
Landkreis Altenburger Land
Das am 28. April 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigte Wappen des Landkreises „Altenburger Land“ hat folgende Blasonierung: Das Wappen ist geviertet und zeigt oben vorn eine rote Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern, oben hinten in Blau einen aufrechten, von Gold und Silber geteilten Löwen; das rechte untere Feld ist neunmal von Schwarz und Gold geteilt und mit einem grünen Rautenkranz belegt; das linke untere Feld zeigt in Silber eine rote Eichel mit grünem Kelch. Die Rose steht für die Burggrafschaft Altenburg: die Burggrafschaft Altenburg war der wichtigste Bestandteil und Verwaltungszentrale des reichseigenen, 1158 durch Friedrich I. Barbarossa gegründeten und bis über den Kamm des Erzgebirges reichenden Pleißenlandes. Die Rose ist auch Bestandteil des Stadtwappens von Altenburg und gilt als Symbol der sich ewig neu entfaltenden Welt und der Zukunft. Der gold-silberne Löwe auf blauem Grund steht für das Pleißenland; ein goldener, gekrönter Löwe auf schwarzem Grund ist das Wappen der Reußen (Vögte von Plauen und Weida): diese besaßen im 14. und 15. Jahrhundert großen Einfluss im Schmöllner Raum (Schlossbau in Schmölln, Verleihung der Stadtrechte). Das mit dem Rautenkranz belegte, neunmal von Schwarz und Gold geteilte Feld steht für die Wettiner: 1307 kam das Pleißenland in den Besitz der Markgrafen zu Meißen (Wettiner); diese waren seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch Landgrafen in Thüringen. Die Eichel symbolisiert das Skatspiel: 1813 wurde in Altenburg das Skatspiel erfunden; das Spiel verband Hof, Bürgertum und Bauern und machte Altenburg weltberühmt. Deshalb wurde die ranghöchste Farbe in das Wappen aufgenommen. Der Landkreis führt seit 27. Juli 1995 eine Flagge: rot-weiß-grün längsgestreift, belegt mit dem Kreiswappen.
Zu Beginn der Besiedlung befand sich im Gebiet des heutigen Landkreises Altenburger Land ein undurchdringlicher Wald, der als „regalis silva Blisinensis“ – als königlicher Pleißenwald – bekannt ist. Lediglich um die Burg Altenburg – 976 erstmals erwähnt – mit mehreren zugehörigen ursprünglich slawischen Dörfern sowie bei Schmölln sind offene Siedlungslandschaften nachgewiesen. Spätestens seit dem 11. Jahrhundert wurde das Altenburger Land als Teil des Pleißenlandes dem Osterland zugeschrieben. 1289 beschreibt eine Urkunde Rechte, Pflichten und Einkünfte der Altenburger Burggrafen; die Einkünfte stammten aus der Stadt Altenburg und aus 33 Orten des umliegenden Landes. Ein 1336 für Friedrich II. Markgraf zu Meißen und im Osterland, Landgraf zu Thüringen und „ein herre des landes Plißen“ erstelltes Verzeichnis zur Beschreibung des Amtes Altenburg umfasst insgesamt 118 Orte. Im frühen 14. Jahrhundert war auch die bäuerliche Kolonisation und Rodungsbewegung im Osterland weitestgehend abgeschlossen; gleichzeitig betrieben die wettinischen Markgrafen zu Meißen und Landgrafen zu Thüringen den Landesausbau in ihren Territorien in einem bis dahin unbekannten Maß und in bemerkenswerter Form: an die Stelle der älteren Burgvogteien traten nunmehr, unter strenger Kontrolle der wettinischen Kanzlei stehend, die „Ämter“. Die Amtsverwaltung im Altenburger Land blieb von allen Schwankungen der Zeitläufe unberührt. Durch die zahlreichen, in der Regel durch Erbschaft bedingten Teilungen kam das Amt Altenburg 1603 zu den Ehren eines fürstlichen Amtes; zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand, abermals durch Erbschaftsteilung bedingt, das Herzogtum Sachsen-Altenburg. Zu diesem 1826 gegründeten Herzogtum gehören der „Ostkreis“ mit den Ämtern Altenburg, Schmölln und Ronneburg sowie der „Westkreis“. Mit der Gründung des Landes Thüringen am 1. Mai 1920 und der nachfolgenden Verwaltungsreform entstand am 1. Oktober 1922 aus den Ämtern Altenburg und Schmölln der Landkreis Altenburg. Mit der Auflösung der Länder 1952 wurde der Altenburger Landkreis in die Kreise Altenburg und Schmölln geteilt und dem Bezirk Leipzig (Sachsen) zugeordnet. Im Rahmen der Neubildung des Landes Thüringen 1990 entschieden sich die beiden Landkreise Altenburg und Schmölln für die Zugehörigkeit zum Land Thüringen; mit der Gebietsreform 1994 wurden sie wieder vereint, um nun als Landkreis Altenburger Land fortzubestehen. Die Kreisgrenzen sind nahezu identisch mit jenen, die im 15. Jahrhundert das Amt Altenburg umschlossen.
