
Am 13. August 1961 riegelten Volks- und Grenzpolizisten sowie Angehörige der Kampftruppen der DDR die Sektorengrenzen von Ostberlin nach Westberlin mit Stacheldraht ab. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit begannen in den darauffolgenden Tagen der Bau der Berliner Mauer und der Ausbau der innerdeutschen Grenze. Diese Grenze, die Deutschland bis zum 9. November 1989 teilen sollte, war kein antifaschistischer Schutzwall, wie es in der DDR-Propaganda verlogen hieß, sondern ein Todesstreifen, in dem mehr als 1.000 Menschen bei der Flucht aus der DDR ihr Leben verloren.
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht erinnerte an den Mauerbau vom 13. August 1961: „Wir dürfen auch 50 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer nicht vergessen, welchen tiefen Einschnitt dieser Schicksalstag für viele Familien in Deutschland bedeutete. Das rücksichtslose Vorhaben der endgültigen Teilung Deutschlands war Teil eines verzweifelten Plans des SED-Regimes, den Unrechtsstaat zu sichern und die Bürgerinnen und Bürger der DDR darin gefangen zu halten“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie wertete „den Mauerbau als Schlüsselsymbol für die Unterdrückung der Menschenrechte im Osten Deutschlands.“ Dabei verurteilte sie auch die „maßlose Rigorosität, mit der der damalige Regierungsapparat die Bevölkerung auf beiden Seiten vor vollendete Tatsachen stellte. Viele hatten keine andere Wahl, als sich von ihren Verwandten und Freunden zu trennen. Andere unternahmen verzweifelte Versuche, sich der Diktatur zu entziehen, viele davon bezahlten mit ihrem Leben.“
Die Ministerpräsidentin würdigte alle Maueropfer und ihre Hinterbliebenen. „Die Berliner Mauer und der gesamte Grenzstreifen waren 28 Jahre lang Orte des Grauens und der Menschenverachtung. Mindestens 1.000 Menschen bezahlten ihren Freiheitswunsch mit dem Leben, viele weitere wurden inhaftiert und schikaniert. 50 Jahre nach dem Mauerbau und 21 Jahre nach der Wiedervereinigung sind noch nicht alle Wunden der Teilung in Ost und West verheilt."„Die Aufarbeitung und Aufklärung über Zusammenhänge des Mauerbaus und der innerdeutschen Grenze sind die wichtigsten Mittel gegen das Vergessen“, betonte die Ministerpräsidentin. „Es ist daher besonders wichtig, dass wir für den Erhalt aller Gedenkstätten und Museen an den ehemaligen Grenzübergängen zu Bayern, Hessen und Niedersachsen Sorge tragen. Nur durch Authentizität und Anschaulichkeit kann gewährleistet werden, dass das historische Erbe der Nachkriegsjahre auch in Zukunft erhalten bleibt.“
Heute erinnern das Grenzlandmuseum Eichsfeld, das Grenzmuseum Schifflersgrund, das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth und die Gedenkstätte Point Alpha an der Thüringer Landesgrenze nach Niedersachsen, Hessen und Bayern an die Teilung des deutschen Vaterlandes. Die Grenzmuseen sind Lernorte der Geschichte. Hier können die Besucher unmittelbar erfahren, mit welchen Schikanen des SED-Regimes die Menschen im Sperrgebiet leben mussten. Dafür standen nicht nur Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Minenfelder.
Die Schikanen reichten bis hin zu Zwangsaussiedlungen und der Schleifung von ganzen Dörfern. Bereits im Mai und Juni 1952 kam es zur „Aktion Ungeziefer“ und im Oktober 1961 zur „Aktion Festigung“, die im Bezirk Erfurt den Namen „Aktion Kornblume“ trug. Bei beiden Aktionen wurden 11.000 bis 12.000 Menschen auf Befehl der SED-Machthaber zwangsumgesiedelt. Mehr als 3.000 Menschen gelang aber vor diesen Strafmaßnahmen die Flucht in den Westen und damit der Weg in die Freiheit. Am 2. Oktober 1961 flohen 16 Familien, 53 Bewohner, davon 21 Kinder, des Ortes Böseckendorf in das niedersächsische Immingerode. Bereits im Jahr 1952 konnten sieben Familien, insgesamt 34 Personen, vom thüringischen Billmuthausen nach Bayern fliehen. Danach wurde das Dorf systematisch Schritt für Schritt zerstört und 1978 endgültig geschleift.
Im Laufe der Jahre perfektionierte das DDR-Regime die Grenzanlagen. Von 1970 bis 1983 wurden auf einer Länge von 440 km Selbstschussanlagen vom Typ SM- 70 montiert. Der Grenzzaun existierte auf einer Länge von 870 km, 230 km davon waren zusätzlich mit Minenfeldern gesichert. Entlang der innerdeutschen Grenze standen mehr als 430 Beobachtungstürme.
Wer die Wahrheit über das DDR-Grenzregime aussprach, musste mit Repressalien, wie der ARD-Korrespondent Lothar Loewe, rechnen. Nach der Ausweisung von Wolf Biermann im Herbst 1976 waren die deutsch-deutschen Beziehungen auf einem Tiefpunkt angelangt. In einer Nachrichtensendung der ARD sagte Loewe: "Die Menschen in der DDR verspüren die politische Kursverschärfung ganz deutlich. Die Zahl der Verhaftungen aus politischen Gründen nimmt im ganzen Land zu. Ausreiseanträge von DDR-Bürgern werden immer häufiger in drohender Form abgelehnt. Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen." Diese offenen Worte brachten den erfahrenen Journalisten und einstigen Korrespondenten in Moskau und Washington den Entzug seiner Akkreditierung in der DDR ein. Die SED-Machthaber duldeten kein Rütteln an ihrer Grenzpolitik.
In der Nacht vom 17. zum 18. August 1989 griffen die Staatssicherheitsorgane zum letzten Mal in die Mottenkiste des kalten Krieges. Von Hessen aus wurde der Ort Wahlhausen mit einer Kleinkaliberwaffe beschossen. Dieser Grenzvorfall diente als Ablenkungsmanöver, weil längst Tausende DDR-Bürger über Prag, Warschau und Ungarn erfolgreich den Versuch unternahmen, in den Westen zu gelangen.
Die friedliche Revolution im Herbst 1989 brachte nach 28 Jahren nicht nur die Mauer zum Einsturz, sondern die Völker in Mittel- und Osteuropa zerrissen den Eisernen Vorhang. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Einheit, ist für alle Deutschen der wichtigste Satz unserer Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!“ Wirklichkeit geworden.
Hinweis: Erstmals wurden in Deutschland Orte mit zeitgeschichtlicher Bedeutung als europäisches Kulturerbe ausgezeichnet. Das EU-Kulturerbesiegel erhielten als Stätten des „Eisernen Vorhangs“ die Gedenkstätte „Point Alpha“, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth.
Die Fotos wurden thueringen.de freundlicherweise vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, vom Grenzmuseum Schifflersgrund, dem Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth, der Gedenkstätte Point Alpha und dem Förderverein "Gedenkstätte Billmuthausen" zur Verfügung gestellt.