
I. Entstehung der Partnerschaft Thüringen - Picardie
| 1991 | Vertreter der Thüringer Landesregierung führen erste Gespräche mit der französischen Botschaft in Bonn und dem Französischen Generalkonsulat in Leipzig über eine mögliche Partnerschaft mit einer Region in Frankreich. | |
| 1992 | Das Thüringer Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten wird geschaffen und übernimmt die Aufgabe, eine Partnerregion in Frankreich für Thüringen zu finden. | |
| 1993 | Das Kabinett der Thüringer Landesregierung beschließt am 15. September 1993 den Aufbau konkreter Partnerschaften des Landes Thüringen mit ausländischen Regionen, darunter mit der französischen Region Picardie und der englische Grafschaft Essex. Im Thüringer Landtag wird am 25. November 1993 auf Antrag der CDU-Fraktion die Landesregierung aufgefordert, mit der französischen Region Picardie noch in dieser Legislaturperiode eine offizielle Partnerschaft abzuschließen und dabei die englische Grafschaft Essex mit Blick auf eine anzustrebende Dreierpartnerschaft einzubeziehen. | |
| 1994 | Am 26. Juli 1994 unterzeichnen der Thüringer Ministerpräsident, Dr. Bernhard Vogel, der Präsident der Region Picardie, Charles Baur und der Präsident des Grafschaftsrates Essex, Tom Dale, die "Erfurter Erklärung über Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Thüringen, der Region Picardie und der Grafschaft Essex". Damit sind die offiziellen Grundlagen zur Dreierpartnerschaft zwischen Thüringen, der Picardie und Essex geschaffen. |
II. Allgemeine Charakteristik der Region Picardie
Geographische Lage der Picardie:
Die Picardie liegt im Nordwesten Frankreichs und ist von Paris in ca. 1 Std. mit dem Auto erreichbar. Es bestehen günstige Verkehrsverbindungen (Straße, Schiene, Luft, Kanaltunnel bzw. Fähre) in die europäischen Metropolen (z.B. London 2,5 Std., Brüssel 1,5 Std.).
Sie grenzt an die Regionen Nord-Pas-de-Calais, Champagne-Ardenne, Ile-de-France und Haute-Normandie sowie an Belgien und den Atlantik.
Die Hauptstadt der Region ist Amiens. Die Picardie hat eine Fläche von 19.399 km² und 1,8 Mio. Einwohner. Sie umfaßt die Departements Somme (Präfektur Amiens, 547.000 Einwohner), Aisne (Präfektur Laon, 536.500 Einwohner) und Oise (Präfektur Beauvais, 724.000 Einwohner).
Die bedeutendsten Städte der Picardie sind:
| Amiens | 132.000 Einwohner | |
| Saint-Quentin | 61.000 Einwohner | |
| Beauvais | 54.000 Einwohner | |
| Compiégne | 42.000 Einwohner |
Die Wirtschaft der Picardie:
Die Hauptsektoren der Wirtschaft in der Picardie:
Die erwerbsfähige Bevölkerung umfaßt 744.000 Menschen. Die Arbeitslosenrate von 11,5 % liegt leicht über dem französischen Durchschnitt von 10,6 %. In der Picardie sind 9,2 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft, 40,7 % in der Industrie und 50,1 % im Dienstleistungsbereich tätig.
Das Durchschnittseinkommen in der Picardie liegt bei 89 % des Landesdurchschnitts, sie gehört damit zu den vier einkommensschwächsten Regionen Frankreichs. Auch der Anteil von Beschäftigten mit Diplomabschluß an der picardischen Bevölkerung liegt mit 10,6 % unter dem französischen Durchschnitt von 14,2 %.
Branchen- und Beschäftigungsstruktur der Picardie:
| Branche | Beschäftigte | Unternehmen | ||
| Metallverarbeitung | 16.000 | 285 | ||
| Schwermaschinenbau | 10.500 | 163 | ||
| Nahrungsmittelindustrie, Milch- und Fleischerzeugung | 19.100 | 198 | ||
| Textilindustrie | 12.000 | 120 | ||
| Bekleidungsindustrie | 6.000 | 104 | ||
| Grundstoffchemie, Gummi-, Kunststoff- und Kunstfaserproduktion | 20.500 | 161 | ||
| Elektro- und Elektronikproduktion | 5.000 | 56 | ||
| Papier- und Verpackungsmittelindustrie | 5.400 | 54 | ||
| Pharmazeutische Industrie | 6.600 | 40 | ||
| Metallerzeugung und Halbzeugherstellung | 10.700 | 58 | ||
| Maschinenbau | 5.000 | 38 | ||
| Landmaschinenbau | 2.800 | 30 | ||
| Glasindustrie | 3.500 | 23 |
Die Picardie belegt innerhalb der Regionen Frankreichs den ersten Platz bei der Produktion von Zucker, Kartoffeln und Erbsen sowie Dosen- und Gefriergemüsekonserven und diätischen Lebensmitteln. Aus der Picardie kommen 25 % der landwirtschaftlichen Exporte Frankreichs. In der Produktion von Gebäck, Getreide und Fertiggerichten liegt die Picardie in der französischen Statistik auf Platz zwei.
