
Blütenstand des Frauenschuhs
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Eine der attraktivsten Blütenpflanzen Thüringens ist zweifellos der Frauenschuh (Cypripedium calceolus).
Kaum eine andere Pflanze bringt eine Blüte von derart auffälliger Schönheit hervor. Als Orchidee ohnehin von besonderem
Reiz, hat der Frauenschuh schon immer Naturliebhaber begeistert und in seinen Bann gezogen.
Leider ist diese schöne Pflanze in unserer Heimat selten geworden. Ihr Verschwinden an vielen ehemaligen sowie der starke Rückgang an den noch aktuellen Wuchsorten in den letzten Jahrzehnten hat viele Ursachen. Die Kenntnis darüber ist wichtig für die Gestaltung von Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen, an deren Erfolg jedem Naturfreund gelegen sein sollte.
Die Verantwortung der Waldbesitzer ist hierbei groß, wächst doch der Frauenschuh bevorzugt in Wäldern.
Das vorliegende Merkblatt soll die wichtigsten Informationen rund um diese wundervolle Orchidee zusammenstellen. Für
Waldbesitzer, die im Rahmen der Bewirtschaftung ihres Waldes viel für den Erhalt des Frauenschuhs leisten können, soll es Anregungen geben.
Eine solch auffällige Pflanze wie der Frauenschuh ist in Thüringen unter vielen volkstümlichen Namen bekannt. Während Bezeichnungen wie Venus-, Herrgotts- und Jungfernschuh, Pantoffel- oder Holzschuhblume, Schlumpschuh, Ochsenbeutel, Schafsack, Schlotterhose oder Jungfernschön eher als Anspielung auf die eigenartige Blüte zu sehen sind, beziehen sich Namen wie Kuckucksblume, Maienschellen, Marien- oder Pfingstblume auf die Blütezeit.
Blick in die Kessefalle (Schuh)
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Der im späten Frühjahr blühende Frauenschuh gehört zu den sogenannten Kesselfallenblumen. An die große, gelbe pantoffelförmig ausgebildete Lippe angelockte Insekten rutschen ab und fallen in den Kessel.
Sandwespe während des Bestäubungsvorgangs
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Über zwei, durch lichtdurchlässige Stellen in der hinteren Pantoffelwand markierte, saftige Haartreppen (früher fälschlich als Futterhaare gedeutet) können die gefangenen Insekten jedoch wieder ins Freie entkommen, allerdings nicht ohne vorher dem Frauenschuh den wichtigen Dienst der Bestäubung zu erweisen:
Beim Verlassen des pantoffelförmigen Kessels streifen sie die Pollenpakete (Pollinien) ab, die in der nächsten Blüte beim gleichen Vorgang an der klebrigen Narbe angeheftet werden. Die Bestäubung erfolgt v. a. durch Sandbienen (Andrena spp.) und weitere kleine, kräftige Insekten.
Diese erdbewohnenden Insekten benötigen schütter bewachsene Rohbodenbereiche (Sand, sandiger Lehm, Schluff) in max. 500 m zum nächsten Frauenschuhvorkommen.
Die Fruchtreife dauert vier Monate. Nicht jede Blüte wird erfolgreich befruchtet, daher ist der Samenansatz mit 20-30% recht gering. Da jedoch in einer einzelnen Fruchtkapsel viele tausend keimfähige staubfeine Samen heranreifen, wird die geringe Bestäubungsrate leicht wieder ausgeglichen.
Zur Keimung und Entwicklung ist der Frauenschuh auf besondere Bodenpilze (Mykorrhiza) angewiesen, die erwachsene Pflanze lebt dagegen völlig selbständig.
Doch die Nachkommenschaft des Frauenschuhs braucht viel Zeit. Die Pflanzen beginnen meist erst nach acht bis zehnJahren zu blühen. Dafür können sie weit über zwanzig Jahre alt werden. Rhizome bleiben vermutlich über mehrere Jahreoder sogar Jahrzehnte austriebsfähig.
Übrigens - eine (illegale !) Entnahme von einem Wildstandort und Ansiedlung im heimischen Garten ist im allgemeinen wegen der besonderen Ansprüche der Pflanzen nicht erfolgreich, ein widerrechtliches und sinnloses Vorhaben also! Im Gartenhandel werden kulturfähige Sorten angeboten, die bei sachkundiger Pflege eher zur Blüte gebracht werden. Diese werden mit viel Aufwand aus Samen gezogen, die Naturbestände bleiben damit unberührt.
