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Grünes Band Deutschland
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Der Eiserne Vorhang teilte Europa auf einer Länge von über 12.500 Kilometer. Im Schatten dieser Grenze vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer entwickelte sich ein gigantisches Naturmonument - das Grüne Band Europa. Auch in Deutschland entstand aufgrund der fast vierzigjährigen Abgrenzung des Streifens und der Abgeschiedenheit des grenznahen Raums ein einzigartiges Biotopverbundsystem.
Die ehemalige innerdeutsche Grenze verbindet heute neun Bundesländer auf einer Länge von ca. 1.400 Kilometer, eine Perlenkette der Natur – das Grüne Band Deutschland.
Mehr als die Hälfte des Grünen Bandes Deutschlands, nämlich 763 eindrucks- und erlebnisreiche Kilometer, ziehen sich durch die Naturlandschaften Thüringens, entlang der Nachbarländer Niedersachsen, Hessen und Bayern
Grünes Band Thüringen
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Frühzeitig erkannte der Freistaat die besondere Bedeutung des Grünen Bandes, bereits 1998 gab es ein abgestimmtes
Leitbild zur Erhaltung und Entwicklung, dessen Schwerpunkte Schutzgebietsausweisungen, Biotopentwicklung, regionale Entwicklung, Nutzung der Potenziale gerade auch durch Fremdenverkehr und Naherholung sind. Neben den Schutzgebietsausweisungen und der Biotopentwicklung dienen die Instrumente der Landentwicklung zu den Säulen des Grünen Bandes Thüringen. Neben den thüringischen, auch Bundesland übergreifenden Einzelprojekten, unterstützt der Freistaat Projekte im Grünen Band Europa.
In ihrem Bestand stark bedrohte oder seltene Tier- und Pflanzenarten, wie der Schwarzstorch und das Braunkehlchen, haben ein bedeutendes Rückzugsgebiet im Grünen Band. Seltene Vogelarten nutzen es als Lebensraum, Nahrungs- und Rastgebiet. Seltene Pflanzen, wie das Helm-Knabenkraut, die in anderen Teilen Deutschlands kaum noch vorkommen, haben hier einen Lebensraum.
Fast 30 Prozent der Flächen des Grünen Bandes haben somit einen hohen Schutzstatus. Deshalb wurden 40 Naturschutzgebiete mit einem Gesamtflächenumfang von rund 8.400 Hektar ausgewiesen, davon liegen knapp 1.300 Hektar direkt im Grünen Band. Hinzu kommen 580 Hektar Natura 2000-Flächen (FFH- und Vogelschutzgebiete) und 19,3 Hektar Flächennaturdenkmale. Das Grüne Band verläuft über 114 Kilometer im Biosphärenreservat Rhön.
Eine Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument, dies ist eine neue Schutzkategorie des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG), ist aktuell kein Ziel der Landesregierung. Nach dem Vorliegen der Ergebnisse eines vom Bundesamt für Naturschutz vergebenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens (F+E) zum Thema „Nationale Naturmonumente“ wird über das weitere Vorgehen entschieden. In dem F+E-Vorhaben wird die Einordnung der neuen Schutzgebietskategorie in die bestehenden Kategorien untersucht, gleichzeitig werden Ausweisungskriterien in Umsetzung des BNatschG und unter Berücksichtigung der internationalen Kriterien der IUCN erarbeitet.
Der Freistaat hat sich erfolgreich um Bundesfördermittel für das Grüne Band bemüht, z.B. für eine „Bestandsaufnahme Grünes Band“ und ein Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben „Erlebnis Grünes Band“, Raum Thüringer Wald/ Thüringer Schiefergebirge. Es gelang das Grüne Band in zwei Naturschutzgroßprojekte einzubeziehen,
„Grünes Band Eichsfeld-Werratal“ und
„Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal“ , beide mit je 130 Kilometer Anteil.
Abschnitt Grünes Band an der Gedenkstätte Schifflersgrund, Eichsfeldkreis, Foto: ALF Gotha |
Gezielt wurden naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ins Grüne Band gelegt, so auch im Zuge des Ausbaus der A 38 geschehen.
Darüber hinaus unterstützte das TMLFUN über 70 Einzelprojekte, vom Grenzwanderweg, über Schüleraktionen bis zu Beweidungsprojekten wertvoller Offenlandbiotope.
Thüringen gelang es als erstem Bundesland, gesamtstaatlich repräsentative Naturerbeflächen im Grünen Band vom Bund übertragen zu bekommen. Eine Vereinbarung wurde am 09.11.2008 unterzeichnet. Im Gegenzug wird der Freistaat den begonnenen Weg fortsetzen und das Grüne Band als zeitgeschichtliches Mahnmal erhalten und naturschutzfachlich weiter entwickeln. Zudem werden dem Bundesforst über 8 Jahre Arbeiten übertragen, die ein Gesamtvolumen von 380.000 EUR Personalkosten zuzüglich Sachkosten umfassen.
Die ehemaligen Bundesflächen, das sind immerhin 3.800 Hektar von 6.400 Hektar des Grünen Bandes, sind in das Eigentum der Stiftung Naturschutz Thüringen übergegangen. Diese Stiftung sichert gemeinsam mit Nutzern aus Land- und Forstwirtschaft ab, das Grüne Band auf den Eigentumsflächen offen und erlebbar zu erhalten. Gleichzeitig wird eine naturschutzfachliche Betreuung gewährleistet.
Die Landnutzung am Grünen Band wurde und wird nachhaltig, konfliktfrei und im Konsens mit den dort lebenden Menschen gestaltet. Die Abstimmung der notwendigen Maßnahmen erfolgt in drei Regionalen Arbeitsgruppen unter der Federführung der Ämter für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha, Meiningen und Gera.
Bei der konkreten Lösung der Probleme nehmen sich diese Arbeitsgruppen der Aufgaben vor Ort an. Sie erarbeiten spezielle Entwicklungsempfehlungen für einzelne Abschnitte des Grünen Bandes und tragen Sorge dafür, dass diese umgesetzt und dauerhaft gesichert werden.
In den Arbeitsgruppen sind alle für den Entwicklungsprozess maßgeblichen Behörden und Institutionen insbesondere die Stiftung Naturschutz Thüringen vertreten. Die Interessenverwalter von Naturschutz, Landwirtschaft und Forsten, Landkreise und Gemeinden, aber auch Grundeigentümer, landwirtschaftliche Unternehmen oder Fremdenverkehrsverbände und - nicht zuletzt - interessierte Bürger arbeiten gemeinsam an ausgewogenen Lösungen für die einzelnen Grenzstreifenabschnitte.