Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Ausländerbeauftragte der Thüringer Landesregierung

Inhalt

Preisverleihung

Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen"

Die Ausländerbeauftragte Petra Heß hält die Laudatio

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Anlass, zu dem wir uns heute zusammengefunden haben, ist ein ganz besonderer: Das Projekt "Sprach- und Kulturmittler" für den Bildungs-, Sozial und Gesundheitsbereich ist Preisträger im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen".

Ich gratuliere von Herzen zu dieser hochverdienten Auszeichnung! Es freut mich ungemein, dass wir einen so hervorragenden Preisträger gefunden haben!

Das Projekt Sprach- und Kulturmittler ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (GmbH) – einer Tochter der Arbeiterwohlfahrt - und dem Verein refugio Thüringen. Mit der Auszeichnung wird das Projekt zum „Ausgewählter Ort 2011“ im Land der Ideen und damit Preisträger des Wettbewerbes „365 Orte im Land der Ideen“, ein Wettbewerb der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ in Kooperation mit der Deutschen Bank.

Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten rückt der Wettbewerb Ideen und Projekte in den Mittelpunkt, die die Zukunft Deutschlands aktiv gestalten. Als „Ausgewählter Ort“ sind der Verein refugio und das Institut Berufsbildung und Sozialmanagement (GmbH) 2011 Botschafter für das Land der Ideen und repräsentieren somit das Innovationspotenzial Deutschlands.

Nun ein Wort zum Projekt selbst: Professionelle Sprach – und Kulturmittler bauen Sprachbarrieren ab und unterstützen somit die interkulturelle Kommunikation im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich. Hauptziele des Projekts sind:

- die Qualifizierung von Flüchtlingen und Migranten zu Sprach- und KulturmittlerInnen im Bildungs-, Sozial-, und Gesundheitsbereich;

- der Aufbau eines Pools von qualifizierten Sprach- und KulturmittlerInnen, der auf die Nachfragen des Bildungs-, Sozial-, und Gesundheitsbereich in Thüringen zügig reagieren kann;

- eine bessere bzw. überhaupt eine angemessene soziale und gesundheitliche Versorgung für Flüchtlinge und Migranten ermöglichen, die die deutsche Sprache unzureichend beherrschen;

- Netzwerkaufbau und Ausweitung von Mulitiplikatoren im Bereich Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen und Migranten;

- Senkung der Kosten im Sozial- und Gesundheitssystem (durch gelingende Kommunikation) und Erhöhung der Chancen einer angemessenen Versorgung für Flüchtlinge und Migranten;

- Verstärkung der Möglichkeiten der Integrationsfähigkeit und der tatsächlichen Integration der Weitergebildeten in den Arbeitsmarkt;

- Erweiterung der Kompetenzen der Behandelnden und der Qualifizierten.


Sehr geehrte Damen und Herren,

unabdingbare Voraussetzung für die Integration ausländischer Mitbürger ist der Spracherwerb.

Es ist sicher nicht richtig, wenn der türkische Ministerpräsident seine hier in Deutschland lebenden Mitbürger bei einem Besuch dazu auffordert, zunächst die Muttersprache und dann erst Deutsch zu erlernen.

Es ist aber auch nicht richtig, wenn ein Ministerpräsident bei seiner bierseligen Aschermittwochsrede sagt, er werde sich in der Berliner Koalition “bis zur letzten Patrone” dagegen wehren, dass “wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bekommen”. Ich halte diese Äußerung des Parteivorsitzenden der CSU für eine ungeheuerliche Entgleisung! Mit der Metaphorik des bewaffneten Kampfes gegen Einwanderung Stimmung zu machen, bedeutet eine sprachliche Eskalation, die ihresgleichen sucht.

Äußerungen wie die genannten sind der Sache nicht dienlich und drohen diejenigen, die sich für ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Nationen in diesem Lande engagieren, um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen. Für die Menschen, die sich tagtäglich darum bemühen, Barrieren abzubauen, und die im Gegensatz zu solchen Festzeltrednern nahe dran sind an den Problemen, sind solche Sätze ein Schlag ins Gesicht!

Es ist darum nur gut, dass es Preise gibt wie den, der heute an Sie verliehen wird. Preise, die somit wieder einen gewissen Ausgleich darstellen!

Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes Sprach- und Kulturmittler, machen sich um die Menschen in unserem Land verdient! Sie stellen Ihre tägliche Arbeit in den Dienst derer, die hin und wieder Gefahr laufen, grundlos ausgegrenzt zu werden!

Wenn andere von Integration nur reden, so leisten Sie sie!

Sie leisten Ihre wichtige Arbeit aber nicht nur für die, die zu uns kommen, sondern auch für diejenigen, die die Ersteren oft mit einer gewissen Skepsis betrachten! Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie Barrieren niederreißen und die Menschen zueinander führen!

Als Ausländerbeauftragte des Landes Thüringen danke ich Ihnen ausdrücklich für dieses Engagement und ich hoffe, dass Ihr Elan auch in Zukunft ungebrochen bleiben möge. Was ich persönlich tun kann, um Sie in Ihrer Arbeit weiterhin zu unterstützen, werde ich tun!

Wir sind heute sehr stolz auf unsere Preisträger!

Gewiss: Ein deutsches Sprichwort sagt: Vom Schatten und vom Lob wird man weder größer noch kleiner.

Mir ist durchaus klar, dass Sie Ihre wichtige Aufgabe nicht um des Lobes willen tun.

Mir ist ebenfalls klar, dass die Auszeichnung für Ihre tägliche Arbeit kaum Bedeutung hat.

Allerdings geht es bei der heutigen Veranstaltung vielleicht auch weniger um Sie, sondern um uns, die Gesellschaft! Wir fühlen nämlich, dass wir in Ihrer Schuld stehen.

Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: „Gerechtes Lob ist nur eine Schuld“.

Ja, wir alle sind Ihnen einiges schuldig, und um ein wenig von dieser Schuld abzutragen, werden Sie heute als Preisträger im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet!

Ich gratuliere Ihnen dazu von ganzem Herzen und wünsche Ihnen weiterhin eine glückliche Hand bei der Bewältigung Ihrer verantwortungsvollen Aufgabe!