Frauenschuh im nicht blühenden Zustand
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Im blühenden Zustand ist der Frauenschuh wohl mit keiner anderen Pflanze zu verwechseln, zu typisch sind doch seine Blüten mit dem auffälligen zitronengelben „Schuh“. Sie erscheinen meist allein, manchmal aber auch zu zweit oder dritt an einem bis zu 70 cm hoch reichenden, mit 2 - 4 Blättern versehenden Stängel.
Schwieriger ist das Erkennen nicht blühender Pflanzen, obwohl die frisch grünen, bis zu 18 cm langen breitelliptischen, zugespitzten Blätter recht typisch sind. Sie weisen deutlich hervortretende Blattnerven auf und sind auf der Blattunterseite weich behaart.
Bei günstigen lichten Bedingungen bildet der Frauenschuh größere, blütenreiche Horste; häufig finden sich jedoch nur Einzelpflanzen. Dabei ist zu erwähnen, dass im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Orchideen ein Stängel nicht einer Pflanze entspricht.
Der Frauenschuh bildet Wurzelstöcke (Rhizome), aus denen bei günstigen Bedingungen mehrere Stängel treiben können.
Die Vorkommen des Frauenschuhs in Thüringen sind fast ausnahmslos auf kalkreichen Böden zu finden, sonst aber weisen sie eine große Biotopspanne auf: Die Pflanzen wachsen halbschattig in mäßig frischen, v. a. aber lichten Laubmisch- und Buchenwäldern, sowie - wie in Thüringen häufig der Fall - auf von Kiefer bestockten Kalkhängen. Nimmt allerdings die Beschattung durch die Waldbäume oder dichte Strauchvegetation zu, blüht er zunächst nicht mehr, die Pflanzen werden dann immer kleiner, um schließlich ganz auszubleiben. Andererseits darf die Sonneneinstrahlung des Tages auch nicht zu hoch werden.
Die Böden an manchen vom Frauenschuh besiedelten Waldbiotopen sind besonders im zeitigen Frühjahr frisch bis feucht und damit biologisch sehr aktiv. Während dieser Periode ist die Verfügbarkeit der Nährstoffe vergleichsweise hoch und so finden dann beim Frauenschuh auch die wichtigen Wachstumsprozesse statt. Von großer Bedeutung scheint dabei die Krümelstruktur (hohe Durchlüftung des Bodens) zu sein.
Der Frauenschuh besiedelt zerstreut große Teile Nord-, Mittel- und Osteuropas.
Die wichtigsten und größten Vorkommen Deutschlands finden sich in Baden-Württemberg, Bayern und vor allem in Thüringen. Berühmt sind insbesondere die noch reichen Vorkommen im Saale-Gebiet zwischen Rudolstadt und Jena sowie um Arnstadt und Meiningen. Weitere Vorkommen sind in der Hainleite sowie zerstreut im gesamten Kalkhügelland und im Zechsteingebiet bekannt. Thüringen trägt mit seinen Vorkommen eine außerordentlich starke Verantwortung für den Fortbestand dieser prächtigen Pflanze in unserer Kulturlandschaft.
Verbreitungskarte Thüringen (Korsch. et. All. 2002)
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Leider sind die Frauenschuhvorkommen vielerorts verschwunden. An etlichen verbliebenen Wuchsorten sind die Bestände zahlenmäßig stark zurückgegangen. Daher gilt in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern diese Art alsgefährdet oder stark gefährdet.
Leider zunehmend ein seltener Anblick: Aufblühender Frauenschuhhorst am optimalen Standort.
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Auch der Rückgang in Thüringen ist besorgniserregend:
Fast 60 % seiner ursprünglichen Verbreitungsfläche in Thüringen hat der Frauenschuh in den letzten hundert Jahren verloren ! So überrascht es nicht, dass er in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet und in der Roten Liste Thüringens als stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2) genannt wird.
Der Frauenschuh ist eine nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Art. Darüber hinaus ist er in Anhang A der EG-Verordnung zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens vermerkt sowie in der FFH-Richtlinie als Art von gemeinschaftlichem Interesse in den Anhängen 2 und 4 aufgeführt.