In der Picardie haben sich mehr als 250 nichtfranzösische Firmen niedergelassen. In diesen Firmen finden mehr als 30 % der picardischen Erwerbstätigen Beschäftigung. An deutschen Firmen unterhalten die BASF, die Fichtel & Sachs AG, Hoechst und Bayer Produktionsstätten in der Picardie.
In der Picardie arbeiten 350 Forschungslabors mit mehr als 3.500 Beschäftigten an den Schwerpunktthemen Biotechnologie, organische Chemie, neue Werkstoffe, elektronische Datenverarbeitung und Produktionstechnologie. Die Picardie gehört zu den vier Regionen Frankreichs in denen der Beitrag der Industrie zum wertmäßigen Wirtschaftswachstum mehr als 45 % beträgt. Die stärksten Industriestandorte liegen in Amiens und Compiègne.
Touristik und Kultur:
Die Tourismusgebiete der Picardie konzentrieren sich an der Kanalküste und in den Wäldern im Süden der Region, wo an der Grenze zur Champagne auch Weinbau betrieben wird. Neben Segeln, Surfen, Bootstouren, Reit- und Wandertouristik kann der Urlauber auch eine Vielzahl von historischen Sehenswürdigkeiten besichtigen. Besonders die Gotik hat in der Picardie ihre Spuren hinterlassen. Neben mehreren befestigten Kirchen und Burgen gibt sechs bedeutende Kathedralen. Die Kathedrale von Amiens ist mit 145 Metern Länge die größte Frankreichs. Jährlich wird ein Festival der Kathedralen veranstaltet. Die Picardie unterhält ein eigenes Sinfonieorchester und mit der Comedie de Picardie ein eigenes Schauspielhaus.
III. Politische Gliederung der Region Picardie
Der Aufbau der Regionalverwaltung der Picardie:
Die Regionen Frankreichs sind eigenständige Gebietskörperschaften, deren Vertretung, der Regionalrat in allgemeiner und direkter Wahl gewählt wird. Die Exekutivgewalt liegt beim Präsidenten des Regionalrates, die Rechtsaufsicht wird von einem Repräsentanten der Zentralregierung (commisaire de la République de région) ausgeübt. Die Regionen haben im wesentlichen leitende Funktionen in den Bereichen Wirtschaft, Naturschutz, Berufsbildung und gymnasiales Schulwesen. Sie erstellen die regionalen und wirken bei der Erstellung der nationalen Wirtschaftspläne mit. Sie können Verträge zur Durchführung von regionalen Entwicklungs- und Infrastrukturmaßnahmen schließen, sind für die Kanäle und Binnenhäfen zuständig und erstellen einen Regionalplan für das Transportwesen. Ihnen steht eine Vielzahl von staatlichen Zuschüssen für die wirtschaftliche Entwicklung, die Ansiedlung von Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung.
Der Regionalrat verfügt über eine eigene Verwaltung mit ca. 260 Mitarbeitern, die wie folgt gegliedert ist:
| Cabinet du Président | Büro des Präsidenten | |
| Direction Générale des Services | Direktion für Grundsatzfragen | |
| Service Juridique | Rechtsabteilung | |
| Service des Affairs Européennes | Europaabteilung | |
| Direction de la Communication | Direktion für Öffentlichkeitsarbeit | |
| Direction de la Formation Continue et de l´Apprentissage | Direktion für berufliche Aus- und Weiterbildung | |
| Direction de la Construction | Direktion für Bauwesen | |
| Direction de l´Education | Direktion für Bildung | |
| Agence Régionale de Développement | Agentur für Regionalentwicklung | |
| Direction de l´Aménagement | Direktion für Raumordnung | |
| Direction de l´Enseignement Supérieur et de la Recherche | Direktion für Hochschulen, Wissenschaft und Forschung | |
| Direction des Affaires Administratives et Financières | Allgemeine Verwaltung | |
| Direction Informatique | EDV-Abteilung | |
| Service Culturel | Kulturabteilung |