnold Böcklin, Franz v. Lehnbach und Max Liebermann lehrten. 1900 starb der Philosoph Friedrich Nietzsche in Weimar. Mit dem Regierungsantritt des jungen Großherzogs Wilhelm Ernst begann 1901 eine dritte kulturelle Blüte des nachklassischen Weimar. Eine Reihe bekannter Schriftsteller wie Paul Ernst, Wilhelm von Scholz und Johannes Schlaf hatten sich in Weimar niedergelassen. Das literarische Leben bereicherten als Gäste die Dichter Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal und später Rainer Maria Rilke. 1902 kam der belgische Designer Henry van de Velde, einer der maßgebenden Künstler des „Jugendstils“, nach Weimar und begründete die kunstgewerblichen Lehrstätten, aus denen 1907 die Kunstgewerbeschule hervorging. 1919 ging daraus das berühmte Bauhaus hervor, das u.a. so bedeutende Maler wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky verpflichten konnte. Mit seinem Direktor Walter Gropius übersiedelte das Bauhaus 1925 nach Dessau.

Mit dem Ausbau der herzoglichen Residenz in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts blühte auch das Wirtschaftsleben auf. Moderne Industrieansiedlungen erfolgten nur in geringem Maße: Beispiele waren in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts das Mähdrescherwerk und das Feingerätewerk Weimar; in Fortsetzung dieser Tradition, aber auch als Neuansiedlung entstanden nach der Wende solche Unternehmen wie GEHE Medical Produktionsgesellschaft mbH & Co. KG, Coca Cola, Stahl und Glatt sowie die Härterei Reese. Wesentlicher Wirtschaftsfaktor Weimars sind die touristischen Anziehungspunkte: das sind einmal die Wohnhäuser und Museen von Goethe, Schiller, Liszt und Nietzsche, weiterhin die Kunstsammlung im Schloss, der Park an der Ilm mit dem Goethe-Gartenhaus, die Herderkirche mit dem Cranach-Altar, die Schlösser Tiefurt, Belvedere und Ettersburg mit ihren englischen Parkanlagen.

Weimar ist Sitz der Bauhaus-Universität und der Hochschule für Musik. Die gesundheitliche und soziale Betreuung ist in den Kliniken sowie in den Altenheimen gewährleistet. An Sportstätten verfügt Weimar über ein Freibad, eine Schwimmhalle, eine Dreifelderhalle und eine Vielzahl verschiedener Sporteinrichtungen, darunter das Tennisleistungszentrum Thüringen. Überregionale kulturelle Bedeutung hat das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein einzigartiges traditionelles Volksfest feiern im Oktober jeden Jahres Einwohner und Besucher mit dem Weimarer Zwiebelmarkt – eine Tradition, die bereits 1653 in einer herzoglichen Verordnung erstmals erwähnt wurde. Im Angebot sind die dekorativen Zwiebelzöpfe, Zwiebelkuchen, Thüringer Bratwürste und Rostbrätel.