In der Gebietsmeldung Thüringens für das Schutzgebietsnetz ‚Natura 2000' sind eine Reihe von FFH-Gebieten enthalten, deren hauptsächliches Schutzziel die Erhaltung der Frauenschuhbestände beinhaltet. Das ‚Nichtverschlechterungsgebot' dieser Richtlinie wird hier häufig Maßnahmen (Managementpläne) für die Bestandesstabilisierung der Frauenschuhvorkommen erfordern.
Schwachwüchsige, nicht blühfähige Pflanzen an einem zu schattogen Standort
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Im Licht knospender Frauenschuh, unterstützt durch eine fachgerechte Waldbewirtschaftung
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Viele der derzeit noch in Thüringen vorhandenen Vorkommen leiden sehr an einer zu starken Beschattung durch Waldbäume und -sträucher. Auch Verfilzung in der Krautschicht hat Kümmerwachstum und ungenügende Keimmöglichkeit des Samens zur Folge.
Hier kann konkret geholfen werden. Als günstig für das Wachstum und die Blüte der Pflanzen hat sich ein lichtes Kronendach (Überschirmungsgrad nicht über 60 - 70 %) erwiesen. Eingriffe in den Gehölzbestand (v.a. Sträucher, Jungwuchs) sollten im Juli/ August erfolgen, weil in diesem Zeitraum einerseits die Frauenschuhpflanzen noch zu erkennen sind, andererseits die Bildung des neuen Triebes für die nächste Wuchsperiode bereits weitgehend abgeschlossen ist. Diese Arbeiten müssen in jedem Fall aber durch eingewiesenes Personal erfolgen, so dass die Wuchsorte geschont und Beeinträchtigungen der Pflanzen weitgehend vermeiden werden.
Halbschattige, lockere Bestockung - für den Frauenschuh die optimale Biotopstruktur
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Um einer negativen Veränderung der Wuchsorte vorzubeugen, kann eine Beräumung des anfallenden Astmaterials (insbesondere Kiefer) erforderlich sein. Geringe Mengen von Astmaterial können jedoch vor Wildverbiss schützend wirken.
Für den Erfolg der Pflegemaßnahme ist es wichtig, die Strauchschicht nicht außer Acht zu lassen. Je nachAusschlagsvermögen können mehrere sich wiederholende Eingriffe in die Strauchschicht notwendig sein.
An Wuchsorten mit gut entwickelter Baum- und Strauchschicht ist ein wirksamer Eingriff in die Strauchschicht häufigsinnvoller als der Eingriff in den Baumbestand. Durch das Beibehalten des vorhandenen Kronenschlussgrades kann dasAusschlagvermögen der Strauchschicht eingeschränkt werden, so dass das Ziel der stärkeren Belichtung
des Waldbodens trotzdem erreicht wird. Zu empfehlen ist in jedem Fall eine naturschutzfachliche Abstimmung.
Der stammholzeinschlag sollte in jedem Fall nur in den Wintermonaten und möglichst bei gefrorenem Boden erfolgen. Es kann zweckmäßig sein, dort wo der Frauenschuh vorkommt, die Wuchsorte in den Frühjahrs- oder Frühsommermonaten vorher zu markieren, um die Hiebsmaßnahmen möglichst schonend durchführen zu können.
Pflegemaßnahmen, die ausnahmsweise in der Krautschicht notwendig werden (z. B. Beseitigung des Grasfilzes mittels Freischneider), sollen erst nach der Samenreife im Herbst (Oktober) erfolgen.
Frauenschuhvorkommen am Waldrand oder an Wegerändern können fallweise auch durch den Einsatz von Mulchern lichtgestellt werden. Hierbei ist jedoch zu gewährleisten, dass an den direkten Wuchsorten der Pflanzen die obere Bodenschicht nicht beschädigt wird.
Literatur
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ANONYMUS (2000): Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom
21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) in Thüringen. Thüringer Staatsanzeiger 10(20): 1143-1206
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SCHULZE, M. (1894): Die Orchidaceen Deutschlands, Deutsch-Österreichs und der Schweiz. - Gera-Untermhaus: F. E. Köhler
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Weitergehende Fragen zur fachgereichten Waldbewirtschaftung in Thüringen bantworten Ihnen die Forstämter in Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden.
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