
Chronologie zur Geschichte des Hauses „Zum Güldenen Stern“
| 1572 | Errichtung des massiven dreigeschossigen Renaissancebürgerhauses durch den Waidhändler und Biereigen Daniel Lauenstein (Hauszeichentafel über dem Portal). Auf den drei Böden des hohen Spitzgiebeldaches, durch neun Gauben belichtet, wurde der Färberwaid zubereitet. Neben der Waidgerechtigkeit ruhte außerdem auf dem Haus das Brau- und Schankrecht. Im östlichen Seitenflügel des ersten Obergeschosses befindet sich heute noch eine 1572 eingerichtete Bohlenstube mit Fladertapete in floraler Ornamentik im Stil der Renaissance. | ||
| 1577 | lässt Daniel Lauenstein das Renaissancehaus und Biereigenhof „Zum Lauenstein“ in der Markgrafengasse, Ecke Marstallstraße errichten. Rechts oberhalb des Portals in der Markgrafengasse wurde ein prachtvolles Sandsteinrelief als Hauszeichentafel mit Wappen und Schrifttafel angebracht. | ||
| 1595 | Die beiden Häuser „Zum Güldenen Stern“ und „Zum Lauenstein“, die bis 1644 grundstücksmäßig zusammen gehörten, gehen in den Besitz der reichen Erfurter Waidhändlerfamilie Brand über. Konrad Brand hatte bereits 1587 das benachbarte Bürgerhaus „Zum Stolzen Knecht“ (östliches Eckgebäude der ehemaligen kurmainzischen Statthalterei, jetzt Thüringer Staatskanzlei) erworben. Die Wappen von Konrad Brand und seiner Gemahlin Christine Gehard zieren das Portal des rückwärtigen Komplexes in der Malzgasse. | ||
| 1605 | Im „Güldenen Stern“ ist das herzoglich-weimarische Geleitsamt untergebracht. | ||
| 1650 | erwirbt der königlich schwedische Feldkanzlei-Bedienstete Friedrich Ulrich Leo, der sich mit Martha Dorothea Brand, der Tochter des Konrad Brand, vermählte, das Haus „Zum Güldenen Stern“. | ||
| 1685 | Georg Friedrich Gudenus, Amtmann in Treffurt, gelangt in den Besitz beider Bürgerhäuser. Barocke Grisaille-Malerei auf Putz im linken Vorderraum des Erdgeschosses „Zum Güldenen Stern“. | ||
| 1720/1734 | Das Herzoghaus Sachsen-Weimar erwirbt die Häuser „Zum Güldenen Stern“ und „Zum Lauenstein“ und richtet sie für die Zwecke des Geleitsamtes ein. | ||
| 1734 | Gebäudeteile des Hauses „Zum Lauenstein“ und des alten Gasthofes „Zum Grünen Schilde“ (Marstallstraße, Ecke Malzgasse) wurden zu einem Marstall umgebaut und in der Hof- und Gartenanlage eine Reitbahn angelegt. | ||
| 1779 | Johann Wolfgang Goethe wird zum Direktor der Weimarer Wegebaukommission berufen und damit Obergeleitsmann in Erfurt. Bereits seit 1775 hielt sich Goethe auf Einladung des kurmainzischen Statthalters Carl Theodor Anton Maria Frh. von Dalberg in Erfurt auf, wo er an den berühmten Assembleen des Statthalters teilnahm. | ||
| 1823 | 3beantragt der Brauereibesitzer Matthias Büchner auf dem weiträumigen Gebäudekomplex eine Brauerei einzurichten, spätestens 1833 erwirbt er den umfangreichen Gebäudekomplex. | ||
| 1833 | Mit Bildung des Thüringischen Zoll- und Handelsvereins ist das großherzoglich-weimarische Zoll- und Geleitsregal abgelöst und das Geleitsamt in Erfurt aufgelöst. | ||
| 1870/1880 | Einrichtung einer Schankwirtschaft im „Güldenen Stern“ und eines Biergartens im Hinterhof. Gebäude und Schankwirtschaft werden „Haus Vaterland“ genannt. | ||
| 1900 | Brauerei Büchner wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, aus der 1920 die Riebeck Brauerei AG hervorging, gleichzeitig Umzug in die Straßburger Straße (heute Robert-Koch-Straße). | ||
| 1900 | Die Großeinkaufsgenossenschaft der Erfurter Kolonialwarenhändler wird neuer Eigentümer und Nutzer des gesamten Gebäudekomplexes. Die Gaststätte „Haus Vaterland“ wird großzügig erweitert und es werden zwei Vereinszimmer eingerichtet. | ||
| 1925 | Malermeister Walter Fernkorn versieht die Fassade von „Haus Vaterland“ mit einer leuchtend gelbroten Farbe und erregt damit viel Aufsehen. | ||
| 1930 | Die Decke der Humanistenstube wird von dem Malermeister Richard Hollbach und dem Kustmaler Otto Knöpfer mit historischen Szenen über die Erfurter Küchendörfer versehen. Die Schankstube wird mit dekorativen Malereien zum Geleitswesen und mit dem Erfurter Stadtwappen ausgestattet. | ||
| 2000/2002 | Umfassende Sanierung und Rekonstruktion des gesamten Gebäudekomplexes mit dem ehemaligen Bürgerhaus und weimarischen Geleitshof „Zum Güldenen Stern“, einschließlich der einstiegen Räumlichkeiten der Gaststätte „Haus Vaterland“. | ||
| 2002 | Übergabe als Bestandteil der Thüringer Staatskanzlei; im Erdgeschoss des Hauses zum Güldenen Stern befindet sich seit September 2002 das Europäische Informations-Zentrum Thüringen. |
Zum Tag des öffentlichen Denkmals im September werden Führungen durch die Staatskanzlei und das Haus „Zum Güldenen Stern“ durchgeführt.
Autor dieser Chronologie: Walter Blaha