Der Landkreis „Altenburger Land“ erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung stark profiliert von den Ausläufern der Leipziger Tieflandsbucht bis zur Mittelgebirgsrandstufe am Fuß des Erzgebirges und Vogtlandes. Der Höhenunterschied zwischen tiefstem und höchstem Punkt des Landkreises beträgt fast 200 Meter. Ein anderes Profil zeigt der Landstrich in Ost-West-Richtung: eine sanft gewellte Ebene, aus mächtigen Lößlehmbänken und -lagern bestehend, zieht sich durch die Landschaft. Dieser ist es letztlich mit zu verdanken, dass seit Jahrhunderten das Altenburger Land als äußerst fruchtbar bekannt ist. Eine über Jahrzehnte betriebene industrielle Monostruktur hinterließ mächtige Halden und kaum überschaubare Restlöcher ehemaliger Braunkohletagebaue sowie symmetrisch aufgetürmte Kegelhalden der ehemaligen SDAG Wismut; mit Begleitprojekten der Bundesgartenschau 2007 in Gera/Ronneburg beteiligte sich auch der Landkreis Altenburger Land und erreichte eine landschaftliche Wiederbelebung der Halde Beerwalde, im Biotopverbund um Schmölln sowie im ehemaligen Wismutgebiet um Löbichau. Im Landkreis befinden sich mehrere unterschiedlich große Waldungen – Reste jenes Waldes, der als Miriquidi – Dunkelwald – die Landschaft vor 1000 Jahren noch von Leipzig bis zum Erzgebirgskamm mit geheimnisvoller Walddunkelheit überzog. Einen stimmungsvollen Kontrast zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen und zu den Waldgebieten schaffen die Auenlandschaften an den Flüssen Wiera, Pleiße und Sprotte. Geologische Zeugnisse sind Tonschiefervorkommen aus dem Erdaltertum sowie Spuren reicher vulkanischer Tätigkeit vor 250 bis 300 Millionen Jahren, die in Altenburg, bei Paditz und bei Windischleuba in Form von Porphyriten und Quarzporphyr zutage ragen.
Die Fläche des Landkreises beträgt 569 Quadratkilometer, davon 74,2 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche und 10,3 Prozent Wald- und Forstfläche. Administrativ gliedert sich der Landkreis in 5 Städte und 38 Gemeinden mit 105.131 Einwohnern (31.12.2006). Der Landkreis verfügt über ein dichtes Bundes- und Kreisstraßennetz. Über die B 7 und die B 93 bestehen Verbindungen zur BAB 4 und BAB 9. Die zwei Eisenbahn-Hauptstrecken Leipzig über Altenburg nach Nürnberg und Gera – Dresden kreuzen sich in Gößnitz; weitere Eisenbahnverbindungen sichern die Anbindung des Landkreises nach Zeitz, Jena und Halle sowie nach Rochlitz. Der Landkreis ist bequem auch über den Regionalflugplatz Altenburg-Nobitz zu erreichen.
Durch die wirtschaftliche Entwicklung und bedingt durch den Fürstensitz entwickelt sich im 18. Jahrhundert in Altenburg ein reges geistiges Leben. Eine Freimaurerloge wird gegründet, eine „Konzert- und Literarische Gesellschaft“ nimmt die Arbeit auf. Klangvolle Namen der deutschen Kulturgeschichte sind um diese Zeit mit Altenburg verbunden: Clemens Brentano, Theodor Körner, Friedrich Arnold Brockhaus und Johann Friedrich Pierer; 1824 erscheint in Altenburg das erste Universallexikon. Die Mitglieder der „Brommeschen Tarockgesellschaft“ in Altenburg erfanden Anfang des 19. Jahrhunderts das Skatspiel.
Die industriellen Traditionen der Region wurden bereits im 19. Jahrhundert begründet; Standorte mit einer hohen Konzentration an Industriebetrieben, Handwerksbetrieben, Dienstleistungs- und Handelseinrichtungen sind neben Altenburg und Schmölln auch Meuselwitz, Lucka, Gößnitz und Rositz. Traditionelle Unternehmen und Produkte sind z.B. die Altenburger Spielkartenfabrik und die Schmöllner Knopffabrik. Durch die guten bis sehr guten Böden gedeihen Getreide, Mais, Zuckerrüben, Ölfrüchte und Futter prächtig. In jüngster Zeit hat aber auch der Anbau von Spezialkulturen wie Hülsenfrüchten, Hopfen, Tabak, Arznei- und Gewürzpflanzen zugenommen; bei letzteren besinnt man sich auf die in der Heilkunde bewährten Kräuter wie Kamille, Pfefferminze, Spitzwegerich und auch Johanniskraut. Touristische Ziele im Landkreis Altenburger Land sind die Kreisstadt Altenburg mit dem Altenburger Schloss, der Trostorgel in der Schlosskirche, dem Spielkartenmuseum und dem Lindenau-Museum, die Burgen und Schlösser im Pleißetal, die Talsperren Windischleuba und Stausee Schömbach, die Stadt Schmölln im malerischen Sprottetal, die Orangerie in Meuselwitz, die Silbermannorgel in der Kirche Ponitz, die Burg Posterstein, das technische Museum (ehemalige Brikettfabrik) Zechau sowie eine Fahrt mit der Kohlebahn.
In Altenburg befindet sich das ehemalige, 1871 erbaute, herzogliche Hoftheater – heute Bestandteil der „Theater & Philharmonie Thüringen“ (TPT). In der Tradition des Altenburger Landes wurzelt die typische Tracht von “Marche und Malcher“.