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Kriminaltechnische Lackuntersuchung
Als häufige kriminaltechnische Spurenmaterialuntersuchung treten Lackuntersuchungen in Erscheinung. Delikte bei denen Lacke als sachliche Beweismittel ein große Rolle spielen sind
- Verkehrsunfälle mit anschließendem pflichtwidrigen Verhalten (Unfallflucht)
- Einbruchsdiebstähle
- Sachbeschädigungen
- Anbringen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
Der Schwerpunkt der Lackuntersuchung liegt auf dem Gebiet der Unfallflucht. Die dominante Untersuchungsmethodik ist die Vergleichsuntersuchung.
Am Unfallort aufgefundene Spuren z.B. in Form von Fremdlackanwischungen und/oder abgesplitterten Lackpartikeln, die bei Zusammenstößen mit einem anderen Fahrzeug, Sachgegenständen oder Personen entstanden sind, werden zum Lack verdächtiger Fahrzeuge verglichen.
Fahrzeuglackierungen stellen Lacksysteme dar, die charakterisiert sind durch:
- Schichtenaufbau Kraftfahrzeugserienlackierungen besitzen einen drei- bzw. vierschichtigen Aufbau bestehend aus Decklackierung, Füller und Grundierung
- Farbe der einzelnen Schichten unter besonderer Beachtung der Farbnuance der Decklackierung ( ca. 16 000 Farbnuancen )
- mikromorphologische Besonderheiten innerhalb der jeweiligen Lackschichten
- Dicke der Lackschichten (mit bedingten Einschränkungen)
- Lackbindemittel hochpolymere Stoffe, die das Grundgerüst des Anstrichstoffüberzuges bilden, wie z.B. Alkydharze oder Acrylatharze mit verschiedenen modifizierenden Zusätzen
- Farbpigmente anorganische Verbindungen von hoher Farbigkeit sowie organische Farbstoffe auf Trägersubstanzen und bei Effektpigmentlackierung Flakebeimengungen
- Füllstoffe: Substanzen, die Haftvermögen, Härte und Schleifbarkeit verbessern
Zur Beurteilung des Lackaufbaues werden hauptsächliche mikroskopische Verfahren angewandt, z.B.
- allgemeine Stereomikroskopie und
- hochauflösende Mikroskopie unter Verwendung verschiederer Lichtarten, z.B. Fluoreszenz und Polarisation.
Folgende Analyseverfahren kommen im LKA Thüringen zur Bestimmung der stofflichen Zusammensetzung zur Anwendung
- Infrarotspektralmikroskopie (FT - IR),
- Rasterelekronenmikroskopie (REM) und
- Ultraviolett - bzw. visuelle Spektralphotometrie (UV - VIS).
Die Infrarotspektralphotometrie, Rasterelektronenmikroskopie und die hochauflösende Mikroskopie erlauben bei Lackierungssystemen die gesonderte Untersuchung jeder einzelnen Schicht und führen so zu sehr differenzierbaren Beurteilungen.
Die am häufigsten angewandte Methode der Analyse der stofflichen Zusammensetzung ist die Infrarotspektroskopie.
Dabei wird das UntersuchungsmateriaI mit Infrarotstrahlen unterschiedlicher Wellenlänge und somit unterschiedlicher Energie durchstahlt. Es kommt hierbei in Abhängigkeit der Bindungen zu Strahlungsemmissionen, die in einem Monochromator als Energieabsorbtion in Abhängigkeit der Frequenz der Strahlung (Wellenlänge) registriert wird.
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Die erhaltenen Spektren werden entweder mit den Spektren von entsprechenden Vergleichsmaterialien oder mit Bibliotheksspektren verglichen bzw. individuell ausgewertet.
Unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit der Mittel ist aus der Lackuntersuchung auch eine Fahrzeugbestimmung möglich.Dabei werden am Tatort vorgefundene Lackpartikel auf "Lackaufbau" und "Stoffliche Zusammensetzung" der jeweiligen Schichten untersucht und mit Sammlungen verglichen. Die umfangreichen, computergestützten Sammlungen enthalten ca. 30 000 Orginallackspektren der wichtigsten Automobilhersteller und deren Fahrzeugtypen. Mit diesen Hinweisen können Fahndungen auf flüchtige Fahrzeuge unterstützt werden.
Dabei ist die Untersuchung von kleinsten Lacksplittern mit einer Kantenlänge von ca. 1 mm möglich.
Lackspuren stellen bei Einbruchsdiebstählen oft eine Spurenart dar, die Täter beim gewaltsames Eindringen bzw. Aufbrechen hinterlassen.
Zum einen weisen die benutzten Werkzeuge eine Lackierung auf, die übertragen wird oder absplittert, zum anderen haben diese Kontakt zu Materialien im Auf -bzw. Einbruchsbereichen (z.B. Türen, Schränke etc.).
Es kommt bei diesen Gewalteinwirkungen auch zu wechselseitigen Materialübertragungen (Spurenüberkreuzungen), die einen hohen Beweiswert besitzen. Die Lackuntersuchung bei Einbruchsdelikten liefert neben anderen Spurenarten wertvolle Aussagen im Gesamtsystem der materiellen Beweise.
Bei der Untersuchung von Lackspuren zu Sachbeschädigungen und zum Anbringen von Zeichen verfassungswidriger Organisationen können Hinweise zur Art des verwendeten Anstrichstoffes gegeben werden.